Elias Canetti - Der Ohrenzeuge

  • Buchdetails

    Titel: Der Ohrenzeuge: Fünfzig Charaktere


    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 108

    ISBN: 9783596254200

    Termin: August 1983

  • Bewertung

    4 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Der Ohrenzeuge: Fünfzig Charaktere"

    Eine Welle spontaner Zustimmung löste 1981 die Nachricht von der Entscheidung der Stockholmer Akademie aus: Endlich hatte jemand den Literatur-Nobelpreis bekommen, gegen den es keinerlei Vorbehalte gab. Canetti hat in seinem Werk vor allem die gedanklichen und tatsächlichen Perversionen und die Welt geschildert, in der sie spielen und die sich damit abzufinden scheint. In diesem Band nimmt Canetti eine Methode der Beschreibung wieder auf, die in der Antike der Philosoph Theophrast begründet hat. Als hätte er kein Wort von Psychologie oder Soziologie gehört, schildert Elias Canetti Charaktere - etwa den »Größenforscher«, den Leidverweser«, die »Tischtuchrolle« -, die in ihrer knappen Sprache und ihren zuweilen surrealistischen Bildern unmittelbar einleuchten und unvergeßlich werden. Einsichten und Erfahrungen beim Verfassen seiner großen Werke haben Canetti zu einer außergewöhnlichen dichterischen Kleinform geführt.
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  • Autor: Elias Canetti
    Titel: Der Ohrenzeuge. Fünfzig Charaktere
    Seiten: 96 Seiten
    Verlag: Fischer Taschenbuch
    ISBN: 9783596504084


    Der Autor:
    Elias Canetti (geboren 1905 in Russe, Bulgarien, und gestorben am 14. Aug 1994 in Zürich) war ein deutschsprachiger Schriftsteller, der zudem 1981 den Literaturnobelpreis erhalten hat. Er entstammt einer wohlhabenden, jüdischstämmigen Kaufmannsfamilie und musste in seiner Kindheit und Jugend häufig umziehen (Bulgarien, Wien, Berlin, Frankfurt, London). Seine schriftstellerische Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich: so hat er den Roman „Die Blendung“ geschrieben, Dramen verfasst, eine mehrbändige Autobiographie, sowie Aufzeichnungen und Studien (bspw Masse und Macht) veröffentlicht. Canetti starb 1994 in Zürich. Seinen Nachlass hat er der Zentralbibliothek in Zürich vermacht, darunter seine 20.000 Bände fassende Bibliothek. Seine Tagebücher und private Briefkorrespondenz sind bis 2024 gesperrt und erst danach für die Forschung zugänglich.


    Inhalt:
    Elias Canetti charakterisiert in diesem Werk fünfzig unterschiedliche Menschentypen. Jeweils auf einer bis eineinhalb Seiten wird ein Charakter etwas grotesk überzeichnet dargestellt. Es ist eine Sammlung von Charaktertypen, die Canetti erfunden hat, bzw durch seine Beobachtung der Gesellschaft „herausfilterte“. Da gibt es beispielsweise den „Tränenwärmer“, der seine Erfüllung darin findet, seine Tränen der Trauer die Wangen herunterkullern zu lassen. Der „Namenlecker“ umgibt sich gerne mit Prominenten – und sie sich mit ihm. Und der „Maestroso“ wandelt auf Säulen, wo er weilt entsteht ein Tempel und die Anbeter eilen herbei; die Welt dreht sich um ihn, der Rest ist Bühne.


    Meinung:
    Ein Werk von Canetti zu beurteilen fällt mir nicht leicht. Als ich vor etwa einem Jahr „Die Blendung“ las, war ich erschlagen, nicht sonderlich begeistert, aber die Lektüre war auf jeden Fall speziell. Es gab mittlerweile eine Menge anderer Bücher, denen ich direkt nach dem Leseeindruck gute Bewertungen gegeben habe, aber kaum eines hinterließ einen so nachhaltigen Eindruck wie „Die Blendung“. Im Nachhinein sackte der Leseeindruck richtig, ich erinnere mich aufgrund der sonderbaren Charaktere häufig daran, und auch wenn ich direkt nach dem Lesen kein „Canetti“-Fan wurde, so ist sein Roman auf jeden Fall eines der prägendsten Leseerlebnisse der letzten Jahre.
    Und so ähnlich könnte es auch mit dem „Ohrenzeugen“ werden: ich habe das Büchlein vor rund zwei Wochen gelesen, dachte zuerst „Was soll man denn damit?“, aber dennoch habe ich mich seitdem fast jeden Tag an ein paar darin enthaltenen Beschreibungen erinnert.
    Es wird keine Handlung erzählt, so richtig mitgerissen haben mich die Charakterbeschreibungen auch nicht, aber nachhaltig beschäftigen tun sie mich auf jeden Fall. Vielleicht ist es ein Büchlein zum immer wieder darin stöbern, wahrscheinlich sollte man auch schon mal ein bisschen was von Canetti gelesen haben, vielleicht ist es auch praktisch für Autoren, um „Archetypen“ für ihre Erzählungen zu finden… Es enthält auf jeden Fall sehr feine Beobachtungen, ist intelligent geschrieben und über seine Beschreibungen musste ich auch diverse Male schmunzeln.
    Dennoch: so richtig unterhaltsam fand ich es nicht. Es ist also etwas für den vorgewarnten Leser.

  • Herzlichen Dank für die Vorstellung dieses Buches.
    Ich bewundere alle welche Elias Canetti lesen können, ich persönlich bin bei dieser Lektüre kläglich gescheitert :uups:


    @Nungesser solltest du jemals die "Weltstadt" Zürich besuchen versuche dies mit einem Abstecher in die Zentralbibliothek zu verbinden. Soweit ich mich erinnere sind die Werke dieses Autors mit einer ständigen Ausstellung präsent. Sowieso ist die Zentralbibliothek sehr interessant.

    Das Dilemma der Menschheit ist, dass die Idioten so selbstsicher und die Intelligenten so voller Selbstzweifel sind.

    Oscar Wilde


  • Die "Blendung" ist sicher keine Wohlfühllektüre, aber ein sehr beeindruckendes und, wie @Nungesser bereits schrieb, prägendes Leseerlebnis Es gehört für mich zu den Büchern, die man immer wieder lesen kann, weil man stets neue Facetten entdeckt und - bedauerlicherweise - viel Wahres über die menschliche Natur darin findet. Nungesser, Dir kann ich Canettis dreibändige Autobiographie empfehlen. Hier findest Du die Unterhaltsamkeit, die Du sonst in seinen Büchern vermisst. Auch die Leser, denen die Romane Canettis vielleicht zu verstörend und schwierig sind, könnten an seinen gut geschriebenen und interessanten Erinnerungen ihren Spaß haben.

    :study: Peter Handke - Wunschloses Unglück

    :study: Don DeLillo - Unterwelt

    :study: Eugen Sorg - Die Lust am Bösen. Warum Gewalt nicht heilbar ist

    :study: Isaak Babel - Mein Taubenschlag. Sämtliche Erzählungen

    :study: Egon Friedell - Kulturgeschichte der Neuzeit, Bd.1






  • Ach, ich wusste gar nicht, dass es auch noch einen vierten Band gibt. Der landet aber mal gleich auf meiner Wunschliste. Danke, Mara!

    :study: Peter Handke - Wunschloses Unglück

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  • Soweit ich mich erinnere sind die Werke dieses Autors mit einer ständigen Ausstellung präsent. Sowieso ist die Zentralbibliothek sehr interessant.

    Vielen Dank für den Hinweis. Tatsächlich bin ich mindestens einmal im Monat in Zürich, war aber nie in der ZB...
    Habe gerade gesehen, dass es zu Canetti von der ZB auch eine virtuelle Ausstellung gibt - evtl interessant für diejenigen, denen der Weg in die "Weltstadt" doch zu weit ist: http://www.zb.uzh.ch/ausstellungen/kapitel/006864/index.html
    Vielen Dank auch für die Empfehlung seiner Autobiographie @mofre! Ich habe sie seit längerem auf der WuLi, aber diese Lektüre wäre dann wieder ein grösseres Projekt, welches mich von vielen anderen tollen Büchern abhält, die hier Schlange stehen. Irgendwann aber sicherlich!

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