Silja Ahava - Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm/ Eksyneen muistikirja

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Der Tag, an dem ein Wal durch London sch...

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Verlag: Piper Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 224

ISBN: 9783492312578

Termin: Juli 2018

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    Wäre es möglich, Augenblicke einzufrieren, würde ich diesen in eine Plastikdose legen. Dann könnte man den Winter über davon zehren. « Als es Anna immer weniger gelingt, ihre Erinnerungen festzuhalten, und ihr Gedächtnis langsam unzuverlässiger wird, klammert sie sich an Wortlisten (»Stein, Birke, Gras, Stuhl«) und erfindet Wörter für Dinge, die keinen Namen haben. Im Lauf der Jahre trotzt sie den Zumutungen des Alltags mehr und mehr mit ihrer Vorstellungskraft.
    Als alte Frau blickt Anna zurück auf ihr Leben, so, wie sie sich daran erinnert, an schöne wie an schwere Momente, an die Zeit in Finnland wie auch den Neuanfang mit Thomas in England. Vor allem erinnert sie sich an ihr Häuschen mit den blauen Vorhängen auf einer Schäreninsel, inmitten von Möwen, Schilf und krummen Kiefern, wo sie die Sommer mit ihrer großen Liebe Antti verbrachte - und natürlich an den Tag, an dem ein Wal durch London schwamm.


    Anna befindet sich in einem Altersheim, lebend zwischen Erinnern und Vergessen. Sie spürt wie ihr langsam ganze Gedanken verloren gehen, jedoch hat sie Erinnerungen. Diese Erinnerungen werden Stück für Stück aufgedeckt, wobei diese manchmal miteinander verschmelzen und sehr verwirrend sein können. Wann genau das sich abgleiten in das Vergessen denn nun begann ist nicht leicht zu definieren. Anna lebt in vielen Zeiten zugleich, ihr Gedächtnis ist unberechenbar.
    Sie ist eine gute Beobachterin, schätzt Strukturen und mag keine Unordnung. Die Eigenart Orte und Gegenstände zu beschreiben indem sie sich an die Tatsachen hält, ist ein wichtiges Element in ihrem Leben. Dennoch lebt in ihrem Innern eine manchmal etwas überbordende Phantasie, welche wie das Vergessen langsam überhandnimmt, ihr selbst Angst bereitet.
    Als junge Frau lebte sie während des Sommers in Finnland mit Antti auf einer Insel, eins mit der Natur und dem Meer. Die Insel und das Meer sind für sie die am meisten vertraute Landschaft, und die Landschaft ist auch Antti.
    Wie sie später in London mit Thomas zusammenlebt, hat ihr Leben einen Riss bekommen. Sie wirkt zerfahren, gleitet ab in eine Traumwelt. Anna versucht ihre innere Ruhe zu finden, jedoch verliert die Welt um sie herum an Konturen, sie empfindet eine gähnende Leere. Diese versucht sie zu füllen indem sie in der lauten, lärmigen Metropole unterwegs ist mit Bus und U-Bahn.
    Später erleben wir Anna allein in ihrer Wohnung, wobei ihr ständig Missgeschicke passieren. Ihr Bruder Lauri und seine Frau betreuen Anna so gut wie möglich.
    Sie spürt dass nichts mehr ist wie es einmal war,

    Zitat

    Anna kam es vor, als wäre die ganze Welt aus den Fugen geraten oder ausgefallen wie ein Zahn.

    Selja Ahava hat einen wunderschönen kleinen Roman geschrieben, darüber, wie die Welt aussieht, wenn das Vergessen beginnt. Ein bewegendes Buch, voller Wärme, somit fern jedes deprimierenden Gedankens wenn man es liest. Das Erzählung besteht aus Fragmenten von Annas Lebens somit verwischen sich oftmals Realität und Erinnerungen.

  • Die Autorin

    Selja Ahava, 1974 geboren, studierte Dramaturgie an der Theaterhochschule Helsinki und schrieb Drehbücher für Filme und Fernsehserien sowie Hörbücher, bevor sie mit „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“ ihren ersten Roman veröffentlichte. Sie hat fünf Jahre in London verbracht und lebt seit ihrer Rückkehr nach Finnland mit ihrer Familie in Porvoo.


    Inhalt

    Anna Lehtonen wird in einem Pflegeheim betreut, weil sie aufgrund von Altersdemenz nicht mehr allein leben kann. Mein erster Gedanke war, wie eine so phantasievolle Frau überhaupt altern kann und warum ihre eigenwillige Sicht der Dinge Anna nicht vor dem Schwinden ihrer geistigen Leistungskraft bewahren konnte. Die Welt gerät für Anna durcheinander und fremde Menschen organisieren ihr Leben, so dass sie sich erst recht bedroht und verwirrt fühlt. Verschiedene Zeitebenen schieben sich in Annas Erinnerungen voreinander, die beim Lesen erst sortiert werden müssen, so wie Erinnerungen sich bei betagten Menschen vor die Gegenwart schieben. Es gab eine Zeit, in der Anna wahrnahm, wie ihr Bruder alterte, aber selbst nicht erkennen konnte, dass sie ohne seine Hilfe bald nicht mehr allein in ihrer Wohnung leben könnte. Anna hat schon in jungen Jahren strenge Ordnung in ihrem Leben gehalten. Sie wäre sonst nicht allein im Ferienhäuschen auf einer kleinen finnischen Insel klargekommen, während ihr Mann auf dem Festland arbeitete. Als junge Frau hat sie Listen über ihr Leben geführt, die ihr nun schon lange nicht mehr helfen können. Nach ihrer Beziehung zum Dokumentarfilmer Artti lebte Anna eine Weil in London, wo es zur denkwürdigen Begegnung mit dem Wal in der Themse kam. In jener Zeit in London hat Anna bewusst einen Teil ihrer Vergangenheit weggesperrt; damals geriet ihr Leben schon einmal aus dem Tritt. Die Kinder, mit denen Anna sich in einem Schrank zum Spielen trifft, wurden nie geboren, aber sie helfen Anna bei der Bewältigung ihrer Vergangenheit.


    Fazit

    Selja Ahava zeigt Annas aus den Fugen geratene Welt in herausragend poetischen Bildern, die den Ereignissen viel von ihrem Schrecken nehmen.


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    Reihen neu/ergänzen

    01. Buchtitel dt. (Jahr)--ISBN

    02. Buchtitel dt. (Jahr), Buchtitel engl.--ISBN

    1-3 (Jahr) (Sammelband)--ISBN

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