Hubert Mingarelli – Le jour de la cavallerie

  • Original : Französisch, 1995


    INHALT :
    Ein weiterer drückender Tag auf einer Farm, irgendwo im Süden der Vereinigten Staaten. Samuel « Sam » kümmert sich um die «Alte », die gelähmt und stumm in ihrem Sessel sitzt. Er selber stellt die Fragen und gibt darauf die Antworten, füllt den Tag mit seinen Träumen und Selbstgesprächen. Nur zwei Leute kommen am Tag vorbei : Der Landarbeiter Chester und Homer, auf der Suche nach Arbeit. Und morgen ? Beginnt wohl alles von Neuem in dieser drückenden Enge…


    BEMERKUNGEN :
    Wer Mingarelli anderweitig kennengelernt hat wird nicht ein höllisches Tempo erwarten. Die Handlung zeichnet sich nicht durch rasch wechselnde Szenarien und Sprünge aus, sondern durch eine unterschwellig sich langsam aufbauende drückende Atmosphäre zwischen Traumwelt des Sam und versteckten Drohbotschaften an den abwesenden « Alten ». Dieser ist ihm wie in seinen Augen auch der Alten, ein Dorn im Fleisch. In Gedanken macht sich Sam schon zum künftigen Wirtschafter der Farm. Zwar wird sein Alter nicht erwähnt, doch man denkt an die ausgehende Kinderzeit oder die beginnende Jugend.


    Er unterhält das gesamte Gespräch in einer Art Monolog, zu der die « Alte » ab und zu die Hand zustimmend oder kommentierend bewegt. Anscheinend kümmert er sich rührend um die alte Frau. Doch der Held ist eventuell für ihn der in der Nachbarschaft lebende Chester, der sogar eine Viper meistern kann ! Schon ist er in Gedanken Angestellter der kommenden Farm.


    Ja, Sam hasst den Alten, plant im Hinterkopf etwas, was er – so ahnen wir – doch nicht ausführen kann. Gibt es ein inneres und grösseres Verbot zu töten ? Im Handlungsablauf liegt eine seltsame Mischung zwischen einer versteckten Drohung und einer gewissen kindlichen Unschuld. Eine Rolle spielen, sich selber anders geben, träumen zeichnen seinen Tag zwischen Langeweile und Einfallsreichtum aus.


    Man kann sich dieses Werk fast als Theaterstück denken ; es hat etwas Minimalistisches.


    Ich schätze den französischen Autor auch in diesem schon älteren Werk (immerhin schon aus dem Jahre 1995). Für die Liebhaber seiner Schreibe ein weiteres Zeichen seines Könnens.


    AUTOR:
    Hubert Mingarelli wurde am 24. Juli 1956 in Mont-Saint-Martin in der Lorraine geboren und ist ein französischer Schriftsteller. Mit 17 Jahren verlässt er die Schule und verpflichtet sich in der Marine und bereist das Mittelmeer und den Pazifik. Drei Jahre später beginnt er seine Reisen durch Europa, wobei er oft zum Lebensunterhalt auf der Strasse Musik spielt. Als er sich in Grenoble niederlässt wird er verschiedenste Berufe ausüben: Arbeiter, Anstreicher, Zeichner etc. Am Ende der 80iger Jahre beginnt er mit Veröffentlichungen. Im Jahre 2003 erhält er den „Prix Medicis“ für diesen seinen Roman „Quatre soldats“. 2014 : Prix Landerneau und Prix Louis Guilloux. Er lebt heute in einem Örtchen der französischen Alpen.


    Verlag: Seuil (5. April 1995)
    Sprache: Französisch
    ISBN-10: 2020228955
    ISBN-13: 978-2020228954