John Williams - Augustus

  • Buchdetails

    Titel: Augustus


    Verlag: dtv

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 480

    ISBN: 9783423146128

    Termin: Dezember 2017

  • Bewertung

    4.1 von 5 Sternen bei 17 Bewertungen

    81,2% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Augustus"

    Macht, Verrat, Intrigen Octavius, Großneffe und Adoptivsohn von Julius Caesar, später Kaiser Augustus: Williams schildert das Wirken und Leben dieses außergewöhnlichen Mannes so plastisch, so mitreißend, als würden sich die Geschehnisse in unseren Tagen ereignen. Fiktive Briefe und Notizen, Erinnerungen und Senatsprotokolle lassen die Person eines Herrschers lebendig werden, dem das Schicksal Macht und Reichtum in vorher ungekanntem Ausmaß zuspielte. Aber er, der sich zum Gott erheben ließ, sieht am Ende, von Frau und Tochter entfremdet, dem Tod so ungeschützt entgegen wie jeder Mensch - als das »arme Geschöpf, das er nun einmal ist«.
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  • Klappentext:
    Octavius ist neunzehn, sensibel, wissbegierig, und er will Schriftsteller und Gelehrter werden. Doch als Großneffe und Adoptivsohn Julius Cäsars fällt ihm nach dessen Ermordung ein gewaltiges politisches Erbe zu: Ihm, der von schwächlicher Konstitution aber enormer Willenskraft ist, wird es durch Glück, List, Intelligenz und Entschlossenheit gelingen, das riesige Römische Reich in eine Epoche des Wohlstands und Friedens zu führen. (von der dtv-Verlagsseite kopiert)


    Zum Autor:
    John Williams wurde 1922 in Texas geboren. Trotz seiner Begabung brach er sein Studium ab. Widerstrebend beteiligte er sich an den Kriegsvorbereitungen der Amerikaner und wurde Mitglied des Army Air Corps. Während dieser Zeit entstand die Erstfassung seines ersten Romans, der später von einem kleinen Verlag publiziert wurde. Williams erlangte an der University of Denver seinen Master. 1954 kehrte er als Dozent an diese Universität zurück und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1985. Er veröffentlichte zwei Gedichtbände und vier Romane, von denen einer mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde.John Williams starb 1994 in Fayetteville, Arkansas. (von der dtv-Verlagsseite kopiert)


    Allgemeine Informationen:
    Originaltitel: Augustus
    Erstmals erschienen 1971 bei Viking Press, New York
    Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Bernhard Robben
    Bemerkung des Autors, Prolog, Buch I-III, Epilog, Zeittafel, Who’s Who im Antiken Rom
    Nachwort von Daniel Mendelsohn „Sei gegrüßt, Augustus! Wer aber war er?“
    Zusammengesetzt aus Briefen, Tagebucheintragungen und biographisch-fiktiven Fragmenten
    475 Seiten


    Persönliche Meinung:
    Wie ein Puzzle setzt Williams das Bild des Augustus zusammen: Weggefährten (fiktive und historische) und Familienangehörige, Historiker und Dichter, Freunde und Feinde schreiben einander Briefe über das, was gerade in Rom geschieht, was der Herrscher unternimmt und wie seine derzeitige private und politische Situation aussieht. Für den Leser ergibt sich das Bild eines Mannes, der den Spagat bewältigte, seine Machtbesessenheit und das Wohl des Staates zu vereinen.
    Erst am Ende lässt Williams Augustus selbst zu Wort kommen, und das Bild vervollständigt sich.


    Nicht jedes Detail lässt sich genauestens historisch belegen, aber der Autor biegt die Historie auch nicht so um, dass sie in sein Konzept passen würde. Eine gewaltige Recherche, die Williams für sein Buch auf sich nahm.


    Verglichen mit seinen beiden zuerst in deutscher Übersetzung erschienen Büchern „Stoner“ und „Butcher’s Crossing“ lebt dieser Roman von tatsächlichen Geschehnissen um das Jahr 0; der Aufbau ist völlig anders, die Hauptfigur ein mächtiger Staatsmann statt einfacher Männer, und das Handeln dieser Figur wird (zunächst) nicht vom Innen-, sondern vom Außenstandpunkt her betrachtet. Dennoch beweist Mendelsohn im Nachwort, wie viele Ähnlichkeiten Williams’ Augustus mit seinen beiden anderen Protagonisten hat.


    Was die Sprache betrifft: Hervorragend haben Williams (und der deutsche Übersetzer Bernhard Robben) die lateinische Sprache imitiert, was sich vor allem in der Satzstellung ausdrückt. Die Sätze klingen größtenteils wie wörtliche Übersetzungen lateinischer Texte: Floskelhaft höflich, auch in Emotionen distanziert und mit besonderem Blick auf die Nebensätze.


    Was leider das Bild trübt: In den Briefen des Maecenas an Titus Livius redet dieser den Freund mit „Livy“ an. Das Lateinische kennt den Buchstaben Y nicht. Diesen Fehler muss man dem Autor selbst anlasten, weil er auch im Original zu finden ist.
    Für die Region unter römischer Herrschaft wird im Buch das Wort „Italien“ verwendet. Tatsächlich hieß das Gebiet zu dieser Zeit „Itala“ oder „Latium“ (daher „Latein“ als Sprache der Latiner), dessen Grenzen enger waren als die des heutigen Latiums.
    Die Bewohner waren keinesfalls „Italiener“, sondern Italer oder Italiker.
    Hier hätte der Übersetzer meiner Meinung nach eingreifen müssen, weil es im Englischen keinen Begriff für „Itala“ gibt, Williams also keine Unterscheidung machen konnte.


    Auch wenn das Buch wegen der Sprache und des historischen Hintergrunds (ihn zu kennen hilft beim Verständnis) nicht so leicht lesbar ist wie Williams zuvor erschienene Publikationen, lohnt sich die Lektüre dieses besonderen Buches.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Ich verstehe Deine Irritation angesichts des Y, aber Livius wird im Englischen üblicherweise als Livy bezeichnet (und Plinius als Pliny).

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • @Magdalena, ich hätte es lieber gesehen, wenn Williams der Echtheit wegen in diesem Fall die korrekten lateinischen Namen verwendet hätte. Er hätte dann in seinen vorangestellten Bemerkungen, in denen er zu seiner Art, mit der Historie umzugehen Stellung nimmt, darauf hinweisen können.


    Und wenn nicht, dann hätte der Übersetzer es anders machen müssen. Im Deutschen klingen diese Anredeformeln nämlich wie Kosenamen. Und wenn man mit Latein in Schule und Universität groß geworden ist, tut das Y richtig weh. :eye:

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


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  • Das stimmt, im Deutschen ist es komplett daneben. Und ja, ich fände es auch schöner, wenn im englischen Original die echte lateinische Form verwendet würde, allein schon fürs echte Latein-Feeling.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)

  • Inhalt

    John Williams vierter Roman "Augustus" erschien bereits 1971 und weicht von seinen drei vorher veröffentlichten Büchern ab, weil er als Romanbiografie in Briefen und Quellen kein amerikanisches Thema behandelt. Im Vorwort stellt Williams klar, dass das dichte Netz aus Briefen, Tagebuchnotizen, Senatsprotokollen und Fragmenten geplanter Memoiren fiktiv ist, der Roman biete eine literarische, keine historische Wahrheit.


    In das Beziehungsgeflecht ist anfangs nicht leicht hineinzukommen. Da vertrauen alte Freunde einander ihre Gedanken an und tauschen sich über die Zipperlein des Alters aus, ein Sohn schreibt aus der Schlacht an den Vater, eine Tochter führt in der Verbannung Tagebuch, ein Zenturio bittet im Alter von 53 Jahren aus Altersgründen um die Freistellung vom Militärdienst, ein Statthalter liefert seinem Auftraggeber regelmäßig Berichte ab, eine Sklavin diktiert ihre Gedanken und Erinnerungen; denn sie kann selbst nicht schreiben. Die Figuren sind historisch verbürgt, ihre privaten Gedanken flüsterte der Autor ihnen ein und gibt jeder seiner Figuren so eine unverwechselbare Stimme. "Augustus" ist kein Buch nur über machthungrige alte und junge Männer; die Beziehungen zwischen Schreiber und Empfänger geben in fesselnder Weise Einblick in das Alltagsleben von Männern und Frauen, Herren und Dienern.


    Fazit

    Williams tritt bescheiden hinter seine Figuren zurück. Der Leser wird zum Zaungast schriftlicher Zwiegespräche, deren Beteiligte selten darüber nachzudenken scheinen, dass ein Brief kein Vier-Augen-Gespräch ist und kopiert werden kann. Einige der Briefschreiber scheinen Sinn für Spott und Ironie miteinander zu teilen. Ihr Austausch lässt das Ausmaß an Heuchelei, Klatsch, Intrige und Verrat zu Zeiten Julius Cäsars und seiner Nachfolger lebendig werden. Hervorstechend war für mich, dass Williams Figuren Sinn für Ironie und die komischen Seiten des Lebens zeigen. Über die Vorstellung der Anrede „Mein lieber Livy“ [Livius] auf einem Papyrus muss ich immer noch grinsen. Williams Schalk, der zwischen den Zeilen hervor blitzt, erinnert an Hilary Mantels listige Figuren-Charakterisierungen. Wer Mantels "Wölfe" mochte, liegt mit dem Griff zu diesem Roman sicher nicht daneben.


    Zitat

    Ich habe mich manches Mal gefragt, wie ich die mir gegebene Macht angewandt hätte, wenn ich keine Frau gewesen wäre. Selbst für mächtige Frauen wie Livia forderte es der Brauch, sich bescheiden zurückzuhalten und eine Genügsamkeit an den Tag zu legen, die ihrem Wesen oft widersprach. Ich wusste schon sehr früh, dass dies für mich nicht in Frage käme. [Julias Tagebuch]“ (Seite 293/294)


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    :study: -- Mantel - Brüder

    :study: -- Pochada - Visitation Street

    :musik: -- Dabos - Die Spiegelreisende 4.

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

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    Reihen: dt. Titel später ergänzt:

    Kate Penrose
    Ben Kitto
    03. Kalt flüstern die Wellen (2019=Ersch.jahr d. Originals) Burnt Island--978-3596700011


  • ### Inhalt ###
    Octavius ist der Sohn der Nichte von Julius Cäsar. Ihn beabsichtigt Julius Cäsar zu seinem Nachfolger zu machen. Er setzt ein Testament auf, in dem er Octavius zu seinem Alleinerben macht, dem er all sein Vermögen und seinen Titel vermacht. Julius hat Feinde, mächtige Männer aus den Reihen der Republikaner, die sein Gebahren sich zum Alleinherrscher Roms aufzuschwingen und die Macht den Senats zu schmälern aufs tiefste verachten. 44. v. C. wird Julius von einer Gruppe Verschwörern ermordet. Octavius ist zu diesem Zeitpunkt mit drei engen Freunden, dem Dichter Maecenas, dem Kämpfer Marcus Agrippa und dem klugen Salvidienus in Appolonia in Griechenland als er von der Nachricht erfährt. Er schwört daraufhin Rache an den Feinden seines Großonkels Julius Cäsar zu nehmen, seine Freunde schwören ihm als neuem Cäsar die Treue bei seinen Plänen. Doch der Gang an die Spitze Roms ist trotz offiziellem Testament gepflastert von Gefahren und Intrigen. Die Mächtigen wollen diesen kränklichen kleinwüchsigen Octavius nicht als Herrscher Roms und so beginnt ein Katz und Mausspiel um die Macht, bei dem sich Octavius geschickter anstellt als von allen gedacht.


    ### Positives ###
    Das Buch ist in drei Bücher strukturiert, die in Kapitel gegliedert sind. Es gibt einen Prolog und einen Epilog. Am Ende ist Zeittafel mit der Folge der geschichtlichen Ereignisse von 63 v. C. bis 14 n. C. Des Weiteren eine Liste mit Erklärungen zu den wichtigsten Persönlichkeiten dieser Zeit sowie ein Nachwort von Daniel Mendelsohn mit Meinungen und Interpretationen zum Text.


    Der Autor macht zu Beginn des Buches in einem Vorwort deutlich, dass das Meiste, abgesehen von wenigen Details in kursiver Schrift, Fiktion ist.


    Der Roman ist in der Form eines Briefromans verfasst. D. h. Alles, was wir als Leser erfahren, erfahren wir durch Briefe, die sich die Protagonisten gegenseitig schreiben oder die sie in Form von Tagebucheinträgen verfassen.


    Im ersten Buch wird die allgemeine Geschichte der Ermordung Julius Cäsars geschildert und die darauffolgenden Anstrengungen Octavius' die Macht an sich zu reißen. Im zweiten Buch hören wir z.B. viel von Julia, der Tochter von Octavius und im letzten Buch fängt Octavius selber an, sich in seinen Briefen an Nikolaos von Damaskus über sein Leben zu äußern.


    Das Buch steigert sich aus meiner Sicht zum Ende hin, da wir immer mehr Details von den agierenden Personen über die Geschehnisse erhalten. Durch die vielen Briefe ergibt sich Mosaiksteichen für Mosaiksteichen ein Gesamtbild. Das Finale bilden die Rückblicke und Überlegungen von Octavius.


    Ich konnte das Buch mit einigem Interesse lesen. Es ist in moderner Sprache gut und flüssig zu lesen und durch dieses nach und nach Freigeben von Informationen durch weitere Briefe und aus der Sicht der verschiedensten Personen bleibt die Spannung oben.


    Man erfährt auch so einiges über die damaligen Sitten der Römer (wenn sie denn wahr sind). Die Heirat naher Verwandeter in der römischen Oberschicht und/oder der Wechsel der Frauen von einem Mann zum nächsten, um die politischen Bande zu stärken, war durchaus üblich. Octavius erliess daher später Sittengesetze, die Ehebruch unter Strafe verboten.


    ### Negatives ###
    Das ist mein erster Briefroman. Und es wird wohl nicht meine bevorzugte Art von Roman werden. Einerseits ist es schon interessant das (erinnerte) Geschehen aus der Sicht der Protagonisten zu erfahren, andererseits wirken die Geschehnisse dadurch auch seltsam entfernt wie eine Art Dokumentation. Auch wirken die Romanfiguren seltsam austauschbar. Hier und da hätte man einen Absendernamen austauschen können ohne dass man das gemerkt hätte. Die durch die Zeittafel am Ende bereits bekannten Ereignisse werden durch die Briefe mit weiteren Details angereichert, dadurch wirkt es manchmal wie ein Geschichtsbuch mit bekanntem Ausgang.


    ### Fazit ###
    Inhalt: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Form: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Gesamt: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:


    Ein Buch für Menschen, die eine gut gemachte Fiktion über römisches Leben und den Kampf um die Macht zwischen 43. v. C. und 14 n. C. erleben möchten.