Oliver Bottini – Ein paar Tage Licht

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  • Überschrift:
    Oliver Bottini – Ein paar Tage Licht
    Hörbuch ungekürzt vorgelesen von:
    Frank Arnold
    Inhalt:
    Algerien: Afrikas größtes Land, mit Reichtum gesegnet, im Innersten zerrissen. Hier wird ein deutscher Rüstungsmanager entführt, angeblich von islamistischen Terroristen, so der algerische Geheimdienst.
    Doch für BKA-Mann Ralf Eley, an der deutschen Botschaft in Algier stationiert, passen zu viele Puzzlestücke nicht zusammen. Allerdings kann er nicht ermitteln, ohne die Ausweisung zu riskieren. Also tut er es diskret, mithilfe der algerischen Untersuchungsrichterin Amel, seiner heimlichen Geliebten.
    Bald wird klar, dass es um viel mehr geht als um das Leben eines Entführten. Denn zahlreiche Spuren führen nach Deutschland, zu einem schwäbischen Waffenhersteller. Und Eley begreift: Wenn er die Wahrheit ans Licht bringen will, muss er alles aufs Spiel setzen.
    Auf virtuose Weise verwebt Oliver Bottini das Thema (deutsche) Rüstungsexporte in einem mitreißenden Kriminalroman. Präzise lotet er die Untiefen von Macht und Unterdrückung aus und führt mit eindrucksvoller Intensität vor Augen, woran das System immer kranken wird – am Mangel an Menschlichkeit. (Quelle: DuMont Buchverlag)

    Peter Richter, Mitarbeiter der deutschen Rüstungsfirma Elbe Defence, reist ins Algerische Constantine um die lokale Fertigungsstätte eines deutschen Aufklärungspanzers zu besuchen. Nach seiner Ankunft spielt er eine Partie Tennis mit einem der Sicherheitsbeamten des Gästehauses der Algerischen Regierung, wo er wohnt. Zum Abendessen kommt es nicht mehr, er wird vorher gekidnappt.
    Für den Algerischen Nachrichtendienst ist das eine sichere Tat der al-Qaida im Maghreb, auch AQMI genannt. Ralf Eley, BKA-Verbindungsmann an der deutschen Botschaft in Algier, ist nicht so kategorisch. Trotz offiziellen Warnungen, die ihm eigenmächtige Nachforschungen verbieten, findet er recht zügig die Existenz einer heimlichen patriotischen Bewegung heraus, die von innerhalb des Algerischen Machtapparates das bestehende Pouvoir absetzen will und ein demokratisches Algerien auf den Weg bringen.
    Dann taucht noch im Hintergrund ein undurchsichtiger, alter algerischer General auf, der dem ehemaligen Geheimdienstchef General Mohamed Mediène nahe steht. Warum reist er nach Deutschland, wären nicht seine Dienste gerade nach der Entführung eines deutschen Geschäftspartners in Algerien selbst gefragt?
    Doch Oliver Bottini geht es in diesem Roman um die Korruption in Algerien und die Hintergründe des Vertrags über den Waffenhandel von 2008 zwischen den Regierungen von Abdelaziz Bouteflika und Angela Merkel. Dass es dabei zu Kollateralschäden kommt, macht anscheinend den Beteiligten nichts aus. Oder wie es Rigal, der Lobbyist für NGOs Lionel in Algier, meint: „Menschen sind irrelevant. Rüstungskonzerne und Regierungen arbeiten nicht nach den Werten und Idealen von Menschen, sondern nach wirtschaftlichen Zwängen. Die Abläufe sind automatisiert. Du willst in meinem Land investieren? Gut, ich will Deine Panzer! Du willst unser Öl? Unser Gas? Unsere Sonnenenergie? Gut, ich will deine Sturmgewehre!“
    Bottini schreibt schnell, viele Figuren bevölkern die einzelnen Kapitel egal ob in Algerien oder in Deutschland. Sein Schreibstil ist dialoglastig. Mit Aktionsszenen geht er sehr sparsam um. Die Spannung erzeugt er über das Thema, und mit der Abwehr von möglichen Anschlägen in Deutschland.


    Bottini entgegenhalten könnte man, dass er doch zu einseitig gegen die Waffengeschäfte argumentiert. Zum starken Exportgeschäft dieses Landes gehört die Rüstungsindustrie, deren Produkte als Ziel nun mal der Tod des Gegners haben. Wenn man das nicht moralisch vertretbar findet, muss man umfangreiche Anpassungsmaßnahmen anstreben. Eine andere Herausforderung für einen Krimi-Autor.


    „Ein paar Tage Licht ist ein gut dokumentierter politischer Kriminalroman. Oliver Bottini versteht es zu zeigen, wie ein Konflikt nicht nur im heute und jetzt existiert, sondern seine Wurze Jahrzehnte zurück liegen, sich über Generationen erstrecken kann. Dabei bekommt der unbedarfte Leser einen guten Einblick in algerische Machenschaften, blickt auf die finsteren 1990er Jahre in Nordafrika, die weiterhin ihre Kreise ziehen, und verfolgt das Handeln deutscher Seilschaften in den Fluren der Berliner Republik. Empfehlenswerter Lesestoff.


    Zum Hörbuch:
    Anregender Politikunterricht mit Frank Arnold als hervorragender Sprecher. Er liest sachlich und gut differenziert die vielen Dialoge. Auch die Aussprache der algerischen Namen und französischen Ausdrücke gelingen im besser als dem Durchschnitt der Vorleser.
    Hörenswert, wenn einem gerade nach einem Politthriller ist.

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