Wakoh Honna - Heimliche Blicke / Nozoki Ana

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  • 2 Menschen, die sich durch ein kleines Loch zwischen ihren Wohnungen beobachten: Eine packende Geschichte, die durch alle Emotionen führt.





    Ein ganz normaler junger Mann, in einer ganz normalen Stadt mit einem ganz normalen Leben. Tatsuhiko Kido kommt nach Tokyo und will dort an einer Kunsthochschule studieren. Wie so üblich, zieht er alleine in eine 1-Zimmer-Wohnung und lebt sich ein wenig ein. Doch recht bald bemerkt er ein kleines Loch in seiner Wand. In einer Nacht, die er mit seinem besten Freund durchzecht hatte, bemerkt er zum 1. Mal einen Lichtfunken aus dem Loch strömen. Normal war es immer dunkel. Doch diesmal sieht er eine junge Frau, die sich gerade direkt vor dem Loch selbst befriedigt ! Doch sie bemerkt, dass sie bobachtet wird. Unser Protagonist Tatsuhiko Kido erschrickt und rennt sofort hinüber, um sich zu entschuldigen und das Loch zu reparieren. Doch der jungen Frau gelingt es, ein sehr unanzügliches Bild von unserem Kido zu schießen und erpresst ihn dazu, das Loch offen zu lassen. Doch es kommt noch "schlimmer". :D Sie hat ihn schon von Anfang an beobachtet und es geheim gehalten ! Doch unsere Voyeuristin geht sogar noch weiter und zwingt ihm eine Regel auf: Die beiden sollen sich nach Tagen wechselnd gegenseitig beobachten dürfen. Bei allem, was sie tun. Bei wirklich allem. Unsere Vouyeuristin heißt Emiru Ikuno und will alles von Kido sehen. Sie will aber auch, dass er alles von ihr selbst sieht. Es geht ihr um nicht weniger als das glaubhafteste und alltäglichste Leben. Essen, Lernen, Ausruhen, Treffen mit Freunden, Schlafen und Fernsehen. Unsere Emiru will alles sehen. Zusätzlich hat sie auch noch eine recht perverse Seite, also will sie natürlich auch dabei zusehen, wie er sich selbst einen runterholt. Und sie will, dass er dabei zusieht, wie sie es sich selbst besorgt. So beginnt ein langes Hin und Her, denn Emiru will nicht in das Leben von Kido hineingezogen werden, will aber alles beobachten. Und Kido will nichts sehen, sondern tut nur das Nötigste, damit das unanzügliche Bild nicht veröffentlicht wird.



    So beginnt der Autor (oder Autorin ? Ich kann das anhand des Namens nicht sagen) eine lange Story um die beiden. Der Comic heißt "Nozoki Ana" (2009-13) und ist gezeichnet von Wakoh Honna. Als Schreibweisen habe ich statt "Wakoh" auch "Wakou" und "Wakô" gesehen. Was richtig ist, konnte ich nicht herausfinden. Im Dt. heißt der Comic "Heimliche Blicke" und umfasst satte 13 Bände. Das ist nicht wenig, rechtfertigt sich aber durch die breitgefächerte Handlung und die Tiefe der Geschehnisse. Denn wir folgen unserem Protagonisten Kido durch alle emotionalen Facetten, Höhen und Tiefen. Er versucht sich mit der Existenz des Loches zu arrangieren oder versucht es zu ignorieren. Er findet sich damit ab oder droht zu verzeifeln. Er wird stinksauer oder freundet sich sogar damit an. Ähnliches betrifft seine "Beziehung" zu seiner Nachbarin Emiru, die sich auch als Klassenkameradin in der Kunsthochschule entpuppt. Er verachtet, beachtet, ignoriert, mag, liebt, respektiert, fürchtet und hasst sie. Das alles wechselt und ändert sich immer wieder. Gleichzeitig versucht er auch noch mit seinem eigenen Leben fertig zu werden. Recht bald am Anfang gerät er in eine sehr herzliche, liebevolle und zugleich sehr wollüstige Beziehung zu einer anderen Klassenkameradin. Irgendwie verpasst er ein paar Gelegenheiten, dieser alles zu gestehen und wird stellenweise komplett verzweifelt. Manche finden auch das Geheimnis heraus und drohen beiden oder versuchen sie auseinanderzubringen.


    Doch eines ist von Anfang klar. Die beiden finden zusammen. Irgendwie. Irgendwann.



    Das war mir völlig klar. Das Ende war dann auch tatsächlich vorhersehbar. Und dieses Ende war so vollends befriedigend. Nicht im sexuellen Sinne, was der bisherigen Inhalt ja vermuten lassen könnte. :D Nein. Im emotionalen Sinne. Das Ende ist gut gelungen und sehr plausibel. Doch zwischenzeitlich musste ich daran echt zweifeln, weil das WIE völlig unklar war. Es gab Plottwists, Timeskips, Schocker, Annäherungen und wiederum Entfernungen. Die STory ist im Ansatz so simpel, aber gleichzeitig unfassbar gut. Die Charakterbilder sind gleichzeitig sehr schön gezeichnet, weil sie in sich schlüssig sind und immer wieder vorkommen. Wir lernen ihre Geschichte und erleben deren meist tragischen Entwicklungen mit. Die drastischsten Entwicklungen sind allerdings natürlich bei unseren beiden Protagonisten Emiru und Kido zu finden. Diese Entwicklungen sind langsam. Manchmal lesen wir sie als Gedankensprechblasen, manchmal sehen wir sie an Entscheidungen, die die beiden langsam anders zu fällen beginnen. Sehr gut war auch die späte Erzählung von Emirus Geschichte. Dadurch war ich immer gespannt zu erfahren, warum sie sich so verhält, wie sie es tut. Man konnte die Widersprüchlichkeit (bevor wir ihre Geschichte erfahren) in ihrem Verhalten theoretisch auch als Missgeschick des Autors (der Autorin ?) auslegen, doch hatte ich das Gefühl, dass es dafür gute Gründe gibt. Und die gab es dann auch.





    Das trifft gottseidank auch auf die Optik zu. Die Zeichungen sind sauber und ordentlich. Die Personen voneinander ohne Verwirrung zu unterscheiden. Natürlich sind in dem Comic auch sehr viele Emotionen, viele nackte Körper und zahllose Brüste zu sehen. Es ist fast schon mehr als nur Ecchi. Echt. :D Aber die rein pornographischen Zeichnungen sind immer wohldosiert.



    Ob der Autor das so gewollt hat, weiß ich nicht, aber ich konnte mich sehr gut mit Emiru identifizieren, weil WIR als Leser sonst stets ihre Rolle einnehmen. WIR sind sonst die, die alles beobachten, indem wir die Personen durch das Buch hindurch beobachten. Das war ein wenig inceptionlike. :D
    Sehr bemerkenswert fand ich auch, dass die Handlung die momentane gesellschaftliche Einstellung zur Beziehung (mMn !) so völlig 1:1 reflektiert. Affären werden jetzt nicht als sooo schlimm angesehen. Die Grenzen, was eine Affäre ausmacht, ist jedem Individuum selbst überlassen. Außerdem gilt es, dass jeder den Impulsen seines Herzens folgen soll. Wenn das bedeutet, dass eine eigentlich liebevolle und gut laufende Beziehung deswegen beendet werden muss, dann ist auch das halt so.
    Ob der Autor darüber refklektiert hat ? Denke eher nicht, ist aber auch nicht so schlimm.





    Alles in allem muss ich schon sagen, dass ich begeistert bin. Dieser Comic war noch packender und fast noch perverser als Velvet Kiss.
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

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