Sabine Friedrich - Immerwahr

  • Buchdetails

    Titel: Immerwahr


    Verlag: dtv

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 344

    ISBN: 9783423253796

    Termin: Dezember 2016

  • Bewertung

    4.2 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Immerwahr"

    Das Porträt einer eindrucksvollen Frau. Im Dezember 1900 wird die Chemikerin Clara Immerwahr als erste Frau an der Universität Breslau promoviert. Sie heiratet ihren Kollegen Fritz Haber, doch die Ehe ist schwierig. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 arbeitet Haber für das Kriegsministerium an der Entwicklung von Kampfgas und wird zum umjubelten Helden. Doch Clara kann diese todbringende »Perversion der Wissenschaft« nicht billigen …
    Weiterlesen
  • Aktion

  • Bestellen

  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
    Das Porträt einer eindrucksvollen Frau.
    Im Dezember 1900 wird die Chemikerin Clara Immerwahr als erste Frau an der Universität Breslau promoviert. Sie heiratet ihren Kollegen Fritz Haber, doch die Ehe ist schwierig. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 arbeitet Haber für das Kriegsministerium an der Entwicklung von Kampfgas und wird zum umjubelten Helden. Doch Clara kann diese todbringende »Perversion der Wissenschaft« nicht billigen …


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)
    Sabine Friedrich, 1958 in Coburg geboren, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte 1989 in München. Seit 1996 lebt sie mit ihrer Familie wieder in Coburg. Ihr erster Roman ‚Das Puppenhaus‘ wurde 1997 veröffentlicht. Weitere Romane folgten, darunter ‚Familiensilber‘ (2005) und ‚Immerwahr‘ (2007). Im Jahr 2012 erschienen Sabine Friedrichs umfangreicher Roman über den Deutschen Widerstand: ‚Wer wir sind‘ sowie ihr ‚Werkstattbericht‘ über die Entstehung dieses Romans.


    Allgemeines
    Erschienen am 1.Dezember 2013 bei der dtv-Verlagsgesellschaft als TB mit 224 Seiten
    Neuauflage im Großdruck am 9.Dezember 2016
    Gliederung: In Absätze untergliederter Romantext – Zitate von Fritz Haber – Danksagung – Wesentliche Quellen
    Erzählung in der dritten Person aus der Perspektive von Clara Immerwahr
    Handlungsort und -zeit: Berlin am 1.Mai 1915 mit Rückblicken auf Claras Leben


    Zum Inhalt
    Der biographische Roman schildert das Leben der Wissenschaftlerin Dr.Clara Immerwahr (1870-1915), die als eine der ersten deutschen Frauen einen Doktorgrad (Chemie) errang und als Menschenrechtlerin wissenschaftliche Erkenntnisse ausschließlich zum Wohl der Menschheit angewendet sehen wollte.
    Am letzten Abend ihres Lebens lässt Clara, schwer desillusioniert und depressiv, ihr Leben Revue passieren. In Rückblicken wird ihr Werdegang geschildert. Von ihrem Vater, dem Chemiker Philipp Immerwahr, ermutigt, möchte Clara ebenfalls studieren und eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen. Schon der Weg bis zur Erreichung der Studienzulassung ist für sie als Frau schwierig, an der Universität wird es nicht leichter. Sowohl unter den Studenten als auch unter den Professoren gibt es Männer, die sich gegen die Anwesenheit einer Frau in ihren heiligen Hallen wehren und auch alltägliche Dinge erschweren ihr Studienjahre: An der Universität gibt es keine Damentoiletten.
    Ungeachtet widriger Umstände promoviert Clara im Fach Chemie magna cum laude. 1901 nimmt sie den Heiratsantrag des Chemikers Professor Fritz Haber (1868 – 1934) an und hofft, an seiner Seite für das Wohl der Menschen arbeiten zu können. Doch schon bald platzen ihre Träume wie Seifenblasen, eine beschwerliche Schwangerschaft und die Tätigkeit als Hausfrau und Mutter lassen ihr wenig Raum für wissenschaftliche Tätigkeiten, sie fühlt sich und ihre Leistungen von ihrem Mann nicht anerkannt.
    Als Fritz Haber nach Anbruch des Ersten Weltkrieges seine Kenntnisse für Kriegszwecke einsetzt (Pulver für Sprengstoffe, Giftgas) und seine Frau dies unter keinen Umständen akzeptieren kann, ist die Kluft zwischen den Eheleuten nicht mehr zu überbrücken.


    Beurteilung
    Am 1.Mai 1915 findet in der Dienstvilla des Ehepaares Haber-Immerwahr in Berlin eine Feier statt, denn Fritz Haber ist kurz zuvor für seine Verdienste um das Vaterland (Ermöglichung der Giftgasherstellung zur gezielten Vernichtung der gegnerischen Soldaten in den Schützengräben) zum Hauptmann ernannt worden. Clara bringt es nicht über sich, an dieser Feier teilzunehmen, sie steht am Fenster ihres Zimmers, blickt in die Dämmerung hinaus und lässt noch einmal ihr ganzes Leben an sich vorüberziehen, geleitet von der Frage, an welchen Stellen ihres Lebenswegs sie andere Entscheidungen hätte treffen können oder müssen. Die Szenen des 1. Mai sind im Präsens gehalten, die Rückblicke auf die verschiedenen Stationen ihres Lebens von der Kindheit bis in die Gegenwart werden im Präteritum erzählt. Der häufige Wechsel aus gegenwärtiger und vergangener Perspektive fordert dem Leser erhöhte Aufmerksamkeit ab.
    Diese Schilderungen werden nicht sachlich, sondern komplett aus Claras Eindrücken und Empfindungen heraus vorgenommen. Dabei wird ihr Gefühlsleben, ihre Traurigkeit und Resignation hinsichtlich ihrer unerfüllt gebliebenen Hoffnungen, so einfühlsam und einprägsam vermittelt, dass der Leser erschüttert zurückbleibt und viel Mitgefühl empfindet.
    Der gründlich recherchierte biographische Roman ist nicht nur emotional stark ansprechend, sondern auch informativ, denn es werden reichhaltige Einblicke in die Entwicklung der chemischen Wissenschaftsbereiche im ausgehenden 19. und beginnenden 20.Jahrhundert gegeben. Dabei treten auch diverse zeitgenössische Wissenschaftler auf, für die ein Personenverzeichnis im Anhang wünschenswert gewesen wäre.
    Auch in die deutsche Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts gibt der Roman interessante Einblicke.


    Fazit
    Ein informativer und zutiefst einprägsamer biographischer Roman, thematisch stellenweise für sensible Leser nicht leicht zu ertragen. Sehr lesenswert!
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • @€nigma wäre der Thread nicht sinnvoller bei den Biografien oder den historischen Romanen eingeordnet, auch wenn es eine Romanbiografie ist? Du sagt ja selbst, dass er gut recherchiert ist. :wink:


    Danke übrigens für die Rezi. Ich habe mal einen sehr interessanten Film über dieses Paar gesehen, weiß aber leider nicht mehr den Titel. :|

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Rafik Schami - Ich wollte nur Geschichten erzählen

    :study: Irène Némirovsky - Meistererzählungen


  • @€nigma wäre der Thread nicht sinnvoller bei den Biografien oder den historischen Romanen eingeordnet,

    Darüber habe ich auch nachgedacht, aber mich dann dagegen entschieden, da die Darstellung nicht komplett sachlich ist, sondern sehr stark durch Claras "Brille" gesehen wird. Die historischen Fakten werden zwar korrekt geschildert, aber von Clara interpretiert.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Er heißt einfach "Clara Immerwahr" ...

    Den Film hab ich auch mal im TV gesehen, ist schon eine Weile her. Aber sehr gut war der ! :thumleft:

    "Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl wenn er die Umstände so viel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt."

    (Johann Wolfgang von Goethe in "Wilhelm Meisters Lehrjahre")