"Skandalöse" Autoren - trotzdem lesen?

  • Guten Abend,


    ich habe mal eine eher moralische Frage an euch.
    Ab und an erfährt man von Autoren, die man bis dahin gerne gelesen hat oder eigentlich lesen wollte, Dinge, die man lieber nicht gehört hätte.
    So ging es mir mir Akif Pirincci mit seinen homosexuellenfeindlichen Anwandlungen in den letzten Jahren, genau so wie mit Marion Zimmer Bradley und den Vorwürfen der Kindesmisshandlung, die wohl nie endgültig geklärt werden können. Eine andere Form dieser "Skandale" sind Plagiate, von denen wir hier im Laufe der Zeit ja auch schon einige besprochen haben.
    Seitdem ich von diesen Sachen erfahren habe, lesen sich die Texte dieser Autoren ganz anders. Was ich vorher gemocht habe, gibt mir jetzt ein angewidertes Gefühl. Man sieht die Texte in einem ganz anderen Licht.


    Nun meine Frage an euch: Wie geht ihr mit den Werken solcher Autoren um? Lest ihr sie trotzdem? Verbannt ihr sie? Schämt ihr euch vielleicht sogar, sie zu besitzen?
    Ich habe sooo viele Romane von der Frau Bradley, die ich gerne lesen würde, aber dieses mulmige Gefühl nimmt mir den Spaß. :-?


    [Edit:] Gerne dürft ihr auch weitere solcher Autoren hier auflisten, damit jeder sich eine eigene Meinung bilden kann, ob er sich weiter auf die Gedanken dieser Leute einlassen möchte.

  • Ehrlich gesagt interessiert mich an den Büchern nur die Geschichte und weniger der Autor, der dahinter steht. Selbst wenn ich wüsste, dass die Vorwürfe an Frau Bradley berechtigt wären, was ja noch nicht einmal sicher ist, würde ich die Bücher nicht vor diesem Hintergrund lesen, sondern losgelöst davon. Die Geschichten können nichts dafür, dass der Mensch dahinter vielleicht nur ein seelischer Krüppel ist oder Dinge tut, die verpönt oder sogar strafbar sind. Und so lange sich in den Geschichten nicht die Ansicht der Person widerspiegelt, warum sollte ich die Bücher dann nicht mehr lesen? Was ändert sich an den Geschichten?


    Man könnte das auch von einer anderen Warte aus betrachten: Von den meisten Autoren kennen wir nur wenig aus deren Leben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einer von ihnen ein Mörder, ein Attentäter, ein Tierquäler, ein Stalker ist, abgetrieben, jemand anderen zum Selbstmord getrieben oder andere unschöne Dinge getan hat - nur wissen wir nichts davon. Könnten wir mit dem Wissen, dass etliche Autoren keine weiße Weste mehr haben, noch Bücher lesen? Eigentlich ja nicht, wenn man dieser Logik folgen wollte. Und dann reden wir am besten auch nicht mehr mit den Menschen in unserer Umgebung, denn auch in unseren Nachbarn stecken wir nicht drin ...


    Mir geht es beim Lesen nicht um die Menschen, die sie geschrieben haben, sondern um den Inhalt der Bücher. Und so lange dieser Inhalt meinen Beifall findet, wird sich für mich lesetechnisch nichts ändern, bloß weil der Autor eigentlich ein Arsch ist.

    "deine beschreiebung alleine lässt vermuten, dass es sich um schmöckerroman einzigartiger klasse handelt, nämlich übertriebenem bullshid, der mit der wirklichkeit keinene hinreichenden effekt auf die wirklichkeit erstreckt." (Simon Stiegler)

    Stimmt! Ich schreibe spannende Unterhaltungsliteratur, die den Leser aus der Wirklichkeit entführt, bis zum Ende gelesen wird und bei der der Leser am Ende fragt: Wann erscheint der nächste Band? Schreiben will halt gelernt sein

  • Eine interessante Frage, auf die ich für mich noch keine endgültige Antwort gefunden habe. Abgesehen von Plagiaten: Wenn ich davon erfahre, lasse ich die Finger davon. Ich würde ja auch keinen geklauten Schmuck kaufen, wenn ich wüsste, dass er eigentlich einem anderen gehört, dem er gestohlen wurde.


    Was die "Fehler" oder Verfehlungen der Autoren angeht, so empfinde ich die Sache als ambivalent. Dass Günter Grass bei der Waffen-SS war, hat mich nicht davon abgehalten, seine Werke bis heute gern zu lesen und (die meisten) gut zu finden. Anders sähe die Sache aus, wenn er diese politische Richtung beibehalten hätte.
    Daher bleibe ich zu Pirincci eher in Distanz, der pauschale Hasstiraden gegen Schwule, Migranten und den Islam bei Pegida-Demonstrationen vom Stapel ließ. Obwohl es inzwischen Interviews gibt, in denen er seine Rede als eine Art provozierende Unterhaltung darstellt.

    Die Geschichten können nichts dafür, dass der Mensch dahinter vielleicht nur ein seelischer Krüppel ist oder Dinge tut, die verpönt oder sogar strafbar sind.

    Aber die Geschichten entstehen doch nicht im luftleeren Raum, sondern im Gehirn eines Menschen, das auch Verursacher seiner Worte und Taten ist. :-k

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Für mich persönlich kann ich das nicht pauschal beantworten, da gehe ich eigentlich immer nach meinem Gefühl und würde mir dann von anderen auch keine Schuldgefühle einreden lassen oder Ähnliches. Aber ganz trennen kann ich den Autor als Mensch und seine Werke nicht. Zum Beispiel hat Antonia Michaelis in einem Interview mal eine Aussage getätigt zu einem Thema, das mich privat sehr bewegt. Und diese Aussage fand ich so unmöglich, dass ich für mich beschlossen habe, kein Buch der Autorin mehr zu lesen, geschweige denn zu kaufen. Denn so untrennbar finde ich das alles eben nicht, denn ich unterstütze ja mit meinem Buchkauf auch den Autor und manche Menschen möchte ich dann einfach nicht unterstützen, egal wie klein der Betrag auch letztendlich sein mag.


    Generell urteilen würde ich da aber auch nicht. Ich kann zum Beispiel auch verstehen, dass man Bücher aus Interesse liest oder einfach auch, um sie beurteilen zu können - selbst wenn man, wie bei Pirincci, den Mann dahinter unmöglich findet. Da würde ich aber wohl eher auch auf eine Ausleihe zurückgreifen oder das Buch hinterher weiterverkaufen.


    Anders sieht es wieder bei Plagiaten aus: wer keinen Respekt vor dem geistigen, literarischen Eigentum anderer hat, der muss von mir auch nicht gelesen werden. Daran habe ich dann kein Interesse.

  • Die Geschichten können nichts dafür

    Da gebe ich dir recht, das ist eine Sache, die ich mir auch immer wieder sage.


    so lange sich in den Geschichten nicht die Ansicht der Person widerspiegelt

    Geschichten entstehen doch nicht im luftleeren Raum

    Und genau das ist mein größtes Problem an der Sache. Bei Pirincci zum Beispiel erkennt man, gerade in den neueren Büchern, seine verbitterte Mentalität ziemlich genau. Teilweise geht es regelrecht ins Menschenverachtende und all zu deutlich eingebrachte Meinungen. Auch bei Bradley spiegelt sich ihr Leben, wenn man sich etwas mit ihr beschäftigt hat, deutlich in ihren Geschichten wieder. Jeder Autor bringt halt auch etwas von sich in sein Werk, und gerade solche sehr gesellschaftskritisch angelegten Texte neigen dazu, schnell sehr viel von der eigenen Einstellung aufzunehmen. Besonders da kommt es dann oft vor, dass man über Passagen stolpert, die unter dem neuen Licht betrachtet viel dieser Gesinnungen preisgeben, mit denen man vielleicht nicht konform geht. Und da wird mir dann mulmig. Wenn man gewisse Sachen weiß, findet man sie überall im Text wieder.


    manche Menschen möchte ich dann einfach nicht unterstützen

    Das auch. Wobei ich die meisten meiner Bücher sowieso gebraucht kaufe.


    Abgesehen von Plagiaten

    wer keinen Respekt vor dem geistigen, literarischen Eigentum anderer hat, der muss von mir auch nicht gelesen werden.

    Ja, bei Plagiaten finde ich es auch sehr einfach zu entscheiden. Ist so gut wie keine Eigenleistung vorhanden, ist es das nicht wert.

  • Nun meine Frage an euch: Wie geht ihr mit den Werken solcher Autoren um? Lest ihr sie trotzdem? Verbannt ihr sie? Schämt ihr euch vielleicht sogar, sie zu besitzen?


    Also, wenn ein Autor Ansichten und Meinungen verbreitet die meiner Weltanschauung zuwider laufen, vergeht mir die Lust, davon was zu lesen.
    So werde ich kein Buch von Sibylle Lewitscharoff lesen, weil sie sich auf sehr beleidigende und herabwürdigende Art und Weise über Menschen geäussert hat, die mit Hilfe von künstlicher Befruchtung auf die Welt gekommen sind. Das stößt mich regelrecht ab. Aber das ist gut so, denn ich bin davon überzeugt, daß mir ihre Bücher nicht gefallen würden. Und ich glaube, man kann eher Gefallen an Büchern finden, deren Autoren ähnliche Wertvorstellungen, Gefühl für Recht und Unrecht, Anstand, Moral, Weltanschauung etc. haben wie man selbst. Zumindest geht es mir so.
    Ein harmloses Beispiel; ein Autor, der bekennender Veganer ist, würde mich weniger interessieren, als einer, der wie ich alles ißt. Ist halt so.

    “Bücher sind Feunde, die stets für uns Zeit haben.“
    “Und Phantasie, Phantasie vor allem, ohne deren Hilfe sich keine Probleme lösen lassen, die kleinen nicht und die großen erst recht nicht.“

    Otfried Preußler 20.10.1923 - 18.2.2013

  • Ein harmloses Beispiel; ein Autor, der bekennender Veganer ist, würde mich weniger interessieren, als einer, der wie ich alles ißt. Ist halt so.

    Dabei kenne ich ein ebensolches Beispiel für eine Autorin, die hervorragende Bücher schreibt, ohne dabei auf ihrem Veganismus herumzureiten.
    Natürlich habt ihr recht, wenn ihr sagt, dass in Büchern auch immer etwas vom Autor eingeflossen ist. Anders geht es auch gar nicht. Aber so lange keine strafbaren Handlungen befürwortet respektive positiv dargestellt werden, sehe ich das Ganze recht unproblematisch.
    Andererseits - auch wenn ihr euch dazu entschließen solltet, diesen oder jenen Autor zu meiden, werdet ihr weiterhin eine Menge Lesestoff finden. Gute Bücher sind glücklicherweise nicht rar gesät, sodass man auf Bücher eines bestimmten Autors locker verzichten kann.

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  • Interessante Frage @Keks , erinnert mich an die Diskussionen ob man Michael Jackson hören darf oder Filme mit Tom Criuse, Kristie Alley anschauen daf.


    Für mich ist wichtig wer was gemacht hat.
    Bei Akif Pirincci ist es so, dass ich da nix lesen möchte um ihm nicht die Verkaufszahlen und den Erfolg damit zu unterstützen. Er weiß genau was er tut und das unterstütz ich nicht.
    Bei MZB finde ich die Sache schwieriger. Einmal hat sie selbst nicht gehandelt, aber wußte sie was, war sie bewußte Mittäterin im ermöglichen? Das ist spekulativ für mich persönlich.
    Ob jemand Veganer ist oder nicht, ist mir egal, solange das Buch in Ordnung ist.
    Meistens weiß man aber nicht, wer und was der Privtamensch hinter einem Buch ist und so hat das keinen Einfluss auf mein Kauf- Leseverhalten. Auch recherchier ich nicht bei neuen Autor_innen, ob da etwas sein könnte..bei Büchern wie "Deutschland schafft sich ab" bin ich an Inhalten interessiert und besorg mir das gebraucht bzw aus der Bibliothek..oder es ist im Internet verfügbar..

  • Die von Euch aufgezählten Autoren habe ich nicht gelesen, außer Günter Grass. Dass ich von ihm nach der "Blechtrommel" nichts mehr gelesen habe, liegt nicht an seiner Vergangenheit, sondern daran, dass mir sein Schreibstil nicht besonders gefiel.
    Der einzige "Skandalautor", den ich bewusst kenne, ist Anne Perry. Sie hat als Fünfzehnjährige gemeinsam mit ihrer Freundin deren Mutter getötet. Sie hat ihre Strafe abgesessen, sich danach nichts zuschulden kommen lassen und viele lesenswerte Bücher geschrieben. Ich lese sie nach wie vor gern und habe mir vorletzte Woche erst wieder ein Buch von ihr gekauft.


    Bei einem homophoben Autor käme es für mich vermutlich darauf an, ob er die Homophobie in seinen Büchern erkennen lässt. Dann würde ich ihn nicht lesen. Wenn er gute Bücher schreibt und seine Meinung zur Homosexualität in seinem Privatleben belässt, geht mich das nichts an. Vermutlich haben viele Autoren - genauso wie ihre Leser - auch negative Eigenschaften an sich, von denen Außenstehende normalerweise nichts erfahren.
    Grundsätzlich kann ich also sagen, dass für mich eher die Sache (also das Buch) zählt als der Autor.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Das ist ja eine interessante Frage. Die hat sich mir so noch nie gestellt.
    Ich hätte dabei wohl eher keine inhaltlichen Probleme mit dem Text, sondern nur die "Befürchtung" diesen Menschen, der entgegen meiner moralischen Vorstellungen lebt, finanziell zu unterstützen. Ich glaube, wenn der Künstler bereits verstorben ist, hätte ich keinerlei Probleme mit solchen Texten. Im Gegenteil können ja gerade das Wissen ums solche Einstellungen und Erfahrungen den Texten ganz andere Bedeutung geben, was spannend sein kann. Wenn mich ein Buch wirklich interessiert, würde es mich vermutlich auch nicht abhalten, ehrlich gesagt.
    So schaue ich trotzdem die Filme von Roman Polanski an, der Jahrzentelang wegen eines laufenden Verfahrens wegen Vergewaltigung unter Verwendung betäubender Mittel einer Dreizehnjährigen in den USA gesucht wurde und immer noch gesucht wird, weil er sich dem Gerichtsverfahren bis heute nie stellte.

  • diesen Menschen, der entgegen meiner moralischen Vorstellungen lebt, finanziell zu unterstützen.

    Für solche Fälle gibt es immer noch die Bücherei, auch wenn das natürlich auch etwas "heuchlerisch" ist. Man will den Autor nicht finanziell unterstützen, aber trotzdem sein Buch lesen...

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  • Für solche Fälle gibt es immer noch die Bücherei, auch wenn das natürlich auch etwas "heuchlerisch" ist. Man will den Autor nicht finanziell unterstützen, aber trotzdem sein Buch lesen...

    Stimmt. Wobei ich mir da dann denken würde, dass die Bücherei, wenn die Bücher oft ausgeliehen werden, bestimmt auch weitere Werke des Autoren kauft, bzw. das Exemplar ersetzt, wenn es schnell abgegriffen ist. Oder so. (Ja, ich weiß. Aber so geht das in meinem Kopf zu. :D )

  • Orson Scott Card hat die beiden Romane "Enders Spiel" und "Enders Schatten" geschrieben, eine hervorragende Science Fiction, in denen Fragen der Toleranz, Freundschaft eine Rolle spielen und Dinge wie Macht, Kontrolle, Beherrschung sowie die Frage, wie weit darf man gehen, um das Üerlebn der eigenen "Rasse" bzu sichern (Stichwort: Völkermord). Diese Fragen löst Card sehr gut und mit seh viel Nachdenklichkeit und Toleraz, die er im Gegensatz zu seinen Büchern nicht an den Tag legt. Er hat selbst ein völlig verqueres homophobes und teilweise auch rassistisches Weltbild, was einfach nur erschreckend ist. Ich habe seine zwei auf Deutsch neu auferlegten Bücher gelesen, möchte aber selbst nichts weiter von ihm lesen. Günter Gass' Schreib- und Erzählstil hat mich schon vor dem Bekanntwerden seiner Vergangenheit abgeschreckt, seine Bücher zu lesen. Bei der "Blechtrommel" habe ich es immerhin 5 Mal versucht und bin grandios gescheitert. So ermüdend, so langweilig. Von Akif Pirici versteht sich selbstverständlich, nichts zu lesen. Wenn ich einfach bei einem Autoren nicht mehr ansatzweise das Gefühl habe, damit übereinzukommen, dann lasse ich auch die Finger davon.


    Sarrazin ist für mich übrigens auch so ein Autor. Schreibt hetzende moralkeulenschwingende Bücher, wie man dies und jenes besser machen kann und hetzt nur gegeneinander auf, statt zu verbinden. Er ist für mich mit ein Grund dafür, dass die politische Situation, dass Erstarken der Rechten so ist wie sie ist. Natürlich spielen da noch eine Menge anderer Faktren mit rein aber ich kann insbesondere alte tattrige Politiker nicht leiden, die meinen alles kommentieren zu müssen, was die aktuell an der Macht befindlichen Kollegen so tun. Das ist einfacher als selbst an den entsprechenden Schaltstellen zu sitzen und zu wirken. Als Sarrazin die Chance hatte, politisch zu gestalten, hat er ja nicht viel geschafft. Und dann mit dem Finger auf andere zeigen, ist schon ein starkes Stück. Der macht es sich zu einfach. Und diese Hetze dnn noch zu unterstützen, in den man seine Pamphlete kauft, nein, danke.

  • Ich kann die Person des Autors beim Lesen nicht völlig ausblenden wie es andere hier anscheinend problemlos vermögen. Lesen erscheint mir dazu auch viel zu sehr als ein intimes Einverständnis zwischen Autor und Leser - auf der Grundlage von Sympathie. Ich unterhalte mich möglichst auch nicht länger als nötig mit mir unsympathischen Leuten. Da müsste eine Geschichte schon RICHTIG gut sein, damit ich vergessen könnte, dass die Person, die sie mir erzählt, untragbare, verachtenswerte Äußerungen vertritt oder sich gar durch lebensfeindliche, kriminelle Taten hervorgetan hat. Allerdings kann ich selbstverständlich auch verzeihen, wenn Autoren im Laufe ihres Lebens einem falschen Glauben aufgesessen sind, das mache ich unter anderem bei den schon lange toten Schriftstellern Knut Hamsun oder Louis-Ferdianand Céline. Dabei kann natürlich helfen, wenn Fehler eingesehen und Besserung gelobt wurden. Wenn falsches Verhalten oder Schmähreden aber nicht bereut und aufgearbeitet werden oder im schlimmsten Fall noch fortgesetzt werden, dann wende ich mich sehr gerne anderen Autoren zu, denen ich meine Lesezeit und/oder mein Büchergeld widme.

    David Lynch & Kristine McKenna "Traumwelten" (189/746)

    William Faulkner "Licht im August" (141/418)


    Jahresbeste: Denton Welch (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
    Gelesen: 111 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Aleksandar Tišma "Der Gebrauch des Menschen" (18.11.)

  • Dabei kenne ich ein ebensolches Beispiel für eine Autorin, die hervorragende Bücher schreibt, ohne dabei auf ihrem Veganismus herumzureiten.

    Das war nur ein Beispiel. Ist nicht so, daß ich vegane Autoren kategorisch ablehne ... kicher :wink::wink: Aber welche Autorin meinst Du denn?

    “Bücher sind Feunde, die stets für uns Zeit haben.“
    “Und Phantasie, Phantasie vor allem, ohne deren Hilfe sich keine Probleme lösen lassen, die kleinen nicht und die großen erst recht nicht.“

    Otfried Preußler 20.10.1923 - 18.2.2013

  • Sehr interessantes Thema finde ich. Und wie unterschiedlich die Meinungen dazu sein können sieht man ja an den bisherigen Antworten. Interessant (und verwunderlich) welche Maßstäbe manche anlegen. Aber jeder nach seinen Vorstellungen.....


    Man könnte das auch von einer anderen Warte aus betrachten: Von den meisten Autoren kennen wir nur wenig aus deren Leben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einer von ihnen ein Mörder, ein Attentäter, ein Tierquäler, ein Stalker ist, abgetrieben, jemand anderen zum Selbstmord getrieben oder andere unschöne Dinge getan hat - nur wissen wir nichts davon

    Hm, das bringt mich wirklich zum Nachdenken.... ?( Ich stelle mir gerade vor dass Sebastian Fitzek oder Chris Carter Serienmörder sind..... ähäm.... :-s und nun ihre Erfahrungen für ihre Bücher nutzen... 8-[
    Also, ähäm, ehrlich gesagt, ich hätte kein Problem damit wenn sie Veganer wären (sind sie?) oder einen Geldautomaten gesprengt hätten (ohne dass Menschen zu Schaden gekommen sind) (haben sie?),
    oder ob sie homosexuell sind (sind sie?)... Aber Mord um Bücher zu schreiben, - nein, dass wäre ein Leseausschlusskriterium.


    O.K. das ist etwas extrem, aber : wer weiss denn ...


    ?( Also ich habe jetzt langsam ein Problem.... Und ich glaube, wenn wir wirklich sicher sein wollen dass der Autor mit unseren Wertvorstellungen so einigermaßen konform geht dann.... tja dann bleibt vielleicht Vorabrecherche über den Autor. Aber: welche Quellen nutzen wir dann? Welchen Informationen können wir trauen? Wie erfahre ich das, was der Autor geheim hält oder einfach nicht öffentlich zeigt?
    Hm,aber dann....


    :-? also ich muss da mal d`rüber nachdenken....



    :cat::winken:

    "Es geht uns mit den Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber wenige erwählen wir zu unseren Freunden." (Ludwig Feuerbach) :study:

  • Keine einfache Frage, ich hab meine Meinung zu dem Punkt auch häufiger überdacht und im Laufe der Zeit auch geändert. Heute sehe ich es so:
    Das eine ist die Kunst, das andere der Künstler. Ich versuche da zu trennen. Mir würden nämlich sonst nach und nach die Autoren ausgehen, wenn ich sie alle nach meinen Moralvorstellungen bewerten würde... Ich lese weiterhin Gottfried Benn, trotz der von ihm zeitweise gehegten Nazi-Sympathien, ich lese weiterhin Samuel Delany, obwohl er sich in einem Statement einmal positiv über ein Pädophilen-Netzwerk geäußert hat. Ich mag auch Pirinccis Romane immer noch - die ich allerdings Jahre vor dem Erscheinen von "Deutschland von Sinnen" gelesen habe. Würden mich MZBs Bücher ansprechen, würde ich sie vermutlich auch lesen. Ich schaue auch weiterhin Filme von Roman Polanski. Oder mit Tom Cruise.
    Orson Scott Card stand jahrelang auf meiner "Boykott"-Liste, mittlerweile führe ich sowas nicht mehr :wink: (da mich seine Bücher nicht interessieren, werde ich sie vermutlich dennoch nie lesen, mein Boykottieren war also mehr oder weniger schwachsinnig).


    Klar ist das nicht immer eine einfache Entscheidung und so ganz komplett trennen kann ich dann doch nicht immer. Aber ich kann mich durchaus auch mit Werken auseinandersetzen und die Werke sogar mögen, wenn ich den Autor als Person problematisch finde.

    Man könnte das auch von einer anderen Warte aus betrachten: Von den meisten Autoren kennen wir nur wenig aus deren Leben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einer von ihnen ein Mörder, ein Attentäter, ein Tierquäler, ein Stalker ist, abgetrieben, jemand anderen zum Selbstmord getrieben oder andere unschöne Dinge getan hat - nur wissen wir nichts davon. Könnten wir mit dem Wissen, dass etliche Autoren keine weiße Weste mehr haben, noch Bücher lesen? Eigentlich ja nicht, wenn man dieser Logik folgen wollte. Und dann reden wir am besten auch nicht mehr mit den Menschen in unserer Umgebung, denn auch in unseren Nachbarn stecken wir nicht drin ...

    Das ist es nämlich. Bei den allermeisten Autoren, die ich lese, weiß ich nullkommanichts aus deren Privatleben. Es interessiert mich auch nicht. Dazu kommt: Ich lese einige Autoren, die in ganz anderen Zeiten gelebt haben. Davon waren wahrscheinlich einige totale Sexisten, homophob und auch ziemliche Rassisten. Weiß ich's? Lässt sich das heute immer noch nachvollziehen?
    Erkennt man eine problematische Einstellungen in den Werken, kann ich mich damit dann wieder kritisch auseinandersetzen, unter Berücksichtigung der jeweiligen Epoche und den damals geltenden Moralvorstellungen/ Gesetzen.


    Natürlich muss - und wird - jeder für sich selbst entscheiden, wie er den Umgang mit diesen "skandalösen" Autoren handhabt. Ich kann die Einstellung, einige Autoren nicht unterstützen zu wollen, total nachvollziehen.
    Für mich gilt: Ich will mit dem Autor nicht befreundet sein. Ich will gute Bücher lesen. Was ich vom Autor persönlich halte, hat keinen Einfluss auf meine Leseentscheidung (mehr).

    "Selber lesen macht kluch."


    If you're going to say what you want to say, you're going to hear what you don't want to hear.
    Roberto Bolaño

  • Das war nur ein Beispiel. Ist nicht so, daß ich vegane Autoren kategorisch ablehne ... kicher :wink::wink: Aber welche Autorin meinst Du denn?

    Susanne Gerdom. Bei Facebook hat sie manchmal ziemlich extreme Postings, was Fleischverzehr angeht, aber ihren Büchern merkt man diese Einstellung nicht an.

    "deine beschreiebung alleine lässt vermuten, dass es sich um schmöckerroman einzigartiger klasse handelt, nämlich übertriebenem bullshid, der mit der wirklichkeit keinene hinreichenden effekt auf die wirklichkeit erstreckt." (Simon Stiegler)

    Stimmt! Ich schreibe spannende Unterhaltungsliteratur, die den Leser aus der Wirklichkeit entführt, bis zum Ende gelesen wird und bei der der Leser am Ende fragt: Wann erscheint der nächste Band? Schreiben will halt gelernt sein

  • Susanne Gerdom. Bei Facebook hat sie manchmal ziemlich extreme Postings, was Fleischverzehr angeht, aber ihren Büchern merkt man diese Einstellung nicht an.

    Ach, schau an. Susanne Gerdom lese ich sehr gerne, dass sie Veganerin ist, ist aber komplett an mit vorbeigegangen :lol:
    An ihren Büchern merkt man das wirklich nicht (nicht, dass mich das stören würde...)

    "Selber lesen macht kluch."


    If you're going to say what you want to say, you're going to hear what you don't want to hear.
    Roberto Bolaño

  • Ach, schau an. Susanne Gerdom lese ich sehr gerne, dass sie Veganerin ist, ist aber komplett an mit vorbeigegangen

    Von dieser Autorin habe ich noch nie gehört, aber ich finde es generell etwas schräg, einen Veganer mit Homophoben, Rassisten etc zu vergleichen. Für mich käme es nie in Frage, vegan zu leben und ich würde es mir auch verbitten, diesbezüglich bekehrt zu werden, aber von mir aus können die Autoren meiner Lieblingsbücher vegan leben, gebratene Schuhsohlen oder Knollenblätterpilze essen. Letzteres lieber doch nicht, sonst bleibt der Büchernachschub aus... :-k

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
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