Andreï Makine - L'archipel d'une autre vie

  • Original : Französisch, 2016


    INHALT:
    Im fernen Osten Russlands, nahe des Pazifiks, strecken sich endlose Weiten aus. Wer ist dieser Kriminelle mit vielen Gesichtern, den Pawel Gartzew und die vier anderen Soldaten in der Taiga suchen und fangen sollen ? Der Roman ist das Abenteuer einer langen Treibjagd auf einen Menschen, aber auch noch mehr : Der Dialog zwischen Jäger und dem geheimnisvollen Gejagten, und die Beschreibungen der verschiedenen Facetten an Beziehungen und Charakteren der Verfolger. Und wie sich die Geschichte fortentwickelt und sich die Identität des Flüchtenden langsam offenbart, nimmt die Geschichte noch eine andere Dimension an… : Ist ein « anderes » Leben möglich ? (Quelle : franz Klappentext, leicht verändert)


    BEMERKUNGEN :
    Eingebettet ist die lange Erzählung des Pawel Gartzew in eine Rahmenhandlung im ersten und letzten Kapitel, in denen der eigentliche Ich-Erzähler (sich nahe an der Jetztzeit befindend) ungefähr Anfang der 70iger jenen Pawel kennenlernt, Zeuge seiner Schilderung wird und ein irgendwie offenes Ende einführt. Dieser Ich-Erzähler, Waisenjunge und verlorener Vermesser im Fernsten Osten Russlands, hatte als junger Spunt auf einem Helioport einen seltsamen Mann ausgemacht. Dieser fasziniert ihn und er folgt ihm schlichtweg. Doch dieser sichtbare Taiga-Experte bekommt das schnell mit und überrascht den Heranwachsenden. Als jener seine Waisengeschichte erzählt, ist Pawel sichtbar gerührt und schildert die eigene :


    Im Juni 1952, 27 Jahre alt, ehemaliger Kriegskorrespondent, wollte Pawel Gartzew Sveta heiraten. Der Leningrader meinte, dass jene wohl sein beeindruckendes Brandmal aus dem Krieg, nahezu eine Behinderung, nicht als Hinderungsgrund sieht, und ihn aus Liebe heiraten wird. Enttäuscht muss er feststellen, dass diese Frau sich durch ihn nur in Leningrad einheiraten wollte um eine Wohnung hier zu haben. Betrug, Verrat ! Aber befreit ihn gerade dieser Verrat von einer (Selbst-)Täuschung ?


    Im Rahmen der allgemeinen Mobilisierung (wir befinden uns in der Zeit des Koreakrieges, und man befürchtete einen atomaren Schlagabtausch mit den USA) wird er bei einer Übung in den fernen Osten versetzt : Dort, am Flusse Amgun, in der Nähe von Tugur und des Meeres Ochotsk,
    ( https://www.google.fr/maps/pla…3d53.771999!4d136.8424379 ) erleidet Gartzew schlechte Behandlung, landet gar zeitweise in einer Isolationszelle. Dann aber wird er Teil einer fünfköpfigen Truppe von Soldaten verschiedenen Grades und mit unterschiedlichsten Charakteren : Sie sollen den entflohenen Häftling aus einem benachbarten Lager wieder aufspüren ! Und tatsächlich finden sie schnell eine Spur, folgen dem Menschen oft auf Sichtweite, doch sollen ihn zu einer exemplarischen Bestrafung ja lebend einfangen. Doch der Flüchtling kennt sich sichtbar in der Taiga aus, führt sie manchmal an der Nase lang…


    Lassen wir die Beschreibung dabei, aber betonen wir, dass jeder der Soldaten und ihre Beziehungen untereinander, beschrieben werden und die Taiga die Menschen offenbart. Das Beste und das Schlechteste… Die Menschenjagd führt Pawel immer mehr zu einer inneren Annäherung, ja Sympathiesierung, mit dem Gejagten. Besonders als sich die Identität desselben offenbart.


    Die äussere Suche nach dem Entflohenen wird nach und nach zu einer Suche existenzieller Art : Wo liegt denn das wahre Leben ?


    Andreï Makine beschreibt eindrücklich die Natur und eine Beheimatung in ihr (oder eine Distanz) wohl aus eigener Erfahrung. Er schreibt in seiner wunderbaren Sprache, die ihresgleichen sucht (nicht umsonst wurde er dieses Jahr in die Académie française aufgenommen). Was aber mE noch eindrücklicher ist und an den Kern der Geschichte rührt ist das Bewusstsein, wie das Dunkle und Helle, das Schlechte und Gute, sich oft in grosser Nähe befinden. Auch die « guten Charaktere » müssen oder mussten feststellen, dass sie mit ihren Dämonen zu kämpfen haben, sie zum Besten und Finstersten fähig sind. Doch in der Person von Pawel wächst nach und nach jene innere (in uns allen verborgene?) Sehnsucht nach einem wahren Leben, einem anderen Leben, in dem wir nicht Hampelmann unserer Ängste und Triebe sind, sondern aufrechte Menschen.


    Pawel führt sein Weg sehr weit. Und ich stehe beeindruckt und berührt vor einem weiteren grossen Werk des französischen Schriftstellers russischer Herkunft. Hut ab – und dicke Empfehlung !


    AUTOR:
    Andreï Makine (* 10. September 1957 in Krasnojarsk, Sibirien) ist ein französischer Schriftsteller russischer Abstammung. Makine wächst in der Provinzstadt Penza auf, ca. 700 km südöstlich von Moskau. Seit seiner Kindheit ist er durch seine französische Großmutter mit der Kultur und Sprache Frankreichs vertraut. Schon als Junge schreibt er Gedichte in Französisch und in seiner Muttersprache Russisch. Er studiert in Twer und Moskau Philologie und lehrt kurze Zeit Philosophie in Novgorod. 1987 kommt er im Rahmen eines Lehreraustauschprogramms nach Frankreich. Dort entscheidet er sich zu bleiben, erhält politisches Asyl und entschließt sich, ein Leben als Schriftsteller in Frankreich zu führen; seitdem lebt er in Paris, anfangs in sehr ärmlichen Verhältnissen. Seine ersten in französischer Sprache verfassten Manuskripte - wie den Debütroman Tochter eines Helden (1990) - gibt er als französische Übersetzungen aus dem Russischen aus, um die Skepsis des Verlags zu zerstreuen, dass ein erst seit kurzem in Frankreich lebender russischer Emigrant in einer zweiten Sprache schreiben kann. Nach enttäuschenden Reaktionen auf seine beiden ersten Romane dauert es acht Monate, einen Verlag für seinen Roman Das französische Testament zu finden, mit dem er 1995 auf einen Schlag berühmt wird. Im selben Jahr erhält er als erster Schriftsteller gleichzeitig die beiden renommiertesten Literaturpreise Frankreichs, den Prix Goncourt und den Prix Médicis. 1998 erhält er den finnischen Eeva-Joenpelto-Preis und 2005 für sein Gesamtwerk den mit 15.000 Euro dotierten Literaturpreis der Stiftung Prinz Pierre von Monaco. 2016 wurde er in die Académie française aufgenommen.
    (Quelle: Wikipedia)


    Wenn man das nicht übersetzen sollte..., dann wäre das schon zum Haareraufen!


    Broché: 288 pages
    Editeur : Seuil (18 août 2016)
    Collection : Cadre rouge
    Langue : Français
    ISBN-10: 2021329178
    ISBN-13: 978-2021329179

  • Heute Morgen fand ich einen guten Artikel über dieses neuerschienene Buch von Andreï Makine:
    http://culturebox.francetvinfo…ecrivains-francais-245147


    Und im Interview bestätigt der Schriftsteller also, dass es sich bei dem Heranwachsenden (der Pavel begegnen wird) tatsächlich um ihn selbst handelt und die Geschichte authentisch ist:


    On s'en doutait, Andreï Makine le confirme, cet adolescent c'était lui. "Bien sûr que j'ai rencontré Pavel. J'avais 14 ans", se souvient le romancier aujourd'hui âgé de 59 ans et bientôt à l'Académie française. "L'histoire est réelle", insiste-t-il en rappelant que la taïga fut une terre d'asile pour nombre de fugitifs. Andreï Makine a gardé la nostalgie de son enfance sibérienne, à Nikolaïevsk, ville sur le fleuve Amour, un grand port ouvert sur le Pacifique. "On vivait un peu dans cet esprit Far-West, ou plutôt Far-East, un peu aventureux. Tout était possible...", raconte-t-il.

  • Und im Interview bestätigt der Schriftsteller also, dass es sich bei dem Heranwachsenden (der Pavel begegnen wird) tatsächlich um ihn selbst handelt und die Geschichte authentisch ist:

    und ich hab sogar sinngemäß verstanden, was der Autor hier sagt :uups:

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Rafik Schami - Ich wollte nur Geschichten erzählen

    :study: Irène Némirovsky - Meistererzählungen


  • Na, zumindestens auf Englisch erscheint es nun bald!


    On the far eastern borders of the Soviet Union, in the sunset of Stalin's reign, soldiers are training for a war that could end all wars, for in the atomic age man has sown the seeds of his own destruction. Among them is Pavel Gartsev, a reservist. Orphaned, scarred by the last great war and unlucky in love, he is an instant victim for the apparatchiks and ambitious careerists who thrive within the Red Army's ranks. Assigned to a search party composed of regulars and reservists, charged with the recapture of an escaped prisoner from a nearby gulag, Gartsev finds himself one of an unlikely quintet of cynics, sadists and heroes, embarked on a challenging manhunt through the Siberian taiga. But the fugitive, capable, cunning and evidently at home in the depths of these vast forests, proves no easy prey. As the pursuit goes on, and the pursuers are struck by a shattering discovery, Gartsev confronts both the worst within himself and the tantalising prospect of another, totally different life.

  • Könnte eventuell mofre und serjena und... interessieren?


    Agli estremi confini orientali della Russia, dentro al vento del Pacifico, per terre immense che sembrano sfuggite alla storia, Pavel Gartsev e i suoi compagni danno la caccia a un criminale dal volto sconosciuto. Pavel, nato e cresciuto nella Russia di Stalin, ha un passato di solitudine e abbandoni: rimasto orfano da bambino in circostanze che non conosce, ha vissuto, soldato ancora giovanissimo, tutta la violenza della seconda guerra mondiale. Rientrato a casa, Pavel si iscrive all'università, conosce Sveta, sogna di iniziare con lei una vita normale, ma all'addensarsi della guerra fredda è richiamato in servizio nell'est del paese e gli viene assegnato il compito di dare la caccia, insieme ad altri soldati, a un uomo evaso da un campo di prigionia. Per molti giorni i cinque, accompagnati da un cane, seguono per l'infinita distesa della taiga le tracce dell'uomo; la preda è astuta, più volte si fa gioco dei suoi inseguitori, costringendoli a un vagare disperato ed esaltante. Quando i suoi compagni vengono feriti, Pavel decide di continuare la caccia da solo, ma non sa ancora che la vera identità del fuggitivo, una volta scoperta, sarà capace di sconvolgere la sua vita.