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Caroline Bernard - Rendezvous im Café de Flore

Rendezvous im Café de Flore

4.5 von 5 Sternen bei 11 Bewertungen

Verlag: Aufbau Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 432

ISBN: 9783746632711

Termin: November 2016

Klappentext / Inhaltsangabe: Die Liebenden von Montparnasse. Paris, 1928: Vianne träumt davon, Botanikerin zu werden – im renommierten Jardin des Plantes. Als sie sich in den aufstrebenden Maler David verliebt und mit ihm in das schillernde Bohème-Leben der französischen Avantgarde eintaucht, scheint ihr Glück perfekt. Doch dann nimmt ihr Leben eine tragische Wendung … Jahrzehnte später steht Marlène im Musée d´Orsay vor dem Bild einer Frau, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Fasziniert von der Ausstrahlung der Fremden, begibt sich Marlène auf die Suche, bei der sie nach und nach ihr Leben verändern wird. Bewegend, sinnlich und très français – die Geschichte zweier starker Frauen vor der Kulisse einer atemberaubenden Metropole.
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  • 20er Jahre Frankreich. Vianne Renard interessierte sich schon als junges Mädchen für Pflanzen und hat den großen Wunsch, Botanikerin zu werden und in Paris am berühmten Jardin des Plantes zu arbeiten. Doch ihre Eltern erziehen sie streng, so dass sie eines Tages heimlich aus dieser Welt ausbricht und sich als 15-jährige allein auf den Weg nach Paris macht. Dort hat sie glücklicherweise sofort in Clothilde eine Freundin, mit der sie ihre Unterkunft teilt und durch die sie auch einen Job als Wäscherin ergattert, um sich über Wasser zu halten. An ein Studium ist erst einmal nicht zu denken. Eines Tages begegnet sie in dem Maler David Scott ihrer großen Liebe. Vianne muss auf vieles verzichten, um ein Leben mit ihm führen zu können. Doch dann werden sie getrennt…


    Frankreich Gegenwart. Um ihren 10. Hochzeitstag zu feiern, hat Jean-Louis für seine Frau Marlène eine Reise nach Paris organisiert, denn diese hat dort vor Jahren ihr Studium begonnen und seitdem eine große Liebe zu dieser Stadt. Aber schnell stellt sich heraus, dass die Interessen von Jean-Louis und Marlène völlig unterschiedlich sind und die wenigen Tage in Paris für beide zur Tortur werden. Schon lange kriselt es in ihrer Beziehung, deshalb kommt es immer wieder zu heftigen Streitigkeiten. Als Marlène allein das Musée d’Orsey durchstreift, steht sie plötzlich vor einem Gemälde und schaut einer Frau ins Gesicht, die ein Abbild ihrer selbst ist. Wie kann das möglich sein? Wer ist diese Frau, gehört sie womöglich zu ihrer Familie? Marlène ist fest entschlossen, dieses Geheimnis zu lüften, sehr zum Ärger von Jean-Louis.


    Caroline Bernard hat mit ihrem Buch „Rendezvous im Café de Flore“ einen wunderschönen unterhaltsamen und teilhistorischen Roman vorgelegt. Der Schreibstil ist herrlich flüssig, schon bald lässt sich der Leser in die französische Hauptstadt Paris entführen, die Stadt der Liebe. Die Örtlichkeiten sind so wunderbar bildhaft und detailliert beschrieben, dass der Leser fast blind durch die Gassen und Boulevards streifen kann und dabei all die Sehenswürdigkeiten mitnimmt, die diese wunderschöne Stadt zu bieten hat. Die Handlung wird in zwei Ebenen erzählt, der eine handelt von Vianne und ihrem Leben in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, der andere lässt den Leser am gegenwärtigen Leben von Marlène teilhaben. Die historischen Details über den französischen Widerstand zu Kriegszeiten, die botanischen Sammlungen des Jardin des Plantes und auch über die Künstlergemeinschaft im damaligen Paris hat die Autorin gut recherchiert und wunderbar mit ihrer Handlung verwoben.


    Die Charaktere sind liebevoll in Szene gesetzt, wirken mit ihren Eigenheiten sehr lebendig und authentisch. Der Leser bekommt die ganze Palette der Emotionen und Gedanken der Protagonisten hautnah mit. Vianne ist eine mutige junge Frau, die sich für ihren Traum ins Ungewisse stürzt und sich für nichts zu schade ist. Dabei hat sie ein einnehmendes Wesen und ist abenteuerlustig und neugierig. Allerdings hat sie auch einen Hang zur Selbstaufgabe, um es anderen recht zu machen und stellt damit ihre eigenen Wünsche hinter die von anderen, die sie liebt. Marlène hat eine ähnliche Veranlagung, sie ist ebenso auf Harmonie bedacht, vergisst allerdings dabei ihre eigenen Sehnsüchte und Träume. Allerdings fehlt ihr bisher der Mut, aus diesem Kreislauf auszubrechen und endlich ihre Pläne in Angriff zu nehmen. Erst als sie merkt, dass sie nicht glücklich ist und ihr was fehlt, ist sie bereit, diesen Zustand zu ändern. David ist eine schillernde Persönlichkeit und kommt aus reichem Hause. Allerdings hat er sein Leben der Kunst verschrieben und ordnet seiner Malerei alles unter. So wirkt er oft egoistisch und selbstverliebt, obwohl er durchaus in der Lage ist, jemanden zu lieben. Etienne ist ein sehr sympathischer Mann, der sich ein Gefühl von Romantik bewahrt hat. Er ist intelligent, vielseitig interessiert und ist sich seines Charmes gar nicht bewusst. Jean-Louis ist ein selbstsüchtiger und egoistischer Mann, der gar nicht auf seine Frau eingeht, es wirkt fast so, als wäre sie ihm egal.


    „Rendezvous im Café de Flore“ ist ein sehr anrührender und emotionaler Roman, der mit einer wunderschönen historischen Geschichte besticht, aber auch mit der Gegenwart sehr gut zu unterhalten weiß. Ein wunderbares Buch über die Entwicklung zweier Frauenschicksale, deren Verfolgung einfach eine Freude ist. Absolute Leseempfehlung!


    Wunderbare :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: .

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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    SUB: ca. 1.800 / gelesen 2019: 367/ 143788 Seiten

  • Klappentext von der Verlagsseite:


    Die Liebenden von Montparnasse.


    Paris, 1928: Vianne träumt davon, Botanikerin zu werden – im renommierten Jardin des Plantes. Als sie sich in den aufstrebenden Maler David verliebt und mit ihm in das schillernde Bohème-Leben der französischen Avantgarde eintaucht, scheint ihr Glück perfekt. Doch dann nimmt ihr Leben eine tragische Wendung … Jahrzehnte später steht Marlène im Musée d´Orsay vor dem Bild einer Frau, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Fasziniert von der Ausstrahlung der Fremden, begibt sich Marlène auf die Suche, bei der sie nach und nach ihr Leben verändern wird.


    Bewegend, sinnlich und très français – die Geschichte zweier starker Frauen vor der Kulisse einer atemberaubenden Metropole.

    Autoreninfo von der Verlagsseite:
    Caroline Bernard ist Literaturwissenschaftlerin und wurde 1961 in Hamburg geboren. Noch vor dem Abitur machte sie ihre erste Reise nach Paris und verlor ihr Herz an die Stadt. Es folgten längere Aufenthalte als Au-pair, als Sprachschülerin und Stipendiatin. Heute sind Reisen nach Paris, in die Provence oder in die Normandie aus ihrem Leben nicht wegzudenken. Caroline Bernard lebt als freie Autorin in der Nähe von Hamburg. „Rendezvous im Café de Flore“ ist nicht ihr erster Roman.


    Erster Satz:


    Viannes Kindheit endete an einem sonnigen Nachmittag im Sommer 1926.


    Cover und Aufbau:


    Das Cover ist im zarten Sepiaton gehalten. Eine Frau im blauen Kleid schlendert an einem Café vorbei in Richtung Arc de Triomphe. Die Titelschrift ist in einem lila dargestellt. Sehr ansprechend ist nicht nur dies, sondern auch die Gestaltung des Klappeneinbands. Im vorderen Klappeneinband findet man eine Karte von Paris mit einer eingezeichneten Route. Im hinteren Einband findet man ein Foto vom Café de Flore.
    „Rendezvous im Café de Flore“ von Caroline Bernard umfasst neben Prolog und Epilog vierzig Kapitel, dazu gibt es noch historische Hintergründe.
    Erzählt wird der Handlungsstrang von Vianne in der dritten Person und der von Marléne aus der Ich-Erzählerperspektive.
    Sowohl das Cover als auch der Aufbau sind für mich sehr passend. Gerade die distanziertere Perspektive für den historischen Teil um Vianne ist passend. Durch die Ich-Erzählerperspektive bei Marléne, kommt ihr Wesen und ihre Stimmungslage viel besser zur Geltung.


    Meinung:


    Caroline Bernard führt uns direkt zweimal nach Paris. Beim ersten Mal entdecken wir Paris mit Vianne, einem fünfzehnjährigen Mädchen, das am liebsten Botanikerin im Jardin de Plants in Paris würde, aber leider bei streng konservativen Eltern zur Zeit der Belle Epoque aufwächst. Zusammen mit Marléne entdecken wir Paris in der heutigen Zeit, sie ist mit Jean-Louis verheiratet und feiert in Paris den zehnten Hochzeitstag, einer nicht glücklichen Ehe.


    Im Wechsel zwischen Vianne und Marléne lernen wir Paris kennen und Caroline Bernard gelingt es das Flair von Paris mit ihrem Schreibstil einzufangen. Das Flair der Belle Epoque und auch das Flair des heutigen Paris.


    Lernen wir mit Vianne zunächst das Paris der ausgehenden zwanziger Jahre kennen und ihre Entbehrungsreiche Zeit nach ihrem Weggehen von der heimatlichen Provinz im Süden Frankreichs. Vianne findet in Clothilde schnell eine Freundin und gemeinsam arbeiten sie als Wäscherinnen in Paris. Eine harte Arbeit, die ihr aber ihre Existenz in Paris sichert. Auf ihren Streifzügen begleiten wir sie durch Paris entlang der Seine, dem Montmatre, der Sacre Coeur und natürlich in den Jardin des Plantes. Der Ort an dem Vianne am liebsten arbeiten würde.
    Beim Fest der Wäscherinnen lernt sie den jungen englischen Maler David Scott kennen und lieben. Er ist aus gutem Haus, einziger Sohn eines Fabrikbesitzers und versucht sich im Paris der 20er Jahre als Maler. Neben Größen wie Picasso, Matisse und Chagall hat er es schwer. Wie Künstler so sind ist er auch exzentrisch, das tut allerdings Viannes Liebe keinen Abbruch und manchmal habe ich mir so gedacht, dass sie ihn ändern will, was ihr allerdings nicht gelingt.
    Durch David Scott lernt sie auch den künftigen Direktor des Jardin de Plantes kennen und vielleicht erfüllt sich ja ihr Lebenstraum von der Arbeit als Botanikerin.


    Ein anderes Bild von Paris begegnen wir zusammen mit Marléne, die in einer unglücklichen Ehe mit Jean-Louis gefangen ist, und ihren zehnten Hochzeitstag in Paris verbringt. Sie hat dort schon an der Sorbonne studiert, aber ihr Studium nicht beendet, da ihre Mutter krank wurde. Wieder zu Hause in Südfrankreich lernt sie nach einer unglücklichen Liebe Jean-Louis kennen und bleibt schließlich dort. Gefangen in einem Beruf, den sie nicht liebt, in einer Ehe, in denen sich beide nichts mehr zu sagen, denn zu unterschiedlich sind ihre Wesen und mit sich hadernd über ihr Leben und den verpassten Chancen reisen sie nach Paris in die Stadt der Liebe. Was ein Neuanfang für ihre Ehe werden soll, endet in einem Desaster. Zumindest was die Ehe betrifft, aber nicht was Marlénes Leben angeht.
    Nach einem heftigen Streit am Hochzeitstag gehen sie just an dem Tag getrennte Wege, während Jean-Louis mit einer sehr guten Bekannten auf der Oldtimerautomesse weilt, geht Marléne ins Museum d’Orsay. Dort entdeckt sie sich auf einem Gemälde wieder. Sprachlos und überrascht betrachtet sie es und kommt zu der Erkenntnis, dass es eine Verwandte von ihr sein muss. Aber wer? Denn eine weibliche Verwandte von ihr hat nie in Paris gelebt? Oder gibt es in ihrer Familie ein Geheimnis? Zusammen mit dem Auktionator Etienne, der sie auf die gemeinsame Unverwechselbarkeit zwischen der Frau auf dem Gemälde und ihr anspricht, macht sie sich auf die Suche nach der unbekannten Frau.


    Caroline Bernards „Rendezvous im Café de Flore“ lebt von der Lebendigkeit der Charaktere und dem Flair von Paris. Sie hat es ohne weiteres geschafft mich sowohl ins Paris der Belle Epoque mit seinen Künstlern in Montmartre und Montparnasse zu entführen als auch in das Paris der Jetztzeit. Ich habe das Gefühl an der Seine entlang zu spazieren, mit Marléne und Etienne auf den Spuren ihrer Ahnin zu wandeln, in einer Boulangerie ein Baguette zu kaufen oder auf den Blumenmärkten um die Sacre Coeur den Duft der Vielzahl von Blumen zu riechen. Ebenso bildhaft kann ich mir den Jardin des Plantes und das Café de Flore vorstellen. Caroline Bernard beschreibt Paris so bildhaft als wäre ich da und ich habe immer wieder das Gefühl auf der Pontes des Arts zu stehen und die Liebesschlösser an dem Geländer zu betrachten oder mit Vianne und David in den Bars von Paris unterwegs zu sein.


    Neben dem ganzen Flair besticht der teilhistorische Roman auch durch seien Charaktere. Vor allem Vianne und Marléne waren mir von der ersten Zeile an sympathisch. Zwei tolle Frauen.
    Vianne ist mutig und neugierig. Sie sieht es nicht ein, dass Leben ihrer Mutter führen zu sollen, nur weil sie ein Mädchen ist. Sie will in die Welt hinaus und wagt schon im Teenageralter den Absprung nach Paris. So kämpferisch wie sie ist, hat sie aber auch die Fähigkeit sich auf andere einzulassen. Zu Beginn ihrer Beziehung zu David ist sie noch verunsichert und zurückhaltend, das ich auf ihr jugendliches Alter schiebe. So tough wie sie ist, nimmt sie sich im Hinblick auf David sehr zurück und stellt ihre Interessen hintenan. Womit sie auch oft hadert.
    David ist exzentrisch und eigenbrötlerisch. Seine Malerei steht für ihn an erster Stelle und danach kommt lange Zeit nichts. Erst dann Vianne, dennoch ist er in der Lage zu lieben, was manchmal etwas eigenartig und befremdlich rüber kommt. Vor allen dann, wenn er erst Vianne wegstößt und danach ängstlich kauernd vor ihr sitzt, aus Angst das sie ihn verlassen könnte.


    Marléne ist ein bisschen wie Vianne, aber im Gegensatz zu ihr lebt sie ihre Träume und Sehnsüchte nicht. Harmonie geht ihr über alles und vor allen vor ihren eigenen Wünschen. So lässt sie sich viel von ihrem Mann Jean-Louis gefallen, der sie lieblos behandelt und erst in Paris und durch das Gemälde findet sie den Mut ihre Wünsche zu realisieren.
    Jean-Louis, oh ja Jean-Louis, selten war mir ein Charakter so zu Wider, wie dieser. Ein Ekelpaket höchster Güte. Marléne ist seine Frau und hat sich so zu benehmen, wie es für ihn angenehm ist. Was er sagt und tut ist Gesetz. Er verhält sich lieblos ihr gegenüber, macht ihr Paris mies, verunglimpft sie am Telefon und benimmt sich egal in welcher Situation wie ein Kotzbrocken. Bis zum Ende habe ich keine einzige gute Seite an ihm gefunden.
    Ganz der Gegenpart dazu ist Etienne. Er ist ein weltoffener, romantischer und vielseitig interessierter Mann. Mit ihm kann Marléne reden und er tut ihr gut.


    Der Großteil von „Rendezvous im Café de Flore“ erzählt von den beiden Liebesgeschichten, die mehr als nur den Rahmen des Buches ausmachen. Ein kleiner Teil erzählt aber auch von Frankreich im Zweiten Weltkrieg von der Résistance. Auch der historische Teil ist sehr gut dargestellt und oft lief mir ein Schauder über den Rücken.


    Fazit


    „Rendezvous im Café de Flore“ ist ein wundervoller kurzweiliger Roman über Paris. Mit jeder Zeile habe ich gemerkt wie sehr Caroline Bernard die Stadt verehrt und ihr Roman ist eine Hommage an diese wundervolle Stadt. Eingebettet in einem historischen Hintergrund hat sie die Lebensgeschichte von zwei Frauen, die sich nie begegnet sind, aber so unheimlich viel gemeinsam haben. Ein wundervoller Roman über Paris, die Liebe und die Selbstbestimmung. Absolut lesenswert!


    Bewertung


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Liebe Grüße von der buechereule :winken:

    Im Lesesessel

    Kein Schiff trägt uns besser in ferne Länder als ein Buch!
    (Emily Dickinson)


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