Matt Ruff - Lovecraft Country

  • Buchdetails

    Titel: Lovecraft Country


    Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 432

    ISBN: 9783446258204

    Termin: Neuerscheinung Mai 2018

  • Bewertung

    4.2 von 5 Sternen bei 9 Bewertungen

    84,4% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Lovecraft Country"

    Atticus Turners Gefühle für seinen Vater waren schon immer zwiespältig. Doch als der verschwindet, macht Atticus sich wohl oder übel auf die Suche. Auch wenn die Spur nach „Lovecraft Country“ in Neuengland führt, Mitte der 50er Jahre ein Ort der schärfsten Rassengesetze in den USA. Mit Hilfe seines Onkels George, Herausgeber des „Safe Negro Travel Guide“, und seiner Jugendfreundin Letitia gelangt Atticus bis zum Anwesen der Braithwhites. Hier tagt eine rassistische Geheimloge, mit deren Hilfe Braithwhite junior nichts weniger als die höchste Macht anstrebt. Matt Ruff erzählt mit überbordender Phantasie und teuflischem Humor die wahnwitzigen Abenteuer einer schwarzen Familie.
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  • Klappentext:


    Chicago 1954: Als sein Vater verschwindet begibt sich der 22 Jahre alte Armeeveteran Atticus Turner in Begleitung seines Onkels George - dem Herausgeber des The Safe Negro Travel Guide - und seiner Kindheitsfreundin Letitia auf eine Reise nach Neuengland um ihn zu finden. Auf ihrer Reise zum Herrenhaus von Samuel Braithwhite - dem Erben des Besitzes, zu dem auch einst einer von Atticus' Vorfahren gehört hat - treffen sie sowohl auf den "normalen" Schrecken des Weißen Amerikas, wie auch auf überlwollende Geister direkt aus den seltsamen Geschichten, die George verschlingt.
    Atticus findet seinen Vater in Ketten, gefangen von einer geheimnisvollen Verschwörung, dem Orden der Alten Dämmerung - angeführt von Braithwhite und seinem Sohn Caleb -, welcher zusammengekommen ist um ein Ritual durchzuführen, in dessen Zentrum Atticus stehen soll. Und die einzige Hoffnung auf Rettung - und der des ganzen Turnerclans - könnte die Samen der Vernichtung legen.
    Eine schimärenhafte Mischung aus Magie, Macht, Hoffnung und Freiheit, entworfen über die Grenzen der Zeit hinweg, berührt verschiedene Mitglieder zweier schwarzer Familien, so ist "Lovecraft Country" ein verstörend kaleidoskopisches Porträt des Rassismus - des beängstigenden Gespensts, dass uns immer noch verfolgt.


    Eigene Beurteilung:


    Ein Cover wie eine EC-Comic-Ausgabe von vor langer Zeit, mit einem geisterhaften Haus auf dem Rücken – oder dem Kopf – eines dunklen, mit Tentakeln bewehrtem Wesens. Dazu der Titel „Love-craft Country“, was zusammenmit den Tentakeln an H.P. Lovecraft und seine Dunklen Herrscher, die Uralten, denken lässt. Rechts ein gelber Stempel mit der Aufschrift „American’s Demons exposed.“ Die Marschrichtung des Inhalts dieses Buchs erscheint jedem Horrorfan sofort klar zu sein.


    Wir schreiben das Jahr 1954 und die letzten GIs kommen aus den Kriegsschauplätzen in der ganzen Welt zurück. Der Zweite Weltkrieg und der Koreakrieg haben viele Leben gekostet und viele Afro-Amerikaner haben dabei in Uniform geholfen, gegen rassistische, menschenverachtende Regime in der ganzen Welt zu kämpfen – besonders in Deutschland und Italien. Erfahrungen, die sich ja nun eigentlich in den Frieden übertragen lassen müssten.


    Das im Klappentext erwähnte ist nur das erste Abenteuer, das die Turnerfamilie und ihre Bekannten mit den Adamiten und ihren Gegnern erleben. Danach geht es noch – im Episodenstil – um ein Spukhaus, ein magisches Buch in einem Versteck voller Fallen, ein sehr seltsames Observatorium, einen unglaublichen Fluch und eine Art Reise in die Vergangenheit, wobei ihnen allerlei gruslige Monster über den Weg laufen und mächtige Zauberer, die um die Vormachtstellung innerhalb ihrer Kreise suchen.


    Doch eigentlich – eigentlich geht es doch um etwas ganz anderes. George Turner ist der Herausgeber des Safe Negro Travel Guides, der sein reales Vorbild in Victor H. Greens Negro Motorist Green Book hat und afro-amerikanischen Reisenden in den USA zeigte, wo sie essen, schlafen, tanken und aufs Klo gehen konnten, ohne gelyncht zu werden. Etwas, was elf Jahre vor Selma wirklich notwendig gewesen ist, wie auch die Erlebnisse der Heldinnen und Helden dieser Geschichten und Geschichten, die sie hören, immer wieder zeigen. So gruselig und beängstigend die Dinge auch sein mögen, die den Turners im Kampf gegen die Adamiten begegnen – und die die weißen Charaktere in den einschlägigen Comics stets vor Schreck erstarren lassen -, so verblasst es doch regelmäßig vor den Schrecken, die ihnen ihre „normalen“ Mitmenschen angedeihen lassen. Und dies leider nicht nur 1954.


    Wieder einmal hat Matt Ruff ein sehr komplexes und weitreichendes Thema mit sicherer Hand satirisch aufs Korn genommen und so ziemlich jeder seiner verbalen Schüsse trifft ins Ziel. „America’s Demons Exposed“ – tatsächlich. :study:
    :study::thumleft:

  • Matt Ruff - Lovecraft country

    America's Demons exposed


    Was für eine überbordende Phantasie, was für eine wunderbare Geschichte, was für eine perfekte Mischung, was für ein tolles Buch ! Einerseits ist dieses Buch im Stile der Horror- und Schauergeschichten a la Lovecraft gehalten, Lovecraft Country ist das von Lovecraft erfundene Gebiet in Massachusetts, wo seine Horrorgeschichten spielen, andererseits ist es eine Kritik an den Rassenunterschieden, der Rassenproblematik der Vereinigten Staaten, wobei ja auch Lovecraft nicht frei von Rassenvorurteilen war. Beides wird in diesem Buch geschickt miteinander verwoben. Der Horror, dem die Romanhelden der Horror- und Schauergeschichten ausgesetzt sind, wird mit dem Horror verglichen, dem die schwarze Bevölkerung täglich ausgesetzt ist. Dazu kommt dann noch etwas Science fiction und auch etwas Crime, das Ganze wird dann noch mit diesem köstlichen Humor von Ruff durchsetzt, der oft schon etwas schwarz ist, und ist in einer vollkommen schrägen Art geschrieben. Und dazu kommt noch ein sehr starker Sog, das Buch hat mich gepackt, ich konnte es nicht mehr weglegen, und ich war auch wieder etwas traurig, als ich es durchgelesen hatte. Die Geschichte ist vollkommen unvorhersehbar und durch dieses Unvorhersehbare wird eine Spannung erzeugt, einfach köstlich, fast schön göttlich. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt.


    Zur Story: In diesem Buch kommt eine Gruppe von Menschen, teilweise familiär verbunden, teilweise befreundet mit einem alten Geheimbund in Kontakt. Diese Gruppe von Menschen besteht aus Atticus Turner, seinem Vater Montrose Turner, seinem Onkel George Berry, seiner Tante Hippolyta Berry, seinem Cousin Horace Berry, seiner Jugendfreundin Leticia Dandridge und ihrer Schwester Ruby Dandridge. Der Geheimbund, der Orden der alten Morgenröte, in dem Buch hauptsächlich vertreten durch die Figur des jungen smarten Caleb Braithwhite, der geheimnisvoll und auch gefährlich rüberkommt, und der versucht mit Hilfe dieser Gruppe von Menschen seine eigenen machthungrigen Ziele zu verwirklichen. In den acht verschiedenen Kapiteln des Buches bestehen diese Hauptpersonen immer wieder verschieden geartete Abenteuer. Und dabei wird die Geschichte der Familie und deren Freunde, sowie auch die Geschichte des Geheimbundes erzählt. Noch etwas sehr Interessantes in dieser Geschichte, in dem Roman ist George Berry der Herausgeber des "Save Negro Travel Guide", der Afroamerikanern zeigen soll, an welchen Orten sie als Gäste willkommen sind und wo sie um ihre Gesundheit fürchten müssen. So etwas gab es wirklich, das "Negro Motorist Green Book", was schon ganz schön heftig ist, aber genauso auch für den Mut mancher Menschen spricht. Und auf der englischen Ausgabe des Buches ist vorn auf dem Cover ein kleiner Button, auf dem steht "America's Demons exposed", Amerikas Dämonen ausgesetzt, tja, was soll man da noch sagen.


    Ich gebe eine absolute Leseempfehlung für dieses wunderbare Buch, aber man sollte dieses Genre schon etwas mögen.

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