Petr Ginz - Langzeitprojekt

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  • Petr Ginz - Langzeitprojekt


    Ich habe ja für ein gewisses Aufsehen gesorgt als ich nachgefragt habe, ob mir jemand ein tschechisches Buch übersetzen könnte, was es so im Deutschen nicht gibt und wo wahrscheinlich auch nicht das große Interesse besteht, dies in naher Zukunft der Allgemeinheit auch in Deutschland zugänglich zu machen. Natürlich möchte ich euch nähere Informationen dazu nicht vorenthalten, zumal ich beschlossen habe, dies zu einer Art von Langzeitprojekt für mich zu machen.


    Das Tagebuch von Petr Ginz habe ich euch mal verlinkt, ist die Grundlage des Ganzen. es handelt sich um ein Tagebuch eines tschechischen Jungen, der als Sohn einer Tschechin und eines Juden im Prag der Zeit der Besetzung durch die Nazis lebte. Er war also, nach grausamer Ideologie, Halbjude und begann, genau wie Anne Frank in den Niederlanden Tagebuch zu führen. Er war etwas jünger und schrieb, typisch für einen Jungen, nicht so gefühlsbtont und ausführlich, eher kurz und knapp. Seine Gefühle hat er in Zeichnungen und Gedichten, selbstgeschriebenen Kurzgeschichten ausgedrückt. Später wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er mit Gleichaltrigen die Widerstandszeitung Vedem gründete. Kurz vor Kriegsende wurde er in Auschwitz vergaßt.


    Sein Tagebuch wurde zusammen mit Zeichnungen, Bemerkungen seiner Schwester, die den Krieg überlebt hat und den Gedichten veröffentlicht, auch ins Deutsche übersetzt. Vor wenigen Jahren dann schließlich, hat man einen seiner Romane wiedergefunden, die Petr Ginz als Zehnjähriger nach dem Vorbild von Jules Verne geschrieben hat. Und selbst illustriert auch. Leider gibt es diesen nur auf Tschechisch und es war eher Zufall, dass mir der in einer Buchhandlung in Prag aufgefallen ist. Deswegen hatte ich nach einer Übersetzungsmöglichkeit gefragt. Inzwischen habe ich mal gegooglet und es kostet schon einiges, einfach nur ein Dokument zu übersetzen. Von einem ganzen Buch mal zu schweigen. Deswegen möchte ich den Roman


    https://www.kosmas.cz/knihy/138500/navsteva-z-praveku/


    Nun in mühevoller Kleinarbeit selbst übersetzen. Für mich in eine lesbare Form bringen, zusammen mit den Abbildungen der Illustrationen mir binden lassen (nur für mich, nicht zum Verkauf) und ins Regal stellen. das geht nur per Internetübersetzer, Satz für Satz, die in eine ordentliche Form zu bringen sind. Aber wäre es nicht wunderbar, das zu schaffen? Ich habe mich länger schon, das Tagebuch kenne ich ja, mit der Geschichte des Jungen befasst und jetzt, da ich in Prag war, ist das natürlich noch etwas mehr greifbarer.


    Ich behalte mir mal den Thread als Motivationshilfe offen und um euch darüber zu berichten.


    findo

  • Tolle Idee, @findo . Ich wünsche Dir viel Erfolg und Durchhaltevermögen. Natürlich werde ich diesen Thread gespannt mitverfolgen. :applause:

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Warum mich BT gerade rausgeschmissen hat, als ich versucht habe, diesen Beitrag zu schreiben, weiß ich nicht. Ich versuche es aber nochmal.


    Gerade habe ich das Vorowrt übersetzt und bekomme Respekt vor der Arbeit derer, die das professionell betreiben. Für tausende Leser ein Werk zugänglich zu machen, die dann, wenn sie das Original lesen können, vielleicht noch sich darüber austauschen, wie "schlecht" die Übersetzung ist, ist sicherlich eine nervenaufreibende und mitunter zermürbende Tätigkeit. Man feilscht um Worte, Formulierungen, lässt aus, formuliert um, da nicht alles in allen Sprachen gleich funktioniert und wenn man Glück hat, trifft man am Ende genau den Autoren, wie er es in der eigenen Sprache wohl formuliert hätte, wenn er derer mächtig wäre. Ich habe das große Glück, dass ich es praktisch nur für mich mache, musste aber auch schon einige Sätze mehr dem Sinn nach wiedergeben und umformulieren, was mich an sich stört, da ich ein sehr genauer Mensch bin aber was soll man auch machen?


    Ich arbeite mit Online-Übersetzern, Abschnitt für abschnitt. Je kleiner die sind, desto genauer ist die Übersetzung. Gott sei Dank scheint auch Google nicht mehr allzu viele Katastrophen zu produzieren, wenn man behutsam vorgeht. Ich werde einige Stellen wohl noch umformulieren und vielleicht, wenn es auch nur für mich ist, ein paar eigene Anmerkungen schreiben müssen, ein eigenes Vor- und Nachwort, wenn's denn irgendwann fertig wird. Was ich aber nicht gedacht hätte, ist, dass mir das tatsächlich Spaß macht. Wo ich doch in der Schule kein Freund von Sprachen geworden bin. Ich hoffe, dass das anhält.

  • Ich wünsche Dir auch viel Erfolg bei diesem ehrgeizigen Projekt!

    Gerade habe ich das Vorowrt übersetzt und bekomme Respekt vor der Arbeit derer, die das professionell betreiben.

    Das habe ich im anderen Thread gemeint, als ich sagte, das sei ein Fall für einen professionellen Übersetzer. Selbst wenn man ein andere Sprache so beherrscht, dass man darin Bücher problemlos lesen und sich selbst darin ohne jede Schwierigkeit in jeder Lebenslage ausdrücken kann, heißt das noch lange nicht, dass man eine Übersetzung hinkriegt, die wirklich jede Nuance des Originals trifft.
    Bei mir ist das Englisch. Ich kann Englisch problemlos lesen, schreiben, denken und manchmal träumen. Trotzdem ist es für mich nicht leicht, einen (literarischen) Text in bester Qualität ins Deutsche zu übersetzen. Nicht umsonst haben Übersetzer eine andere Ausbildung als Anglisten, die z.B. für das Lehramt studieren.
    Ich bin gespannt, ob Du aus dem Kauderwelsch eines Google-Übersetzers einen sinnvollen Text zusammenbringst.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • @findo, das hört sich toll an! Deine Begeisterung ist so deutlich spürbar, dass ich direkt Lust bekomme, das Buch zu lesen. (Nein, ich kann, außer ein paar Worten, kein Tschechisch.) Es ist immer wertvoll, etwas zu haben, für das sein Herz brennt. Ich wünsche Dir auf jeden Fall weiterhin Spaß und freue mich, wenn Du hier weiter berichtest.
    Das Tagebuch habe ich mir auf meine Wunschliste gesetzt.

  • @€nigma hat das imho sehr gut auf den Punkt gebracht. Auch wenn man die Sprache kann ist es schon schwierig, nur mit Google- Translator und dem Nichtkennen der Sprache stelle ich mir das sehr schwer vor. Zumal diese Übersetzungen oftmals, mal von Kauderwelsch abgesehen, schlicht und ergreifend falsch sind.
    Aber wenn Dir das Ganze Spass macht, ja warum nicht. Viel Erfolg wünsche ich Dir !

    Sagen, was man denkt, ist manchmal die größte Torheit und manchmal die größte Kunst.

    (Marie von Ebner-Eschenbach))

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