Andrew Taylor "Der Schlaf der Toten"

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  • Edgar Allan Poe ist als Autor weltberühmt, wenn auch die meisten Menschen meist nur die eher einfach gestrickten Verfilmungen seiner Werke kennen. Dies liegt sicherlich auch daran, dass viele seiner Werke sprachlich etwas umständlich wirken. Aber er ist immerhin der Großvater so bekannter Figuren wie Sherlock Holmes und viele seiner Geschichten sind zum Allgemeingut geworden.


    Der vorliegende Roman spielt zu der Zeit, als Edgar Allan sich mit seiner Pflegefamilie für einige Jahre in England aufhielt, wo er auch die dortige Schule besuchte. Dabei ist der „American Boy“ aber eher eine Nebenfigur für eine Geschichte, die durchaus von seinem späteren Ich hätte geschrieben sein können. Thomas Shield hat an der Schule an der auch der junge Edgar Unterricht erfährt eine Stelle als „Usher“ und in dieser Funktion unterrichtet er auch einige der Jungen. Mit einigen der Disziplinierungsmaßnahmen der Schule hat er gelegentlich Schwierigkeiten, aber die Arbeit macht ihm Spaß und sehr schnell beginnt er auch zwei seiner Schüler besonders ins Herz zu schließen, nämlich den jungen Charles Frant und den ein wenig später hinzugekommenen Edgar Allan. Die beiden sehen sich so ähnlich – hier ein Bezug zu Poes Geschichte „William Wilson“ -, dass sie Brüder sein könnten und eines Tages wird der junge Charles – der Sohn eines sehr einflussreichen Bankiers – von einem unbekannten Mann auf der Straße angehalten, den der zufällig vorbeikommende Junglehrer erfolgreich mit seinem Stock vertreiben kann. Die Dankbarkeit des resoluten Vaters und auch der Mutter ist groß und so wird Thomas zu einer Art inoffiziellen Mitglied der Familie, bis er durch eine Ungeschicklichkeit bei einer Testamentsvollstreckung etwas in Ungnade gerät. Kurz nach dem Tod des Bankinhabers geht es mit der Bank, die nun unter Mr. Frants Leitung steht, rapide bergab und eines Tages wird der übel zugerichtete Leichnam des Bankiers auf einem Baugrundstück in der Nähe der Schule gefunden – was auch der Grund dafür ist, dass Thomas als Erster um eine Identifizierung gebeten wird. Auf Grund des Zustands der Leiche ist er sich über deren Identität nicht ganz sicher, doch schließlich wird Mr Frant offiziell für tot erklärt und die Lebenssituation für Mrs. Frant und ihren Sohn etwas unangenehm wird, besonders, als sich herausstellt, dass Mr. Frant wirklich viel Geld beiseite geschafft hat. Damit wird die junge Frau – die Thomas sehr schätzt – abhängig von ihrem Cousin Mr. Caswell, der bereits vor einiger Zeit aus den Geschäften der betreffenden Bank ausgestiegen ist. Als Mr. Caswell beschließt auf seinen Landsitz Monkhill zu fahren, kommen die beiden mit und auch Edgar Allan und Thomas Shield werden zu seiner Unterhaltung und weiteren Beschulung mitgenommen.


    Die weiteren Geschehnisse entwickeln sich sehr kompliziert und wir begegnen noch einigen Leichen in seltsamen Umständen und erfahren, dass es in dieser Geschichte Verwicklungen gibt, die globale Ausmaße haben und in denen unter anderem auch Edgar Allans verschollenen Vater David Poe verstrickt ist.


    Nach einem langen und interessanten erzählerischen Teil weist uns Mr. Taylor auf die historischen Bezüge seines Romans hin und zeigt dabei auf, wo die vorliegende Geschichte in die Realität hineinpassen würde. Hierbei gibt er auch Tipps zum weiteren Studium der Person Edgar Allan Poe, wobei besonders die Webseite der Edgar Allan Poe Society of Baltimore hervorhebt, die interessierte Leserinnen und Leser hier erreichen können.

  • Heute möchte ich Euch "Der Schlaf der Toten" von Andrew Taylor vorstellen. Diesen historischen Thriller habe ich in der letzten Lesenacht begonnen.


    Klappentext:


    "England 1819. Der Lehrer Thomas Shields tritt eine neue Stelle an einer Schule auf dem Land an. Zu seinen Schützlingen gehören auch zwei Jungen, die durch eine feste Freundschaft miteinander verbunden sind: der eine ein Amerikaner mysteriöser Herkunft namens Edgar; der andere ein Sohn aus reichem Hause, der scheue Charles Frant. Als Thomas die Mutter von Charles kennen lernt, fühlt er sich sofort zu der hinreißend schönen, aber zutiefst unglücklichen Frau hingezogen. Als Sophias Mann verschwindet und wenig später ermordet aufgefunden wird, gerät die Welt der Familie Frant völlig aus den Fugen. Zusammen mit Thomas Shields, der mittlerweile in den Haushalt der Frants aufgenommen wurde, zieht die Familie auf den Landsitz eines Cousins von Sophia. Und hier wird Thomas immer tiefer in ein tödliches Netz aus Lügen und Intrigen hineingezogen, aus dem es schließlich kein Entkommen mehr zu geben scheint. Und der kleine Edgar, Charles Frants Freund mit der geheimnisvollen Vergangenheit, scheint dabei eine Schlüsselrolle zu spielen..."


    Über den Autor - aus der Amazon-Redaktion


    Andrew Taylor wurde 1951 in Stevenage, England, geboren. Er ist der Autor zahlreicher preisgekrönter Kriminalromane, darunter die Romane der Lydmouth-Serie und der Roth-Trilogie, die ebenfalls als Goldmann Taschenbücher lieferbar sind. Mit der "Schlaf der Toten" verfasste er einen mitreißenden historischen Kriminalroman, der Presse wie Publikum begeisterte und als bester Spannungsroman des Jahres mit dem Historical Dagger ausgezeichnet wurde. Außerdem war der Roman als schönstes Leseerlebnis des Jahres für den British Book Award nominiert. Andrew Taylor wurde bereits mit dem Edgar Award, dem John Creasy Memorial Award der Crime Writers' Association und dem Historical Dagger ausgezeichnet sowie für den Gold Dagger nominiert.



    Meine Meinung:


    A. Taylor schrieb sein Buch in der Ich-Form. Eigentlich mag ich das nicht so sehr. Aber bei diesem Buch hat es mir sogar gefallen. Ich hatte den Eindruck, als würde Taylor (Thomas Shields) mir persönlich einen Bericht über seine Erlebnisse erstatten. Die Beschreibungen von Situationen, Personen und Orten sind sehr detailliert, aber nicht langweilig. "Der Schlaf der Toten" ist flüssig und gut geschrieben. Trotzdem habe ich schon eine Weile gebraucht, ehe ich erkannt habe, dass es sich wirklich um einen Thriller handelt. Dieser Teil der Handlung wird erst nach nach etwa 200 Seiten so richtig deutlich.


    Es dauerte auch etwas ehe ich begriff, dass der kleine Edgar eine sehr reale Gestalt der Literatur ist. Es handelt sich dabei um Edgar Allen Poe, der zu gleichen Zeit wirklich besagte Schule besuchte. Aber das war nur eine Feststellung am Rande.


    Fazit:


    Wer gerne historische Thriller liest und die Stimmung in Charles Dieckens Büchern mag, wird an Andrew Taylors "Der Schlaf der Toten" seine Freude haben. Ich kann es empfehlen.


    Liebe Grüße


    Karthause :cat:

  • Danke, für die Vorstellung Karthause . Ich habe auch schon damit geliebäugelt, leider gibt es das Buch in der Bibliothek nicht, aber ich werde es mir wohl doch kaufen.
    Dass die eigentlich Krimihandlung, erst relativ spät einsetzt, ist wohl typisch für Andrew Taylor ... stört mich aber auch nicht.
    Ein weiteres Buch von ihm auf meiner Wunschliste ist „Das verriegelte Fenster“ – kennt das vielleicht schon jemand?

    Gruß Bibliomana :cat:
    "Man kann im Leben auf vieles verzichten, aber nicht auf Katzen und Literatur!"

  • Klingt interessant-habe es mir schon mal notiert.
    Danke für die Vorstellung, Karthause.
    Zu 'Das verriegelte Fenster kann ich leider nichts sagen-kenne den Autor bis jetzt noch nicht.
    Gruß Wirbelwind


    :study:Virginia Doyle, Die rote Katze

    :study: Naomi J. Williams, Die letzten Entdecker









    Bücher sind die Hüllen der Weisheit, bestickt mit den Perlen des Wortes.

  • Zitat

    Original von Karthause
    Wer gerne historische Thriller liest und die Stimmung in Charles Dieckens Büchern mag, wird an Andrew Taylors "Der Schlaf der Toten" seine Freude haben. Ich kann es empfehlen.


    Hallo Karthause.....Dann ist dieses Buch genau richtig für mich! :thumright:

  • Du kannst mir sicher auch den Titel der englischen Originalausgabe nennen?

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • €nigma


    der Originaltitel ist "The American Boy".


    @ K.-G. Beck-Ewe


    Sorry, als ich mir für die Lesenacht das Buch heraussuchte hatte ich die Suchfunktion genutzt. Zukünftig werde ich sie nach dem Lesen auch noch mal betätigen.


    Liebe Grüße


    Karthause :cat:

  • Karthause, es ist ja auch wirklich kein größeres Problem. Ich dachte eigentlich, ich hätte den Roman schon im Original besprochen hier, aber wie ich feststellte, als die deutsche Ausgabe heraus kam, war dies noch nicht der Fall gewesen.

  • Obwohl ich mir das Buch damals notiert hatte, ging es irgendwie unter.
    Jetzt habe ich es per Zufall in der Bücherei entdeckt und natürlich sofort gelesen.
    Gefiel mir wahnsinnig gut. Eine gelungene Komposition von History und Krimi im viktorianischen Zeitalter. Der Krimi trat zwar erst nach etwa 200 Seiten ganz allmählich in den Vordergrund, aber der erzählerische Teil ist so wunderschön, dass mir nichts fehlte und zum Schluß wurde es sogar richtig aufregend. Da fielen die 559 Seiten (Ohne Anmerkungen) kaum ins Gewicht. Und einige offene Stellen zum Spekulieren blieben auch noch.
    Kann ich ebenfalls nur wärmstens weiterempfehlen. :thumleft:


    Gruß Wirbelwind


    :study: Nick Hornby, A Long Way Down

    :study: Naomi J. Williams, Die letzten Entdecker









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  • Super, klingt ja ganz gut, obwohl die Rezensionen sich sonst ja in Grenzen halten. Ich hab es jedenfalls auf einem Bücherwühltisch gesehen und mitgenommen. Wieso? Weil mich vor allem das Cover, dann der Titel , als nächstes der Klappentext und zum guten Schluss das Nasereinstecken überzeugt haben, dass das ein Buch für mich ist. Hoffentlich hab ich mich da nicht vergriffen, aber das werde ich ja bald merken. Fange es jedenfalls heute an. Wünscht mir Glück :thumright:

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