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Isabel Allende - Die Insel unter dem Meer / La isla bajo el mar

Die Insel unter dem Meer

3.9 von 5 Sternen bei 9 Bewertungen

Verlag: Suhrkamp Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 552

ISBN: 9783518462904

Termin: November 2011

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  • Der Klappentext:


    Die Mulattin Zarité, genannt Tété, ist erst neun Jahre alt, als der junge Plantagenbesitzer Toulouse Valmorain sie als Dienstmagd für seine lebensuntüchtige Frau kauft. Doch in Tété schlummert eine andere Bestimmung als die der willfährigen Sklavin. Selbst als ihr Herr sie in sein Bett zwingt, als man ihr das erste Kind entreißt und ihr Geliebter sie verlässt, um sich den aufständischen Sklaven in den Bergen anzuschließen, verliert Tété ihr Ziel nicht aus den Augen: die Freiheit für sich und ihre Tochter. Der Konflikt zwischen den aufständischen Sklaven und den weißen Herren in Saint-Domingue eskaliert, und Tété muss eine schwere Entscheidung treffen; sie flieht mit Valmorain, dessen kleinem Sohn Maurice und ihrer Tochter Rosette aus der brennenden Stadt Le Cap nach Kuba und weiter nach New Orleans. In der bunten kreolischen Gesellschaft findet ihr Drang nach Freiheit und Verantwortung für das eigene Leben neue Nahrung, doch müssen Jahre vergehen, bis ihr Traum Wirklichkeit wird.


    Der erste Satz:


    Mit meinen vierzig Jahren ist mir, Zarité Sedella, mehr Glück beschieden gewesen als anderen Sklavinnen.


    Meine Meinung:


    Jede Revolution beginnt mit einem Aufstand


    Sklaven, die sind doch eher wie Vieh, das nur für schwere Arbeiten taugt, weniger schmerzempfindlich ist, nicht so schnell ermüdet, die gewalttätig und unordentlich sind, deren Hirne ein Limit besitzen, die keinen Ehrgeiz und edlere Gefühle kennen und die »eine starke Hand« brauchen. - So und nicht anders haben in der französischen Kolonie Saint-Domingue auf Haiti im 18. Jahrhundert viele Menschen über Dunkelhäutige gedacht - vor allem die Plantagenbesitzer, für die Sklaven unerlässlich waren.
    In sehr vielen Buchszenen wird ganz deutlich, dass Schwarze eigentlich nicht als richtige Menschen mit Seele galten, sondern schlicht und einfach wie Handelsware oder Werkzeug behandelt wurden.


    ~ »Die Wirtschaft der ganzen Welt stützt sich nun einmal auf die Sklaverei, man kann sie nicht abschaffen.« ~
    (S. 110)


    Allende erzählt in ihrem Buch die Geschichte von Zarité, oder auch Tété genannt. Sie ist eine der Sklavinnen auf der Plantage Saint-Lazare und ihren Lebenslauf - von einer jungen, gekauften Sklavin bis hin zu einer reifen erwachsenen Frau, die all die Jahre auf ihre Freiheit hofft - verfolgt man ganz gebannt. Denn dass es Sklaven nicht leicht hatten, davon war auszugehen. Es war erschütternd zu lesen, wie mit den Menschen umgegangen wurde, was sie erdulden mussten.
    Ich persönlich fand auch, dass die Autorin die bedrückende Atmosphäre und vor allem die Gedankengänge mancher Charaktere in dieser Hinsicht sehr authentisch dargestellt hat. Man hat sich gefühlt als wäre man mittendrin in dieser Zeit vor gut 200 Jahren.


    Es war zu lesen von Napoleon, von Bürgerkriegen und den beginnenden Aufständen Ende des 18. Jahrhunderts. Es wurde gekämpft für die Freiheit - und in Anbetracht dessen, was man den Sklaven teilweise angetan hat, ist es fast zu verständlich, dass diese dann in blinder Wut und mit einem Blutdurst, der selbst mir ein unbehagliches Gefühl bereitet hat, auf Rachezug gehen und alles Weißhäutige töten, das nicht bei Drei auf den Bäumen ist ...


    ~ Freiheit sei nicht umsonst zu haben, man müsse sie erkämpfen. ~
    (S. 166)


    Tétés Geschichte spielt sich also auf historischem Hintergrund ab, was es meiner Meinung nach gleich noch spannender gemacht hat.
    Sehr gut gefallen hat mir auch, dass man sich so richtig einfühlen hat können in die Köpfe der Buchfiguren. Man hat deren Angst vor den aufständischen Sklaven gespürt, hat sich hineinversetzen können in deren Lage. Das Einfangen der Emotionen und situationsbedingten Atmosphäre ist hier einfach hervorragend gelungen, weswegen ich auch so gerne in die Geschichte eingetaucht bin.


    In »Die Insel unter dem Meer« findet man eine gute Mischung der persönlichen Schicksale der Charaktere - allen voran Tété - verpackt in den historischen Ereignissen der damaligen Zeit. Diese Abwechslung oder »gesunde Mischung« war für mich der Grund, warum ich großteils ziemlich gefesselt war.
    Ein Buch, das mich beeindruckt zurückgelassen hat und wunderbar unterhalten konnte.


    (Weitere lesenswerte Buchzitate findet ihr HIER!)


    5 :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: !

  • Saint-Domingue (heute Haiti) in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts: die Sklavin Zarité, meist Tété genannt, wird schon als ganz junges Mädchen in den Haushalt des Zuckerrohrplantagenbesitzers, eines Franzosen namens Toulouse Valmorain, verkauft. Valmorain war einst widerwillig nach Saint-Domingue gekommen, um seinem todkranken Vater kurzzeitig zu helfen, und schließlich geblieben, hatte es zu Wohlstand gebracht und eine Spanierin geheiratet, die jedoch psychisch krank war und nach der Geburt ihres Sohnes endgültig den Verstand verlor.


    Tété muss sich um die Kranke kümmern und zwischendurch Valmorain zu Willen sein, wie es ihm gefällt. Zwar gibt es wesentlich schlimmere Sklavenschicksale - für viele Sklavenbesitzer sind sie nur Besitztümer und kaum mehr als Vieh -, doch spätestens, als sie von ihrem Herrn schwanger wird, hat Tété nur noch ein Ziel vor Augen: die Freiheit.


    Nicht nur Tétés Herz ist in Aufruhr, sondern die ganze Welt. In Frankreich bricht die Revolution aus und auf Saint-Domingue eine Revolte der Sklaven und der Farbigen gegen die französischen Kolonialherren, die schließlich zu einem gewaltigen Umsturz und zur Flucht vieler Weißer auf benachbarte Inseln oder bis in die USA führen wird.


    Allendes Schilderung dieser mehr als bewegten Zeit ist keine Miniatur, keine bloße Charakterstudie einer starken Frau, sondern ein großes, schillerndes, detailreiches Gemälde, in dem viele Figuren ihren Platz haben und immer wieder auftauchen: der immer rauher und gröber werdende Valmorain, die schöne Kurtisane Violette Boisier, ein engagierter Arzt, eine Kräuterfrau, Valmorains Schwager, ein richtiger Lebemann, und nicht zuletzt die Kinder, Valmorains Sohn Maurice und Tétés Tochter Rosette, die trotz der Schranken von Hautfarbe und Gesellschaftsschicht wie Geschwister aufwachsen.


    Mit überbordender Erzählfreude beschwört Isabel Allende diese vergangenen Zeiten herauf und lässt eine Insel voller Gegensätze lebendig werden, wo Katholizismus und Geisterglaube aufeinandertreffen und die viel zu lange misshandelten und mit Füßen getretenen Sklaven ihren oftmals brutalen, unbarmherzigen Herren bittere Rache schwören. Ein hochinteressantes Stück Geschichte über eine Zeit und einen Ort, über die ich bisher so gut wie gar nichts wusste.


    Die Figuren allerdings, so minutiös sie auch gezeichnet sind, bleiben jedoch trotz aller Einzelheiten, die wir über sie erfahren, fast durch die Bank auf Distanz zum Leser, zumindest habe ich das so empfunden, ohne dass ich so richtig greifen könnte, warum. Wirklich mitgefühlt habe ich nur mit den Kindern und erst zum Ende hin dann auch mit Zarité.


    Die politischen Hintergründe blieben teilweise auch etwas verworren für mich, zu manchem hätte ich mir eine Zeitleiste und/oder ein erläuterndes Nachwort gewünscht und fand letztendlich die geschilderten persönlichen Schicksale deutlich fesselnder als die Politik, auch wenn es das eine ohne das andere natürlich so nicht hätte geben können.


    Lesenswert, aber nicht mein Liebling aus Allendes Feder.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

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