Paola Pigani – Venus d'ailleurs

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  • Original : Französisch, 2015


    INHALT :
    Im Frühjahr 1999 fliehen der zwanzigjährige Mirko und seine zwei Jahre jüngere Schwester Simona den Kosovo, wo der Krieg das Land zerreißt. Der Weg des Exils führt sie über den Balkan nach Italien, von wo sie von einem « Schleuser » nach Frankreich vermittelt werden. Sie landen in einem Übergangslager in Puy-en-Velay, in der Haute-Loire. Nach langwierigen administrativen Gängen erhalten sie Papiere und entscheiden sich, im Jahre 2001 nach Lyon zu gehen.


    Wie sieht ihr Leben aus ?


    AUFBAU :
    27 kleine Kapitel + Epilog + kleines Glossar mit Übersetzungen und Erklärungen von Abkürzungen


    BEMERKUNGEN :
    Insbesonders die ersten Kapitel sind nicht chronologisch aufgebaut : Der Hauptstrang spielt im Lyon des Jahres 2001/02, wo Mirko und Simona nach ihrer Zeit im Auffangslager gelandet sind. Doch es gibt Rückblicke auf die Flucht aus dem Kosovo, oder die letzte, schwere Zeit in der Heimat (meist in Verbindung mit den rückwärts gewandten Erinnerungen von Mirko), bzw ebenso die Zeit in der Haute Loire. 1999 waren die Geschwister in einer verflixten Situation geflohen, hatten ihren älteren Bruder, dessen Frau und das gerade geborene Kind zurückgelassen. Zusammen mit den albtraumartigen Bildern des Überfalls auf den großväterlichen Hof und die Ausschreitungen an den Vater verfolgen diese Ereignisse insbesondere den älteren Mirko. In Lyon wird er auf dem Bau arbeiten und in der Freizeit – wie daheim – taggen auf abgelegenen Geländen, Mauern. In diesem Umfeld lernt er Agathe kennen, geborene Französin, fasziniert von diesem ruhigen, vielleicht etwas nostalgischem, geheimnisvollen Mann.


    Simona ist anders gestrickt : Sie wird zunächst Arbeit in einem Kaufhaus für Kleidung finden. Ihr Traum ist, die Heimat hinter sich zu lassen und sich resolut ein Leben in Frankreich aufzubauen. Intensiv lernt sie Französisch, schreibt sich besondere Ausdrücke auf. Schon träumt sie von einem Auto, hört sich « westliche » Musik an etc. Die Parallelnischen eigener Landsleute meidet sie eher. Sie ist voller Energie, enthusiastisch.


    So ganz beiläufig und diskret flechtet die Autorin ein, was solchen Flüchtlingen bei ihrer Ankunft und in diesen ersten Jahren so unterlaufen kann. Sie werden einkategorisiert, werden Opfer rechts stehender, ausländerfeindlichen Menschen. Der « Verwaltungskram », die ständigen Unterstellungen prägen manches.


    Dabei wird die Autorin das Schwere und Belastende nicht laut herausgellen, sondern bleibt auch dabei leise, beiläufig, fast zurückhaltend. Trotzdem – oder gerade deswegen ? - dringen ihre Beschreibungen ein.


    Die Kapitel sind in einem Hauptteil entweder Simona oder Mirko gewidmet. Beide stehen, als Geschwister und sozusagen mit einer selben Story, dennoch für unterschiedliche Weisen, mit dem Exil umzugehen.


    So ganz nebenbei ist es schön, dass der Hauptspielplatz des Romans in Lyon spielt, ein Hauptankunftsplatz – laut Klappentext – ab 1999 für die Flüchtlinge aus dem Kosovo.


    Ich fand diesen Roman gerade in seiner Unaufdringlichkeit und dennoch Eindeutigkeit sehr beeindruckend. Man merkt, dass die italienischstämmige Autorin vielleicht noch aus eigener familiärer Erfahrung weiß, was es heißt « Fremde(r) » zu sein...


    AUTORIN :
    Paola Pigani wurde 1963 geboren und ist eine französische (nach einer Angabe : italienische?!) Autorin mit Eltern italienischer Abstammung und einer großen Familie. Sie ist Erzieherin von Kleinkindern. Ein slovenischer Verwandter schenkte ihr den Geschmack für die Stille, die Lektüre, und eröffnete ihr einen Weg zur Poesie. Sie reiste viel in Italien, Osteuropa, Canada und verschiedenen französischen Städten. Sie veröffentlichte bereits mehrere Lyrikbände und nun hiermit ihren dritten Roman.


    Broché: 208 pages
    Editeur : LIANA LEVI (27 août 2015)
    Collection : LITTERATUR
    Langue : Français
    ISBN-10: 2867467853
    ISBN-13: 978-2867467851

    Herman Bang - Das weiße Haus

    Tim O'Brien - Was sie trugen/The things they carried

    Catherine McKee - Charles de Foucauld, le frère universel

    Trésor de la poèsie indienne - Des Védas au XXIème siècle (Schatzkiste der indischen Poesie - Von den Veden bis ins XXI.Jahrhundert)


    (Un-)Gelesenes: https://www.buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#library

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