Matt Haig - Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben / Reasons to stay alive

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleibe...

4.2 von 5 Sternen bei 18 Bewertungen

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 304

ISBN: 9783423280716

Termin: März 2016

Anzeige

  • Inhalt
    Ein Buch, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Denn mit gerade mal 24 Jahren wird Matt Haig von einer lebensbedrohlichen Krankheit überfallen, von der er bis dahin kaum etwas wusste: einer schweren Depression. Es geschieht auf eine physisch dramatische Art und Weise, die ihn buchstäblich an den Rand des Abgrunds bringt. Dieses Buch beschreibt, wie er allmählich die zerstörerische Krankheit besiegt und langsam ins Leben zurückfindet. Eine bewegende, witzige und mitreißende Hymne an das Leben und an das Menschsein – ebenso unterhaltsam wie berührend. »Ich habe dieses Buch geschrieben, weil letztendlich doch etwas dran ist an den uralten Klischees: Die Zeit heilt alle Wunden, und es gibt ein Licht am Ende des Tunnels, auch wenn wir es zunächst nicht sehen können. Und manchmal können Worte einen Menschen tatsächlich befreien.« Matt Haig


    Autor
    Matt Haig, geboren 1975 in Sheffield, hat bereits eine Reihe von Romanen und Kinderbüchern veröffentlicht, die mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet und in über zwanzig Sprachen übersetzt wurden.


    Cover
    Mir gefällt die Schlichtheit des Covers und es passt hervorragend zum Titel und zum Buch. Der depressive Mensch steht am Abgrund, sieht alles schwarz und weiß, dabei ist das Leben bunt und bietet viele gute Gründe am Leben zu bleiben.
    Hier hat sich mal wirklich jemand Gedanken bei der Gestaltung des Covers gemacht - super!


    Allgemeines
    Gebunden, 304 Seiten
    Ungewöhnlich kleines Format (kleiner als ein übliches Taschenbuch)
    5 Teile, jeweils unterteilt in mehre kurze Kapitel
    Erzählung in der Ich-Perspektive
    Mischung aus Sachbuch, Ratgeber und Biografie


    Erster Satz
    Vor 13 Jahren wusste ich, dass dieses Buch gar nicht möglich war.


    Meine Meinung
    Dieses Buch ist ungewöhnlich – in vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal ist es nicht wirklich in eine Kategorie einzuordnen, sondern es ist ein bisschen von allem – Sachbuch, Ratgeber, Biografie. Da ich mich nicht auf eine Kategorie festlegen wollte, habe ich es hier in die Kategorie „Sonstiges“ gesteckt.


    Das Buch ist in fünf große Abschnitte geteilt, welche den Phasen der Depression von Matt Haig folgen und entsprechend betitelt sind: Fallen, Landen, Aufstehen, Leben, Sein. Die Teile untergliedern sich wiederum in mehrere Kapitel, die sehr unterschiedlich gestaltet, aber immer relativ kurz gehalten sind (oft nur 1-2 Seiten bis max. 10). Es gibt Beschreibungen von persönlichen Erlebnissen aus Matts Leben und von seinen Gefühlen, verschiedene Listen und Aufzählungen (z.B. berühmte Personen mit Depressionen; Matts Symptome; Wie man für Personen mit Depression da ist), Ferngespräche in die Vergangenheit (das heutige Ich spricht mit dem damaligen Ich) sowie reine Fakten und Informationen zum Thema Depression und Selbstmord.


    Während die ersten Kapitel noch weitestgehend eine eher traurige Grundstimmung widerspiegeln, macht sich nach und nach Hoffnung und eine positivere Stimmung breit. Matt erzählt, wie es anfing, wie er sich gefühlt, was ihm geholfen hat, wie er es geschafft hat, mit der Depression zu leben. Er erzählt seine Geschichte sehr einfühlsam und oft mit einer Prise Humor ohne dabei jemals den Zeigefinger zu heben oder alles besser zu wissen.


    Insgesamt habe ich es als ein sehr intensives Buch empfunden. Obwohl die Kapitel so kurz sind, hat jedes meine volle Konzentration verlangt. Jedes Kapitel verdient es, aufmerksam gelesen zu werden. Und in jedem Kapitel lässt sich eine besonders treffende Beschreibung, eine tolle Metapher, ein Vergleich finden. Matt Haig versteht es wirklich, mit Worten umzugehen. Daher ist mein ganzes Buch auch voll geklebt mit Post-its, um diese Stellen zu markieren. Hier ein paar Beispiele:

    Da ich selbst glücklicherweise keine Depressionen habe, kann ich nicht beurteilen, ob dieses Buch an Depression erkrankten Leuten helfen kann. Ich kann es aber auf jeden Fall für Angehörige und Freunde depressiver Menschen empfehlen, so wie ich es einer bin. Das Buch hat mich noch einmal intensiv über das Thema Depression nachdenken und reflektieren lassen, es ist jedoch auch nicht immer ganz einfach zu lesen und man muss auch wirklich in der Stimmung dafür sein,


    Fazit
    Eine empfehlenswerte Mischung aus Sachbuch, Ratgeber und Biografie, die aus Sicht eines Betroffenen gut über das Thema Depression informiert und bei der auch eine Prise Humor nicht fehlt :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: Owen Sheers - I saw a man
    SUB: 175 (01.01.18: 183)

    [-XGelesene Bücher 2019: 36 / abgebrochen: 1

    (davon 5 Short Stories)

    Gelesene Bücher 2018: 38
    (davon 7 Short Stories)

  • Ein wirklich interessantes Buch, das mich durchaus zum Nachdenken bringt.

    With freedom, books, flowers, and the moon, who could not be happy? ― Oscar Wilde

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Matt Hai -: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben / Reasons to stay alive“ zu „Matt Haig - Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben / Reasons to stay alive“ geändert.
  • Matt Haig kennt man üblicherweise als Autor von (Fantasy)Romanen sowohl für jugendliche-, als auch erwachsene Leser. Mit "Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben" hat er diesmal ein genreübergreifendes Buch geschaffen, welches sowohl biografische Elemente aufweist, als auch als Ratgeber und Sachbuch dient.


    Im Alter von 24 Jahren erkrankte er ziemlich massiv an Depressionen und Angststörungen. Im Buch beschreibt er sympathisch und authentisch seinen persönlichen Weg und Umgang mit seinen inneren Dämonen und möchte damit anderen Betroffenen einen kleinen Mutmacher mit auf deren eigenen Weg geben. Er beschreibt anhand seiner Symptome, wie es ihm in seinen dunkelsten Zeiten gegangen ist und wie er sich gefühlt hat. Diese sehr gefühlvollen und anschaulichen Beschreibungen finde ich gerade für Menschen die noch nie selber eine Depression hatten und die deshalb nicht wissen können, wie sich eine solche anfühlt, sehr wichtig und hilfreich.


    Matt Haig lässt den Leser teilhaben an seinem eigenen Entwicklungsprozess. Denn genau darum geht es: Zu lernen, mit dieser Erkrankung umzugehen und leben zu lernen.


    Er beschreibt, wie er im Laufe der Zeit erkannt hat, was gut und hilfreich für ihn ist, und welche Dinge ihm schaden und belasten. Selbstverständlich erkennt man dabei - trotz der ernsten Thematik - definitiv seine Handschrift und den ihm eigenen Humor deutlich wieder. Er ist einfach ein begnadeter Schreiber und gerade deswegen bin ich ihm sehr dankbar dafür, dass er den Mut hatte, dieses Buch zu veröffentlichen.


    Denn wie Matt Haig anhand von aktuellen Zahlen verdeutlicht, sind Depressionen und Angststörungen ein riesiges Problem, von dem weltweit erschreckend viele Menschen betroffen sind. Direkt als Erkrankte, oder indirekt, weil sie einen betroffenen Familienangehörigen / Freund / Arbeitskollegen oder Bekannten haben. In der breiten Öffentlichkeit wird jedoch so gut wie nie über diese Themen gesprochen, haften ihnen doch vermeintliche Makel an. Erst wenn mal wieder eine prominente Perönlichkeit Selbstmord begannen hat, geht eine Erschütterung durch die sonst schweigende Menge und man ist sich (zumindest für kurze Zeit) einig darüber, dass man diese Thematik viel mehr (oder überhaupt mal) in den gesellschaftlichen Mittelpunkt stellen müsste, anstatt sie sprichwörtlich tot zu schweigen.

    Darum ist es so ungemein wichtig, dass es Menschen wie Matt Haig gibt, die offen und ehrlich mit ihrer Erkrankung - die im Übrigen JEDEN im Laufe seines Lebens treffen kann - umgehen und sich auch nicht davor scheuen, dies in der Öffentlichkeit zu tun. Alleine die Tatsache, dass "man darüber spricht", kann Betroffenen bereits eine große Hilfe sein, weil sie dadurch erkennen können, dass sie eben NICHT die vermeintlich einzigen Menschen sind, die davon betroffen sind.


    Mein Fazit: Dieses Buch macht Mut und gibt Hoffnung. Nicht nur den Betroffenen, sondern auch ihren Angehörigen. Denn es zeigt auf, dass es durchaus Wege aus der Dunkelheit geben kann. Wie diese Wege für jeden einzelnen aussehen, ist jedoch ebenso unterschiedlich, wie es die Menschen nun mal selber auch sind. Jede Depression, jede Angststörung, ist sehr individuell, weswegen es gar keinen alleinigen und einzigen Universalweg für alle Erkrankten geben KANN. Und genau darauf weist Matt Haig auch mehrfach hin: Dass es sich bei seinem Bericht eben um genau SEINEN und sehr persönlichen Weg handelt.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::thumleft:

Anzeige