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Wolfgang Schorlau - Die schützende Hand

Die schützende Hand: Denglers achter Fal...

4.4 von 5 Sternen bei 7 Bewertungen

Band 8 der

Verlag: KiWi-Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 432

ISBN: 9783462049312

Termin: April 2017

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  • Die schützende Hand.


    Inhalt:
    Der Privatermittler Georg Dengler bekommt von einer unbekannten Privatperson den Auftrag heraus zu finden, welche Umstände zu dem Tod der beiden NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos geführt haben, weil der Auftraggeber an der offiziell verbreiteten Version keinen Glauben findet.


    Meine Meinung:
    Ein Krimi – so spannend wie die Realität.
    Die Realität – so „spannend“ wie ein Krimi.
    Und beides sehr gut miteinander verwoben.


    Das Thema ist ein ganz heißes Eisen,
    sehr gut recherchiert
    und mutig umgesetzt.


    Was mir gut gefallen hat:
    Der Autor bindet weitere hochinteressante politische Themen in seinen Roman ein:
    Über den Verfassungsschutz:
    „dass der Verfassungsschutz – also die Institution, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung schützen soll – in einer gefährlichen Nähe zu der Bluttat steht. Und dass er, statt der Polizei bei der Aufklärung zu helfen, die Ermittlungen systematisch behindert – mit Rückendeckung aus der Politik.“ (S. 143)
    Dass Deutschland kein souveräner Staat ist:
    Ausgehend vom Besatzungsrecht und dass das State Departement und die CIA zahlreiche Liegenschaften (Truppen, Flughäfen und Kommandozentralen) in Westdeutschland hatten und haben und auch die Verwobenheit der Geheim- und Nachrichtendienste (S. 158 – 162).


    Was mir nicht so gut gefallen hat:
    Die Protagonisten des Romans bleiben sehr flach;
    der einzige, der mich als Person überzeugen konnte, war Dengler.
    Denglers Vorgängerfälle kannte ich bisher noch nicht, deshalb kann ich schlecht einschätzen in wie weit Denglers Bar-Freunde schon länger dazugehören;
    aber meiner Meinung nach hätte man auf diese Figuren gerne verzichten können.
    Die Beziehung von Dengler zu seiner Freundin finde ich etwas unrealistisch;
    und ihr Broterwerb als Taschendieb und Computerhaker geht meiner Meinung nach gar nicht.
    Aber natürlich hat ein Autor jedes Recht seinen Roman so zu gestalten wie es ihm gefällt.


    Insgesamt:
    Der Roman ist sehr, sehr spannend geschrieben.
    Man ist als Leser quasi in Echtzeit an der Rekonstruktion des Falles dabei.
    Der Autor vermittelt sehr gut diese detaillierteste Kleinarbeit des Detektivs.


    Und für alle Zweifler,
    die nicht glauben können, dass es anscheinend immer wieder bestens funktioniert,
    „dass man eine Lüge in die Welt setzten kann, wenn man die Geschichte nur groß genug aufzieht.“ (S. 134)
    hat er die Erklärung sehr einleuchtend erläutert:
    „ein Bekannter von mir ist Schriftsteller. Er schreibt Romane. Es sei ihm noch nie gelungen, in der ersten Auflage einen fehlerfreien Roman in die Buchhandlungen zu bekommen. Sobald das Buch verkauft wird, trudeln bei ihm E-Mails der Leser ein: ein Rechtschreibfehler hier, ein fehlendes Komma dort, vielleicht sogar ein logischer Bruch in der Geschichte. Er korrigiert das in der nächsten Auflage. Auch Geheimdienste erzählen uns Geschichten, sie inszenieren Geschichten. Manchmal gelingen sie, manchmal gehen sie schief […] Und im Unterschied zum Schriftsteller hat der Dienst nur einen einzigen Versuch […] passieren den Diensten beim Erzählen Fehler, kleine Fehler vielleicht, der Zeitablauf passt nicht, oder eine Patronenhülse zu viel liegt herum. Solche Fehler sind unvermeidlich […] doch wenn der Rest der Geschichte gut erzählt ist, glaubt das Publikum die Erzählung […] Nur ein paar Miesepeter stochern dann noch in den Details herum.“ (S. 188 – 189).


    Anmerkung:
    Im Anhang sind einige Beweisfotos des ausgebrannten Wohnmobils.


    Fazit: Sehr lesenswert – mit sehr vielen wahren Hintergrundinformationen!


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Thematisch ein unbedingt lesenswertes Buch. Wenngleich mit der Autor "in die andere Richtung" bisweilen zu rosarot ist. Nun gestehe ich, dass ich in Hinsicht auf Linksextremismus einen gewissen Vorschaden habe.
    Vielleicht die spannendste Frage für mich an diesem Thema ist gar nicht mal der hier dargestellte konkrete Fall, sondern vielmehr die Verstrickungen diverser internationaler Geheimdienste untereinander, über die auch der Autor nur zu vermuten mag (s. Nachwort). Da schwanke ich ein wenig zwischen (negativer) Faszination und "ich will das lieber gar nicht wissen".


    Sprachlich empfand ich den Stil allerdings als unglaublich anstrengend und ich kann leider nicht einmal konkret sagen, weshalb.

  • Im Moment ist das Thema, die NSU ihre Taten und die Folgen, gerade wieder hochbrisant, wo die Verhandlungen unter anderem gegen Beate Zschäpe laufen.
    Das Buch ist aus der Sicht mehrer Personen geschrieben, die dann zu Wort kommen, wenn sie in der Geschichte eine Rolle spielen. Die kurzen Kapitel und der angenehme Schreibstil machen es leicht das Buch zu lesen.


    Der Stuttgarter Privatdetektiv Dengler, ist finanziell weit unten angelangt. Unerwartet bekommt er anonym einen großen Geldbetrag zugesandt. Da er das Geld dringend benötigt, nimmt er es an, ohne zu wissen, was dafür gefordert wird. Als er dann endlich erfährt was von ihm verlangt wird, ist er überrascht. Ein aufgeklärter, bekannter Fall soll von ihm überprüft werden. Er bindet seine Stammtischbrüder und seine Freundin Olga mit ein. Aus guten Quellen , bekommt er sogar die Offiziellen Unterlagen die er benötigt. Beim recherchieren aller zur Verfügung stehenden Materialien, wird schnell klar, hier ist was faul. Eine weitere größere Geldsumme hat zur Folge, dass sich Georg Dengler noch intensiver mit den NSU- Verbrechen und Verfolgungen befasst. Motiviert dazu, ist er aber auch, weil frühere Chefs von ihm ihre Finger mit im Spiel haben. Auf eine Art, die sehr zu denken gibt.
    Dem Leser offenbart sich auch so einiges aus Politik und über den Auftraggeber, was Dengler verborgen bleibt.


    Erschreckend an diesem Krimi ist, wie stets bei der Dengler - Reihe, der Bezug zur Realität. Vieles von dem, was der Privatdetektiv aufdeckt, hat Schorlau akribisch recherchiert und durch harte Fakten belegt. Es ist klar, dass Politik und Geheimdienste ihre eigenen Süppchen kochen. Dennoch fragt man sich, trotz der Beweislage, ob das tatsächlich so zugeht, in diesen Reihen.


    Ein spannendes Buch, in dem glaubhaft, in Romanform, Zweifel an Politik und Staatssicherheit im Umgang mit dem nationalsozialistischem Untergrund geweckt werden.


    Den halben Stern Abzug gibt es für immer mal, für mich, unrealistische Geschehnisse. So nimmt Dengler das dringend benötigte Geld an, ohne zu wissen was dafür verlangt wird. Nach dem Motto, es kann ja keiner nachweisen, dass er es bekommen hat. An anderer Stelle wird erwähnt, dass er den Auftrag einer Versicherung abgelehnt hat, ohne Angaben von Gründen, weil ihm daran etwas nicht zusagte. Das passt irgendwie nicht.


    Davon abgesehen ein lesenswertes Buch, auch für Leute die das Thema Politkrimi eher abschreckt.


    Es ist ein ewiger Zwiespalt: arbeitet man am Abbau des SuB oder am Abbau der WL?




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