Zitate u. Sätze, die mir gut gefallen haben....

  • In einem längeren Abschnitt beleuchtet Cendrars sein Leben im Rückblick aus Sicht der Sieben Todsünden. Im Zuge der "langweiligsten Todsünde", der Völlerei, kommt er auf die Trunksucht und gewissermaßen auf das Scheitern einer Revolution "von unten" zu sprechen:

    Zitat

    Der Proletarier, der sich sonnabends "nach der Maloche" betrinkt, oder der Landarbeiter an den Zahltagen sonntags morgens, dem geht es nicht so sehr darum, sein Elend zu vergessen, sondern vielmehr darum, gegen den Dienstherren zu protestieren, der ihn mit Füßen tritt, den Politiker, der ihn ausbeutet, die Armee, die ihn zwiebelt, die geltende Ordnung, das Gesetz, die Polizei, den Staat, der ihn ankotzt, das System aus Fabriken, Zuchthäusern, Gefängnissen, das man zum Teufel jagen muss: Weg damit! Und der Mann bringt mit einem imponierenden Faustschlag den Tresen zum Erzittern, und er kippt ein letztes Gläschen, und er schmeißt dem Wirt seine Sous ins Gesicht, und er ist es, der am Boden landet, verdammt! Es gibt keine Gerechtigkeit.

    (S. 259)

    Richard Flanagan "Der schmale Pfad durchs Hinterland" (313/438)

    David Lynch & Kristine McKenna "Traumwelten" (189/746)

    Blaise Cendrars "Auf allen Meeren" (278/549)
    Léo Malet "Das Leben ist zum Kotzen" (57/140)


    Jahresbeste: Welch (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king:
    Gelesen: 81 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Strauß "Herkunft" (14.7.)

  • " In der Stadt ist Erde problematisch, ein Element, mit dem man sich theoretisch, mental befasst. Auf der Erlebnisebene kommt man erst damit in Berührung, wenn man auf einer zahmen Vorstadtwiese im Golden Gate Park nach einem Frisbee hechtet - da ist sie dann, die Erde: am Oberschenkel deiner weißen Jeans."

    1. (Ø)

      Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG


  • Zitat

    Wenn man Kind ist, ist der Ort alles, und wenn man ihn verlässt, ist einem das Fortgehen absolut bewusst.

    Stimmt, so empfand ich es auch als Kind. Bin immer noch jemand, der sich mit Orten verbindet.

  • Zitat

    Den Wunsch nach Vernichtung des Menschengeschlechts hatte ich nie laut ausgesprochen. Aber an seltsamen Träumereien fand ich Gefallen ... Wenn ich eine Stelle auf der Erdkugel kennen würde, von der aus man das ganze Universum im Blick hätte, würde ich hinrennen, einen Pfahl in die Erde schlagen, mir eine Schlinge um den Hals legen, mich in die Leere stürzen und die ganze Welt im Fallen mit mir reißen ... Und dann gab es noch das Verfahren mit dem Tunnel, der von einem Pol zum anderen in den Schoß der Erde gebohrt ist, und den man mit Dynamit vollstopft ... aber das war alles Dichtung. Am besten knallte man die Leute einzeln ab.

    (S. 47) :shock: Darauf war ich nicht vorbereitet, wie sehr der Roman losledert. Teilweise äußerst drastisch, vor allem für 1947! Tiefschwarzer Noir-Klopper, in dem einzig der Schritt in die absolute, anarchistische Bösartigkeit einen Ausweg aus dem glücklosen Alltag einer ausbeuterischen, inhumanen, geldgeilen Gesellschaft verspricht.:loool:

    1. (Ø)

      Verlag: Edition Nautilus GmbH


    Richard Flanagan "Der schmale Pfad durchs Hinterland" (313/438)

    David Lynch & Kristine McKenna "Traumwelten" (189/746)

    Blaise Cendrars "Auf allen Meeren" (278/549)
    Léo Malet "Das Leben ist zum Kotzen" (57/140)


    Jahresbeste: Welch (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king:
    Gelesen: 81 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Strauß "Herkunft" (14.7.)

  • Dieses Zitat klingt beinahe wie eine Vorrausschau auf die letzten Jahre der unglücklichen Ehe mit seiner psychisch labilen

    Frau Zelda, die in einer Psychiatrie durch einen Brandunfall starb. Fitzgeralds Winterträume nahmen kein gutes Ende.


    Zitat

    Er wollte lieben und konnte es nicht. Denn er war weit fort und konnte nie mehr dahin zurückgelangen. Die Tore waren

    verschlossen, die Sonne untergegangen, und es gab keine Schönheit mehr außer der grauen Schönheit des Stahls, der

    die Zeiten überdauerte. Sogar das Leid, zu dem er fähig gewesen war, lag hinter ihm im Land der Illusionen, der Jugend,

    der Lebensfülle - dem Land, in dem einst seine Winterträume geblüht hatten.

    Nichts ist so gewöhnlich wie der Wunsch bemerkenswert zu sein.

    William Shakespeare

    :study:F. Scott Fitzgerald - Meistererzählungen

    :study:Günter Jürgensmeier - Shakespeare und seine Welt

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