Joanne M. Harris - The Gospel of Loki

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  • Eigenzitat aus amazon.de:


    Loki, der Lichtbringer, Adoptivbruder Odins und Thors, Bewohner Asgards, obwohl selbst nicht von asischer Herkunft. Bekannt als ein Trickstergott, wie Sun Wukong in China oder Koyote bei einigen Völkern der amerikanischen Ersteinwanderer oder der Spinnengott bei einigen anderen Völkern. Als Lichtbringer und gelegentlicher Vertrauter der „Allvaters“ zeigen sich auch noch einige Parallelen zu Luzifer – besonders, wenn man eine längere unterirdische „Haft“ betrachtet und die Tatsache, dass er bei Ragnarök, dem nordischen Äquivalent des judäo-christlichen Armageddon/Hermageddon, ein hoher General der Streitkräfte ist, die gegen die „Mächte des Lichts“ antreten.


    Geschichte – und vielleicht auch Mythologie – wird in der Regel von den Siegern geschrieben und in unserer vor-ragnarökschen Zeit, in der Loki unter der Erde angekettet sein soll und sein Sohn Fenris sich auch in Gefangenschaft befindet, gehört der Lichtbringer nicht unbedingt zur Seite der Sieger. Deswegen also nun dieses Buch, in dem er die „offizielle“ Version der Ereignisse mal aus seiner Sicht konterkariert.


    Und so erfahren wir von Lokis Herkunft und wie er und Odin das erste Mal aufeinander getroffen sind, wir bekommen einige Hintergründe der Geschichte Asgards erläutert und erfahren, wie es zu seinen Mauern und Befestigungen gekommen ist, woher Odin seinen Speer und sein Pferd Sleipnir hat, wie Thor an seinen Hammer gekommen ist und auch noch einige andere Asen einige ihrer wichtigsten Waffen erhalten haben. Außerdem lernen wir das schwierige und wechselhafte Verhältnis zwischen Loki und Thor mal von der anderen Seite kennen.


    Lokis Geschichte, so wie sie uns hier demonstriert wird, sich als die Geschichte eines Unverstande-nen und laufend ungerecht Behandelten verstanden werden. Loki, als Abkömmling des Chaos und des Wildfeuers, wird von den meisten Göttinnen und Göttern mit einem gewissen Misstrauen be-trachtet – obwohl bei einigen der Göttinnen auch noch eine geriebene Portion sexuelles Interesse dabei zu sein scheint. Besonders Heimdall, der allsehende Wächter von Bif-Rost, der Regenbogen-brücke zwischen Asgard und den acht anderen Welten, kann mit Odins Dauergast ziemlich wenig anfangen und lässt es ihn überaus deutlich spüren.


    Loki ist wie ein Teenager auf dem Deliquentenpfad. Ständig handelt er nach seiner Natur und richtet dann teils aus einer Notlage heraus, teils um sich für erlittenes oder eingebildetes Unrecht zu rächen und teils auch einfach aus Unbedachtheit immer wieder größeres Chaos an und bringt damit nach und nach nicht nur die Asen, sondern auch etliche Bewohner der anderen acht Welten gegen sich auf. Bis er es schließlich sogar fürs Odins Geschmack zu weit treibt und sich in einer prometheusähnlichen Lage wiederfindet – nur mit einer Schlange, statt mit einem Adler und bei ihm geht es auch auf die Augen, nicht an die Leber.


    Solche Charaktere wie Loki kennt man auch aus dem normalen Leben – Leute, die ständig Chaos erzeugen, und dann nie bereit dazu sind, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Wer oft mit jugendlichen Straftätern zu tun hat, der wird in den Argumentationsmustern von Frau Harris‘ Loki vieles wiederfinden, das er bereits aus der Realität kennt.


    Ein im Großen und Ganze ziemlich unterhaltsamer Roman – wenn einem auch die Rechtfertigungen Lokis, so wie die bestimmter Zeitgenossen, nach einer bestimmten Zeit auf den Wecker gehen können und man sich überlegt, ob Thor einem mal für ein paar Minuten Mjolmir leihen könnte.

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