Sabine Altermatt - Anna Catrina. Tochter von Ilanz

  • Buchdetails

    Titel: Anna Catrina: Tochter von Ilanz


    Verlag: Aufbau Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 320

    ISBN: 9783746631806

    Termin: Oktober 2015

  • Bewertung

    2.7 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Anna Catrina: Tochter von Ilanz"

    Die Tochter aus Illanz Anna Catrina wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei ihrem Onkel in Graubünden auf, dem Einzigen, der Anna geblieben ist. Ihren Vater kennt sie nicht. Gemeinsam führen sie das Wirtshaus in Ilanz. Als Anna eine Stelle als Magd angeboten wird, ist sie froh, ihrem ärmlichen Leben entfliehen zu können. Eines Tages bekommt sie einen Hinweis auf den Verbleib ihres Vaters - anhand eines Amuletts hofft sie ihn zu finden. Doch dabei deckt sie Geheimnisse auf, die viele lieber im Verborgenen wüssten ... Die bewegende Geschichte einer rebellischen jungen Frau zu Beginn des 17. Jahrhunderts. »Altermatts Stärke sind die Dialoge und konzise kleine Momentaufnahmen.« Tages-Anzeiger
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  • Im Jahre 1677 ist im Schweizer Kanton Graubünden Anna Catrina schon in jungen Jahren vom Schicksal gebeutelt. Einen Vater hat sie nicht, und die Stelle der im Kindbett verstorbenen Mutter nimmt zunächst ihre Tante Elscha ein. Doch diese wird, nachdem sie die Tortouren einer Hexenbefragung überstanden hat, all ihrer Besitztümer beraubt und verbannt und muss die zehnjährige Anna Catrina allein zurücklassen. Nach sieben Jahren der Schufterei bei einem Bauern, der Anna Catrina nachstellt, findet sie ein Obdach und Arbeit bei ihrem Onkel, dem das Wirtshaus "Zum Löwen" in Ilanz gehört. Hier hilft sie in der Gaststube aus und muss sich der Zudringlichkeit der männlichen Gäste erwehren. Einer treibt es besonders heftig, und eines Nachts vergewaltigt er Anna Catrina. Ohne Beweise besteht keine Chance für die junge Frau, dass der Übertäter zur Rechenschaft gezogen wird. Vielmehr muss sie achtgeben, nicht selbst der Hurerei bezichtigt zu werden.


    Als Anna Catrina die Möglichkeit erhält, bei einer sehr angesehenen Ilanzer Familie als Magd zu arbeiten, kann sie für eine Weile ihr Los verbessern. Sie findet in Barbla eine gute Freundin, verliebt sich in den Stuckateur Hans und bekommt einen Hinweis auf die Existenz ihres Vaters. Allerdings muss sie auch Ungerechtigkeiten ertragen...


    Manchmal beschreitet eine Stadt eigenwillige Wege, um ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Sie erfindet beispielsweise eine fiktive Figur und lässt unter anderem eine Autorin dieser ein Gesicht und einen Hintergrund geben, in den historische Persönlichkeiten eingewoben werden. Die Stadt ist Ilanz im schweizerischen Graubünden, und Sabine Altermatt erzählt die Geschichte von Anna Catrina.


    Die Autorin hat dafür einen fast karg zu nennenden, kaum Ansprüche an den Leser stellenden Schreibstil gewählt und versucht, diesen der Zeit und der Herkunft ihrer Protagonisten anzupassen. Dabei verwendet sie das eine oder andere Mal das in Graubünden gesprochene Rätoromanisch (Sursilvan).


    Leider gelingt es ihr mit ihrer Erzählart nicht, den Leser dauerhaft für das Geschehen zu interessieren und ihn einzubinden. Ein Manko ist hierbei die auffallende Verwendung kurzer Sätze. Diese erscheinen oft als sehr schlicht, langweilig und folglich überflüssig.


    "Anna sitzt auf der Bank vor ihrer Hütte. Glockengeläut. Der Trauerzug kommt nur schleppend vorwärts. Verschwindet hinter der Porta Bual. Zuvorderst geht der Pfarrer. Dann folgen die Männer mit dem Holzsarg. Er ist nicht sehr groß, der Sarg. Alle sind schwarz angezogen." (Seite 68)


    "Von Haldenstein bis Ems durfte sie mit einem Fuhrwerk mitfahren. Sie hatte Glück. Ein alter Bauer. Auf der Fahrt war sie wieder etwas zu Kräften gekommen. Er hatte ihr ein Stück Brot mit auf den Weg gegeben. Das war bereits gegessen. Ein weiteres Fuhrwerk kam ihr entgegen. Sie trat zur Seite. Etwas vom Weg entfernt erblickte sie zwei Frauen. Eine war dabei, etwas zusammenzuräumen. Die andere stand da und blickte zum Knecht, der die Pferde vor den Wagen spannte. Sie blieb stehen und betrachtete die friedliche Szenerie." (Seite 188)


    Wenn sie hingegen ihre Heldin sagen lässt: "Ich bin Eure Magd... Aber ich bin auch ein freier Mensch. Mein Privatleben geht nur mich etwas an." (Seite 186) oder diese an anderer Stelle "mitdiskutieren" will, wirkt das Ganze im Gegenzug sehr modern und unpassend.


    Die Geschichte selbst offenbart nichts Neues. Die Autorin greift unter anderen Themen wie den Aberglauben in der Bevölkerung bei unerklärlichen Ereignissen und Todesfällen und die damit verbundene Hexenverfolgung auf, das Los der Frauen und die Unterschiede zwischen Arm und Reich und mischt diese mit dem Schicksal eines Mädchens, um dessen Herkunft sich ein Geheimnis rankt. Leider ist die Lösung von Beginn an vorhersehbar. Denn die Schar der Protagonisten bleibt überschaubar. Für diejenigen, die ungeachtet dessen den Überblick verlieren, hält der Roman ein Verzeichnis bereit, das außerdem Auskunft über historisch verbürgte Personen gibt.


    Im Mittelpunkt steht natürlich Anna Catrina, eine schöne, lebensfrohe Frau mit dunklen Augen und kastanienbraunem Haar. Die Siebzehnjährige strahlt eine Ruhe aus, die ungewöhnlich für Jungfern ihres Alters ist und strebt danach, die ihr auferlegten Zwänge ablegen zu können. Dabei ist schon bemerkenswert, gleichzeitig aber auf Grund ihrer Herkunft unglaubwürdig, dass sie sich eigene Gedanken zu ihrem Dasein macht und sich Fragen stellt: Warum haben die Männer das Sagen und können sich einfach Frauen nehmen, wann und wie sie wollen? Sind Männer etwas Besseres als Frauen, obwohl beides Gottes Geschöpfe sind?


    Anna Catrina bekommt das Gefühl der Ohnmacht, dass Frauen den Männern ausgeliefert sind, am eigenen Leib zu spüren. Doch wenngleich sie viel Ungemach ertragen muss, verliert sie nicht den Mut, verzeiht und meistert alles mit Bravur. Fast scheint sie von makellosem Charakter zu sein. Anna Catrina ist dem Leser sympathisch, viel Nähe kann er trotzdem nicht zu ihr aufbauen.


    Insgesamt sind die Empfindungen in diesem Roman eher als schwierig einzuschätzen. Obschon es durchaus bewegende Momente gibt, gestaltet sich der Grundton der Schilderung vordergründig kühl und distanziert. Das ist bedauerlich, weil es den Leser hindert, mitzuleiden oder Freude zu erleben.


    Sabine Altermatt überzeugt mit "Anna Catrina. Tochter von Ilanz" letzten Endes nicht. Das Cover ist ausgesprochen einladend, und zudem führen ein Glossar und die Liste romanischer Ausdrücke dazu, sich hinsichtlich diesbezüglicher unbekannter Ausdrücke und Formulierungen im Geschehen zurecht zu finden. Ein Stadtplan von Ilanz von 1677 ist eine weitere hilfreiche Ergänzung, erinnert in seiner Aufmachung jedoch an Pläne der heutigen Zeit.


    Eines bewirkt der Roman allerdings: Die Begegnung mit Hortensia von Salis (1659 - 1715), einer Ärztin und Forscherin, Schriftstellerin und Publizistin, die als eine der ersten Feministinnen der Schweiz bezeichnet werden kann. Hier etwas ausführlicher "einzutauchen" - auch in Bezug auf die zitierten Schriften der "Camilla" - und eine Verbindung zur Denkweise von Anna Catrina zu ziehen, hätte einen reizvollen Aspekt in die Handlung gebracht.


    So bleibt es leider ein Buch, das nur geringen bis keinen Nachhall beim Leser erzeugt.
    :bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Schade. Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich Ilanz und die ganze Region liebe. Aber ein Schreibstil, der überwiegend aus kurzen Hauptsätzen besteht, kann bei mir leider auch nicht punkten. Wenn es einfach zu lesen ist, eignet es sich für mich vielleicht für die S-Bahn Fahrt zur Arbeit.

    Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht ist Freude!
    Rabindranath Tagore (1861-1941)


    Lha gyal lo - Free Tibet!

    Wir sind grüüüüüün!!!!

  • Danke für eure Berichte! Ich hatte mir überlegt, das Buch zu kaufen, da ich aus der Nähe herkomme und es toll finde, wenn einmal eine literarisch unbekanntere Gegend in einem Buch vertreten ist. Doch nun werde ich mir wohl eher nun eine Leseprobe holen oder in einer Buchhandlung ein paar Seiten lesen.

  • Ich habe das Buch jetzt durch, aber obwohl es mit seinen 310 Seiten eher dünn ist, fand ich es doch sehr zäh. Man kann es eigentlich aufgrund der sehr einfachen Sprache sehr schnell lesen, aber es hat mich einfach nicht mitreißen können. Die Charaktere kommen mir wie ihreeigenen Entwürfe vor. Sie sind einfach nicht tief genug ausgearbeitet. Eigentlich wirkt die ganze Geschichte auf mich nicht wirklich vollendet oder ausgefeilt. Man hätte mit sprachlicher Finesse und erzählerischem Tiefgang bestimmt etwas aus diesem Stoff machen können.
    Aber auch von der historischen Seite her, hat es mich gar nicht befriedigt. Die peinliche Befragung kann man ausführlich darstellen, ohne dass man auf den blutenden und schmerzenden Aspekten zu sehr herumreiten muss. Hier wurde dieses Prinzip der Gerichtsbakeit aber nur oberflächlich gestreift, um nur ein Beispiel zu nennen.
    Das Ende, das ich jetzt nicht verraten möchte, war für mich keine Überraschung, es hat sich praktisch aufgedrängt. Dennoch sind die Verwicklungen nicht klar genug dargestellt.


    Ich kann dieses Buch höchstens jemandem empfehlen, der in Ilanz Urlaub macht und etwas aus der Region lesen möchte. Von mir erhält dieses Buch :bewertung1von5::bewertung1von5:

    Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht ist Freude!
    Rabindranath Tagore (1861-1941)


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