Arne Hoffmann - Romantischer Sex

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  • Wie verwöhnt man seinen Partner oder lässt sich selbst verwöhnen ? Das ist nicht nur für alle, die schon alles erlebt haben !



    Ja, wie soll ich das Buch einschätzen ? Als Ratgeber ? Das trifft es nicht ganz, auch wenn Arne Hoffmann hier viele Räte erteilt. Vielleicht ist sein Buch "Romantischer Sex. Für die, die schon alles erlebt haben" (2010) dann eher eine Geschichte, die Hoffmann uns berichtet ? Nein, das trifft es irgendwie auch nicht so ganz. Denn auch wenn er davon berichtet, wie viel Mühe es ihn gekostet hat, eine Exfreundin von ihm, die ein Workaholic war, dazuzubringen, sich die Zeit für romantischen Sex zu nehmen (S. 235), erzählt er zwar von seinen Erfahrungen, doch nimmt das niemals Oberhand. Geschweige denn, dass diese Rollenverteilung (Er: erfahren; wir: unerfahren) sich durch das Buch durchzieht. Vielmehr plaudert er mit uns. Ich glaube, das trifft es am besten. Wenn er zu uns als Lesern am Ende des Kapitels zu interessanten Orten für ein Stelldichein meint, dass das noch lange nicht alle Orte sind (Auto, Strand, Wald, öffentliche Orte, etc.) und dass wir uns mit unseren Partnern selbst etwas überlegen können und sollen, tritt er quasi in einen Dialog mit uns. Wir sollen uns selbst Gedanken machen. Sein Buch ist also eher ein Anreiz.
    Und dieser Anreiz ist wirklich gut gelungen.


    Sein Untertitel verrät, wer der augenscheinliche Addressat des Buches ist. Nämlich diejenigen, für die ungewöhnlicher Sex zur Gewohnheit geworden ist. Wenn Sex nur noch den Stellenwertes eines alltäglichen, schnellen und harten Ablassens von sexuellem Hormonstau ist, meint Hoffmann, solle man doch etwas Geschwindigkeit aus dem sex nehmen. Wenn es nichts besonderes mehr ist, sich einer schnellen und heftigen Nummer in der Küche, im Bad etc. hinzugeben oder wenn der Quickie zur Gewohnheit wird, wäre es evtl. angebracht wieder die Tiefe des sexlebens zu ergründen und ein "Liebes"leben daraus zu machen (S. 6-9). Stattdessen sollte dann der Fokus vom Geschlechtsverkehr als Penetration lieber vielmehr das Vorspiel und Nachspiel des Verkehrs ins Zentrum rücken. Am besten soll auch der Orgasmus als Ziel mal beiseite genommen werden. Eventuell sollte mal das Vorspiel nicht so stark als "Vorspiel" zum penetrierenden Akt gesehen werden, sondern vielleicht direkt als Ziel. Die Freude des Partners (ob mit Orgasmus oder ohne) und die entspannte Zweisamkeit sollte im Mittelpunkt stehen (S. 11-23).
    Wenn Hoffmann also von "romantischem Sex" spricht, meint er nicht Geschlechtsverkehr bei Kerzenlicht oder Oralsex in einer schönen Naturumgebung - naja zumindest nicht ausschließlich. Sondern das aufeinander Eingehen, das Zusammensein, die Intimität spielen die weitaus größere Rolle. Wenn zwei Partner (oder mehr ?) miteinander eine natürliche Umgebung miteinander genießen und durch die gefühlvolle Stimmung auch sexuelles Verlangen aufkommt, ist das schön - aber es ist kein Muss und nicht primäres Ziel der Situation.


    Mit dieser Grundeinstellung (die ich hoffentlich mehr oder weniger gut wiedergegeben habe) geht er dann auf zahlreiche Einzelaspekte ein. Auf die erotische Massage beispielsweise (dazu habe ich bei meinem Kommentar zu Baumanns Buch "Massagen für Liebende" etwas mehr geschrieben, weil sich da ein Vgl. gut anbot), auf das Küssen, Musik, Essen, etc. Hier ist ihm zum Schluss auch das Thema Zeit ganz besonders wichtig. Denn genau das -das richtige Zeitempfinden- geht nicht wenigen (Liebes)Paaren seiner Meinung nach sträflicherweis verloren (S. 233-239).





    So im Rückblick ist das Buch nicht nur für die gut lesbar und aufschlussreich ", die schon alles erlebt haben", sondern auch für welche, die mehr Abwechslung, Liebe, Sorgfalt oder Emotion in ihr Liebesleben bringen wollen. Es ist bei alledem aber noch immer kein Ratgeber. Irgendwie widerstrebt es mir, das Buch als solchen zu sehen. Denn den einzigen Rat, den Hoffmann mir persönlich erteilt hat ist: Gib Dir Mühe ! Dabei sind seine Erzählungen eher eigene Erfahrungsberichte, die mich zum Denken anregen (können).



    Ich bin überrascht, welche Wissenschaftlichkeit in dem Buch steckt. Das habe ich von Buch zum Thema Sex so nicht erwartet. Allerdings ist es deswegen noch lange kein akademisches Sachbuch. Im Gegenteil ! Genau dieses Buch ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man sorgfältiges Recherchieren/Wissenschaftlichkeit mit einem so populären/jeden betreffenden Thema verbinden kann. Echt klasse. Das wird auch noch vom Schreibstil Hoffmanns unterstützt: kurze Sätze; keine Scheu vor/Übertreibung mit Fremdwörtern; anschauliche Strukturierung, wo es hilfreich ist (Aufzählungen zB); knappe Kapitel; klare Ausdrücke. Der letzte Punkt, also seine klare Ausdrucksweise hat mich hier am meisten fasziniert. Er sagt zum Vorgang des Geschlechtsverkehrs "ficken", "passende Beschäftigung", "penetrieren", "Selbstbefriedigung zu zweit", "vögeln" und weit mehr. Und nie wirkt es seltsam oder unangebracht. Irgendwie trifft er immer für den richtigen KOntext die richtigen Worte. Dasselbe gilt für die Wortfelder der Geschlechtsteile oder der Zweisamkeit und so weiter. Er schreibt weder romantisch-blumig, noch obszön-vulgär. Er verwendet beides und das je nach Kontext.



    Insgesamt kann ich wohl ganz offen sagen, dass ich das Buch bestimmt noch das ein oder andere Mal in der Zukunft in die Hand nehmen und zu Rate ziehen will und werde.
    Ich bin wirklich positiv überrascht davon !
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Übrigens sind auch die erotischen Bilder echt angenehm gewählt. Sie sind zwar keine akkuraten Illustrationen zum umgebenden Text, doch passen sie dennoch relativ gut dazu.

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