Ann-Kathrin Karschnick - Kinder der Glut

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  • Über die Autorin:
    Ann-Kathrin Karschnick ist 29 Jahre alt und lebt in Schleswig-Holstein. Wenn sie nicht gerade im Dickicht herumkraucht, um einen Geocache zu finden oder Jugendlichen Erste-Hilfe beim Jugendrotkreuz beibringt, schreibt sie auf dem täglichen Weg zum Brotjob an Fantasy- und Erotikromanen. Sie hat bereits diverse Kurzgeschichten und Romane veröffentlicht. Sie hat schon auf dem Literaturfest in Meißen, der Leipziger Buchmesse, in Luxemburg, den Phantasie-und Mittelaltertagen in Saarbrücken und auf etlichen Convention und Messen gelesen. Zudem arbeitet sie als Herausgeberin von Anthologien und als Übersetzerin.


    2014 und 2015 gewann Sie den Hombuch-Preis in der Kategorie "Beste deutschsprachige Fantasyautorin". Ihr Roman "Phoenix-Tochter der Asche" legte im Herbst 2014 nach und gewann den Deutschen Phantastik-Preis 2014 in der Kategorie "Bester deutschsprachiger Fantasyroman".
    Der Nachfolgeroman "Phoenix-Erbe des Feuers" ist ebenfalls wieder für den Deutschen Phantastikpreis nominiert.


    Ihr Roman "Phoenix – Kinder der Glut" ist der Abschluss einer Trilogie, die eine ungewöhnliche Mischung aus Teslapunk, Dystopie und Krimi darstellt.
    (Quelle: Amazon)


    Buchinhalt:
    Achtung – dieses Buch ist der Abschluss der Phoenix-Trilogie. Es können also Spoiler für die ersten beiden Bände enthalten sein.


    Um die Menschen von der Herrschaft der Saiwalo zu befreien, hat Tavi alles geopfert – ihre Liebe, ihre Freunde und auch sich selbst unzählige Male. Ganz auf sich allein gestellt, kehrt sie nach Hamburg zurück und begegnet ihrer eigenen Vergangenheit.
    Die Macht der Saiwalo scheint durch den Sieg über die Jäger der Seelenlosen in Paris gebrochen zu sein. Doch in Hamburg, wo einst das Experiment zu Telas Lebzeiten begann, stehen Tavi und Leon den Saiwalo Auge in Auge gegenüber. Alles scheint seinen Grund zu haben – sogar die Leiden, die Tavi seit 2000 Jahren erdulden musste.
    (Quelle: Klappen- und Rückentext der Ausgabe des Papierverzierer-Verlags)


    Das Buch umfasst 454 Seiten unterteilt in Prolog, 30 Kapitel und einen Epilog. Erzählt wird in der 3. Person wechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten Leon und Tavi.


    Meine Meinung:
    Der Klappentext ist ein wenig irreführend, denn so ganz alleine sind Tavi und Leon natürlich nicht. Ihre Freunde und Kameraden, gleich ob sympathisch oder nicht, landen genauso in Hamburg und alles steuert zielstrebig auf den Showdown hin, der am Ende allerdings ein wenig zu schnell abgewickelt wird. Es dreht sich also nicht alleine um Tavi und ihre Vergangenheit, sondern die Zusammenhänge diverser Protagonisten und ihrer Geschichte werden immer klarer herausgearbeitet. Am Ende bleibt kein einzelner Held, der die Welt rettet, sondern eine Gemeinschaft von Freunden sowie bis dahin Unbeteiligter, die alleine nicht hätten tun können, was sie zusammen (ob geplant oder durch Zufall) dann leisten. Dabei nimmt die Autorin mal wieder keine Rücksicht auf ihre Protagonisten und opfert auch mal einen, allerdings ist das realistischer als alle überleben zu lassen – so ihre Antwort auf unsere Frage: warum? Sie hat ja recht, auch im echten Leben bleiben die Helden selten alle am Leben; die Geschichte wird dadurch realer, dass es Opfer auf beiden Seiten gibt.
    Es gab auch eine sehr überraschende Wendung im Plot, mit der wir nicht rechneten. Aber auch hier wird es dadurch realistischer, denn die Bösen sind nicht alle böse, sondern auch diese Wesen unterscheiden sich in ihren Meinungen und Ansichten. Weider hat die Autorin gekonnt eine reale Person unserer Vergangenheit in den Plot integriert und somit der Geschichte einen bezug zur reellen Geschichte Deutschlands gegeben, auch wenn die Entwicklung dieser Person dann natürlich eine andere ist. So tauchen selbst im dritten Band also immer neue, spannende Aspekte auf, die die Geschichte lebendig halten.


    Auch im dritten Band blieben mir der Krimi- sowie der Teslapunk-Anteil zu gering, aber das macht nichts. Geblieben ist eine Fantasy-Trilogie der etwas anderen Art, die sehr viel Spaß macht beim Lesen. Die Autorin spielt sehr geschickt mit altbekannten mythologischen Wesen, die sie in einen völlig neuen Kontext stellt. Entgegen vielen anderen Fantasybüchern wird hier auch die Entstehung der „Nicht-Menschen“ erklärt, was ich einen sehr interessanten Aspekt finde. Wir sind es gewöhnt, in Fantasyromanen nichtmenschliche Gestalten einfach hinzunehmen – hier haben diese sogar eine Entstehungsgeschichte im Hintergrund und daraus abgeleitet interessante Fähigkeiten. Außerdem spielt die Geschichte in einer sehr nahen Zukunft – gerade mal 10 Jahre von heute weg. Von daher kennt man die Handlungsorte und kennt sie doch wieder nicht – die räumlichen Gegebenheiten sind gleich und doch verändert, da ja Europa eine andere Geschichte verpasst bekommt.
    Ein paar Fragen blieben offen, aber wer weiß – vielleicht nimmt sich die Autorin unsere Anregung zu Herzen und schreibt einen weiteren Roman in diesem Setting, der sich dem großen Zeitraum der Herrschaft der Saiwalo sowie ihnen selbst zuwendet? Schön wär's und wir wären wieder dabei.


    Der Stil ist leicht und flüssig geblieben und das Lesen macht einfach Spaß. Die Kürze der Kapitel macht es hierbei leicht, die sich immer wieder überkreuzenden Handlungsstränge zu verfolgen und nicht den Faden zu verlieren, da weiterhin wechselnd aus unterschiedlicher Sicht erzählt wird. Wieder waren wir in unserer Leserunde ziemlich schnell durch und hatten viel Spaß miteinander, aber auch hier gilt: vieles hätte ich vielleicht überlesen oder einfach akzeptiert und nicht in Frage gestellt, hätte ich das Buch alleine gelesen. Aber zu viert nimmt doch jeder die Dinge anders wahr und teilweise waren wir dann wild am Spekulieren, in welche Richtung sich die Geschichte oder die Entwicklung einzelner Personen denn drehen wird.
    Der Verlag hat seine Hausaufgaben gemacht und mehr Wert auf die Korrektur der Texte gelegt. Gab es in den ersten beiden Bänden noch sehr viele Schreibfehler, so hat sich dieses Problem weitestgehend in Luft aufgelöst. Ganz perfekt ist es noch nicht, aber gut.


    Durch die Leserunde, in der uns Ann-Kathrin weiterhin begleitet hat, ergab sich natürlich noch viel Hintergrundinformation sowohl zur Geschichte und ihren eigenen Ideen im Kopf als auch dazu, wie ein Roman entsteht. Das hat das Lesen noch spannender gemacht und etwaige Fragen immer wieder geklärt. Vielen Dank auch hier an Ann-Kathrin, dass sie uns durch alle drei Bände begleitet hat.


    Meine Bewertung liegt bei 4,5 Sternen, die Bewertung der vorherigen Bände blieb gleich.


    Mein Fazit wie auch beim ersten Band:
    Endlich mal eine andere Art der Fantasy – ich kann sie nur weiterempfehlen an Alle, die gerne mal ein paar neue Ideen im alten Genre finden möchten. Wer allzu neugierig ist, darf gerne in unsere Minileserunde reinschauen, sollte sich aber bewusst sein, dass er dadurch zu viel von der Geschichte erfährt. Wen das nicht stört, hier könnt Ihr stöbern.

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Helen Keller - Teacher MLR

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    :study: Christoph Ransmayr - Die Schrecken des Eises und der Finsternis MLR


  • Ich kann mich der guten Bewertung und dem Fazit zum Buch von @Squirrel nur anschließen. Besonders angenehm fand ich diesmal die Kapitellängen (was mir wohl nur aufgefallen ist, da wir das in einer MLR gelesen haben) und auch der Spannungsbogen war sehr gut aufgebaut. Durch die Hintergrundinformationen von @Ann-Kathrin Karschnick haben wir noch sehr viel mehr erfahren. Danke auch von meiner Seite dafür. Der Schluss ging mir persönlich etwas zu schnell (auch hier haben wir erfahren, dass dies an der Seitenbegrenzung liegt). Ich hoffe, wir hören noch was von Tavi und Leon, da wir auch nach Abschluss der MLR festgestellt haben, dass wir noch gerne mehr zu den einzelnen Wesen erfahren möchten.
    Meine Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    :study:Deborah Harkness - Wo die Nacht beginnt/ Shadow of Night

    :study:Aileen P. Roberts - Das vergessene Reich

  • Band 3 setzt genau am Ende des Vorgängers an. Kämpfe und Flucht bestimmen noch immer das Leben von Tavi und Leon, doch sie finden immer mehr Verbündete, die sich mit ihnen gegen die Saiwalo zusammenschließen.


    Der letzte Weg führt sie wieder zurück nach Hamburg und mit ihnen tragen sie die Ereignisse aus Paris über die Grenzen hinaus. Die Auswirkungen werden spürbar und eine Veränderung scheint sich im Denken der Menschen festzusetzen. Aber noch immer steht die Kontinentalarmee und die Führung der Saiwalo einem friedlichen Leben entgegen, aber die beiden geben nicht auf, um diesen sinnlosen Krieg aufzuhalten.


    Erzählt wird wieder im Wechsel aus den Perspektiven von Tavi und Leon. Dabei sind sie sehr detailliert, egal ob es um ihre Gefühle, den Schauplatz oder die Handlung geht, man kann sich alles sehr gut vorstellen und ist immer mitten im Geschehen. Kleine Rückblicke geben Aufschluss auf Vorkommnisse aus der Vergangenheit und haben geholfen, einige der Figuren besser zu verstehen.


    Die Visionen der Hexe Katharina leiten die beiden Protagonisten wie Marionetten an ihren Fäden und gerade Leon ist dadurch sehr verunsichert. Aber er will vertrauen lernen und daran glauben, dass sie ihr gemeinsames Ziel erreichen werden. Er hat sich mittlerweile etwas besser mit seinem Schicksal zurecht gefunden und lernt, damit umzugehen und seine Gabe auch einzusetzen.
    Tavi dagegen lernt endlich wieder, sich auf ihre eigenen Instinkte zu verlassen. Und man erfährt einiges aus ihrer Vergangenheit, was ihr Verhalten erklärt. Trotzdem konnte ich nicht immer nachvollziehen - ihr Alter von 2000 Jahren entspricht für mich nicht ganz ihren unüberlegten Handlungen, auch wenn diese wahrscheinlich an ihrem ungestümen Wesen liegen. Jedenfalls bleibt sie ihrer Kämpfernatur treu und tut alles, um die, die sie liebt, zu beschützen.


    Eleazar und Jörensen sind mir hier besonders ins Auge gestochen. Eleazar kennt man ja schon aus dem vorherigen Band und er hat auch hier wieder für einige Würze gesorgt. Der Hintergrund zu seiner Person blieb mir aber zu sehr im Dunkeln und die kleinen Häppchen, die man erfährt, haben mir nicht ganz ausgereicht - hier hätte ich gerne noch mehr erfahren.
    Den Eisriesen Jörgensen hab ich sehr ins Herz geschlossen. Er ist ein eher ruhiger und standfester Charakter, der sich mit den Anforderungen immer weiter entwickelt.


    Viele kuriose Ideen haben die Spannung hoch gehalten und interessant waren auch die vielen unterschiedlichen Seelenlosen, das Schicksal von Nathan und die überraschenden Wendungen. Manche Details kamen mir widersprüchlich vor und einige Fragen sind noch offen geblieben, aber insgesamt hat alles am Ende zu einem runden Abschluss geführt.


    © Aleshanee
    Weltenwanderer

  • Eleazar kennt man ja schon aus dem vorherigen Band und er hat auch hier wieder für einige Würze gesorgt. Der Hintergrund zu seiner Person blieb mir aber zu sehr im Dunkeln und die kleinen Häppchen, die man erfährt, haben mir nicht ganz ausgereicht - hier hätte ich gerne noch mehr erfahren.

    aber Du hast schon erkannt, wer Eleazar in seinem allerersten Leben mal war?

    viele Grüße vom Squirrel


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  • Puh, ich weiß es nimmer ehrlich gesagt. Das Buch ist schon eine Weile her, ich hab die Rezi jetzt nur "nachgereicht" sozusagen ;)

    viele Grüße vom Squirrel


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  • Ok, das sagt mir jetzt aber leider auch nicht wirklich viel ;)

    Nun, Eleazar ist damit wohl der erste Seelenlose und er ist

    Das macht ihn anders als Tavi, Jörensen und all die anderen, was ich einen sehr interessanten Aspekt finde in der Geschichte. :wink:

    viele Grüße vom Squirrel


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