Atiq Rahimi – Heimatballade / La ballade du Calame

Cover zum Buch Heimatballade

Titel: Heimatballade

, (Übersetzer)

3,8 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

Verlag: Ullstein Hardcover

Format: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 192

ISBN: 9783550081392

Termin: Februar 2017

Aktion

  • Original : Französisch, 2015

    INHALT :
    « Das Exil lässt sich nicht beschreiben. Es wird gelebt. So griff ich zum Calame, diesem spitz zubearbeiteten Schilfrohr, dessen ich mich als Kind bediente. Und ich zeichnete die kalligraphierten Buchstaben und rief die Wörter meiner Muttersprache herbei.
    Um sie zu sublimieren, sie zu verehren.
    Damit sie zurückkommen in mir.
    Damit sie mein Exil beschreiben. »

    So nahm diese intime Wanderung Form an : Mischung von Worten, Zeichen, dann Körpern.
    Eine Meditation über das, was von unserem Leben bleibt, wenn man die Erde seiner Kindheit verliert.
    (Quelle: französischer Klappentext; Behelfsübersetzung von mir)


    BEMERKUNGEN :
    Atiq Rahimi hat inzwischen eine Leserschaft angezogen. Auch hier im BT trafen seine Bücher auf ein Echo. Dabei ist er nicht nur Schriftsteller, sondern auch Filmemacher, Photograph und… - wie ich nach diesem jetzigen, dritten auf Französisch erschienen Buch weiss – auch « Kallimorphist ». Diese ist eine der Kalligraphie verwandte Kunst, mit spärlichen Mitteln, manchmal nur einer Linie, ein Wort wiederzugeben, gleichsam körperlich. Dahin führt uns dieser « Spaziergang des Calame », (des spielerischen, zeichnenden Schilfrohrs) der Ausgang nimmt in der Armut des Exilierten. Ja, Rahimi bleibt auch dreissig Jahre nach dem Verlassen seiner afghanischen Heimat ein « Exilierter », jemand, der in Frankreich Afghane ist, und in Afghanistan nun Franzose. Wie von diesen Wunden sprechen ? Gar nicht… Aber das Schreibgerät einfach seine eigenen Wege finden lassen, als ob es eine Eigendynamik hätte.

    Und so kommen hier Erinnerungen seines Heimatverlusts, seines Exils. Man hat definitiv etwas hinter sich gelassen : seinen Körper mit seinen Gesten, Wörtern, Geheimnissen, seinem Blick, seiner Freude. Was für eine Katastrophe…

    Dabei bewegt sich der Autor zwischen Kunst (Kallimorphie), Spiritualität und Philosophie. Er stellt diese verschiedenen Ansätze in ein Verhältnis, zieht Verbindungen. Manchmal etwas Überraschende, die mich nicht absolut überzeugten, da sie etwas herbeigezogen klingen. Denn Rahimi schöpft bei verschiedensten Quellen, springt von den monotheistischen Religionen zum Buddhismus oder den indischen Weisheitslehren. Vielleicht etwas kunterbunt, aber interessant. Zu sehr – so einer meiner Kritikpunkte – stellt er den scheinbaren Dualismus Körper-Geist der abrahimitischen Religionen einem befreiten Körperverständnis gegenüber. Das ist eine verbreitete Argumentationsweise, die aber so nicht ganz den Kern trifft. Schade !

    Doch dennoch : ein reiches, nachdenklich stimmendes und anregendes Buch mit Kallimorphien des Autors, Angaben zu gelesenen und zitierten Büchern, einer Zusammenstellung der ausgeschriebenen Kallimorphien und ihren Bedeutungen und einem Inhaltsverzeichnis. Vor allem jedem Kunstliebhaber, Arabisten, Exilierten… zu empfehlen !

    AUTOR:
    Atiq Rahimi (* 26. Februar 1962 in Kabul) ist ein französischer Schriftsteller und Filmregisseur afghanischer Herkunft. An der Universität Kabul begann er ein Literaturstudium und war als Filmkritiker tätig. Während des Bürgerkriegs in Afghanistan suchte Rahimi Zuflucht in Pakistan und floh 1984 nach Frankreich. An der Sorbonne in Paris promovierte er in audio-visueller Kommunikation. Sein erster Roman, Erde und Asche, erschien 2000 und thematisiert den Krieg in Afghanistan; Rahimi hat ihn 2004 auch selbst erfolgreich verfilmt. Sein weiteres Œuvre kreist ebenfalls um die kulturellen und politischen Verhältnisse in Afghanistan, vorrangig um die (Selbst-)Befreiung der Frauen in Afghanistan aus ihrer traditionellen Rolle.

    Rahimi ist afghanischer und französischer Staatsbürger und seit den 2000er-Jahren auch wieder in Afghanistan kulturell aktiv. Für seinen ersten Roman in französischer Sprache Syngué Sabour. Pierre de patience („Der Stein der Geduld“) erhielt Rahimi 2008 den Prix Goncourt.


    Relié: 208 pages
    Editeur : L'Iconoclaste (26 août 2015)
    Collection : IC.VERGE
    Langue : Français
    ISBN-10: 2913366767
    ISBN-13: 978-2913366763

  • Gerade entdeckt, dass es nun aine deutsche Übersetzung gibt! Titel:

    Heimatballade

    Was bleibt, wenn das Band zur Kindheit zerreißt

    1973 gerät das Leben des elfjährigen Atiq Rahimi aus den Fugen: Sein Vater, Richter am Obersten Gerichtshof in Kabul, wird nach einem Staatsstreich ohne Angabe von Gründen verhaftet. Als man ihn endlich freilässt, geht er ins Exil nach Indien, wohin ihm der Sohn folgt. Ein Kulturschock für den muslimisch erzogenen Jungen, der plötzlich mit einer anderen Zivilisation konfrontiert ist, vor allem mit einer anderen Religion, dem Hinduismus, und ihren nur allzu menschlichen Göttern. Einige Jahre später verschlägt es Atiq Rahimi nach Frankreich, wo er seitdem lebt. Dreißig Jahre nach seiner Flucht aus Afghanistan schreibt Atiq Rahimi erstmals über sein Exil und sein Verhältnis zu Heimat und Muttersprache. Entstanden ist ein poetisches Journal intime, das den besonderen Lebensweg des Goncourt-Preisträgers nachzeichnet.

    Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
    Verlag: Ullstein Hardcover (24. Februar 2017)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3550081391
    ISBN-13: 978-3550081392

    Ich bitte einen Mod, den Fredtitel dementsprechend zu erweitern! Danke!

  • Ich hätte der Erzählung gerne fünf Sterne gegeben, denn die "Kallimorphien" gefielen mir sehr, diese zu betrachten war eine Freude, lösen beim Leser eigene Assoziationen aus, aber sie in Kontext mit dem Text zu verbinden bereitete mir doch etwas Schwierigkeiten und ich hatte oftmals Mühe den Erklärungen zu folgen. Manchmal war ich noch versunken beim gerade lesenden Satz und schon folgt abrupt etwas ganz Neues, es geschah so unerwartet, ich musste einfach innehalten. Ich verstehe den Autor, kann nachvollziehen was für Einblicke er dem Leser gewährt und ich liebe seine Sprache, jedoch ganz zufrieden bin ich nicht.

    Gebt gerne das, was ihr gerne hättet: Höflichkeit, Freundlichkeit, Respekt. Wenn das alle tun würden, hätten wir alle zusammen ein bedeutend besseres Miteinander.

    Horst Lichter

  • Die Kallimorphien haben für uns zunächst wohl eine graphisch-ästhetische Schönheit und Aussagekraft. Die Bedeutungsschwere, quasi die Inhaltsvermittlung zu erahnen fällt uns als Nicht-Arabischmächtigen wahrscheinlich viel schwerer. Dass ein Minimum an graphischem Ausdruck ein Sinn innewohnt ist uns insofern nicht ganz so zugänglich? Die Erklärungsversuche scheinen dann manchmal weit hergeholt oder gar gekünstelt, doch können für den Arabisch-Lesenden vielleicht viel naheliegender empfunden werden?

    Na, dann lassen wir uns einfach verzaubern von den Linien und Kurven, den Rundungen und Bögen...

    Bei uns im Nachbardorf wohnt ein syrischer Kalligraph, der in seiner Heimat das echt als Kunst ausübte. Was er uns manchmal zeigt ist einfach atemberaubend schön...

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