Stephen Fry - More Fool Me

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  • (Noch nicht auf deutsch erschienen.)



    Im 3. Band seiner Autobiographie plaudert Stephen Fry in gewohnt eloquenter Manier aus dem reich gefüllten Nähkästchen. Seine Karriere als Allrounder in Film, Fernsehen und Literatur spielt dabei zwar eine Rolle, aber eher untergeordnet. Am Ende des Buches sind dann auch nur wenige Jahre vergangen (das Buch endet schon Anfang der 90er), es gibt nicht wahnsinnig viel "Action", doch die Rückblende in Kindheit und Jugend zu Beginn ist genauso amüsant zu lesen wie die Anekdoten aus Frys späterem Leben, wobei einem da doch ab und an das Lachen im Hals steckenbleibt, wenn er freimütig erzählt, wie er 15 Jahre lang an den unmöglichsten Orten eine Linie Kokain geschnupft hat. Das verführerisch-gefährliche weiße Pulver war der Treibstoff, der ihm ermöglichte, mit einem irrsinnigen Terminkalender klarzukommen - da wird einem schon beim Lesen schwindelig, wenn er von Tonaufnahme zu Dreharbeiten zu Interview zu Party flitzt, nebenbei an einem Buch arbeitet und keinen Abend vor Mitternacht im Bett ist.


    Natürlich stoßen wir auch hier wieder auf viele bekannte Namen aus der britischen Künstlerwelt - schließlich ist Frys bester Freund ein gewisser Hugh Laurie, Emma Thompson war eine Studienkameradin und deren (damaliger) Ehemann Kenneth Branagh ebenfalls ein guter Kumpel, um nur einige zu nennen. Anderen, weniger selbstironischen Menschen würde man das womöglich als Namedropping übel nehmen, bei Fry kommt der Gedanke aber gar nicht erst auf.


    Ein klein wenig störend fand ich, dass über Dutzende von Seiten "nur" alte Tagebucheinträge von 1993 abgedruckt werden, die allerdings in Fußnoten aufschlussreich und witzig kommentiert werden. Wenn Fry "richtig" erzählt, gefällt er mir noch besser.


    Nichtsdestotrotz habe ich mich auch mit dem 3. Teil seiner Memoiren wieder prima unterhalten. Er hat einfach eine Gabe, Menschen, Situationen und England im allgemeinen in witzig-geistreichen Worten zu porträtieren, und ich mag auch seinen offenherzigen, selbstkritischen Blick auf den jüngeren Stephen Fry, dem er öfter mal am liebsten den Kopf zurechtrücken möchte.

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