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Masashi Tanaka - Gon

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  • Eine schöne Idee: wortlos begleiten wir den kleinen T-Rex Gon bei seinen Abenteuern und lernen die Natur etwas näher kennen.




    Der Titel der Comic-Reihe ist Programm: Gon. Gon ist keine Stadt, nein. Ebensowenig ein großer Krieger oder ein sagenumwobenes Land. Nein, auch das nicht. Gon ist ein kleiner Baby-Tyrannosaurus Rex. Gon will essen, wenn er Hunger hat. Er will schlafen, wenn er müde ist. Er will Spaß haben, wenn ihm danach ist. Und eines solltet ihr AUF KEINEN FALL tun: ihn bei irgendetwas zu hindern versuchen, wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat ! Sonst werdet ihr ganz schnell gebissen, zur Seite getreten oder bekommt eine saftige Kopfnuss. Gebt also lieber auf euch acht. Auf der anderen Seite könnt ihr aber auch Tolles erleben, wenn ihr nur bereit seid, euch auf Gon einzulassen. Ihr habt stets einen gemütlichen Schlafplatz, zB einen kuscheligen DREI METER BÄREN (Band 1; Folge 1) und ihr bekommt immer was Leckeres zu essen, wie frischen und gesunden Honig (Band 7; Folge 24). Wenn ihr mit Gon abhängt, seid ihr die coolsten. Nein, wirklich. Eure Gang macht bei allen Eindruck (Band 4; Folge 15) und ihr erlebt die verrücktesten Dinge zusammen (Band 6; Folge 18). Mit ihm erfahrt ihr erst, was wahre Freundschaft bedeutet. Er nimmt euch total ernst und verlässt sich voll und ganz auf euch, aber immer nur, wenn er weiß, dass ihr es auch drauf habt. Er weiß genau, wo wessen Stärken sind. Wenn ihr also zufällig fliegen könnt, gebt für euren Freund Gon stets das beste, sollte er von einer Klippe fallen (Band 1; Folge 4). Doch dafür lässt er auch euch NIEMALS im Stich. Auch nicht, wenn ihr von einer Monster-Spinne in die tiefsten Abgründe der Erde verschleppt werdet (Band 5; Folge 16).
    Gemeinsam mit Gon erlebt ihr auch die spannendsten Aspekte der Natur, wie die unerforschten und geheimen Tiefen der Erde (Band 5; Folge 16) oder die eleganten und erfrischenden Strömungen eines Flusses von seiner Quelle bis zum Meer (Band 3; Folge 9). Hab ich euch schon von der Tierwelt berichtet ? Nein ? Wie wäre es mit einem alten Elefanten, dem ihr vor seinem Ende noch einige letzte schöne Momente bescheren könnt (Band 6; Folge 20) ? Oder was ist mit dem aufregenden Leben eines Orangutans, das sich zwischen Lianenschwingen, Obstessen und freundschaftlichem Spiel bewegt (Band 7; Folge 22) ?




    Freunde, ich muss hier aufhören, sonst komme ich nie zum Ende, Euch von all den Abenteuern zu erzählen ! Und dabei sind es gerade mal 7 Bände, die der Comic "Gon" (1992-2002) von Masashi Tanaka umfasst. Die Zeichnungen sind äußerst detailiert (vergleichbar mit Berserk, denke ich. Aber ohne die brutale Ernsthaftigkeit natürlich !) und doch sehr liebevoll. Super Deformed findet sich hier nicht. Und was sich hier ebenfalls nicht finden lässt sind Worte. Ja doch, ihr habt richtig gelesen. Seit Dragon Ball wissen wir zwar, dass Dinosaurier sprechen können, doch wird bei Gon tatsächlich nicht ein einziges Wort gesprochen. Sowas habe ich noch nie "gelesen". Und ich bin begeistert. Er kann traurig dreinblicken, er kann lachen und er kann wütend werden, doch er sagt keinen Ton. Es gibt nicht eine Sprechblase. Jeder Band hat 1-4 Folgen und die Bilder sprechen für sich selbst von den Ereignissen.
    Der Comic lebt, denke ich (widersprecht mir, wenn ihr es anders seht), vom Widerspruch der gefährlichen Bestien in der Natur (T-Rex, Wölfe, Grizzlys, Riesenspinnen, etc.) und deren inneren Differenzierung: sie interagieren, sie ärgern sich, sie zanken, beißen und spielen miteinander. Der Comic beginnt mit einer kurzen Episode vom schlafenden Gon: ein furchterregender Leopard erwählt sich den friedlich schlafenden Mini-T-Rex zur Beute - und beißt sich an dessen harten Schuppen direkt sämtliche Zähne aus. Wenn man dann noch die einzelne Schmerzensträne in seinem Auge erkennt, hat man fast schon Mitleid mit dem Leoparden. Doch halt ! Es kommt noch besser. Ein rasendes Rhinozeros bricht durchs Unterholz und rammt Gon (immer noch mit einem sanften Lächeln schlafend natürlich !) mit seinem Horn so heftig, dass unser kleiner Dino kilometerweit wegfliegt, beim Fliegen Bäume zerbersten lässt und mit seinem Aufprall einen Felsen zertrümmert. Ganz idyllisch schläft er weiter. Erst als ein Blatt sanft auf seiner Stirn landet, zwinkert Gon verwirrt, schaut sich so irritiert-harmlos um, dass man ihn sich am liebsten an die Brust drücken will - und der Comic beginnt.



    Leider lässt die Genialität später etwas nach. Es gibt unelegante Dopplungen (zB Folge 15 und 18) und die kreative Gestaltung verliert stellenweise ziemlich an der simpel-einnehmenden und liebevollen Qualität und Plausibilität (zB Folge 21). Dass Gon in seiner Charakterisierung nicht stringent ist, will ich jedoch nicht so schwer in die Waagschale werfen. In Band 6 (Folge 17) merkt er nicht, dass er ein Nest auf dem Kopf hat, während er in Band 5 (Folge 16) eine gezielte Rettungsexpedition in die unterirdischen Bereiche der Welt unternimmt. Ein gewisser Widerspruch in der Intelligenz-Charakterisierung macht sich hier trotzdem ein wenig bemerkbar.




    Es tut mir fast weh, nur 4 Sterne zu vergeben. Evtl. überleg ich es mir nochmal mit den vollen 5, was meint ihr ?

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