Boris Cyrulnik

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  • KURZE VORSTELLUNG:




    Boris Cyrulnik (* 26. Juli 1937 in Bordeaux) ist ein französischer Neurologe, Psychiater, Psychoanalytiker und Ethologe. Cyrulniks Eltern übersiedelten 1936 aus der Ukraine und Polen nach Frankreich. Sein Vater wurde französischer Soldat und wurde aus der Kriegsgefangenschaft nach Auschwitz deportiert, da er nach dem Verständnis der deutschen Nationalsozialisten als Jude galt. Seine Mutter konnte den Sohn im Juni 1942 noch in einer Pflegefamilie in Sicherheit bringen, bevor auch sie als Jüdin in ein deutsches Vernichtungslager deportiert wurde. Seine Eltern verstarben in der Deportation… Cyrulnik selbst wurde im Januar 1944 bei einer Razzia erfasst, konnte aber aus der Gruppe der in der Synagoge von Bordeaux zusammengetriebenen Juden entkommen. Nach dem Krieg wurde er zwischen der Familie seiner Tante und seiner Pflegefamilie hin- und hergerissen. Cyrulnik konnte erst spät darangehen, die Geschichte seiner Kindheit aufzuschreiben, da die „Eiszeit der Wörter“ dies jahrzehntelang, noch bis zur Verurteilung des ehemaligen Polizei-Präfekten von Bordeaux Maurice Papon im Jahr 1998, verhinderte.


    Er machte seine Schulausbildung in Paris, wie auch sein Studium der Medizin. Spâter spezialisierte er sich in Marseille in der Psychiatrie und wird in La Savate Chefarzt. Diesen Posten verliess er 1979 und etabliert sich als Psychoanalytiker in Toulon-La-Seyne-sur-Mer bis 1991. Er leitete eine Studiengruppe zur Ethologie (Wissenschaft des Verhaltens von Tieren in ihrer Umgebung). Später verband er seine Erkenntnisse mit dem Studium der menschlichen Psyche. Er ist seit 1996 Studiendirektor der Fakultät der Humanwissenschaften der Université du Sud-Toulon-Var, Inhaber des Lehrstuhls für Ethologie sowie der Leiter einer Forschungsgruppe für klinische Ethologie am Krankenhaus von Toulon. Cyrulnik ist vor allem bekannt für seine Arbeiten zum psychologischen Konzept der Resilienz.


    Seit 2007 hat er regelmässig Chroniken im französischen Informationssender « France-Info » in Form von Gesprächen geführt. Zahlreiche erfolgreiche Veröffentlichungen (siehe unten).


    Mit seiner Frau Florence hat er zwei Kinder.
    (Klappentexte, amaz.de+fr, Einführung in das Buch : Résilience – Entretien avec Boris Cyrulnik)



    BEMERKUNGEN :
    Man kann Boris Cyrulnik in Frankreich nicht lange aus dem Wege gehen : seit Jahren höre ich gelegentlich seine Chroniken in France-Info, stets interessant und vor allem : menschlich überzeugend ! Hier spricht ein Wissenschaftler, Psychiater, und ein weiser Mensch – das spürt man sofort. Und wenn man dann etwas erahnt von seinem Werdegang (siehe obige biographische Notizen) dann weiss man, dass jegliches Reden von einem Leben NACH einem Trauma bei ihm Hand und Fuss haben wird. So ist er vor allem durch die Verbreitung des Gedankens der Resilienz bekannt geworden : « Die Fähigkeit des Individuums zum Widerstand und die schweren Hiebe, Traumatismen des Lebens zu bestehen, ja eventuell gar mit ihnen schöpferisch umgehen zu können. »


    Ich schreibe einfach mal einige Stichpunkte auf, die mir zu einzelnen Stellungnahmen Cyrulniks einfallen :
    - das Fundament einer Moral ist nicht zunächst eine Ethik, ein Lehrgebäude, sondern die Fähigkeit zur Empathie
    - bei der Entwicklung jedes Menschen sind die Affekte und die Ungewissheit wesentliche Faktoren
    - die Sozialisation des Kindes ist nicht die Sache eines Einzelnen, sondern aller
    - es braucht mehrere Partner in der Erziehung, wobei die Mutter die Hauptrolle spielt. Daneben spielt in einer ausgeglichenen Gesellschaft der Vater immer weniger eine entscheidende Rolle. Sie kann vom « Dorf » oder anderen eingenommen werden (Cyrulnik spricht sich für homoprentale Elternschaften aus)
    - die nicht-verbale Weitergabe in der Erziehung ist sehr wichtig
    - oft kommen in den Kindern die Traumata der Eltern hoch
    - die Wichtigkeit der Rolle der Grosseltern
    etc.…


    Dieser Mann hat echt etwas zu sagen, stets interessant und bereichernd, oder zumindestens Fragen aufwerfend. Ich kenne eher seine französischen Schriften, die teils noch nicht ins Deutsche übersetzt worden sind. Doch diese grobe Vorstellung soll auf diesen Wissenschaftler aufmerksam machen und vielleicht Lust auf ein (deutschsprachiges) Buch machen ! Siehe unten !



    WERKE :


    Mémoire de singe et paroles d'homme, Édition Hachette, col. Pluriel, 1983.


    Sous le signe du lien, éd. Hachette, 1989 ; rééd. Fayard/Pluriel, 2010


    La naissance du sens, Édition Hachette, col. Questions de Science, 1991, reed. 1995.


    Les Nourritures affectives, Édition Odile Jacob, Paris 1993.


    De la parole comme d'une molécule, avec Émile Noël, éd. Seuil, 1995.


    Was hält mein Hund von meinem Schrank? 1995


    Das Drehbuch menschlichen Verhaltens, 1996


    L'Ensorcellement du monde, Édition Odile Jacob, Paris 1997.


    La Naissance du sens, Hachette Littérature, 1998. (ISBN 978-2012788916)
    traduction anglaise : The Dawn of Meaning


    Dialogue sur la nature humaine, avec Edgar Morin, Éditions de l'Aube, 2000.


    Die Kraft, die im Unglück liegt. Goldmann, München 2001, ISBN 3-442-15109-0



    Les Vilains petits canards, Édition Odile Jacob, Paris 2001, ISBN 2-7381-0944-6.


    Un merveilleux malheur, Édition Odile Jacob, Paris 2002, ISBN 2-7381-1125-4.


    Tiere und Menschen. Die Geschichte einer besonderen Beziehung, zusammen mit Karine Lou Matignon und Frédéric Fougea, Knesebeck, München 2003, ISBN 978-3-89660-130-8.



    Mein Lebensglück bestimme ich, 2002


    L'Homme, la Science et la Société, Éditions de l'Aube, 2003.


    La résilience ou comment renaître de sa souffrance (mit Claude Seron), Fabert, Sammlung «Penser le monde de l'enfant», 2004, ISBN 2-907164-80-5.


    Le murmure des fantômes, Édition Odile Jacob, Paris 2005, ISBN 2-7381-1674-4.
    Traduction anglaise : The Whispering of Ghosts: Trauma and Resilience (2005)


    La petite sirène de Copenhague, Éditions de l'Aube, 2005 ; rééd. 2012.


    De chair et d'âme, éd. Odile Jacob, 2006.
    Mit Leib und Seele. Wie wir Krisen bewältigen. Hoffman und Campe: 2007, ISBN 3-455-500382



    Parler d'amour au bord du gouffre (Warum die Liebe Wunden heilt) 2006, ISBN 978-3-407-85776-7 (französische Erstausgabe bei: Édition Odile Jacob, Paris 2004).



    Autobiographie d'un épouvantail, éd. Odile Jacob, 2008, prix Renaudot de l'essai, 200833. (ISBN 978-2-7381-2398-5).


    Je me souviens…, éd. L'Esprit du temps, coll. « Textes essentiels », 2009 ( éd. Odile Jacob poches, 2010) (ISBN 978-2-7381-2471-5).


    La résilience – Entretien avec Boris Cyrulnik, 2009


    Mourir de dire: La honte. Édition Odile Jacob, Paris 2010, ISBN 978-2-7381-2505-7.
    Scham: Im Bann des Schweigens. Wenn Scham die Seele vergiftet. Übersetzt von Maria Buchwald und Andrea Alvermann. Präsenz Kunst- und Buchverlag, Hünfelden 2011, ISBN 978-3-876302-12-6.



    Résiliences. Connaissances de bases, avec Gérard Jorland, éd. Odile Jacob, 2012, (ISBN 978-2-7381-2818-8).


    Sauve-toi, la vie t'appelle, Édition Odile Jacob, Paris 2012
    Rette dich, das Leben ruft. Übersetzt von Hainer Kober. Ullstein, Berlin 2013, ISBN 978-3-550-08039-5.




    Wenn Kinder sich selbst töten - Das Unfassbare begreifen und verhindern Taschenbuch – 5. September 2012 ISBN-13: 978-3843602143


    Votre cerveau n'a pas fini de vous étonner (Entretiens/Clés) 19. März 2013


    Les âmes blessées, éd. Odile Jacob, 2014, (ISBN 978-2-7381-3146-1).


    Ivres paradis, bonheurs héroïques (Französisch) Taschenbuch – 13. April 2016, ISBN-13: 978-2738133946


    (Quellen der Inhaltsangaben: bei amz.de)

    Marie-Hélène Lafon - Histoire du fils

    Ernst Wiechert - Wälder und Menschen

    Trésor de la poèsie indienne - Des Védas au XXIème siècle (Schatzkiste der indischen Poesie - Von den Veden bis ins XXI.Jahrhundert)

    Constant Tonnelier - 15 days of prayer with Saint Therese de Lisieux


    (Un-)Gelesenes: https://www.buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#library

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