Laura Gehlhaar - Kann man da noch was machen?

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  • Laura Gehlhaar - Kann man da noch was machen?


    Quelle: Klappentext


    Wer im Rollstuhl sitzt, bekommt manchmal die seltsamsten Dinge zu hören : "Toll, dass du trotzdem rausgehst!" - "Kannst du Sex haben?" - "Kann man da noch was machen?" - "Darfst du betrunken Rollstuhl fahren?" - "So hübsch und dann im Rollstuhl!"
    Frei von Selbstmitleid, mit entwaffnender Selbstironie und ebenso tiefsinnig wie unterhaltsam erzählt Laura Gehlhaar Geschichten aus ihrem Alltag auf vier Rädern - mit allem, was dazugehört.


    Meine Meinung


    Dies ist die erste Biografie die ich je gelesen habe und ich muss sagen, dass Frau Gehlhaar es schafft nicht nur ihren Alltag mit ihrer Beeinträchtigung zu beschreiben sondern auch Themen anzusprechen die, leider, sehr aktuell und wahr sind. Sie nimmt keinen Blatt vor den Mund und beschreibt wie schwer es für einen beeinträchtigten Menschen werden kann, wie schwer es einem von Gesellschaft und Statt gemacht wird, wenn man selbstbestimmt und selbständig leben möchte.
    Ihre Biographie ist sehr flüssig zu lesen, die Themen werden gut rüber gebracht egal ob sie ernst, traurig, lustig oder urkomisch sind. Man fühlt sich so als ob man neben ihr sitzen würde und sie es gerade bei einem Kaffee alles erzählen würde.
    Was ich auch gut finde ist, dass es keine reine Biographie ist sondern eher eine Ansammlung aus skurrilen, interessanten, lustigen und traurigen Moment aus ihrem Leben.


    Fazit


    Eine sehr lesenswerte Biographie einer jungen Frau die ihr Leben mit einer Beeinträchtigung meistert und mich mit Geschichten aus ihrem Leben zu begeistern weiß. Sich spricht vieles an was ich selbst als Behinderte und als Heilerziehungspflegerin selber schon erlebt habe. Sie zeigt einmal mehr wie toll das Leben ist, ob Beeinträchtigt oder nicht.
    Von mit gibt es ganze :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: .

    :love: Perfekt ist das Leben nie.
    Aber es gibt Menschen, die es perfekt machen. :love:

  • Alles junges Mädchen wurde bei Laura Gehlhaar eine Muskelschwäche festgestellt. Seit ca. ihrem 20. Lebensjahr ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen. In ihrer Biographie erzählt sie Geschichten rund um ihren Alltag als Rollstuhlfahrerin.


    Grundsätzlich kann ich mich anschließen, dass Laura Gehlhaar eine tolle und starke Frau ist. Sie meistert ihr Leben, obwohl sicherlich nicht immer einfach. Sie ist sehr direkt, offen und schreckt auch nicht davor zurück, anderen Menschen ihre Meinung an den Kopf zu werfen. Es gibt allerdings auch Situationen, die sie zusammenbrechen lassen, aber sie rappelt sich immer wieder auf, lässt sich nicht unterkriegen.


    Ihr Schreibstil ist sehr gut, das Buch liest sich flüssig.


    Dennoch war mir Laura Gehlhaar nicht 100% sympathisch. Sie hat die ein oder andere Einstellung, die ich so nicht teilen kann. Und das hat nicht unbedingt etwas mit ihrer Behinderung zu tun.


    Eine gute eindringliche Biographie, die ich gerne gelesen habe. Empfehlenswert. :thumleft::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Ja, es ist echt schwer vorzustellen, wie das Leben so ohne die Fähigkeit des Laufens funktioniert. Es scheitert ja oft shcon an den einfachsten Dingen. Bus/Zug fahren, Treppen steigen, Straße überqueren, etc.


    Klingt nach einem sehr interessanten Thema !


    Wer im Rollstuhl sitzt, bekommt manchmal die seltsamsten Dinge zu hören : "Toll, dass du trotzdem rausgehst!" - "Kannst du Sex haben?" - "Kann man da noch was machen?" - "Darfst du betrunken Rollstuhl fahren?" - "So hübsch und dann im Rollstuhl!"

    Also, um mal ganz ehrlich zu sein, würden mich jetzt persönlich die Fragen Nummer 2 und 4 auch irgendwie interessieren. Aber ist das denn überhaupt moralisch ok, es dann auch zu fragen ? ^^

  • Aber ist das denn überhaupt moralisch ok, es dann auch zu fragen ?

    Ich glaub es kommt einfach darauf an wie man die Fragen stellt, denn eigentlich ist es ja nicht verboten solche Fragen zu stellen. Vor allem wenn man mit Behinderungen nicht vertraut ist und man gerne wissen möchte wie das so ist. Es ist besser die Personen persönlich zu fragen als hintenrum zu quatschen und somit die Betroffen vor den Kopf zu stoßen.


    Bestes Beispiel: Ich selber bin hochgradig Hörgeschädigt und habe es nicht mitbekommen als man auf einer Freizeit über mich geredet hat statt mich direkt zu fragen. Das fand meine Mutter richtig unmöglich und hat denen eine Ansage gegeben, dass die doch bitte fragen sollen, wenn sie was wissen wollen. Gesagt getan und das war viel besser und ich hatte kein Problem damit die Fragen zu beantworten.

    :love: Perfekt ist das Leben nie.
    Aber es gibt Menschen, die es perfekt machen. :love:

  • Ja, das klingt fair. Selbst habe ich in meinem weiteren Freundeskreis auch eine Rollstuhlfahrerin. und bei ihr wäre ich wohl intuitiv genauso verfahren, wenn mir solche Fragen eingefallen wären, die mich interessieren.


    Aber trotzdem werde ich jetzt wohl eher nicht spontan zu ihr hingehen und fragen: "Na, wie hast Du Sex ?" Das müsste schon einen Kontext haben.

  • Klar stellt man solche Fragen nicht einfach mal so nebenbei. Da wäre ich dann selber verärgert über die Person die mir solche Fragen stellt.
    Aber so in einem Gespräch, wenn man wirklich interessiert ist... :)

    :love: Perfekt ist das Leben nie.
    Aber es gibt Menschen, die es perfekt machen. :love:

  • Klar stellt man solche Fragen nicht einfach mal so nebenbei. Da wäre ich dann selber verärgert über die Person die mir solche Fragen stellt.
    Aber so in einem Gespräch, wenn man wirklich interessiert ist... :)

    Sehe ich jetzt ehrlich gesagt anders. Ich selbst habe nur eine kaum sehbare Behinderung, habe aber meine Ausbildung mit teilweise schwergradig behinderten Jugendlichen gemacht. Nie wäre ich auf die Idee gekommen jemand "Fremdes" nach so etwas zu fragen. Das geht, salopp gesagt, niemanden was an.

  • Ich würde im normalen Gesprächsumgang auch eine nicht offensichtlich behinderte Person nicht zu ihrem Sexualverhalten befragen. Dies käme nur vor, wenn dieses Thema in einer entsprechenden Imtimität eine Rolle spielen würde. Einfache Empathie ("Wie würde ich mich bei so einer Frage in dieser Situation fühlen") sollte eigentlich einem emotional gesundem Menschen die meisten der oben genannten Fragen verbieten.


    In meiner Ausbildung für die Alten- und Krankenpflege während meines Verersatzdiensts sollten wir einige Stunden in einem Rollstuhl durch Waldbröl gefahren werden - wie jemand, der nicht nur den Stuhl benötigt, sondern auch jemanden, der ihn fährt. Es ist erstaunlich, wie wenig man danach gar nicht mehr auf die Idee kommt, Rolli-Fahrern bestimmte Fragen zu stellen. Und schon gar keine, die ich nicht behinderte Menschen nicht auch stellen würde.

  • Ich würde im normalen Gesprächsumgang auch eine nicht offensichtlich behinderte Person nicht zu ihrem Sexualverhalten befragen. Dies käme nur vor, wenn dieses Thema in einer entsprechenden Imtimität eine Rolle spielen würde. Einfache Empathie ("Wie würde ich mich bei so einer Frage in dieser Situation fühlen") sollte eigentlich einem emotional gesundem Menschen die meisten der oben genannten Fragen verbieten.

    Dass sich solche Fragen wie auch die, die @Mimihops aus dem Buch zitiert hat, von selbst verbieten ist für mich klar. Auf der anderen Seite sehe ich es wiederum so, wie Mimihops es beschreibt: wenn sich während eines Gesprächs eine Frage ergibt und ich wirklich interessiert bin und nicht einfach nur klatschsüchtig-neugierig, warum sollte ich nicht höflich-freundlich fragen?
    Selbst bin ich mit einem komplett gehörlosen Onkel groß geworden, es war für mich also von Kindesbeinen an ein völlig natürlicher Umgang mit diesem Thema, und als Mimihops und ich uns im Dezember in Karlsruhe kennengelernt haben, hab ich ihr auch eine Frage bezüglich ihrer Hörbehinderung gestellt, die sich ergab und mich interessierte. Ich glaube, sie hat es nicht als Neugierde, sondern als Interesse aufgefasst und wir haben uns unterhalten. Wen sonst sollte ich fragen wenn nicht jemanden, der genau weiß wovon er redet? Natürlich - und das versteht sich von selbst - immer im Kontext und im Umgang miteinander und nicht einfach auf offener Straße einen wildfremden Menschen.

  • Ich kann mich da nur @Squirrel anschließen.
    Natürlich sollte man fremde Menschen nicht solche private und intime Fragen stellen, geht einem ja nichts an. Dennoch, wenn man sich jetzt schon sehr lange kennt und man genau weiß die Person fragt nicht aus Bosheit oder aus Geilheit, sondern aus Interesse weil man sich mit dem Thema auseinander setzt, finde ich es schon ok.
    Kommt aber natürlich auch immer auf die Personen an und man muss natürlich auch akzeptieren wenn die Fragen dann unbeantwortet bleiben.

    :love: Perfekt ist das Leben nie.
    Aber es gibt Menschen, die es perfekt machen. :love:

  • Ich finde es gut, dass Frau Gehlhaar dieses Buch geschrieben hat. Man erfährt viel zu selten, wie das Leben von behinderten Menschen wirklich aussieht.
    Das heisst nicht, dass sie mir immer 100prozentig sympatisch war oder ich alles richtig finde, was sie so schreibt (muss ja auch nicht).


    Ihre Erwartungshaltung an ihre Mitmenschen ist ziemlich hoch, finde ich. Kein Blick und keine Frage zuviel (aber auch keine Gleichgültigkeit), man soll sie "normal" behanden (verständlich), aber ihr doch helfen, vorher jedoch immer fragen etc. Sie hasst laut eigener Aussage Kinder und beantwortet nur notgedrungen ihre Fragen, eigentlich sollen das lieber deren Eltern tun. Sie hat kein Verständnis dafür, dass eine Freundin sauer ist, als sie nicht zu ihrem Geburtstag kommt, weil sie nicht die Treppen hochgetragen werden will (sie hat Angst zu fallen, das kann ich nachvollziehen, aber an anderen Tagen geht sie das Risiko durchaus ein).


    Manche Fragen, die ihre Mitmenschen ihr stellen, sind wirklich saublöd, manchmal übertreibt sie es aber auch mit ihrer Empfindlichkeit, finde ich bzw. vielleicht kommt das auch durch ihren Twitter-Account/Blog, wo sie ja laut Buch genau solche Fragen sammelt. Manche Leser wissen zum Schluss nicht mehr, was sie eigentlich überhaupt noch sagen/fragen dürfen. Interessant finde ich z.B. die Frage, warum sie im Rollstuhl sitzt. Fremde auf der Straße geht das natürlich nichts an, aber wenn man ins Gespräch kommt? Manche Missverständnisse (wie mit der Fähigkeit zum Sex) entstehen wahrscheinlich dadurch, dass die meisten Menschen an Querschnittslähmung denken, wenn sie jemanden im Rollstuhl sehen - wenn sie wüssten, dass Gehlhaar "nur" schwache Muskeln hat, würde sich das von selbst beanworten.


    Da die Protagonistin mir manchmal auf die Nerven ging, hab ich jetzt 3,5 Sterne gegeben, aber es hätten auch vier sein können. Dafür, dass das Thema wichtig ist und sie es ziemlich gut rüberbringt. Natürlich ist die Problematik etwas einseitig dargestellt, aber das liegt wohl in der Natur der Sache.

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