Fundstücke in gebrauchten Büchern

  • Genau. Und die Autorin dieses Buches, das aus einzelnen Reden bzw. Gedanken verschiedener bekannter (aber nicht unbedingt realer) Frauen besteht. Der Untertitel lautet "Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen"


    Eine dieser "ungehaltenen Reden" ist diejenige von Effi Briest an den tauben Hund Rollo (oder Rolo? ich habe es jetzt nicht nachgesehen). Ich könnte mir vorstellen, dass es sich bei dem Text, der von diesen Netzwerkstrümpfen inszeniert worden ist, um denjenigen aus diesem Buch handelt.

    Jetzt kommt noch mehr Licht ins Dunkel. Ich habe doch tatsächlich nicht kapiert, dass die "Netzwerkstrümpfe" der Name der darstellenden Truppe ist, sondern diesen Satz in einem Guss gelesen und gedacht "Nanu, das ist ja sehr dada....Netzwerkstrümpfe, die Gedanken gestalten? Oder handelt es sich bei Netzwerkstrümpfen um einen Begriff aus dem vorvorherigen Jahrhundert?" Ach, ja.... :uups::loool: .

  • Jetzt kommt noch mehr Licht ins Dunkel. Ich habe doch tatsächlich nicht kapiert, dass die "Netzwerkstrümpfe" der Name der darstellenden Truppe ist,

    Naja, jedenfalls nehme ich an, dass das eine Theatergruppe ist. Denn die Monologe aus dem genannten Buch werden immer wieder von Schauspielern aufgeführt. Vielleicht handelt es sich bei den Strümpfen um eine lokale Truppe oder ein Studentenensemble oder so. Die Netzwerkstrümpfe haben es ja offensichtlich bislang nicht geschafft, sich mal richtig bekannt zu machen, wenn nicht mal google sie findet. Dabei ist es doch schon ein paar Jahre her, dass der 13. Januar mal ein Sonntag war, sie hätten also Zeit dazu gehabt.


    Ich wage allerdings auch nicht so recht, mir vorzustellen, wie eine Schauspielergruppe mit diesem Namen ihre Aufführungen wohl gestaltet. Wenn möglicherweise in der Aufführung Effi als linker und der Hund als rechter Strumpf (wahlweise umgekehrt) aufgetreten sind, wäre es für mein Dafürhalten kein Wunder, dass diese Truppe es nicht zu einem Bekanntheitsgrad gebracht hat, der für irgendeinen Interneteintrag reichen würde. Obwohl, andererseits... :clown::jocolor::mrgreen:

    Bemerkung meines Vaters beim Anblick meiner Bücherberge: "Wir haben ja alle unsere Macken... und du hast deine Bücher!"

  • Eine Widmung mit Kugelschreiber geschrieben, energische Schrift, stark aufgedrückt:

    Ein Roman (National Book Award 1989) über einen Fischer an der Küste von Rhode Island und seine unbezähmbaren Leidenschaften. Das passt doch ganz gut zu einem Leser, der von einer Weltumsegelung träumt (und der sich selbst anscheinend gut bewältigt - was auch immer das genau heißt). :)

    Robert Macfarlane "Karte der Wildnis" (109/303)

    Richard Flanagan "Der schmale Pfad durchs Hinterland" (232/438)

    Ronald Chetwynd-Hayes (Hg.) "Gespenstergeschichten aus Wales" (66/140)


    Jahresbeste: Welch (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king: 
    Gelesen: 58 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Jodorowsky & Moebius "Der schwarze Incal" (17.5.)

  • Als der Run auf "Shades of Grey" so groß war, wollte ich wissen, was denn nun an der ganzen Sache dran ist. War aber ehrlich gesagt zu geizig um mir die Bücher zu kaufen. Ich hatte aber Glück und die Warteliste in der Bibliothek war nicht allzu lang. Also zu Hause das Buch geschnappt und - siehe da - als "Lesezeichen" steckte zwischen den Seiten und auf den ersten Blick nicht sichtbar - eine leere Kondomhülle. :shock: 
    (Die habe ich dann aber entsorgt, ich wollte ja nicht das Buch zurückgeben und der nächste denkt dann, das wäre ich gewesen! :lechz: ) Die Geschichte hat in meinem Freundeskreis für viele Lacher gesorgt und jeder, der jetzt gebrauchte Bücher kauft, hofft auf mindestens auch so einen "Fund".

  • als "Lesezeichen" steckte zwischen den Seiten und auf den ersten Blick nicht sichtbar - eine leere Kondomhülle.

    wie passend :loool:

    viele Grüße vom Squirrel

     :study: Viet Thanh Nguyen - Der Sympathisant
     :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)

     :study: Yuval Noah Harari - Homo Deus (Bücherwürmer-Langzeitprojekt)

  • Und ziemlich... gruselig und ekelig. Auch wenn ich drüber gelacht habe.
    Wenn ich kein Lesezeichen zur Hand habe, nehme ich auch schon mal einen Einkaufszettel oder so - aber eine eine leere Kondomhülle? Also bitte... Mein Kopfkino sprang da unwillkürlich an... :lechz:

  • Also zu Hause das Buch geschnappt und - siehe da - als "Lesezeichen" steckte zwischen den Seiten und auf den ersten Blick nicht sichtbar - eine leere Kondomhülle.

    das wäre mir, ehrlich gesagt, zu viel des Guten, sogar bei "Shades of Grey" :wink: Ungewöhnlich ist es aber auf jeden Fall. Ein wahrlich besonderer Fund :-,

    2018: Bücher: 104/Seiten: 39 903
    2017: Bücher: 190/Seiten: 77 472
    ------------------------------
    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"
    Dalai Lama

  • das wäre mir, ehrlich gesagt, zu viel des Guten, sogar bei "Shades of Grey" :wink: Ungewöhnlich ist es aber auf jeden Fall. Ein wahrlich besonderer Fund :-,

    Es war dann auch tatsächlich das letzte Buch, das ich mir in der Bibliothek ausgeliehen habe.
    Nicht wegen der "Überraschung", sondern weil es mich einfach gruselt, wie Leute zum Teil mit Sachen umgehen, die nicht ihnen selbst gehören. Ich bin mehr der Typ selbstkaufen und dann einen riesigen SUB haben.

  • Ich nutze ja nicht mal Einkaufzettel als Lesezeichen, sondern die schönen Magnet-Klemmlesezeichen. Die rutschen nicht raus.

    Also mir ist noch nie ein "Lesezeichen" herausgerutscht, ob Einkaufszettel, Lesezeichen, Ansichtskarte, Eintrittskarte, abgerissenes Stück von einer Brottüte, oder oder oder :)


    Ich nutze eigentlich alles - von richtig schönen Lesezeichen über Klebezettel und herumliegendes Zeug bis hin zu Eselsohren - ich mag es da divers :jocolor:

  • Es war dann auch tatsächlich das letzte Buch, das ich mir in der Bibliothek ausgeliehen habe.

    ich habe andere Erfarungen in unserer Bücherei gemacht. Die Bücher sind sauber und gepflegt. Ich leihe sehr oft und sehr gerne Bücher aus. :drunken: 
    So ein Fund ist mir aber auch noch nicht untergekommen. :wink: Aber das ist alles Geschmackssache

    2018: Bücher: 104/Seiten: 39 903
    2017: Bücher: 190/Seiten: 77 472
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    "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"
    Dalai Lama

  • Die Kondomhüllengeschichte ist wirklich schräg - und es ist so passend, dass ich mich frage, ob sich da nicht jemand einen wohlkalkulierten Scherz erlaubt hat und als Bibliotheks-Troll unterwegs war, um unschuldige Leser(innen) zu brüskieren :D


    Ich habe gestern in einem gebraucht gekauften Buch auch ein kleines Fundstück entdeckt. Der Vorbesitzer hat als Lesezeichen anscheinend einen kleinen Faltkalender aus dem Jahr 2014 benutzt, den er von seinem Schornsteinfeger bekommen hat. Denn vorne drauf ist ein hübscher Druck von einem Schornsteinfeger bei der Arbeit und innen findet sich ein kleines Gedicht:




    Etwas holprig, aber sehr niedlich :)

  • Ich weiß nicht, ob das zählt und hier reinpaßt, doch das muss ich loswerden:


    Gerade erhielt ich ein bei Priceminister bestelltes sehr gut erhaltenes Buch (Gunnar Gunnarsson "Advent im Hochgebirge", auf Französisch für Bekannte hier). Doch stellt Euch vor: das Buch ist sehr sorgfältig eingepackt in eine Originalseite eines "Schönen Buches" mit Darstellungen iù mehr als DIN-A-4-Format von Lucas Cranach dem Älteren (Christus nimmt Abschied von den Frauen - Detailansicht), und auf der anderen Seite eine Detailansicht von "Der tote Christus" von Hans Holbein dem Jüngeren. Schwarz-Weiss. Die bewahre ich sorgfältig auf!

  • Ich hatte mal ein Buch auf einem Flohmarkt gekauft, ich weiß gar nicht mehr, was es gewesen ist. Irgendwas von Charles Dickens. Mitten zwischen den Seiten, vermutlich ein alter Lesezeichenersatz, entdeckte ich ein Foto. Das war noch so ein richtiges altes schwarzweiß-Foto, ein Portraitfoto von einer Frau in einem langen Kleid, die sehr traurig dreinschaute. Das fand ich irgendwie unheimlich. Hab es irgendwo auch noch rumliegen. Zu gerne würde ich wissen, worum es sich dabei handelt, aber weder das Foto noch das Buch geben darüber Aufschluss. Stehen keine Namen drin oder so.

    Letzte Nacht und die Nacht davor,
    Tommyknockers, Tommyknocker klopfen an mein Tor.
    Ich will hinaus, weiß nicht, ob ich's kann,
    ich habe solche Angst, vor dem Tommyknocker-Mann!

  • Traurig und ein bisschen gruselig.... so verschwinden Menschen von der Welt und manchmal ist niemand mehr da, der sich erinnert....

    So ungefähr war auch mein Gedanke. Die Frau ist sicher längst tot, oder, wenn sie noch lebt, sicher schon sehr sehr alt. Und doch erinnert dieses Foto an sie, vergessen in einem alten Buch.

    Letzte Nacht und die Nacht davor,
    Tommyknockers, Tommyknocker klopfen an mein Tor.
    Ich will hinaus, weiß nicht, ob ich's kann,
    ich habe solche Angst, vor dem Tommyknocker-Mann!

  • Hm, ein paar Hervorherbungen mit Filzstift, Verzierungen mit Glitzerstift auf diversen Seiten, darunter auf einer Seite ein Jungenname und ein Klassenkürzel - ich wage die Behauptung, da war eine Fünftklässlerin in Gedanken mehr bei einem Jungen, den sie sehr mochte, als bei der Schullektüre.

  • In diesem ertauschten Roman steckte eine Karte des Verlages Wagenbuch mit folgendem Satz:


    Zitat

    Liebe Frau....,

    dieses phantastische Buch sollten Sie schon vorab erhalten. Wir sind sehr begeistert - aber es wird wohl nicht jedem gefallen...

    Viele gute Grüße

    .....

    ...wie man hier an der Sternchenbewertung sieht - ich bin gespannt.

    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)

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