Aki Shimazaki – Hamaguri

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  • Original : Französisch, 2000


    INHALT :
    Zwei kleine Kinder, Yukio und Yukiko, besiegeln in Tokio einen Treuepakt und schreiben ihre Namen in eine Muschel (= Hamaguri) ein als Versprechen ewiger Liebe. Ihre Familien gehen verschiedene Wege, und erst als Jugendliche treffen sie sich in Nagasaki wieder, ohne sich jedoch wiederzuerkennen. Nun stehen wahre Gefühle im Raum und lässt sie wanken : sind jene ihnen aber verboten ? Gibt es etwas, was sie über die Gefühle hinaus verbindet ? (Behelfsübersetzung aus dem Französischen)


    BEMERKUNGEN :
    Dieses Buch ist der zweite Teil eines fünfbändigen Werkes « Le poids des secrets » (ungefähr also : « Das Gewicht der Geheimnisse »). Man kann die Bücher einzeln lesen und verstehen ; sie sind schlüssig. Dennoch ergeben sie in der Gesamtsicht ein Ganzes. So ist es verwunderlich, dass im Deutschen anscheinend dieser zweite Band 2 (und ebenso der fünfte!) nicht übersetzt wurde !!! Vor Kurzem las ich also den wunderbaren ersten Teil, siehe auch : Aki Shimazaki – Tsubaki . Natürlich konnte ich nur weiterlesen. Und es war, allein schon wegen der Namen und dem Zeitrahmen, schnell klar, dass hier jene Geschichte nicht einfach weitergesponnen wird in einem chronologischen Sinne, sondern aus einer anderen Perspektive erzählt wird !


    Hier ist der Ich-Erzähler also Yukio in verschiedenen Lebensaltern, von vier Jahre aufwärts als Sohn seiner eher ausgestossenen alleinerziehenden Mutter Mariko, bis hin zu deren Tod, circa 50 Jahre nach Weltkriegsende (auch hier Bezüge zu Dramen des Krieges, sei es Pearl Harbour und natürlich dem Atombombenabwurf über Nagasaki). Mariko ist bekannt mit dem Vater jener Freundin Yukiko. Dann erscheint Herr Takahashi, der sich trotz aller gesellschaftlichen Widerstände der alleinstehenden Mutter annimmt und auch Yukio wie seinen Sohn erziehen wird nach der Hochzeit. Sie werden aus Tokio nach Nagasaki ziehen. Als kleines Kind hatte Yukio noch ahnen können, dass jener Oji-san sein richtiger Vater ist.


    Später tauchen Yukiko und ihre Eltern in Nagasaki auf, doch Yukio kann sie nicht mehr erinnern. Eine zarte Beziehung entsteht. In der Jetztzeit des Erzählers, und dem kurz bevorstehenden Tode seiner Mutter, ist der vielfache Familienvater heimgesucht von alten Erinnerungen und Bruchfetzen an unbeantworteten Fragen. Wird seine Mutter ihm helfen können oder wollen ?


    Ich muss gestehen, dass ich eingangs nun dachte, dass die Autorin sich ein wenig übernimmt, dasselbe Thema (nur) von einer anderen Perspektive aufzurollen, wo wir Leser nach dem ersten Band eigentlich schon die wesentlichen Schlüssel in der Haénd haben. Zur selben Zeit ist es mehr als interessant – und wie im richtigen Leben ! - sich zu sagen, dass die selben Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven verschieden erfasst werden. Wunden, Fragen, Gefühle – jedem sein Universum. So finden wir manch wesentliches Schlüsselerlebnis wieder aus dem ersten Band, doch anders verarbeitet. Dazu kommen dann auch Brocken an bislang uns Unbekanntem. Die letzten Seiten sind wunderbar.


    Wiederum findet die Autorin eine teils poetische Sprache, trotz schweren Themas von gewisser Leichtigkeit. Überraschend und seltsam, dass also dieser zweite Band nicht auf Deutsch erschienen ist ?!


    AUTORIN :
    Aki Shimazaki (jap. 島崎 あき, Shimazaki Aki) ist eine kanadisch-japanische Schriftstellerin, die ähnlich wie Tawada Yōko nicht in ihrer Muttersprache Japanisch, sondern in Französisch schreibt und veröffentlicht. Sie wurde 1954 in Gifu/Japan geboren und arbeitete in Japan fünf Jahre lang als Kindergärtnerin und gab Unterricht in englischer Grammatik an einer Nachhilfeschule. 1981 emigrierte sie nach Kanada und lebte zunächst fünf Jahre in Vancouver, wo sie bei einer IT-Firma arbeitete, danach wohnte sie fünf Jahre lang in Toronto. Seit 1991 lebt sie in Montreal/Quebec. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit unterrichtet sie auch Japanisch. Erst 1995 im Alter von 40 Jahren begann sie im Selbststudium und an der Sprachschule Katimavik systematisch Französisch zu lernen. Bücher von ihr sind inzwischen in Englisch, Japanisch, Serbisch, Deutsch und Ungarisch erschienen.


    Insbesondere die ungarisch-schweizerische Schriftstellerin Ágota Kristóf und ihre mit « Das große Heft » (Orig.: Le grand cahier, 1986) begonnene Trilogie waren Vorbild und Motivation für Shimazaki.


    Détails sur le produit


    Poche: 118 pages
    Editeur : Actes Sud (3 janvier 2007)
    Collection : Babel
    Langue : Français
    ISBN-10: 2742765174
    ISBN-13: 978-2742765171

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