Tanja Weber - Die Frauen meiner Familie

  • Die Kunsthistorikerin Elsa ist Ende 30, arbeitet in München für eine Versicherung und führt eine Fernbeziehung mit einem Universitätsprofessor, der in Potsdam lebt. Als ein Gemälde namens „Mon Amour“ von einem Mandanten als gestohlen angezeigt wird, weckt dies Erinnerungen in Elsa. Sie übernimmt den Versicherungsfall, denn sie kennt das Gemälde seit ihrer Kindheit, hat es doch vor langer Zeit in der Wohnung ihrer Großeltern gehangen. Bei ihren Nachforschungen stößt Elsa auf Widersprüchlichkeiten, was die Besitzverhältnisse betrifft. Aber auch die Informationen über die Darstellung des Gemäldes sind ganz andere, als Elsas Großmutter ihr erzählt hat. Immer tiefer gräbt Elsa in ihrer eigenen Familiengeschichte, in alten Fotos und Archiven, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Dabei erfährt Elsa viel über ihre eigene Verwandtschaft, aber auch die Sichtweise auf ihr eigenes Leben verändert sich.


    Tanja Weber hat mit ihrem Buch „Die Frauen meiner Familie“ einen sehr spannenden und unterhaltsamen Roman über ein Familiengeheimnis vorgelegt, der durchaus auch ins historische Genre eingeordnet werden könnte. Der Schreibstil ist schön flüssig und vermag den Leser von Beginn an zu fesseln. Die Geschichte teilt sich in zwei Handlungsstränge, der eine erzählt von Elsa, ihrer Arbeit und ihrem Leben in der Gegenwart. Der andere behandelt die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ab 1912 bis ins Jahr 1943 und lässt den Leser am Leben von Elsas Urgroßmutter Anneli und ihrer Familie und deren Weggefährten teilhaben. Auch die damalige Künstlerszene um den „Blauen Reiter“ wird sehr schön in die Geschichte mit eingefügt. Die beiden Handlungsstränge wechseln sich gegenseitig ab, Informationen die man in der Gegenwart erhält, bekommen teilweise ihre Erklärung durch die Vergangenheit. Der Spannungsbogen wird gemächlich aufgebaut, doch schraubt er sich während der Geschichte immer mehr in die Höhe. Man kann als Leser gar nicht anders, als immer weiter durch die Kapitel zu laufen, um endlich der Lösung näher zu kommen.


    Die Autorin hat besonderen Wert in die Ausgestaltung ihrer Charaktere gelegt und um sie herum eine sehr fesselnde Geschichte gesponnen. Die Protagonisten sind sehr detailliert und authentisch dargestellt und wirken mit ihrem Verhalten, ihren Sorgen und Nöten wie Menschen, die jeder von uns kennt. Elsa ist kein einfacher Charakter, wirkt auch nicht sehr sympathisch, dabei ist sie sehr komplex und vor allem vorbelastet durch ihre eigenen Eltern und das Verhältnis zu ihnen. Elsa hat ihre eigenen Wünsche nie wirklich definiert, gibt sich mit dem zufrieden, was sie hat, bis dieser Auftrag sie vor eine besondere Herausforderung stellt. Sie forscht innerhalb ihrer eigenen Familiengeschichte und entdeckt dabei viele Ungereimtheiten. Erinnerungen jagen durch ihren Kopf, dabei werden auch Wünsche entdeckt, die völlig verschüttet waren, aber die in Elsa eine Entwicklung bewirken, die den Leser erstaunt zurück lässt. Urgroßmutter Anneli wuchs in einer behüteten Familie auf, die allerdings schon zur damaligen Zeit recht fortschrittlich wirkte. Anneli hatte einigen Freiraum, aber auch einen eigenen Kopf, sie ist oftmals stur und eingefahren in ihrer Sichtweise. Obwohl sie sich für so fortschrittlich hält, ist sie doch von Vorurteilen geprägt. Auch die Nebenprotagonisten fügen sich mit ihren eigenen Geschichten und ihren Verwicklungen und Beziehungen untereinander wunderbar in die Handlung ein und bereichern das Gesamtbild des Romans.


    „Die Frauen meiner Familie“ ist ein sehr fesselnder Roman um Familiengeheimnisse und die Kunstszene einer vergangenen Zeit. Alle Liebhaber von gut ausgedachten Geschichten, die auch historische Aspekte in sich vereinen, werden an der Lektüre dieses Buches ihre Freude haben. Eine ausdrückliche Leseempfehlung!


    Sehr spannende :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: !

    Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)


    "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
    Albert Einstein


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    gelesene Bücher 2020: 432 / 169960 Seiten

  • Meine Meinung:
    Die Handlung ist sehr spannend und interessant auf2 Ebenen geschrieben.Zum einen erfahren wir in der Gegenwart, wie Elsa ihren Alltag bei der Versicherung und im Kreise ihrer Familie erlebt und zum anderen nehmen wir am Leben von Uroma Anneli in den Jahren von 1912 bis 1944 teil.
    Elsa, ledig, knapp 40 lebt in einer Wochenendbeziehung zu einem Professor aus Potsdam.Während ihrer Recherche grübelt sie über ihr Leben, über ihre einsamen Wochenenden und Abende in ihrer Münchener Wohnung.Wochenendtreffen mit ihrem Lebensgefährten finden meist in der Dichterstadt Weimar statt, und zwar auf Wunsch von Hajo.
    Wir lernen aber auch ihre Eltern kennen, Rebecca Hannapel und Lutz Schuster.
    Auf der zweiten Ebene von Anneli erfahren wir, wie ihre die Urgroßmutter von Elsa 2 Weltkriege überlebte und wie das Bild Mon Amour entstanden ist. Anneli, die erste weibliche Gerichtsreporterin von 1913 hatte für die Zeit sehr moderne Eltern.Wie die Eltern Regina und Julius Schuster aufwuchsen und wie die Familie gegründet wurde erleben wir im weiteren Verlauf des Buches.
    Doch wie kam das Bild in den Haushalt von Anneli und Kurt Schuster? Das erzählt uns Tanja Weber sehr aufschlussreich.


    Fazit:
    Obwohl mir die Protagonistinnen nicht 100 % gefallen haben, zu Elsa konnte ich keine richtige Beziehung aufbringen und Anneli fand ich erst sehr sympathisch und mochte sie am Ende immer weniger, hat mir das Buch sehr gut gefallen.Leider sind am Ende doch einige Punkte offengeblieben.Aber jeder kann seine eigene Phantasie walten lassen, und sich die offenen Punkte selbst ausmalen, wie es sein könnte.


    Das Buch kann ich guten Gewissens empfehlen.
    :D