Derek B. Miller - Ein seltsamer Ort zum Sterben / Norwegian by Night

Affiliate-Link

Ein seltsamer Ort zum Sterben

3.6|15)

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 400

ISBN: 9783499259654

Termin: Mai 2014

  • der Autor:
    Derek B. Miller, geboren in Boston und nach Stationen in Israel, England, Ungarn und der Schweiz seit längerem in Norwegen lebend, hat nach einer Promotion an der Universität Genf eine beeindruckende Karriere als Spezialist für Sicherheitspolitik absolviert. Er arbeitet für zahlreiche Gremien der UNO und Universitäten weltweit und ist Direktor eines Forschungsinstituts. «Ein seltsamer Ort zum Sterben» ist sein erster Roman, der zunächst auf Norwegisch veröffentlicht und seitdem in zahlreiche Länder verkauft wurde.


    Klappentext:
    Nach dem Tod seiner Frau ist Sheldon Horowitz mit 82 Jahren zu seiner Enkelin nach Oslo gezogen. In ein fremdes Land ohne Juden. Viel Zeit, um über die Vergangenheit nachzudenken. All die Erinnerungen. All die Toten.
    Eines Tages hört Sheldon aus dem Treppenhaus Krach: Er öffnet die Tür, und in seiner Wohnung steht eine Frau mit einem kleinen Jungen. Kurze Zeit später ist die Tür aufgebrochen, die Frau tot und Sheldon mit dem Kind auf der Flucht den Oslofjord hinauf.
    Was wollen die Verfolger von dem Jungen? Sheldon weiß es nicht. Aber er weiß: Sie werden ihn nicht kriegen.


    meine Meinung:
    Eine Geschichte die zu viel sein möchte: Roadmovie, Familiengeschichte, Krimi, … Leider geht dabei der rote Faden verloren und man bekommt kaum emotionalen Zugang zu den beteiligten Personen.
    Der Junge bleibt namenlos, spricht nicht und ist leider nur eine Randfigur, der durch die Handlung gezogen wird.
    Sheldon selbst ist zwar sympathisch und seine Handlungen aus seiner Sicht auch nachzuvollziehen, trotzdem bin ich mit ihm nicht so richtig warm geworden. Er schwankt für mich viel zu sehr von einem Extrem ins nächste. Mal ist er alt und tatterig, dann wieder reaktiviert er seine Scharfschützen-Vergangenheit und ist völlig klar und fit.
    Sheldons Enkelin und ihr Mann sind sympathisch. Sie holen den Alten zu sich nach Norwegen, um sich um ihn zu kümmern. Leider wird die Geschichte der Enkelin, die ihre eigenen Eltern nie kennengelernt hat, auch nicht vertieft. So bleibt auch sie recht blass in der Geschichte.
    Gerne hätte ich mehr über die Vergangenheit des Jungen und seiner Mutter erfahren. Schließlich war sie (mit ihm schwanger) aus dem Kosovo nach Norwegen geflohen und hat sicherlich ebenfalls eine interessante Lebensgeschichte. Schade!
    Der Erzählstil ist flüssig und gut zu lesen. Jedoch machen einem die abrupten Zeit- und Gedankensprünge Sheldons den Zugang zur Geschichte schwer. Auch das plötzliche Auftauchen von imaginären früheren Weggefährten Sheldons (mit denen er teilweise lange Gespräche führt) ist sehr gewöhnungsbedürftig. Er arbeitet so zwar seine Kriegserfahrungen im Korea-Krieg und den Verlust seines Sohnes im Vietnam-Krieg auf, aber trotzdem fand ich das zu viel des Guten und sehr unübersichtlich. Auch diese Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit war für mich zu sehr vordergründig. So werden der Korea-Krieg, der Vietnam-Krieg, der 2. Weltkrieg und auch noch der Kosovo-Konflikt thematisiert. Für mich definitiv zu viel des Guten. Evtl. wollte hier der amerikanische Autor die kriegerischen Aktivitäten seines Landes in den letzten Jahrzehnten gleich komplett aufarbeiten?! Auch die Tatsache, dass Sheldon Jude ist, wird für mich viel zu sehr in den Vordergrund gerückt und hat mit der eigentlichen Geschichte nur bedingt etwas zu tun.
    Auch hätte ich mir gewünscht, dass die eigentliche Flucht der beiden Hauptakteure mehr vordergründig wäre. Der Alte und der Junge als Team unterwegs durch Norwegen. Davon hätte ich gerne mehr gelesen.


    Bewertung:
    Eine Geschichte, die im Klappentext viel verspricht, aber nicht alles davon hält. :( 
    Dazu sind einige doch sehr brutale Szenen enthalten, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet habe. :-? 
    Norwegen und die Norweger sind gut beschrieben, kommen aber leider auch etwas kurz weg.
    Auch das Ende erfolgt sehr abrupt und es bleibt sehr vieles offen. :wuetend: Leider!
    Trotzdem vergebe ich dafür, dass es ein Erstling ist und mir Sheldon größtenteils doch recht sympathisch war, noch :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: Sterne.

    Liebe Grüße von Pippilotta :-) :winken:


    Fernsehen bildet. Immer wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.
    Groucho Marx

    Ich :study: gerade:
    Barry Jonsberg - Das Blubbern von Glück
    Bill Bryson - Eine kurze Geschichte von fast allem

Anzeige