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Kiera Brennan - Die Herren der grünen Insel

Die Herren der Grünen Insel

3.9 von 5 Sternen bei 13 Bewertungen

Band 1 der

Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 976

ISBN: 9783734101403

Termin: Oktober 2017

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  • Worum gehts: Eine sehr aufrührende und von grausamer Notwendigkeit geprägte Zeit im sagenumwobenen Irland des 12. Jahrhunderts, die Kiera Brennan in ihrem umfangreichen Roman wieder auferstehen lässt.
    Kriege, Fehden und Machtkämpfe zwischen den Königen spiegeln den Hintergrund vor der wunderschönen Kulisse dieser weitläufigen, grünen Insel.
    Das Schicksal von Königen steht auf dem Spiel, von Kriegern und Bauern - aber bei diesem Spiel von Krieg und Frieden wird es nur wenige Gewinner geben ...


    Meine Meinung


    Ich hab ja schon einige Meinungen zu diesem Buch gehört: zu viele Namen die einen durcheinander bringen, zu langatmige Beschreibungen und eine verworrene Handlung ... dem kann ich mich aber überhaupt nicht anschließen --- vor allem Leser von Game of Thrones oder Herr der Ringe kann ja sowas schon lange nichts mehr anhaben! :D


    Natürlich sind die Namen und Titel hier nicht sehr einprägsam, da wir mit dieser alten Sprache recht wenig zu tun haben. Aber die Autorin hat im Vorwort schon darauf hingewiesen, deshalb oft auf die einfache Schreibweise zurückgegriffen zu haben und es vermittelte für mich eine authentische Atmosphäre. Nur an wenigen Stellen hätte man es auch etwas straffen können.


    --- Der Schreibstil --- an sich passt überhaupt sehr gut. Sehr bildhaft mit vielen Details zu Irlands Vergangenheit, den Bräuchen und dem Glauben schafft Kiera Brennan einen fesselnden Rahmen, in dem sich eine tragische und mitreißende Geschichte abspielt. Manche Szenen wirkten anfangs noch etwas "unrund", zum Ausgleich gibt es viele Wortspielereien und Metaphern in jedweder Situation, die mich zum Nachdenken oder zum Schmunzeln gebracht haben.


    --- Die einzelnen Kapitel --- werden abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten erzählt, die allesamt sehr speziell und nicht immer sympathisch sind. Grade das fand ich besonders spannend, da man nicht wieder die typischen Klischees serviert bekommt, sondern eine Echtheit spürt, welche die Figuren menschlich handeln lässt; oft sehr grausam und fadenscheinig, aber so sind sie halt, die Menschen. Auch in der damaligen Zeit.


    ~ Ascall von Toora und sein Bruder Ailillán, geprägt durch ihre Vergangenheit haben sie sich mehr schlecht als recht durchs Leben kämpfen müssen und finden sehr ungewöhnliche Wege in ihrer Entwicklung, um zu überleben


    ~ Caitlin O´Blólans ist eine starke Persönlichkeit, die durch ihr Schicksal auf eine harte Probe gestellt wird. Ebenso wie ihre Brüder Riacán und Faolán, die unterschiedlicher nicht sein können.


    ~ Der Händler Pól ist oftmals das Zünglein an der Waage, denn er lässt sich nicht gern ins Handwerk pfuschen und treibt seine intriganten Ziele oft auf die Spitze. Ein ziemlicher Mistkerl, um es deutlich zu sagen, doch über seinen Sarkasmus musste ich oft schmunzeln.


    ~ Seine Tochter Róisín hat es wahrlich nicht leicht unter seinen Argusaugen und der Weg zur Freiheit ist auch für sie mit Steinen gepflastert


    ~ Und schließlich Aoife, die Tochter des vertriebenen Königs Diarmait, der sein Land und seine Herrschaft zurückerobern will. Sie hat ein etwas verstörtes und viel zu sanftmütiges Wesen, das gar nicht in diese Zeit zu passen scheint.


    Für alle Personen und ihre Stellung gibt es im Anhang eine Übersicht, auch wie man die entsprechenden Namen ausprechen kann.


    --- Die Authentizität --- zeigt Kiera Brennan ebenfalls im Anhang, weil sie viel recherchiert hat. Was die Invasion Irlands zur damaligen Zeit angeht, aber auch die Sitten und Gebräuche, die sie in vielen Details bildhaft erwähnt und damit die Geschichte sehr lebendig gemacht hat. Natürlich hat sie sich manches auch ein bisschen zurechtbiegen müssen, aber wir wollen ja auch kein Geschichtsbuch sondern eine Geschichte - und in den grundlegenden Ereignissen ist sie an den Tatsachen der Überlieferungen geblieben.


    Fazit 4.5 Sterne


    Ein farbenprächtiges und überaus glaubwürdiges Werk über ein dunkle Zeit zwischen den grünen Hügeln Irlands. Zahlreiche Kämpfe in brutalen Szenen, Sex, Mord, Intrigen und ein ordinärer Umgang prägen das Bild der Menschen, die sich ständig zur Wehr setzen und um ihr Überleben kämpfen müssen. Große Entwicklungen der Figuren, überraschende Wendungen und die vielen schönen Beschreibungen haben mein Leserherz höher schlagen lassen.


    © Aleshanee
    Weltenwanderer

  • 1166: Irland ist in viele, hierarchisch aufgebaute Königreiche zerteilt. Untereinander ringen die Herrschenden um die Macht, es kommt oft zu Fehden und Kriegen. Als Diarmait MacMurchada von Tigernán O'Rourke besiegt und vertrieben wird, sucht dieser Hilfe bei den Normannen, womit er womöglich den Teufel mit dem Beelzebub vertreibt. Viele kleinere Herrscher und Grundbesitzer wie Ascall von Toora und Riacán O`Bjólan und ihre Familien werden in die Machtkämpfe hineingezogen.


    Kiera Brennan ist das Pseudonym einer Autorin, die mit mehreren Pseudonymen in verschiedenen Genres zu Hause ist. Ich muss gestehen, dass ich bisher keinen ihrer Romane gelesen habe, nach der Lektüre von „Die Herren der grünen Insel“ aber neugierig auf ihre anderen Werke bin.


    Der Autorin ist ein großartiges Epos über einen Teil der irischen Geschichte gelungen. Bisher kannte ich Irlands Geschichte kaum, und wenn, dann eher aus der neueren Zeit und aus einem englischen/britischen Blickwinkel heraus. Hier erleben wir das Geschehen (fast) ganz aus irischer Sicht, die Protagonisten sind (fast) durchgängig Iren und Irinnen, die dadurch von dem Geschehen unmittelbar betroffen sind. Sehr interessant finde ich die Aufteilung des Landes in viele Königreiche, um die Hierarchie untereinander zu verdeutlichen gibt es hinten im Buch einen Stammbaum. Etwas schwierig sind die vielen ungewohnten Namen, hier hilft das Personenregister im Anhang, meinem Buch lag zudem ein Lesezeichen bei, auf dem die wichtigsten Protagonisten verzeichnet waren. Da ich viele Romane aus dem Fantasy-Genre lese, bin ich ungewöhnliche Namen gewohnt und hatte nur wenig Probleme deswegen. Neben den irischen Charakteren finden sich auch einige normannische, u. a. auch Henry II. Plantagenet und Eleonore von Aquitanien (u. a., aber nicht nur, bekannt als die Eltern Richard Löwenherz').


    Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, wie z. B. auch bei George R. R. Martins bekannter Buchreihe sind die Kapitel nach dem jeweilig im Fokus stehenden Charakter benannt. Die entsprechenden Charaktere sind sehr unterschiedlich und entstammen verschiedenen Lagern, beide Geschlechter sind vertreten. Kiera Brennan ist es sehr gut gelungen, sie allesamt zum Leben zu erwecken und dem Leser nahe zu bringen, sie sind alle sehr tiefgehend gezeichnet und wecken allerlei Emotionen. Es gibt aber auch eine Reihe Charaktere, die keine eigenen Kapitel erhalten und dennoch wichtige Rollen einnehmen und ebenso gut gezeichnet sind. Trotz der Vielzahl der Personen behält man bei einigermaßen konzentriertem Lesen jederzeit den Überblick. Die politischen Geschehnisse werden gekonnt mit dem Leben der verschiedenen Charaktere verknüpft, so dass man auch hier immer auf dem Laufenden bleibt. Zudem gibt es im Anhang eine Zeittafel, anhand derer man sich Informationen über das tatsächliche historische Geschehen holen kann. Mir persönlich gefällt die Rolle, die Eleonore von Aquitanien einnimmt, nicht, ich kann diese Interpretation aber nachvollziehen.


    Erzählt wird sehr ausführlich, mit vielen Anspielungen auf irische Geschichte und Legenden, dabei aber immer packend, Langeweile kommt auf keiner der fast 1.000 Seiten nicht auf. Kiera Brennan hat einen wunderbaren, sehr bildhaften Erzählstil, hin und wieder fließt auch ein Quäntchen Humor mit ein. Die Sprache ist phänomenal, bildgewaltig und kraftvoll, ich empfinde sie zur Zeit und zu den Charakteren passend, dazu gehört auch, dass sie manchmal etwas derb ist.


    Der Roman endet 1172, doch die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende erzählt, es wird eine Fortsetzung geben, auf die ich mich schon sehr freue, ich bin gespannt, welche Charaktere uns wiederbegegnen werden.


    Wie es sich für einen guten historischen Roman gehört, werden einige Extras mitgeliefert. Einen Teil habe ich bereits erwähnt. Mit einer Vorbemerkung führt die Autorin in die Geschichte ein, wodurch diese verständlicher wird. In einer historische Anmerkung am Ende zeigt Kiera Brennan auf, welche Entscheidungen sie für ihren Roman fällen musste, ich fand das sehr interessant. Selbstverständlich gibt es auch eine Karte, die zum Einen Irland zeigt, zum Anderen einen Ausschnitt der britischen Insel und des französischen Festlandes. Alle Extras finde ich sehr nützlich.


    Ich habe den Roman mit jeder Seite mehr geliebt, für mich ist er ein absolutes Lesehighlight und so freue ich mich schon auf die Fortsetzung. Wer gerne gut recherchierte historische Romane liest und nicht vor einer komplexen Geschichte zurückschreckt, sollte unbedingt zugreifen. Von mir gibt es volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung.

  • Kiera Brennan ist das Pseudonym einer Autorin, die mit mehreren Pseudonymen in verschiedenen Genres zu Hause ist.

    Weder auf der Verlagsseite noch auf der Homepage der Autorin finde ich den richtigen Namen, bzw. Hinweise auf andere Pseudonyme. Das Foto sagt mir auch nichts. Weißt Du, bzw. weiß jemand im Büchertreff, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt? :-k

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Es ist Julia Kröhn ...

    Danke, aber die kenne ich nicht.

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  • Julia Kröhn hat eine eigene Homepage und kommt aus Österreich

    Danke, das ist eine sehr schöne Homepage. :thumleft:
    Aber diese ganzen Pseudonyme finde ich sehr nervig. Der Name "Carla Federico" ist mir sogar schon untergekommen, aber ich habe diese Bücher als "Frauenromane" gesehen, womit sie für mich schon disqualifiziert waren. :wink:


    Mit "Die Herren der grünen Insel" werde ich es vielleicht mal probieren, falls ich das Buch in der Onleihe / oder als normales Büchereibuch bekommen kann.

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  • Aber diese ganzen Pseudonyme finde ich sehr nervig. Der Name "Carla Federico" ist mir sogar schon untergekommen, aber ich habe diese Bücher als "Frauenromane" gesehen, womit sie für mich schon disqualifiziert waren.

    Die Menge der Pseudonyme hat mich auch überrascht :shock: (nebst ihrem richtigen Namen benützt sie 5 Künstlernamen... wenn ich mich nicht verzählt habe :-, ) und irgendwie verstehe ich es auch nicht so ganz :-k ?
    Und ohne es zu wissen, habe ich sogar eins ihrer Bücher gelesen :totlach: :

  • Ein historischer Roman mit Ecken und Kanten


    Irland, eine Insel im Jahre 1166. Hier leben die Menschen noch nach alten Traditionen, es gibt viele kleine Herrschaftsbereiche, jeder mit seinem eigenen König. Aber dies soll sich nun ändern. Ein König, der sein Land verloren hat, holt sich Hilfe bei den Nachbarn aus England. So kommen die Normannen ins Land. Sie überziehen die Insel mit Krieg, Tod und Verwüstung.


    Hier wird aber nicht die Geschichte der Eroberer erzählt, sondern die der Menschen, die auf dieser Insel lebten und nun mit der Kriegsführung eines anderen Volkes konfrontiert wurden. So zersplittert, wie Irland damals lebte, mit all seinen kleinen Herrschaftsgebieten, in dem jeder Herr sein eigener König sein wollte, so unterteilt ist auch die Geschichte der Herren der grünen Insel. Dies ist die Geschichte von Diarmait, dem König, der die Feinde ins Land holte, seiner Tochter Aoife, die selbst ihr Schicksal bestimmen wollte. Von Ascall und Ailillán, die schon als Jungen zu Kriegern erzogen wurden und nun kämpfen müssen, für alles, was ihnen lieb und teuer war. Von Caitlín, Éilís, Róisín, und Ceara, eben von den Frauen, die dieses Leid ertragen mussten und doch ihren Weg fanden, damit zu leben und zu lieben. Dies sind nur einige Protagonisten, es gibt noch so viele mehr, die für Irland in den Kampf gezogen sind und vielleicht doch nur die eigenen Interessen verfolgt haben.


    Die Autorin hat sich dafür entschieden den wichtigsten Protagonisten jeweils einen eigenen Handlungsstrang zu geben und so werden hier die Geschichten von den Menschen erzählt, was sie antrieb und verband. Sie scheut nicht davor zurück, klar zu erzählen, was damals geschehen sein könnte. Mit der ganzen Härte, die Krieg nun einmal bedeutet. Es beginnt schon mit einem Prolog, der klar macht, manchmal ist man gezwungen Dinge zu tun, die man eigentlich nicht tun möchte, aber eben das Überleben sichern. Ascall ist noch ein Knabe, als er diese bittere Erfahrung machen musste, wie ein roter Faden zieht sich dieses Ereignis seiner Kindheit durch sein ganzes Leben. Immer wieder ist er gezwungen zu handeln, auf eine Weise, die er eigentlich nicht will. Nicht nur ihm geht es so auch einigen Anderen. Brennan hat es geschafft, die einzelnen Facetten ihrer Protagonisten so auszuarbeiten, dass sie lebendig und echt wirken. Mir hat es gut gefallen, wie hier die Menschen beschrieben wurden, wie sie lebten und dass sie eben nicht nur eindimensional beschrieben wurden. Sie hatten Ecken und Kanten und eine Menge auszuhalten. Viel Leid war darunter und dieses wird eben auch beschrieben, als Leser hat man hier schon einiges auszuhalten. Dafür wird man aber auch mit einer Geschichte belohnt, die spannend erzählt ist.


    Der historische Hintergrund ist spürbar gut recherchiert und fließt hier geschickt mit ein. Gekonnt hat die Autorin historisch belegte Ereignisse und Charaktere mit ihren fiktiven Protagonisten verwoben. Es ist ein Bild entstanden, welches glaubhaft und echt wirkt.


    Die Aufmachung dieses Buches ist dann auch sehr gut gelungen. Es gibt eine Karte von Irland, ein großes Personenregister, sogar mit Lautschrift, damit man die irischen und walisischen Namen richtig lesen kann. Dann ist eine Zeittafel vorhanden, hier kann man zusagen in Zeitraffer die wichtigsten Ereignisse nachlesen. Und ganz zum Schluss gibt es noch ein Nachwort, welches Fiktion und Wahrheit trennt. Das Cover zeigt eine wilde Landschaft, wild und schön. Mir gefällt es gut. Ein Lesebändchen vervollständigt dann auch noch das Gesamtbild. In meiner Hardcoverausgabe lag sogar noch ein extra Lesezeichen, auf dem noch mal die wichtigsten Personen aufgelistet sind. Für mich ist die Herren der grünen Insel ein tolles Leseerlebnis gewesen, ich habe jede der fast 1000 Seiten genossen und freue mich jetzt schon darauf mit einem zweiten Band wieder nach Irland zurückkehren zu dürfen.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Für mich ist die Herren der grünen Insel ein tolles Leseerlebnis gewesen, ich habe jede der fast 1000 Seiten genossen und freue mich jetzt schon darauf mit einem zweiten Band wieder nach Irland zurückkehren zu dürfen.

    Oh je - ist das sicher, dass es da Fortsetzungen geben wird? Dann verlässt mich die Lust zum Weiterlesen ja gleich noch mehr. Ich bin bisher einfach nicht in die Geschichte reingekommen... aber ich versuche es irgendwann nochmal.

    Gelesen in 2019: 20 - Gehört in 2019: 19 - SUB: 400


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Oh je - ist das sicher, dass es da Fortsetzungen geben wird? Dann verlässt mich die Lust zum Weiterlesen ja gleich noch mehr. Ich bin bisher einfach nicht in die Geschichte reingekommen... aber ich versuche es irgendwann nochmal.

    Ja, ich habe dieses Buch in einer Leserunde mit Autorin gelesen und da hat sie erzählt, es wird auf jeden Fall einen zweiten Band geben

  • Kurzbeschreibung:
    Vier Familien, sechs Jahre Krieg und eine einzige Krone
    Irland 1166: Die Grüne Insel ist in viele kleine Reiche zersplittert, die sich unerbittlich bekriegen. Könige fechten langjährige Fehden aus, und selbst die friedliebendsten Untertanen werden in den blutigen Machtkampf hineingezogen. Zugleich droht ein gemeinsamer Feind in Irland einzufallen: Henry Plantagenet will die Insel an sich reißen. Werden sich die Herren der Grünen Insel vereinen und sich gegen den König von England stellen? Und welche Rolle spielen der grausame Krieger Ascall und die von ihm entführte Caitlín in diesem Kampf um Macht und Blut? (Quelle: Verlagswebsite)


    Autorin:
    Kiera Brennan ist das Pseudonym einer erfolgreichen Bestsellerautorin, deren Romane bei zahlreichen deutschen Verlagen erschienen sind. Sie veröffentlicht Romane unter verschiedenen Pseudonymen, wie man auf ihrer Homepage erfahren kann. Ihr Historienepos „Die Herren der Grünen Insel“ spielt im Irland des Hochmittelalters – eine Epoche, die Brennan seit jeher fesselt. Während langer Irlandaufenthalte hat sie an Originalschauplätzen recherchiert und sich von der wildromantischen Landschaft der Insel inspirieren lassen. (Quelle: Verlagswebsite und Homepage der Autorin)


    Allgemeines:
    Erschienen bei blanvalet im Februar 2016.
    Hardcover mit Schutzumschlag. Auf den Cover-Innenseiten sind eine Karte von Irland sowie eine stilisierte Darstellung des irischen Herrschaftssystems der damaligen Zeit abgebildet.
    959 Seiten, gegliedert in Kapitel, die jeweils in einem Jahr spielen und in Unterkapitel unterteilt sind, die aus der Sicht der verschiedenen Hauptfiguren erzählt werden.
    Die Handlung spielt in der Zeit zwischen 1166 und 1172, der Prolog 1151. Handlungsort ist überwiegend Irland, es gibt Abstecher nach Wales und Aquitanien. Vorangestellt sind Vorbemerkungen der Autorin, im Anhang finden sich ein Personenverzeichnis, eine ausführliche Zeittafel und historische Anmerkungen der Autorin.


    Meine Meinung:
    Sieben Hauptfiguren und noch einige wichtige Nebendarsteller – das verlangt dem Leser schon einiges ab. Vor allem am Anfang sind die vielen Handlungsstränge eher anstrengend als der Spannung dienlich. So habe ich auch knapp ein Drittel der 946 Seiten Erzählung (der Rest ist Anhang) gebraucht, um wirklich in die Geschichte hineinzufinden. Dann war ich allerdings von den Geschehnissen schon gefangen. Die Hauptfiguren sind durchaus geeignet, vom Leser geliebt oder gehasst zu werden oder ihn auch einfach nur zu nerven. Bei mir war letzteres bei der guten Aoife der Fall, die eine starke Position in der Geschichte hätte einnehmen können, dies aber nicht tat – ob das Absicht der Autorin war, hat sich mir bis zum Schluss nicht ganz erschlossen. Apropos Schluss: ein echtes Ende hat die Geschichte nicht. Viele Dinge bleiben offen, von denen man als Leser doch gern wüsste, wie sie ausgehen. Darum vermute ich, dass es eine Fortsetzung geben wird (die Autorin deutet das in ihren Nachbemerkungen auch an). Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob ich diese lesen werde. Wenn mich auch das Schicksal einiger Figuren interessieren würde, weiß ich doch nicht, ob ich mir nochmal so einen Wälzer mit ausschweifenden Beschreibungen kleinster Handlungsdetails antun werde (vor allem, wenn manche Dinge, die der Leser doch weiß, mehrfach wiederholt und erklärt werden). Aber das entscheide ich, wenn es dann eine solche Fortsetzung geben wird.
    Nochmal zurück zu den Figuren: es gibt einige, die mir wirklich sehr gut gefallen haben: Ascall (ja, man sollte es am Anfang nicht glauben, aber er kann einem wirklich ans Herz wachsen) und Róisín sind zwei davon. Starke Charaktere, die auch Schwächen zeigen und die so einige Schicksalsschläge hinnehmen müssen, an denen sie aber nicht scheitern, sondern wachsen. Von Herzen hassen konnte ich auch den ein oder anderen, aber diese Namen nenne ich hier mal nicht – ich will ja die Spannung nicht verderben. Was Kiera Brennan wirklich gut gelungen ist: den wahren Charakter einiger ihrer Figuren erst nach und nach zu enthüllen, so dass es einige erstaunliche Wendungen gibt, die den Reiz der Geschichte ausmachen.
    Gefallen hat mir, dass die Namen größtenteils in ihrer irischen Schreibweise verwendet werden (im Personenverzeichnis im Anhang wird auch die korrekte Aussprache erklärt). Schade finde ich allerdings, dass dies nicht konsequent getan wird.
    Erwähnt sei noch, dass Henry Plantagenet und Eleonore von Aquitanien, die ja im Klappentext extra erwähnt werden, nur eine untergeordnete Rolle spielen – wer wegen diesen beiden zum Buch greifen würde, kann dies meiner Meinung nach getrost lassen.
    Ansonsten wird das Leben in Zeiten des Krieges gut und auch anschaulich beschrieben – mit allen Missständen, Grausamkeiten, Tod und Elend. Irland als Schauplatz tritt da ein wenig in den Hintergrund, würden nicht hin und wieder Dublin als Schauplatz genannt, könnte man fast vergessen, wo die Handlung spielt. Wer sich mit Irlands Geschichte auskennt, wird wahrscheinlich mit den Ereignissen und einigen der Personen vertraut sein. Ich habe festgestellt, dass ich die historischen Anmerkungen am Ende zuerst hätte lesen sollen und auch die Zeittafel studieren, dann hätte ich mich vielleicht leichter getan. Während ich dies jetzt hier schreibe, beschließe ich für mich, dass ich mich wohl doch ein wenig intensiver mit der Geschichte von Ériu befassen werde. Und wenn eine Autorin das erreicht, dann war der Roman wohl doch nicht so mittelmäßig, wie ich ihn anfangs bewerten wollte. So gibt es von mir dann doch :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: Sterne und eine Leseempfehlung für Freunde der Grünen Insel und ihrer Geschichte.


    Fazit:
    Viele Hauptpersonen und ausschweifende Handlungsstränge, die zwar alle irgendwann zusammen, aber leider nicht zu einem wirklichen Ende führen. Aber man bekommt trotzdem irgendwie Lust auf mehr irische Geschichte(n).

    Gelesen in 2019: 20 - Gehört in 2019: 19 - SUB: 400


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • So habe ich auch knapp ein Drittel der 946 Seiten Erzählung (der Rest ist Anhang) gebraucht, um wirklich in die Geschichte hineinzufinden.

    ob ich diese lesen werde. Wenn mich auch das Schicksal einiger Figuren interessieren würde, weiß ich doch nicht, ob ich mir nochmal so einen Wälzer mit ausschweifenden Beschreibungen kleinster Handlungsdetails antun werde (vor allem, wenn manche Dinge, die der Leser doch weiß, mehrfach wiederholt und erklärt werden)

    Erwähnt sei noch, dass Henry Plantagenet und Eleonore von Aquitanien, die ja im Klappentext extra erwähnt werden, nur eine untergeordnete Rolle spielen – wer wegen diesen beiden zum Buch greifen würde, kann dies meiner Meinung nach getrost lassen.

    Diese Aussagen sind für mich ein ganz klares Zeichen, diesen Roman trotz vorhandenen Interesses für Irland nicht zu lesen, zumal ich kürzlich schon ein Onleihe-Buch von "Julia Kröhn" abgebrochen habe.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
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    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Diese Aussagen sind für mich ein ganz klares Zeichen, diesen Roman trotz vorhandenen Interesses für Irland nicht zu lesen

    Vor allem bei der letzten Aussage habe ich auch speziell an dich gedacht. :wink:

    Gelesen in 2019: 20 - Gehört in 2019: 19 - SUB: 400


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Ich bin jetzt gut hundert Seiten vom Ende entfernt. Mit anderen Büchern von Julia Kröhn, von der ich bereits drei Bücher gelesen habe, kann man dieses absolut nicht vergleichen, der Stil ist ganz anders, was auch ein Grund für das neue Pseudonym ist, wie sie in einem Leserundenforum erklärt hat.
    Das Buch ist dreckiger als die anderen, für mich war es schon eine Überraschung, dass das Bild, das ich mir in den ersten Kapiteln von den verschiedenen Charakteren gemacht habe, schon sehr bald völlig umgeworfen wurde. Hauptpersonen sterben dann auch schon mal (daher wohl auch die Vergleiche mit Game of Thrones, das ich allerdings nur vom Hörensagen kenne).
    Das alles wäre gar nicht mal so schlecht, aber leider liegt mir der Schreibstil gar nicht. Ich weiß nicht, wie ich ihn genau beschreiben soll, vielleicht am ehesten als sehr subjektiv, nicht neutral. Da ist dann im Erzähltext von Kötern die Rede statt von Hunden, oder der "Erzähler" ist sich nicht sicher, was er da erzählt, da kommt eine Katze, nein ein Hund, nein ein Esel... Irgendwann hat mich das nur noch genervt. Ich lese an dem Buch jetzt schon seit März, aber wenigstens habe ich es jetzt bald geschafft.


    Wirklich schlecht finde ich es nicht, aber der Schreibstil reißt die Handlung meiner Meinung nach ganz schön runter.
    Eine endgültige Wertung und eine vollständige Rezension gibt es dann, wenn ich durch bin.

  • Das alles wäre gar nicht mal so schlecht, aber leider liegt mir der Schreibstil gar nicht. Ich weiß nicht, wie ich ihn genau beschreiben soll, vielleicht am ehesten als sehr subjektiv, nicht neutral. Da ist dann im Erzähltext von Kötern die Rede statt von Hunden,

    Ist eine Erzählung nicht immer subjektiv gefärbt? Und zu deinem Beispiel: ein Hund kann vieles sein - vom Schoßhündchen bis zum Kampfhund. Wenn von einem Köter die Rede ist, habe ich sofort ein Bild eines zottigen Mischlings vor Augen, eben einen echten Straßenköter. So gesehen finde ich diese Formulierung eigentlich gut gewählt. Mir fehlt der Vergleich zum Stil, den Julia Kröhn sonst an den Tag legt, deshalb kann ich diesen Kritikpunkt nicht ganz nachvollziehen. Aber schwer getan hab ich mich mit diesem Buch auch.

    Gelesen in 2019: 20 - Gehört in 2019: 19 - SUB: 400


    "Wenn der Schnee fällt und die weißen Winde wehen, stirbt der einsame Wolf, doch das Rudel überlebt." Ned Stark

  • Ich weiß nicht, wie ich das anders beschreiben soll.
    Viele Romane sind überwiegend neutral geschrieben, es wird beschrieben, was passiert. Aber hier ist es eben keine neutrale Art der Beschreibung von Tatsachen. Alleine das, was ich schon angesprochen habe, mit dem "es ist dieses, nein das, nein doch etwas völlig anderes", zeigt das schon. Hier wird nicht beschrieben, was passiert, denn dann wäre klar, dass es eben Letzteres sein muss, es ist auch nicht so, als würde irgend jemand dies später berichten, denn dieser wüsste ja auch, was genau passiert ist. Es ist irgendwie nur merkwürdig.
    Und Köter ist eine abfällige Bezeichnung für alle Hunde, nicht nur für Straßenmischungen, sondern kann sich auch auf Schoßhündchen und Preisträger beziehen. Wenn einer der Charaktere diese Bezeichnung verwendet hätte, wäre da auch kein Problem gewesen, aber wieso steht so etwas im Erzähltext?


    Von Julia Kröhn habe ich drei weitere Bücher gelesen, und die waren alle wesentlich "normaler", was den Stil angeht, weniger auffällig, dafür aber auch in dieser Hinsicht weniger einprägsam.

  • Und Köter ist eine abfällige Bezeichnung für alle Hunde,

    Das sehe ich genauso, aber ich habe diesen Roman ja auch schon ohne Beleidigung der possierlichen Vierbeiner von meiner Merkliste gestrichen.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ich hatte zu Beginn einige Probleme mit dem Buch - nicht aufgrund der vielen Hauptfiguren mit eher ungewöhnlichen Namen (ich konnte sie recht schnell ganz gut zuordnen) oder den unterschiedlichen Schauplätzen und Handlungssträngen, sondern weil die Geschichte mich nicht wirklich packen konnte. Mir kam alles sehr zäh und unnötig detailliert geschildert vor und außerdem war mir nur eine der Figuren wirklich sympathisch, was es schwer gemacht hat, mit den anderen mitzufühlen oder mich auch nur um ihr Schicksal zu kümmern. Ich habe, was für mich ungewöhnlich ist, ziemlich lange Lesepausen eingelegt, weil ich auch nicht wirklich Lust hatte, weiterzulesen. Nach ungefähr dem ersten Drittel aber hat das Buch mir doch gefallen, vielleicht, weil ich das Gefühl hatte, dass die Geschichte ab da mehr Fahrt aufnahm. Es gab zwar immer noch Kapitel, die mich weniger interessiert haben (gerade die von Aiofe und Pól, aber auch Caitlin fand ich nach einem gewissen Punkt eher uninteressant), aber im Großen und Ganzen waren die letzten beiden Drittel des Buches gut.


    Die Autorin hat sehr gut recherchiert und das merkt man; die ganze Darstellung wirkt bis ins kleinste Detail authentisch und man erfährt sehr viel über das Leben zur damaligen Zeit und den Umständen. Im Nachwort schreibt sie, dass sie beleuchten wollte, wie große (politische) Ereignisse das Leben des 'kleinen Mannes' beeinflussen und das ist ihr auf jeden Fall gelungen - man bekommt viele Einblicke in das Leben verschiedenster Menschen und sieht, wie sie unter dem Krieg und den daraus resultierenden Umständen leiden. Das war sehr interessant und war letztlich auch, was das Buch nach dem schweren Einstieg für mich 'gerettet' hat.
    Gut gefallen hat mir auch, dass eigentlich jeder Charakter irgendeine große, gravierende Schwäche hatte und dass sie auch egoistisch oder anderweitig schlecht handeln. Dadurch waren mir nur wenige von ihnen wirklich sympathisch, aber es ist realistisch und macht die Figuren greifbarer. Außerdem zeigt es wieder gut, was schwierige Umstände aus Menschen machen können.


    Am Ende bleibt das Schicksal einiger Figuren ja doch recht offen, weshalb ich mir den geplanten zweiten Band vermutlich auch besorgen werde. Dieses Buch bekommt von mir :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: . Das erste Drittel war anstrengend zu lesen, aber das Durchhalten hat sich gelohnt, da der Rest mir gefallen hat und "Die Herren der Grünen Insel" einen interessanten Einblick in die irische Geschichte gibt.

    Carpe Diem.
    :study: Gabrielle Zevin - Extradunkel

    2019 gelesen: 90 Bücher mit 33.770 Seiten

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