Jessica Alcott - Selbst wenn du mich belügst / Even when you lie to me

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  • Klappentext
    Die 17-jährige Charlie fühlt sich nicht besonders wohl in ihrer Haut. Ganz anders als ihre hübsche und überall beliebte Freundin Lila steht sie nicht gerne im Mittelpunkt. Lieber vergräbt sie sich mit ihren Büchern. Keiner versteht sie und schon gar nicht ihre Mutter – findet Charlie. Doch dann kommt der neue Englischlehrer Mr Drummond an die Schule und bringt die Mauern von Charlies Welt ins Wanken. Mr Drummond ist klug, witzig, sexy und der Einzige, der wirklich begreift, was Charlie bewegt. Bald richtet Charlie ihre Tage danach aus, wie oft sie sich begegnen. Und aus Nähe wird langsam mehr...


    Allgemeines
    Das Buch umfasst 415 Seiten, ist zum einen in Monate (von August bis Juni) und zum anderen in 42 Kapitel aufgeteilt. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Charlie.


    Meine Meinung
    Ich mag die "Schüler liebt Lehrer"-Thematik allgemein ganz gerne und der Klappentext verspricht in der Hinsicht gut etwas. Allerdings ist das nicht so hunderprozentig richtig. Natürlich, die Beziehung zwischen Charlie und ihrem Lehrer Mr Drummond nimmt eine große Rolle im Roman ein, aber vielmehr geht es eigentlich um Charlie selbst, um ihren inneren Konflikt und ihre Probleme mit sozialem Umgang. Sie ist eine recht schwierige Hauptfigur mit der sicherlich nicht jeder klar kommen wird, sieht sie sich doch in einer recht starken Opferrolle. Sie empfindet sich als hässlich, unscheinbar, langweilig und ist überzeugt davon, dass es völlig abwegig ist, dass andere Menschen an ihr interessiert sein könnten, sowohl in romantischer als auch freundschaftlicher Hinsicht. Das ist nun bestimmt kein ungewöhnliches Gefühl für ein Mädchen in ihrem Alter, allerdings ist es bei ihr ziemlich heftig. Sie ist vollkommen überzeugt davon, obwohl es augenscheinlich keinen trifftigen Grund dafür gibt, abgesehen von ihrer Mutter für die sie nie gut genug ist. Es gibt kein Mobbing, andere Personen zeigen Interesse an ihr, es wird öfter erwähnt, dass sie durchaus hübsch ist. Charlie geht aber mit einer extrem defensiven Haltung durchs Leben, sieht in allem einen hinterlistigen Plan und ist selbst häufig unbegründet unfreundlich und distanziert gegenüber anderen. Sie fühlt sich überall unverstanden, scheitert aber daran, ihre eigene Schuld in diesem Dilemma zu erkennen. Niemand findet Zugang zu einem, wenn man sie ausschließen will. Mit fortschreitender Handlung wird dieser Charakter leider immer schwerer zu ertragen und ein großer Negativpunkt für mich ist, dass es keine wirkliche Entwicklung gibt. Man wartet das ganze Buch darauf, dass Charlie aus alldem was lernt, irgendwas erkennt - aber vergeblich. Am Ende ist der Status Quo kaum anders, abgesehen davon, dass Charlie vielleicht ein wenig offener ist. Aber man merkt, dass sie aus ihren Taten im Grunde nichts gelernt hat, nicht reifer geworden ist.


    Zu Mr Drummond kann ich nur sagen, dass ich seinen Charakter mochte, auch wenn er nicht besonders tiefgründig oder vielschichtig ist. Das Buch ist so sehr auf Charlie fixiert, dass er eher außen vor bleibt und mir ist auch nicht ganz klar geworden, wieso er Charlie überhaupt romantisch anziehend findet. Die Beziehung der beiden wird aber dennoch schön aufgebaut, vor allem in der ersten Hälfte. In der zweiten Hälfte wurde es dagegen leider immer zäher, irgendwie ist bei mir der Funke nicht so richtig übergesprungen. Charlies immer größere Bessenheit von ihm, ihre dämlichen Gespräche mit ihrer überaus lästigen "besten" Freundin Lila (wenn man das beste Freundin nennt, brauche ich keine) darüber, das ewige Herumgeschleiche um einander - was der Geschichte fehlt, ist einfach, dass mal richtig was passiert. Es wirkt, als hätte die Autorin selbst nicht so richtig gewusst, wo sie mit der Geschichte und ihren Figuren eigentlich hin wollte. Alles fließt so in einem dahin, aber am Ende hatte die Geschichte gar keine Aussage für mich, kein Ergebnis. Die Autorin hat viel Potential liegen gelassen, weil sie sich nicht getraut hat, ihre Figuren wirklich weiterzuentwickeln, sich was zu trauen in der Handlung.


    "Der einzige Sinn, den etwas hat, ist der, den man ihm gibt."


    Fazit
    Anfangs war ich recht angetan von der Geschichte und dachte, das wird was richtig Gutes, aber leider hat mir gerade in der zweiten Hälfte dann einiges gefehlt. Zu wenig Neues passiert, zu wenig Charakterentwicklung und einer immer unsympathischer werdende Hauptfigur. Daher bleibt es letztlich ein "Kann man lesen, muss man aber nicht"-Buch für mich. Wer sehr daran interessiert ist, kann zugreifen, aber so richtig lohnen tun sich die 17€ meiner Meinung nach nicht. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: von mir.

  • Danke für deine tolle Rezi, Lighty!


    Bei mir steht das Buch ja schon weit oben auf der "Was ich als nächstes lesen möchte"-Liste. Allerdings gehe ich jetzt mit etwas weniger Vorfreude heran. Die weibliche Hauptperson klingt ja echt nervig. Mal sehen, wie sie auf mich so wirkt.


    Ich lese ja auch total gerne Bücher, in denen sich Schülerinnen in ihre Lehrer verknallen. Aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Bücher, die es heutzutage zu diesem Thema gibt, nicht mehr an die Bücher aus meiner Jugendzeit rankommen. KuschelRock-Romane ... Ging es da nicht auch um solche Themen? :love:

    "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
    Hape Kerkeling


    "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
    Bettina Belitz - Scherbenmond


    http://www.lektorat-sprachgefuehl.de

  • @gaensebluemche: Ich bin schon extrem gespannt auf deine Meinung zu dem Buch! Ich würde stark vermuten, dass dir die Hauptfigur mit der Zeit ebenfalls etwas auf die Nerven fällt, aber man weiß ja nie, vielleicht geht es dir auch anders.


    Finde es ebenfalls sehr schade, dass es einfach keine richtig guten Bücher mit der Thematik gibt. Irgendwie hat auch dieses nicht wirklich meinen Geschmack getroffen, obwohl ich die erste Hälfte durchaus mochte.

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