Offensichtliche Übersetzungsfehler

  • Wenn man deutsche Übersetzungen im Original fremdsprachiger Bücher liest, fallen einem ja manchmal offensichtliche Übersetzungsfehler auf. Damit meine ich nicht kleine Ungenauigkeiten, die natürlich auch einem professionellen Übersetzer mal passieren können, wenn er hunderte Seiten in relativ kurzer Zeit übersetzen muss. Die findet der Leser ohnehin nur, wenn er sowohl das Original als auch die Übersetzung vorliegen hat, was wohl nur im Ausnahmefall der Fall seien dürfte. Was ich meine, sind die richtigen Übersetzungsfehler aus Unwissen, die der Leser auch erkennt, ohne das Original jemals gelesen zu haben. Ein immer wiederkehrendes Beispiel ist wohl das Silikon in elektronischen Schaltkreisen. Gemeint ist natürlich Silizium (engl. silicon - ohne "e"), das der jeweilige Übersetzer mangels Fachwissen nicht von Silikon (engl. silicone - mit "e") unterscheiden konnte. Diesen Fehler habe ich schon unendlich oft gelesen.


    Zu diesem Thread inspiriert wurde ich von einer Textstelle in "Schwarzer Mond über Soho": "Drinnen herrschte eine hohe Dichte an solidem Eichenmobiliar, überlagert von einer Schicht Zierdeckchen, geblümten Sesselpolstern und Dresdner Porzellan."
    Dresdner Porzellan? Dresden ist zwar für einiges bekannt, Porzellan gehört meines Wissens aber nicht dazu. Nun, schon im Englischunterricht in der Schule habe ich gelernt, dass Meißner Porzellan auf Englisch "Dresden china" heißt. Das hat die Übersetzerin wohl nicht gewusst.


    Kennt ihr auch solche offensichtlichen Fehlübersetzungen?

  • Mehr, als mir lieb ist!


    Ist zwar nicht literarisch, aber sehr hübsch fand ich mal in einem Konzertprogramm "When choosing the cloakroom, please observe the festive character of the event."


    Im Deutschen stand da "Bei der Wahl der Garderobe bitten wir den festlichen Charakter der Veranstaltung zu beachten" ... mich hätte mal das Gesicht eines Muttersprachlers interessiert, der gebeten wird, sich doch bitte den richtigen Umkleideraum (oder gar das richtige Örtchen) auszusuchen.

  • leider kenn ich das auch zur Genüge - ein Klassiker ist wohl die fehlende Umrechnung von Fahrenheit in Celsius wie in meiner Ausgabe von Jonathan Franzens "Korrekturen" - so wird dann mal jemand in New York im Januar gefragt, ob er noch eine Decke für die Nacht brauche, denn es habe ja nur 40° :roll:

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Tad Williams - The Witchwood Crown
    :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)

    :study: Yuval Noah Harari - Homo Deus (Bücherwürmer-Langzeitprojekt)

  • Gleicher Autor - gleiche Übersetzerin… und wieder mal ein Fehler. Auf Seite 95 werden "Brauen gerümpft" - also ich rümpfe entweder meine Nase oder ziehe die Brauen hoch :-, Ich kenne den englischen Ausdruck des Originals nicht, aber ganz gleich wie er lautet, falsch übertragen wurde er jedenfalls.

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Tad Williams - The Witchwood Crown
    :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)

    :study: Yuval Noah Harari - Homo Deus (Bücherwürmer-Langzeitprojekt)

  • ein Klassiker ist wohl die fehlende Umrechnung von Fahrenheit in Celsius wie in meiner Ausgabe von Jonathan Franzens "Korrekturen" - so wird dann mal jemand in New York im Januar gefragt, ob er noch eine Decke für die Nacht brauche, denn es habe ja nur 40°

    In dem Fall muss ich sogar sagen, dass ich diese Übersetzung als korrekt ansehe. Es ist nicht die Schuld des Übersetzers, wenn im Original nicht ausdrücklich erwähnt wird, dass es sich um Grad Fahrenheit handelt. Im Gegenteil, mich stört es immer tierisch, wenn Übersetzer die anglo-amerikanischen Einheiten umrechnen. Das ist in meinen Augen eine Eindeutschung, die nichts mit dem Übersetzen zu tun hat. Die einzige Alternative im genannten Beispiel wäre, in der Übersetzung das "Fahrenheit" zur eindeutigen Kennzeichnung hinzuzufügen. Aber das wäre wiederum eine Verfälschung des Textes. Als kleinstes Übel würde ich es da ansehen, wenn bei der 1.. entsprechenden Textstelle auch in einem Roman per Fußnote darauf hingewiesen würde, dass sich die Temperaturen des Buches als °F verstehen.

  • In dem Fall muss ich sogar sagen, dass ich diese Übersetzung als korrekt ansehe. Es ist nicht die Schuld des Übersetzers, wenn im Original nicht ausdrücklich erwähnt wird, dass es sich um Grad Fahrenheit handelt. Im Gegenteil, mich stört es immer tierisch, wenn Übersetzer die anglo-amerikanischen Einheiten umrechnen. Das ist in meinen Augen eine Eindeutschung, die nichts mit dem Übersetzen zu tun hat. Die einzige Alternative im genannten Beispiel wäre, in der Übersetzung das "Fahrenheit" zur eindeutigen Kennzeichnung hinzuzufügen. Aber das wäre wiederum eine Verfälschung des Textes. Als kleinstes Übel würde ich es da ansehen, wenn bei der 1.. entsprechenden Textstelle auch in einem Roman per Fußnote darauf hingewiesen würde, dass sich die Temperaturen des Buches als °F verstehen.

    nun, da sind wir unterschiedlicher Meinung - ich muss bei einer Übersetzung beide Kulturen im Hinterkopf haben und entsprechend übertragen und übersetzen, Dazu gehört für mich auch die Übertragung/Umrechnung von Masseinheiten, wenn sie derart unterschiedlich sind wie Grad Celsius und Grad Fahrenheit. Und nicht jeder deutschsprachige Leser hat im Hinterkopf, dass in den USA die Temperaturangaben in Fahrenheit erfolgen.

    viele Grüße vom Squirrel

    :study: Tad Williams - The Witchwood Crown
    :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)

    :study: Yuval Noah Harari - Homo Deus (Bücherwürmer-Langzeitprojekt)

  • nun, da sind wir unterschiedlicher Meinung - ich muss bei einer Übersetzung beide Kulturen im Hinterkopf haben und entsprechend übertragen und übersetzen, Dazu gehört für mich auch die Übertragung/Umrechnung von Masseinheiten, wenn sie derart unterschiedlich sind wie Grad Celsius und Grad Fahrenheit. Und nicht jeder deutschsprachige Leser hat im Hinterkopf, dass in den USA die Temperaturangaben in Fahrenheit erfolgen.

    Da gebe ich Squirrel recht. Als ÜbersetzerIn muss man für die Leserschaft mitdenken und die Übersetzung an die LeserInnen im Zielland anpassen. Man kann nicht davon ausgehen, dass jeder weiß, welche Temperatureinheit gemeint ist oder wie viel 3 Zoll oder 4 stone sind. So eine Umrechnung ist für mich Dienst am Leser. Würde die Übersetzerin sämtliche Maßeinheiten mit Fußnoten versehen, wird der Text sehr schnell unlesbar, weil der Lesefluß ständig durch Fußnoten unterbrochen wird. Das ist bei kulturellen Besonderheiten in Ordnung, die der Erklärung bedürfen und die nicht aus dem Textzusammenhang verständlich werden, z.B. bei Abweichungen im Rechtssystem.


    Da ÜbersetzerInnen nach Zeilen bezahlt werden, sehen übrigens auch Verlage allzuviele Fußnoten und hilfreiche Erklärungen nicht gerne, denn diese müssen ja zusätzlich bezahlt werden. So wird beispielsweise statt Produktnamen, die hier nicht so geläufig sind, wie z.B. Kool-Aid, lieber geschrieben, um was es sich handelt; hier wäre das "ein Getränkepulver".

    Verführung Volljähriger zum Bücherkauf sollte nicht unter 5 Jahren Stadtbibliotheksmitgliedschaft bestraft werden!

  • nun, da sind wir unterschiedlicher Meinung - ich muss bei einer Übersetzung beide Kulturen im Hinterkopf haben und entsprechend übertragen und übersetzen, Dazu gehört für mich auch die Übertragung/Umrechnung von Masseinheiten, wenn sie derart unterschiedlich sind wie Grad Celsius und Grad Fahrenheit. Und nicht jeder deutschsprachige Leser hat im Hinterkopf, dass in den USA die Temperaturangaben in Fahrenheit erfolgen.

    Ganz davon abgesehen, ist eine Angabe von 40° einfach falsch, weil unvollständig (zumindest, wenn es um Temperarturen geht).

    Gelesen in 2018: 7 - Gehört in 2018: 6 - SUB: 352


    "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)

  • Ich bin auch für Umrechnung. Dann kann wenigstens jeder Leser was damit anfangen und muss nicht erst mal googeln, wie viel zur Hölle jetzt 1 Stone oder 75°F sind.


    Bei Produktnamen bin ich etwas hin- und hergerissen. Einerseits ist es blöd, wenn man nicht versteht, worum es sich handelt, andererseits finde ich einen "Toast mit Marmite" in einem britischen Buch viel passender und "englischer" als "Toast mit Hefeextrakt". Man weiß halt nie, inwieweit sich der Leser mit lokalen Produktnamen auskennt oder nicht.

  • Auf Seite 95 werden "Brauen gerümpft" -

    Vielleicht stand da etwas von "brow", das kann neben Augenbraue ja auch Stirn bedeuten. (to wrinkle one´s brow - die Stirn runzeln).

    Ganz davon abgesehen, ist eine Angabe von 40° einfach falsch, weil unvollständig (zumindest, wenn es um Temperarturen geht).

    Das sehe ich auch so.


    Mir sind idiomatische Fehler aufgefallen, so heißt es in einem deutschen Buch "Die Küste ist klar." (engl. The coast is clear.) statt "Die Luft ist rein." :roll:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Vielleicht mag es eine gute Geschichte sein. Vielleicht werde ich irgendwann mal schaun, ob die englische Übersetzung besser ist - Polnisch kann ich leider nicht. Aber die deutsche Überseztung hab ich nach 30 Seiten aus der Hand gelegt.


    "Heute vor Tag" um nur mal einen der netten Fehler zu nennen. Ohne online einen Blick in die englische Übersetzung zu werfen, in der an selber Stelle "Yesterday" steht, wäre ich nicht darauf gekommen, was gemeint war.

    aktuell am :study: :

    Mirko Jelusich - Cromwell

    John Grisham - Camino Island

    SuB: 3211 (gestartet mit: 3052)

    gelesene/gehörte Bücher 2018: 50 ( :study: 38 / :musik: 11 / :thumbdown: 1 - 15.741 Seiten / 113h 39min)

  • Wirklich üble Übersetzungfehler fand ich in dem unten genannten Buch. Zwei Beispiele dazu:
    Ein Mann hat Beine wie Ofenrohre (Seite 75) - vermutlich sind ganz dünne Beine gemeint.
    Ein Ausschnitt vom eierschalenblauen Himmel (Seite 737) - keine Ahnung was damit gemeint sein könnte.
    Leider klingt ein Großteil des Buches als ob eine Übersetzungsmaschine am Werk gewesen wäre; seitdem habe ich mir das Lesen weiterer Werke des Autoren verkniffen. Aber vielleicht hat ja mittlerweile der Übersetzer gewechselt...

  • Man weiß halt nie, inwieweit sich der Leser mit lokalen Produktnamen auskennt oder nicht.

    Dazu habe ich gerade ein positives Beispiel gefunden: "Er öffnete eine Schachtel Kekse. Petit Lu aus Nantes." (S. 124)


    In folgenden verwendet die Autorin nur noch den Begriff "Petit Lu", aber dann weiß jeder, was gemeint ist.


    "Marmite" habe ich neulich googlen müssen.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)

  • Etwas was mich immer stört ist ein kleines Wörtchen, dass oftmals gar nicht übersetzt wird. Das schöne englische Wort "Well,..." am Satzanfang.
    Ein deutscher Satz der mit "Well,..." anfängt klingt für mich einfach falsch. Leider ist mir das bei ein paar meiner geliebten Agatha Christie Bücher aufgefallen, aber die arme Frau kann ja auch nichts dafür :wink: .

  • Wirklich üble Übersetzungfehler fand ich in dem unten genannten Buch. Zwei Beispiele dazu:
    Ein Mann hat Beine wie Ofenrohre (Seite 75) - vermutlich sind ganz dünne Beine gemeint.
    Ein Ausschnitt vom eierschalenblauen Himmel (Seite 737) - keine Ahnung was damit gemeint sein könnte.

    "Beine wie Ofenrohre" find ich jetzt nicht so übel - sowas in dem Stil hat meine Oma auch immer gesagt. Ein richtiger Fehler scheint mir das nicht zu sein, ist es doch höchstens ein schiefes Bild (was ich persönlich, wie gesagt, gar nicht so schief finde). Und man müsste wissen, was im Original steht. :-k (Die Farbe Eierschalenblau ist da schon etwas gewöhnungsbedürftiger. Aber auch darunter kann ich mir getrost was vorstellen. Scheint mir kein Versagen der Übersetzung zu sein, sondern "dichterische Freiheit"... :wink: )

    David Lynch & Kristine McKenna "Traumwelten" (189/746)

    Blaise Cendrars "Auf allen Meeren" (420/549)

    Philip Whalen "Nachspielzeit" (32/170)

    Beat Brechbühl "Geschichten vom Schnüff" (15/175)


    Jahresbeste: Denton Welch (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
    Gelesen: 94 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Max Andersson "Bosnian Flat Dog" (11.8.)

Anzeige