Eugène Ionesco - Der Einzelgänger / Le Solitaire

Anzeige

  • Autor: Eugène Ionesco
    Titel: Der Einzelgänger, übersetzt aus dem Französischen von Lore Kornell
    Originaltitel: Le Solitaire, erschien erstmals 1973
    Verlag: Carl Hanser
    Seiten: 164
    ISBN: 9783446118430


    Autor:
    Eugène Ionesco, 1909 in Slatina, Rumänien als Eugen Ionesco geboren, war ein französisch-rumänischer Schriftsteller. Er gilt als führender Vertreter des absurden Theaters (bspw. Die Nashörner, Die Unterrichtsstunde), schrieb aber auch Erzählungen, Lyrik und Kinderbücher. Er starb 1994 in Paris.


    Inhalt: (Klappentext)
    Der Einzelgänger ist eine echte Ionesco-Gestalt, scheu und melancholisch, geplagt von Gedanken über Gott und die Welt. Er ist ein kleiner Angestellter, der unvermutet eine Erbschaft macht, sich in die Peripherie von Paris zurückzieht und seine Tage nun zwischen seiner Wohnung und dem Restaurant verbringt. Aber - wie könnte man es bei Ionesco anders erwarten? - hinter diesem anscheinend harmlosen und geruhsamen Leben lauert Unruhe, Lebensangst, Einsamkeit.


    Meinung:
    Ich hatte den einzigen Roman Ionescos vor über zwanzig Jahren schon mal gelesen. Ich weiss noch, dass ich damals ganz begeistert war, aber vieles hatte ich zwischenzeitlich vergessen. Um herauszufinden, ob ich das Buch noch immer so faszinierend finde, habe ich es nun mit grossem zeitlichen Abstand wieder in die Hand genommen. Und nein, irgendwie hat es seinen Reiz für mich verloren.
    Viel Handlung kommt nicht vor: der Ich-Erzähler pendelt zwischen seiner Wohnung und seinem Stammplatz im Restaurant hin und her, und konfrontiert den Leser und seine Mitmenschen mit seiner Existenzangst. Dabei geht es nicht um Geldsorgen oder ähnliches, sondern um das Dasein an sich, die Stabilität des Universums, sein Erstaunen, dass die Wände nicht einfach einfallen, sich alles in Luft auflöst. Ein Psychiater diagnostiziert bei ihm Neurasthenie, gemäss Wikipedia eine damalige Modekrankheit, die heutzutage etwas differenzierter als Depression oder Burn-out erkannt wird. Jedenfalls besteht das ganze Buch aus Gedanken um die eigene, fragile Existenz und den rätselhaften, ziellosen Alltagstrott der Gesellschaft. Der Einzelgänger beobachtet, versteht nicht, fragt seine Mitmenschen bspw wie sie sicher sein können, dass sie überhaupt existieren und morgen noch da sind...Neben skeptischen Blicken führt sein Verhalten zur weiteren Isolation - was ihm nur recht ist.
    Alles in Allem ein recht philosophischer Roman, der wenig von der Absurdität seiner bekannteren Theaterstücke aufweist.
    Irgendwo las ich, dass die häufig vorhandenen politischen Botschaften in Ionescos Stücken heute kaum noch wahrgenommen, sondern als Kritik an allzu menschlichen Schwächen verstanden werden. Im Klappentext heisst es zudem, dass man in einigen Jahren vielleicht erkennen wird, dass es sich hier um ein wesentliches Werk über die Krankheit unseres Jahrhunderts handelt. Letzterem kann ich mich nun gar nicht anschliessen, und in diesem Sinne denke ich, dass der Roman evtl Mitte der 1970er Jahre noch eine gewisse Aktualität hatte, aber mittlerweile nicht mehr in den heutigen Zeitgeist passt.


    Allgemeines:
    Als Dramatiker verarbeitete Ionesco seinen Roman kurz darauf zu einem Theaterstück: in Ce formidable bordel! (So ein Tollhaus!), lässt er seine passive Hauptperson eine nahezu stumme Rolle spielen.

    1. (Ø)

      Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG


Anzeige