Aki Shimazaki – Wasurenagusa

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  • Original : Wasurenagusa (Französisch, 2003)
    Deutsche Übersetzung : Bernd Wilczek, 2005


    INHALT :
    Kenji Takahashi lebte als Kind in Tokio. Um seine Mutter zeitweise zu ersetzen wurde die aktive, liebenswerte Amme Sono angestellt, an die sich Kenji stark band, stärker als an seine Eltern… Sie aber wird später von den Eltern vertrieben, weil sie « zweifelhaften Ursprunges » wäre. Doch Kenji besucht sie eine Zeitlang oft heimlich.
    Seine erste Ehe fällt auseinander, da seine Frau Satoko keinen (männlichen) Nachwuchs gebiert. Natürlich ist sie in den Augen der reichen Eltern schuld und wird quasi hinweggeekelt. Der als Muttersohn und im goldenen Käfig sitzende Kenji kann sich nicht erwehren und nimmt es schweigend hin.
    Doch in ihrer zweiten Ehe erwartet Satoko schnell ein Kind, und Kenji versteht, dass er es ist, der steril ist. Gerne hätte er mit Sono darüber geredet, doch jene war in die Mandschurei gefahren, und wird nicht wieder auftauchen.
    Als er in einem Waisenhaus und bei kleinen Hilfsarbeiten dort die ehelose Mutter, Mariko, eines kleinen Jungen, Yukio, kennenlernt verliebt er sich und wird nun den Widerstand gegen die Eltern entwickeln und seinen eigenen Weg mit Mariko und Yukio gehen...


    BEMERKUNGEN :
    Wer die ersten, hier schon besprochenen, Bände der Pentalogie (« Le poids des secrets », also in etwa « Das Gewicht der Geheimnisse ») schon gelesen hat wird sich zweifelsohne an die Person Kenji Takahashis erinnern. Er ist in diesem Band nun der Ich-Erzähler und sozusagen die Perspektive auf die Handlungen, die teils schon in den anderen Bänden aus anderer Sichtweise erzählt worden sind. Dieser vierte Band ist ebenfalls ins Deutsche übersetzt worden.


    Den Schwerpunkt sehe ich in den goldenen Fesseln des Kindes, Jugendlichen und jungen Mannes Kenji : seine reiche Familie schaut auf eine reiche Ahnentafel zurück, bildet sich eine Menge darauf ein, und er als Erbe des Ganzen wird die ganze Zeit an seine Sonderstellung und seine Verpflichtung erinnert. Das kann schief gehen : einerseits eine Art widerstandsloses Muttersöhnchen erzeugen, oder aber wirkliches persönliches Glück verhindern.


    Es braucht seine Zeit, bis der einmal in einer Ehe gescheiterte Takahashi in seiner zweiten Ehe die Konventionen überspringt und sich von der Tradition befreit. Woher aber – doch dies wird erst auf den letzten Seiten herausgefiltert – kommt das knirschende Verhalten der Eltern ? Was verbindet ihn mit der Amme Sono, die nicht wieder auffindbar ist ?


    Liest man dieses Buch wirklich als viertes der Reihe, dann sind die ersten hundert Seiten, meines Erachtens, irgendwie sehr bekannt. Und ich dachte : Na, hier hat sich die Autorin nicht so erneuern können wie ich es in den ersten Bänden erfahren habe. Insofern gebe ich diesem Buch als viertes Gelesenes eine schlechtere Note. Der Überraschungseffekt kommt sehr spät, erst auf den letzten circa fünfzehn Seiten. Okay. Wahrscheinlich fiele die Bewertung ganz anders aus, wenn man diesen Band zB als ersten lesen würde.


    Tatsächlich können die Einzelbände durchaus separat voneinander gelesen werden. Sie sind weniger eine chronologisch auf sich aufbauende Serie, als vielmehr Puzzlestückchen, oder Facetten auf ein und dieselbe Grundstory.


    Interessant dennoch, aber sicher kein « action » Buch. Es besticht durch seine flüssige Sprache und einfache Poesie.


    AUTORIN :
    Aki Shimazaki (jap. 島崎 あき, Shimazaki Aki) ist eine kanadisch-japanische Schriftstellerin, die ähnlich wie Tawada Yōko nicht in ihrer Muttersprache Japanisch, sondern in Französisch schreibt und veröffentlicht. Sie wurde 1954 in Gifu/Japan geboren und arbeitete in Japan fünf Jahre lang als Kindergärtnerin und gab Unterricht in englischer Grammatik an einer Nachhilfeschule. 1981 emigrierte sie nach Kanada und lebte zunächst fünf Jahre in Vancouver, wo sie bei einer IT-Firma arbeitete, danach wohnte sie fünf Jahre lang in Toronto. Seit 1991 lebt sie in Montreal/Quebec. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit unterrichtet sie auch Japanisch. Erst 1995 im Alter von 40 Jahren begann sie im Selbststudium und an der Sprachschule Katimavik systematisch Französisch zu lernen. Bücher von ihr sind inzwischen in Englisch, Japanisch, Serbisch, Deutsch und Ungarisch erschienen.


    Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
    Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (4. März 2005)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3888973805
    ISBN-13: 978-3888973802

  • Hier ein Link zu einer Ausgabe auf Französisch unter dem gleichen Titel. Tatsächlich benutzt Shimazaki öfter japanische Ausdrücke und Wörter, die in einem Glossar allerdings erklärt werden. "Wasurenagusa" sind schlicht und einfach Vergissmeinnicht:


    Poche: 125 pages
    Editeur : Actes Sud (3 février 2009)
    Collection : Babel
    Langue : Français
    ISBN-10: 2742779264
    ISBN-13: 978-2742779260

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