Monika Helfer - Ich lieb dich überhaupt nicht mehr

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  • Klappentext:
    Es ist aus. Sie ist raus: Denn er ist verheiratet und hat ein Kind. So kurz ist der Weg vom Siebten Himmel auf den Boden der schmerzhaften Tatsachen. Gustav, der Einzige, hat Lisbeth erst belogen und ihr dann den Laufpass gegeben… Einen Gustav gewöhnt man sich am besten mit einem Max ab – wenn es schon nicht die große Liebe sein soll, dann wenigstens das geordnete, solide Glück. Aber neben dem Schmerz des Verlusts steht noch der Schmerz des Vergleichs, und beide wird Lisbeth nicht ganz so leicht los, wie sie es sich wünschen würde. ... (von der Klappe, gekürzt)


    Zur Autorin:
    Monika Helfer, geboren 1947 in Au im Bregenzerwald, lebt heute in Vorarlberg. Sie schrieb Erzählungen und Romane, darunter »Die wilden Kinder«, »Mulo«, »Ich lieb Dich überhaupt nicht mehr«, »Der Neffe«, »Oskar und Lilli«, »Wenn der Bräutigam kommt« und »Mein Mörder«. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1996 das hochdotierte Robert-Musil-Stipendium und 1997 den renommierten Österreichischen Würdigungspreis. (Amazon). Monika Helfer lebt heute gemeinsam mit ihrem Mann, dem Autor Michael Köhlmeier, in Hohenems / Vorarlberg. 2011 Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis für Rosie und der Urgroßvater, 2012 Johann-Beer-Literaturpreis für Die Bar im Freien. (Infos von Wikipedia)


    Allgemeine Informationen:
    Erstmals erschienen 1989
    Ich-Erzählung von Lisbeth
    Chronologisch versetzt erzählt
    263 Seiten
    Vergriffen und nur noch antiquarisch zu erhalten


    Persönliche Meinung:
    Lisbeth arbeitet bei der städtischen Fürsorge, die sich um Gestrandete, Gefährdete und Einsame kümmert; irgendwie mag sie ihren Beruf, wenn sie auch selten mit ganzem Herzen dabei ist. Denn dieses Herz gehört Gustav. Schon über ein Jahr ist sie mit ihm zusammen, als sie eines Tages an der Wohnungstür einen Zettel mit Abschiedsworten findet. Dass er verheiratet ist und ein Kind hat, erfährt sie erst jetzt.
    Was macht frau in diesem Fall? Ihre Stammkneipe aufsuchen. Dem Untreuen einen oder mehrere Briefe schreiben (die nicht abgeschickt werden). Oder mit der besten Freundin Charlotte die Nacht durchquatschen. Oder sich einen neuen Mann suchen.
    Der neue Mann findet sich schnell. Doch auch diese Beziehung hat einen Pferdefuß, und nicht nur einen.


    Liebeskummer ist etwas Fürchterliches, beinah so schlimm wie Tod. Ihn zu schildern, zumal als Ich-Erzähler, kann ins Auge gehen und peinlich werden. (Das weiß jeder, der Jahre später alte Tagebuchberichte über seinen Liebeskummer liest. :uups: ) Aber Helfer schafft es, ihrer Lisbeth eine unnachahmliche Sprache zu geben, gleichzeitig emotional und distanziert, traurig und sarkastisch, und lässt die Gedanken ihrer Protagonistin von einer anderen Person (Charlotte) reflektieren, überhöhen oder tiefer stapeln.


    Dass es mit Max Probleme gibt, ist zu ahnen. Man schliddert nicht einfach in eine neue Liebe, wenn die alte noch im Herzen wühlt. Zwischendurch schreibt sie Briefe an Gustav, an Max, lässt sich durch den Tag treiben und geht auch oft nicht zur Arbeit.


    Schließlich gibt es noch Ferdinand. Eigentlich ist er Charlottes Freund, buhlt aber auch um Lisbeth.
    Eine Frage der Entscheidung stellt sich nicht, denn Lisbeth weiß im Grund nicht, was sie will. Sie spielt mit sich, mit ihren Wünschen und Sehnsüchten.


    Bis zum Ende hält Helfer Lisbeths Sprache durch, doch kann man im letzten Drittel nicht mehr so laut applaudieren wie zu Beginn: Je mehr Lisbeth sich zwischen Gustav, Max und Ferdinand verrennt, desto chaotischer wird es, und mehr als einmal muss man sch als Leser fragen: Was will Lisbeth eigentlich und was macht sie jetzt schon wieder?


    Dennoch ist es bedauerlich, dass das Buch vergriffen und nur noch antiquarisch zu bekommen ist.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



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