Ben Winters - Der letzte Polizist / The Last Policeman

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Der letzte Polizist

3.7|5)

Verlag: Heyne Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 352

ISBN: 9783453534513

Termin: November 2013

  • Klappentext
    Ein Asteroid rast auf die Erde zu. In sechs Monaten wird er einschlagen. Und nichts kann ihn aufhalten. Im Angesicht der Apokalypse tun die meisten Menschen das, was sie schon immer tun wollten, sich aber nie getraut haben. Andere wenden sich dem Glauben zu. Wieder andere begehen Selbstmord. Aber niemand tut mehr seine Pflicht – bis auf Detective Hank Palace. Als sich ein vermeintlicher Suizid als Mord entpuppt, ist Hanks Neugierde geweckt: Wer macht sich kurz vor dem Ende der Welt noch die Mühe, jemanden umzubringen?


    Meine Einschätzung
    Wer viel liest, wird das kennen: Manche Bücher haben ein ausgesprochenes Janusgesicht. Sie hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Das ist einmal das, was man als Idee oder literarische Struktur hinter dem Text erkannt zu haben meint. Und dann ist da noch etwas – das Netto-Ergebnis sozusagen: Das, was man empfindet, während man von einem Satz zum nächsten vorrückt.
    Das Merkwürdige ist, dass beide Seite sich ziemlich wiedersprechen können: Die Idee eines Romans, seine Analage, kann man sehr schätzen und für originell halten. Gleichzeitig kann das schiere Lesevergnügen einigermaßen bescheiden ausfallen.
    Für mich ist Ben Winters Roman „Der letzte Polizist“ eine Text, bei dem genau das zutrifft: Das handwerkliche Können, das im Roman steckt, ist beachtlich. Der Autor macht nichts falsch – zumindest nichts das ich beim Namen nennen könnte. Er entwickelt ein hoch originelles, komplexes Szenario, gibt seiner Hauptfigur einen (nicht vollends) sympathischen Charakter, füttert den Leser mit Andeutungen und Informationen, die ihn zum Kombinieren animieren.
    Und trotzdem: Das schiere Lesevergnügen, das der Roman bereitet, bleibt übersichtlich: Es fehlt irgendetwas, das gewisse Etwas, das einen packt und zum Lesen zu zwingen scheint.
    Gewiss ist hier mein subjektiver Geschmack ausschalgebend: Vielleicht hängt dieses gewisse Etwas, das mir fehlt, einfach mit der Tatsache zusammen, dass ich mit dem Protagonisten nicht genügend anfangen kann. Das mag sein.
    An meinem zwiespältigen Gesamteindruck ändert sich deshalb nichts.
    Ein sehr gut konstruierter Krimi, aber kein Buch, das mich in seinen Bann zieht.

  • "Der letzte Polizist" hat ein sehr interessantes Konzept. Ein Asteroid wird in wenigen Monaten auf die Erde treffen und es gibt nichts, was den Aufprall verhindern kann. Die Gesellschaft zerbricht immer mehr, Drogen werden vermehrt genutzt, es gibt zahlreiche Kündigungen, da die Menschen ihre Träume erfüllen wollen, und viele Selbstmorde. In diesem Setting legt der Autor nun den Fokus auf eine Mordermittlung, was ich sehr interessant fand. Die Welt ist sehr schön und detailliert ausgearbeitet und die Auswirkungen, die die nahende Katastrophe auf die Gesellschaft hat, sind realistisch und doch erschreckend. Vor allem, wie abgestumpft die Polizisten mittlerweile in Bezug auf die Suizide sind, zeigt klar und deutlich, wie viele dies als einzigen Ausweg angesehen haben. In Anbetracht dessen ist es verständlich, dass ein vermeintlicher weiterer Selbstmord für sie nichts besonders ist und sie es einfach abtun.


    Der Protagonist, Hank Palace, ist anders. Er brennt für seinen Beruf und will ihn so gut wie möglich erledigen, ungeachtet der Tatsache, dass es für viele andere keine Rolle mehr spielt. Als Charakter ist er ziemlich durchschnittlich, ein im Großen und Ganzen netter Kerl, für den seine Arbeit über alles geht und er nicht bereit ist, einen Fall einfach beiseite zu legen. Dabei war er stellenweise fast schon obsessiv und mir hat nicht immer gefallen, dass es ihm egal war, welche Konsequenzen sein Handeln haben könnte. Er war der Überzeugung, dass der Mord aufgeklärt werden müsste, komme was wolle, und obwohl ich diese Einstellung verstehen kann und seine Beharrlichkeit durchaus mochte, fand ich nicht gut, wie er alles andere beiseite geschoben hat. Am Ende stellt sich die Frage, ob all die Folgen es wert waren, dass der Fall gelöst wurde, und darauf gibt es keine klare Antwort.


    Der Fall an sich ist nicht besonders spektakulär, aber die Ermittlungsarbeit war solide und mir hat vor allem gefallen, dass der Autor sie benutzt hat, um dem Leser die Welt und die Informationen über den drohenden Weltuntergang nahezubringen. Man macht sich Gedanken, was man selbst in dieser Situation tun und wie man die letzten Monate nutzen würde, die man hat und das fand ich zugegebenermaßen interessanter als den Krimi-Aspekt, obwohl der keineswegs schlecht oder langweilig war.
    Das Buch bekommt von mir :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: und ich bin neugierig, wie es mit dem Asteroiden und der Welt weitergehen wird, weshalb ich den zweiten Teil auf jeden Fall lesen werde.

    Carpe Diem.
    :study: Vicki Delany - A Scandal in Scarlet

    2018 gelesen: 148 Bücher mit 55.406 Seiten | gehört: 3 Bücher mit 2266 Minuten

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