Maike Stein - Wir sind unsichtbar

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  • Klappentext
    Ich hab sie gehört, aber ich muss ihre Worte ein paarmal still wiederholen, bis ich sie begreife. Das Darf nie jemand erfahren.


    Dass Valeska Mädchen liebt, ist kein Geheimnis. Ihre Familie und ihre Freunde wissen es, inzwischen sogar die ganze Klasse. Nun fehlt Valeska nur noch eins zum Glück: eine Freundin. Als sie Inken kennenlernt, scheint ihr Traum wahr zu werden. Denn aus einem Kuss beim Flaschendrehen wird mehr - echte Liebe. Doch Inken will ihre Beziehung um jeden Preis geheim halten. Wovor fürchtet sie sich so sehr?


    Erster Satz

    Notizen aus der Realität. Aktuelle Haarfarbe: blau & silber


    Meinung

    Valeska ist 16 Jahre alt und hatte ihr Outing vor 2 Jahren. Nachdem ihre Mutter sie vor die Tür gesetzt hat, da sie um das Wohl ihrer jüngeren Tochter besorgt war, hat Leska bei ihrem Vater Unterschlupf gefunden. Will sie ihre Schwester sehen, dürfen diese Treffen nur unter Aufsicht stattfinden. Bis auf ihre Mutter hat in Leskas Umfeld eigentlich niemand so wirkliche Probleme mit ihrer Homosexualität.


    Sie betreibt einen kleinen "Lesben-Blog" (bitte nicht falsch verstehen), in dem sie über ihr Outing und ihr Leben als noch ungeküsste Lesbe schreibt. Dieser wird angenehm ins Buch eingebunden und lockert die Geschichte noch etwas auf.


    Dass sie ungeküsst ist, soll sich auf einer kleinen Party ändern. Flaschendrehen. Eigentlich fühlt sie sich zu alt für diesen "Kinderkram" doch ändert ihre Meinung schnell, als es zu einem Kuss zwischen ihr und Inken kommt. Plötzlich ist alles anders zwischen den beiden und die vorher langweilige Inken wird schnell interessant.


    Die beiden Mädchen verlieben sich ineinander und treffen sich heimlich zum Knutschen - denn Inken will diese Liebe geheimhalten. Das tut sie aus einem bestimmten Grund, den sie Leska erst nach und nach anvertraut. Diese Heimlichtuerei ist für Leska sehr belastend. Sie würde es am liebsten laut rausschreien und jedem davon erzählen, doch verstrickt sich immer mehr in Lügen deswegen und kann sich nicht mal ihrer besten Freundin anvertrauen.


    Welches Gehemnis umgibt Inken? Kann eine heimliche Liebe bestehen? Und was wäre, wenn sie es doch öffentlich machen würde?


    Maike Stein hat ein wirklich schönes Jugendbuch über Outing und "Anderssein" verfasst. Es geht um die erste Liebe, Lügen und Geheimnisse, Homophobie und Freundschaft.


    Leider ist das Buch etwas kurz gekommen und die Geschichte hätte noch ein paar Seiten mehr vertragen können. Ab der Mitte passiert so unglaublich viel, was viel zu schnell abgehandelt wurde. Auf meine Nachfrage sagte die Autorin, dass die Seitenzahl vom Verlag vorgegeben war und sie das Maximum ausgeschöpft habe.


    Da hat der Verlag definitiv einen Fehler gemacht :wink:


    Die Handlungen der einzelnen Charaktere sind altersgemäß und nachvollziehbar.


    Zitate/Textstellen

    Das wäre zu verrückt. Schmerzhaft. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert und so. Na ja, viele von uns. Bei manchen ist das immer noch nicht angekommen [...].
    (Seite 57)


    Inken sitzt ganz in sich zusammengesunken da. "Ich geh dann wohl besser auch."
    [...]
    "Quatsch." Ich stupse sie leicht gegen die Schulter. "Dich behalte ich hier."
    "Sicher?"
    "Wieso sollte ich unsicher sein?"
    (Seite 96)


    Eine Ein-Frau-Armee will ich sein, eine Rächerin, die ihnen Verstand einbläut, in der Sprache, die sie verstehen.
    (Seite 102)


    Fazit

    Ein Buch über Homophobie, Liebe und Freundschaft, das mehr Seiten gebraucht hätte, was vom Verlag aber nicht gewünscht war.


    Insgesamt fand ich es allerdings wirklich extrem gut und spreche eine Leseempfehlung aus :)


  • Cover:
    Das Cover ist ansprechend gestaltet und gut auf den Inhalt abgestimmt worden. Es zeigt zwei junge Frauen, die sich durch die blaue Farbe, in der sie gedruckt wurden, gut vom gelblichen Hintergrund absetzen. Sie stehen eindeutig im Mittelpunkt. Man sieht eine Brücke und die Skyline und den Fernsehturm einer Stadt.


    Inhalt:

    Homosexualität bzw. gleichgeschlechtliche Liebe ist ein Thema, bei dem sich die Meinungen immer noch sehr spalten. Sie begegnet jedem Menschen, mehr oder weniger gehäuft im Alltag. Es gibt leider immer noch genügend Menschen, die dem mit Vorurteilen gegenüberstehen. So sehen sich Menschen, mit lesbischen und/oder schwulen sexuellen Neigungen häufig konkreten Anschuldigungen und offen ausgelebten Mobbing gegenüber.
    Ich persönlich finde es schrecklich, wenn man sich nur, weil man lesbisch oder schwul ist, verstecken muss. Jeder Mensch sollte so akzeptiert werden, wie er ist !!
    Im Buch erleben wir wie Leska, die Protagonistin, ihre erste Liebe findet. Leska ist ein sympathisches junges Mädchen. Sie hat sich vor einiger Zeit vor ihrer Familie und Freunden geoutet. Sie bekam die unterschiedlichsten Reaktionen auf ihr Coming Out. Ihre Mutter konnte mit dem Outing nichts anfangen. Sie reagierte schockiert und verstört, sodass Leska nun bei ihrem Vater lebt. Ihre Eltern sind voneinander getrennt. Mit ihrem Paps kommt sie gut aus. Er lässt ihr viele Freiheiten und akzeptiert sie, wie sie ist. Ihre Freunde zeigen teils Verständnis, andere gehen nicht weiter darauf ein, aber auch in der Schule erlebt Leska keine Ablehnung. Leska handelt häufig, ohne nachzudenken, sondern folgt ihrem Herzen, hört auf ihren Bauch. Für die Menschen, die ihr wichtig sind, steht sie ein und ist eine liebevolle, hilfsbereite Seele. Sie schreibt ihre Gedanken auf einem Blog nieder. Inken ist in vielen Dingen genau das Gegenteil von Leska. Sie ist unsicher, teils hat sie sogar depressive Gedanken. Inken versteckt sich, kann nicht öffentlich zu Leska stehen. Anfangs habe ich sie nur schwer verstanden. Doch nach und nach erfährt man, aus welchen Gründen, sie so handelt. Danach tat sie mir wirklich richtig leid und ich konnte mich wesentlich besser in sie hineinversetzen. Auch die weiteren Charaktere sind liebevoll und interessant gestaltet worden.

    Aufbau, Struktur & Stil:
    Die Handlung wird aus Leskas Sicht erzählt. Ich hatte aus diesem Grund, sehr schnell eine recht intensive und komplexe Vorstellung von ihr und ihren Gedanken. Sofort bestand eine recht enge Verbundenheit, was mir sehr gut gefallen hat. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, locker zu lesen, wenn gleich die Ereignisse mich teils sehr nachdenklich und sogar wütend gemacht haben. Es hat mich emotional sehr berührt und aufgewühlt. Um ein wenig mehr Abwechslung zu schaffen, können wir als Leser auch den Blogeinträgen, die Leska verfasst folgen. Dort tauscht sie sich mit anderen Mädchen aus. Besonders bewegt haben mich die wenigen, nüchternen Gedanken von Inken. Leider ist das Buch mit 192 Seiten nicht so ausführlich, wie ich mich gern dem Leben von Leska, Inken und ihrer Familie etc. gewidmet hätte.


    Fazit:

    „Wir sind unsichtbar“ ist ein tolles, bewegendes Buch, dass mit gleichgeschlechtlicher Liebe ein Thema anspricht, welches viel mehr Aufmerksamkeit bräuchte, um deutlicher wahrgenommen und überdacht zu werden !! Mir hat es sehr gut gefallen.


    Ich gebe vier von fünf Funkelchen.

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