Bastian Zach / Matthias Bauer - Das Blut der Pikten

Das Blut der Pikten

3.2 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

Band 1 der

Verlag: Heyne Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 560

ISBN: 9783453419391

Termin: August 2016

  • Kurzbeschreibung:
    Grönland, 937 A. D.: Das Volk der Pikten ist nahezu ausgelöscht worden. Die wenigen Überlebenden hat es nach Grönland verschlagen, wo sie unter härtesten Naturbedingungen ihr Dasein fristen. Als die Gemeinschaft eines Tages von Nordmännern angegriffen wird, begibt sich eine Schar kampferprobter Pikten unter dem Krieger Kineth auf die große Queste ins Reich ihrer Vorfahren, um eine alte Prophezeiung zu erfüllen. Auf ihrer gefahrvollen Reise geraten die Unerschrockenen zwischen britannische Heeresführer und marodierende Wikinger … (Quelle: Verlagswebsite)


    Autoren:
    Bastian Zach wurde 1973 in Leoben geboren. Er arbeitete für verschiedene Werbe- & Multimedia-Agenturen und ist seit 1999 in Wien selbstständig. Matthias Bauer wurde 1973 in Lienz geboren, arbeitete nach dem Studium der Geschichte im Verlagsbereich und ist in der Tiroler Erwachsenenbildung tätig. Zusammen schreiben sie als Zach/Bauer Romane (unter anderem die Bestsellertrilogie "Morbus Dei") und Drehbücher, zuletzt zum Wikinger-Hit "Northmen – A Viking Saga". (Quelle: Verlagswebsite)


    Allgemeines:
    „Das Blut der Pikten“ ist als Taschenbuch im August 2016 bei Heyne erschienen. Es umfasst 560 Seiten in 9 Kapiteln, die wiederrum in kurze Abschnitte untergliedert sind. Am Ende findet sich ein sehr überschaubares Glossar.
    Erzählt wird in der 3. Person. Handlungsorte sind Grönland und Schottland im 1. Jahrhundert.


    Meine Meinung:
    Ich war sehr gespannt, endlich mal einen Roman über die Pikten zu lesen, die in der Literatur noch nicht ganz so weit verbreitet sind. Und es war auch wirklich interessant, so einiges über ihre Lebensweise und das Sozialgefüge zu erfahren. Allerdings handelt es sich hier um einen Clan, der in seit Generationen in Grönland lebt, da seine Vorfahren der völligen Vernichtung in der Heimat knapp entgangen waren und in der rauen Umgebung ein mehr oder weniger karges Leben führen. Die Winter werden härter, die Ernten ärmer und das Leben immer schwerer. Als dann eines Tages ein Schiff der Nordmänner mehr oder weniger strandet und die Eindringlinge leicht besiegt wurden, keimt schnell die Hoffnung auf, dieses öde Eiland endlich verlassen und in die alte Heimat zurückkehren zu können. Doch das Schiff ist Segen und Fluch zugleich, denn die Nordmänner haben eine Krankheit eingeschleppt, die schnell um sich greift. Und schließlich muss das eigentlich umsichtig handelnde Clanoberhaupt Brude doch seine Einwilligung zum Aufbruch von 49 tapferen Männern und Frauen geben, die einer alten Legende folgen und die alte Heimat zurückerobern sollen.
    Was nun beginnt ist ein Abenteuer mit vielen Hindernissen für die 49 und ein Drama für die Daheimgebliebenen, die nicht nur mit der Krankheit zu kämpfen haben, sondern leider auch einen sehr ehrgeizigen Priester in ihren Reihen haben (denn diese Pikten sind inzwischen zum „rechten“ Glauben übergetreten).
    Die Handlung ist wirklich spannend mit interessanten Schauplätzen und Entwicklungen. Da gibt es zum Beispiel ein Dorf, in dem nur Frauen leben. Dieses Kapitel gehörte zu den unterhaltsamsten im Buch. Es wimmelt von verschiedenen Charakteren. Einige davon sind wirklich gut gelungen, vor allem die drei so unterschiedlichen Kinder Brudes, die sich auf der Fahrt bewähren müssen, haben mir gut gefallen. Der ein oder andere darf mal kurz aufblitzen und viele werden erwähnt, sind aber schon drei Sätze weiter wieder aus dem Gedächtnis verschwunden.
    Und gerade, als die Handlung so richtig Fahrt aufgenommen hat, die Gemeinschaft beinah am Ziel der Mission ist und sich die Charaktere wirklich offenbaren, sind die Autoren leider zu dem Schluss gekommen, dass das jetzt genug sei. Der Leser bleibt mit vielen offenen Fragen und ziemlich unbefriedigt zurück. Bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung (zu der ich zwar noch nichts gefunden habe, aber die es einfach geben muss) nicht allzu lange auf sich warten lässt.


    Mir fällt es wirklich schwer, dieses Buch zu bewerten. Es war interessant und auch sehr gut und zügig zu lesen, weil die Autoren auf ausschweifende Erklärungen und Beschreibungen verzichten. Aber diese vielen offenen Handlungsstränge lassen mich einfach unzufrieden zurück. Weder weiß man, ob die Mission der 49 von Erfolg gekrönt wird oder was aus ihnen allen wird, noch wie sich die Dinge auf Grönland entwickeln werden, wo auch einiges im Argen liegt.
    Hinzu kommt noch ein Glossar, dass den Namen nicht verdient, weil viele Dinge nicht erklärt werden, die ich mir dann ergoogelt habe. Eigentlich werden nur ein paar Redewendungen und Worte übersetzt, was man auch gut per Fußnote hätte tun können. So werden es jetzt am Ende doch nur :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: statt 4 Sterne, aber die Fortsetzung werde ich auf jeden Fall lesen, weil ich wissen will, wie es mit den Pikten in der alten und neuen Heimat weitergeht und ob sich am Ende die als die wahren Anführer erweisen werden, von denen ich es mir erhoffe.


    Unerwähnt bleiben sollen allerdings nicht die wunderschönen Einschübe vor den Kapiteln, die aus der Vorstellungswelt der alten Völker geboren sein mögen, die die Götter auch in Gestalt von Raubtieren verehrten und ein ganz anderes Verhältnis zur Natur hatten, als wir heute. Diese Stellen haben mir ganz besonders gut gefallen.
    Wer sich für Lebensweise und Bräuche der Pikten und die Verhältnisse im Norden Europas im ersten Jahrhundert interessiert, darf hier gern zugreifen, sollte aber vielleicht warten, bis die Reihe vollständig und somit der Frustfaktor nicht so groß ist.


    Fazit:
    Spannende Story, interessante Charaktere, aber leider eine (noch) unvollendete Geschichte.

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    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark