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Louise O'Neill - Du wolltest es doch / Asking for It

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Du wolltest es doch

4.1|7)

Verlag: Carlsen

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 368

ISBN: 9783551583864

Termin: Juli 2018

  • Produktvorstellung/Amazon.de:


    It's the beginning of the summer in a small town in Ireland. Emma O'Donovan is eighteen years old, beautiful, happy, confident.
    One night, there's a party. Everyone is there. All eyes are on Emma.
    The next morning, she wakes on the front porch of her house. She can't remember what happened, she doesn't know how she got there.
    She doesn't know why she's in pain.
    But everyone else does. Photographs taken at the party show, in explicit detail, what happened to Emma that night.
    But sometimes people don't want to believe what is right in front of them, especially when the truth concerns the town's heroes . . .


    Eigene Beurteilung/Eiogenzitat aus amazon.de:


    Wenn an den Titel dieses Romans in die Amazon-Suchmaske eingibt, dann bekommt man zwei SM-Romane (einen heterosexuellen und einen homosexuellen) und ein Sachbuch zum Thema dieses Romans, sowie diesen Roman selbst. Was zeigt, dass die Idee, dass bestimmte Leute es geradezu provozieren, dass ihnen sexuelle Gewalt angetan wird, leider immer noch ziemlich verbreitet ist.


    Emma O'Donovan gehört sicherlich zu den Leuten, den man so etwas nachsagen kann. Als Kind einer nicht so vermögenden Familie im Kreis der Reichen und Einflußreichen an ihrer Schule ist es ihre überragende Attraktivität, die sie hervorhebt. Und diese ist ihr wichtig, genau wie ihr sozialer Status, weswegen sie lügt, betrügt, stiehlt (vorwiegend teuere Kosmetikartikel), sich von ihren Mitschülerinnen herumkutschieren lässt und gleichzeitig nicht allzu selten auf Feten mit deren Freunden Sex hat. Für diese Feten zieht sie sich auch in der Regel überaus provokant an. Und stellt sicher, dass sie immer die Kontrolle behält.


    Bis sie auf einer Feier große Mengen Alkohol mit einer Pille unbekannten Inhalts mischt. Am nächsten Morgen wird sie vor ihrem Haus auf der Straße gefunden und kann sich an nichts mehr erinnern. Aber Facebook hat die Ereignisse der vorhergehenden Nacht parat und so muss Emma sich selbst sehen, wie sie von einigen Schulkameraden auf das Gröbste missbraucht und misshandelt wird. Plötzlich ist Emma wesentlich berühmter, als sie jemals sein wollte - und aus ganz fürchterlichen Gründen.


    Als sie die Vergewaltiger anklagt, beginnt ihr wirkliches Märtyrium, denn der Fall bekommt in Irland, wo nach Aussage der Autorin nur ein Prozent aller Vergewaltigungsanzeigen zu einer Verurteilung führen und wahrscheinlich nur fünf Prozent aller Vergewaltigungen überhaupt angezeigt werden. Die Jungs werden - auch in den Massenmedien - in Schutz genommen, während alle möglichen Leute versuchen, Emma die alleinige Schuld an den Ereignissen zuzuweisen. Und sie anklagen, die Leben der jungen, hoffnungsvollen Männer ruinieren zu wollen. Und auch in den sogenannten Sozialen Netzwerken gibt es zwar ein wenig Unterstützung für Emma, aber auch eine große Front von Hexenjägern, die sie am liebsten metaphorisch - oder real - brennen sehen wollen.


    Ein überaus wichtiges Buch, dass auf ausgiebiger Recherche der Autorin beruht, die sie im Nachwort noch näher erläutert. Es ist dabei besonders gelungen, dass Frau O'Neill keine unschuldige junge Dame nimmt, sondern eine, deren Charakter man schon durchaus fragwürdig finden kann - besonders, wenn man ihre Handlungen bis zu der fraglichen Feier betrachtet. Aus Emmas Sicht geschrieben, sehen wir hier eine eitle, oft gedankenlose, statusorientierte Egoistin, die ihre soziale Intelligenz und ihr überragendes Aussehen benutzt um ihr gesamtes Umfeld zu kontrollieren. Eigentlich zunächst eher eine Täterin, als ein Opfer. Und so auch schnell jemand, dem man vorwerfen könnte, nach einer so geplanten Nacht aus Scham auf einmal ihre Sexualpartner anzuklagen - eine Idee, die in Großbritannien im letzten Jahr zu sehr vielen Diskussionen geführt hat, die die Autorin mit zum Schreiben dieses Buchs inspiriert haben.


    Neben den Angriff auf die Gesellschaft, auf den Umgang des Irischen Strafrechts mit Vergewaltigungen und ihren Opfern und auf die "Boys-will-be-Boys"-Kultur, ist dieses Buch aber auch eine sehr nüchterne Betrachtung der Gefahren, die die modernen Medien - und die Massenmedien - für Vergewaltigungsopfer in so einem Zusammenhang darstellen können. Emma findet ihren Fall ständig in den Massenmedien, während sie in den sozialen Netzwerken mental geradezu zu Tode gehetzt werden soll. Cybermobbing in seiner schlimmsten Form.


    Ein sehr beunruhigender - und leider Gottes auch sehr glaubwürdiger - Roman, der zum zweiten Mal zeigt, dass Louise O'Neill eine hochintelligente Schriftstellerin ist, die hoffentich noch lange so gedankenanregende Bücher schreiben wird, wie ihr Erstes und dieses. :study::thumleft:

  • Klappentext:


    Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?



    DIESE REZENSION KÖNNTE SPOILER ENTHALTEN


    Eine sehr schwierige Rezension zu einem schwierigen Buch. Ich muss warnen, denn ich denke nicht, dass ich hier ohne SPOILER ausgekommen bin. Wenn ihr das Buch noch lesen wollt und euch sehr leicht gespoilert fühlt, dann lest hier nicht weiter.



    Ein sehr aufwühlendes Buch mit einer Geschichte, die nachdenklich macht und aufrüttelt. Von mir gibt es 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

    Gruß
    Yvonne

    Nicht die haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in den Schränken aufheben, sondern, die sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.
    (Erasmus von Rotterdam)

  • Das Original "Asking for it"

    Gruß
    Yvonne

    Nicht die haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in den Schränken aufheben, sondern, die sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.
    (Erasmus von Rotterdam)

  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Louise O'Neill - Asking for It“ zu „Louise O'Neill - Du wolltest es doch / Asking for It“ geändert.
  • Beiträge an den bereits bestehenden Thread angehängt. 8)

    Danke! Ich hatte geschaut, ob es bereits eine Rezension gibt, aber es wurde mir in der Suche nichts angezeigt.

    Gruß
    Yvonne

    Nicht die haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in den Schränken aufheben, sondern, die sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.
    (Erasmus von Rotterdam)

  • Ich gebe immer den Titel ein und da kommt nach wie vor nichts.

    Gruß
    Yvonne

    Nicht die haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in den Schränken aufheben, sondern, die sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.
    (Erasmus von Rotterdam)

  • "Du wolltest es doch" ist die Geschichte von Emma.

    Emma, die von jeher und von allen wegen ihres guten Aussehens bewundert und begehrt wird. Emma, die aus einer angesehenen Familie kommt. Emma, die in der Schule beliebt ist und auf jeder Party im Mittelpunkt steht.

    Emma, die ihre besten Freundinnen beklaut. Emma, die nur zum Schein zu jedem freundlich ist. Emma, die herablassend und fies ist, wenn es einmal nicht um sie geht. Emma, die jeden Mann bekommt, den sie will.

    Emma, die eines Tages aufwacht und Schuld an ihrer eigenen Vergewaltigung ist?


    Bei diesem Buch bin ich innerlich hin und her gerissen.

    Die Thematik ist aktueller denn je und könnte kaum wichtiger sein. Viel zu oft werden Vergewaltigungen, Missbrauch oder sexuelle Belästigung von den Opfern nicht zur Anzeige gebracht, weil in den Augen der Gesellschaft der Rock zu kurz oder der Alkoholpegel zu hoch war. Die Autorin zeigt mit diesem Buch die Mauern und Vorurteile auf, die noch immer in unserer Gesellschaft vorherrschen, und die neuen Gefahren, die durch die sozialen Netzwerke hinzu kommen und die Folgen für die Opfer sogar noch verschlimmern können.


    Im ersten Drittel, als man Emma und ihr Umfeld kennenlernt, war ich mehrmals kurz davor, das Buch abzubrechen. Emma ist eine Figur, die bei mir nicht mal einen Hauch von Sympathie geweckt hat und in die ich mich, obwohl ich es wirklich sehr versucht habe, überhaupt nicht einfühlen konnte. Einerseits ist es genau diese Antipathie, die im weiteren Verlauf der Geschichte so bedeutsam wird und das Buch zu etwas besonderem macht. Andererseits hat es die Autorin für mein Empfinden mit der Egozentrik Emmas etwas übertrieben, so dass Emmas Persönlichkeit für mich nicht nur schwer zu ertragen war, sondern auch ein Stück weit unglaubwürdig erschien.

    Nach diesem ersten Drittel war ich von der Handlung vollkommen gefesselt, schockiert und abgestoßen gleichermaßen. Doch auch, als Emmas Schicksal etwas in mir bewegte, konnte ich nichts als Mitleid für sie aufbringen.


    Die Handlung und Emmas Gefühle und Gedanken erschienen mir leider, leider sehr realistisch und ich finde es bemerkenswert, welchen Weg die Autorin hier gegangen ist. Am Verlauf der Handlung habe ich nichts zu kritisieren.

    Allerdings finde ich es sehr schade, dass die an sich schon schlimme Handlung - für mein Empfinden - aufgrund Emmas familiärem Umfeld noch unnötig dramatisiert wurde. Außer Brian (und vielleicht noch Colin) gab es keine Figur, die mir in dieser Geschichte sympathisch erschien. Auch wenn jedem klar sein sollte, dass es sich bei solch einer Thematik um ein düsteres, schweres Buch handelt, war es mir durch das fast gänzliche Fehlen eines Sympathieträgers für ein Jugendbuch etwas zu viel des Guten.


    Im Nachhinein erinnert mich diese Geschichte sehr an den Fall in Steubenville. Ich könnte mir vorstellen, dass die Autorin von diesem Fall inspiriert wurde.


    Fazit:

    Ein sehr wichtiges, aufrüttelndes, bewegendes, erschreckendes, trauriges und wütend machendes Buch. Keine leichte Kost und meiner Meinung nach nicht für Jugendliche unter 16 geeignet. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: Sterne.

    Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen. Kurt Tucholsky :wink:


  • Klappentext:

    Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?


    Autorin:

    Die Autorin Louise O'Neill hat Themen wie Feminismus, Body Shaming und Selbstbestimmung zu ihren Herzensanliegen erklärt und mit ihren Büchern international zahlreiche Preise gewonnen. Sie lebt und arbeitet in West Cork, Irland, hat eine wöchentliche Kolumne im Irish Examiner und ist ein häufiger Gast in Fernseh- und Radiosendungen.


    Allgemeines:

    Erscheinungsdatum: 25. Juli 2018

    Seitenanzahl: 368

    Verlag: Carlsen

    Originaltitel: Asking For It


    Eigene Meinung:

    Zu Beginn kam ich sehr schwer in das Buch rein. Man wird sofort zwischen Emma und ihre Freundinnen geschmissen und es fiel mir schwer, mir die Namen der ganzen Personen zu merken. Das gab sich zum Glück mit der Zeit. Die Dialoge der Clique drehen sich, wie vermutlich nicht anders zu erwarten, um Jungs, Sex und Partys. Zuerst dachte ich noch, dass dieses hier so ein typisches Jugendbuch wird und im Brei der Masse untergeht, doch das tat es keineswegs.

    Denn kurz vor der Hälfte hat mich das Buch gepackt, rüttelt es den Leser doch auch, animiert ihn zum Gedankenkino. Ist Emma selber schuld? Hätte sie sich anders anziehen, anders benehmen sollen, um diese Situation zu vermeiden? Oder ist dieses Verbrechen einfach unverzeihlich?

    Louise O’Neill rollt diese Thematik von verschiedenen Seiten auf und deckt verschiedene Szenarien ab. Sie zeigt das Leben von der Emma danach. Nach der Vergewaltigung, die keine war? Emma ist sich selbst nicht sicher, bis sie sich mit dem Thema auseinandersetzt, auseinandersetzen muss. was sie dann im Grunde auch zerstört.

    Der Druck der Familie, die Angst der Familie, der Termin vor Gericht, die Tatsache, dass sie in einem Dorf mit den Angeklagten wohnt… Das alles macht Emma zu schaffen und die Autorin verkauft das authentisch.

    Am Schluss beweist die Autorin Mut und überzeugt mich damit.


    Fazit: Kein einfaches Thema, das dieses Buch behandelt, allerdings von der Autorin, bis auf den etwas unglücklichen Beginn, grandios aufgenommen und überzeugend aufgearbeitet. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Aufgrund der aktuellen Stimmen wusste ich in etwa, was mit "Du wolltest es doch" auf mich zukommt. Ein schreckliches (bezogen auf das Thema, nicht auf das Buch an sich), aber gleichzeitig bewegendes Werk, das den Leser lange nach dem Beenden der Geschichte noch festhält und im Gedächtnis hängen bleibt. Solche Bücher liebe ich und deswegen habe ich mich sehr darauf gefreut, mein erstes Buch von Louise O'Neill zu lesen. Die Freude ist mir allerdings schnell vergangen – nicht, weil das Buch nicht gut war, sondern weil es jedem Mädchen und jeder Frau vor Augen führt, in welche Abgründe man geraten kann. Denn dies kann ganz schön erschreckend und zerstörerisch sein, was "Du wolltest es doch" meiner Meinung nach gut und eingehend erzählt.


    Es gibt einiges, was mir an dieser Geschichte gefallen hat, doch trotzdem kam ich mit dem Stil des Buches nicht zurecht. Ich bin zwar durch die Geschichte geflogen und wurde davon regelrecht mitgerissen, aber der besondere Stil in "Du wolltest es doch" hat mich persönlich nicht angesprochen. Beispielsweise wurden oftmals die Gedanken der Protagonistin in Klammern gesetzt, was meinen Lesefluss gestört hat. Ich hätte es lieber gesehen, wenn man dies mit kursiver Schrift gelöst hätte, so wie das in vielen anderen Büchern auch der Fall ist. Zudem gibt es ein paar Begriffe, die im Zusammenhang mit den Geschehnissen in dieser Nacht stehen und immer wieder genannt werden; bestimmt 20 Mal im gesamten Buch, was mich zunehmend genervt hat. Ich empfand das als gewöhnungsbedürftig und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob dies einfach der Stil der Autorin ist oder der des Buches.


    Ansonsten hat mir "Du wolltest es doch" gut gefallen, weil es eine starke, einnehmende Geschichte erzählt, die wohl keinen kalt lässt. Alleine die Vorstellung, das gleiche zu erleben wie die Protagonistin Emma, dass all das solche Auswirkungen auf mein Leben, meine Familie, meine Freunde und meine Stadt hat, hat mir eine nicht enden wollende Gänsehaut beschert. Meiner Meinung nach hat die Autorin die Geschichte, deren Handlung und die Konsequenzen authentisch dargestellt, ohne bei der Tat an sich ins Detail zu gehen oder diese prominent in den Vordergrund zu stellen. Natürlich muss es nicht bei jedem genauso laufen, aber es kann. Und welche Auswirkungen dies haben kann, beschreibt Louise O'Neill sehr eingängig, aber auch beklemmend, erschreckend und stellenweise kaum aushaltbar.


    Die Figur Emma steht dabei im Vordergrund und muss all das erleben, was dieser Roman in seiner Gesamtheit zu bieten hat. Schwierig war das für mich vor allen Dingen deshalb, weil ich am Anfang des Buches überhaupt nichts mit ihr anfangen konnte. Ich mochte ihre Art nicht, ihr Auftreten und ihr Verhalten ihren Freunden gegenüber empfand ich oft als respektlos und arrogant. Sie betont immer wieder ihre Schönheit und wie sehr die Jungs alle auf sie stehen, die behandelt ihre Freundinnen schlecht und hat auf mich eher den Eindruck einer verwöhnten Zicke gemacht und nicht wie eine liebende, einfühlsame Freundin, Schwester und Tochter. Das hat zwar bei weitem nicht dazu geführt, dass ich ihr gegönnt hätte, was da passiert ist, ich dachte, dass sie das alles verdient hat oder dass es ihre Schuld war, aber es hat mich ihr vorherigen Verhalten noch mehr in Frage stellen lassen. Trotz allem ist es einfach grausam, was ihr angetan wird und dass sie sich am Schluss dazu gezwungen sieht, so zu handeln, wie es das Ende des Buches erzählt.


    Ich habe gelesen, dass die Botschaft des Buches in vielen Rezensionen infrage gestellt wird. Ich kann dieses Hinterfragen nicht nachvollziehen und sehe die Moral der Geschichte auch nicht darin, dass man aufgeben sollte. Denn Emma hat bis zum Schluss gekämpft, für sich und für ihre Familie. Sie hat all das ausgehalten. Den Tratsch, die Medien, den Rückhalt der Stadt mit den Vergewaltigern. Emma wollte einfach wieder ein normales Leben, sich in den Alltag integrieren und hoffen, dass die Stadt, die Medien, die Menschen vergessen. Ich kann diesen Wunsch absolut nachvollziehen, denn nachdem, wie sich ihre Eltern verhalten haben und ihr Bruder von jetzt auf gleich einfach verschwunden ist, hatte Emma niemanden mehr. Natürlich ist die Botschaft eines Buches auch immer Interpretationssache. Deswegen lautet für mich die Moral des Buches nicht "Emma hat aufgegeben", sondern "Ohne Rückhalt, ohne Menschen in deinem Leben, die dich unterstützen und jeden Weg mit dir gehen, bist du nichts." Ich bin nämlich der Meinung, dass Emma mit einer stärkeren Familie und einem stärkeren Rückhalt diesen Schritt niemals getan hätte.


    Fazit

    "Du wolltest es doch" ist ein sehr aufwühlendes Buch, das definitiv nichts für schwache Nerven ist, mich aber sehr berühren konnte. Mir hat gefallen, dass die Autorin die Tat an sich gar nicht in den Vordergrund rückt, sondern deren Bewältigung und die Konsequenzen, sowie die offensichtliche Kritik an den Medien und sozialen Netzwerken. Louise O'Neill hat es in jedem Fall geschafft, bei mir mehrere innere Konflikte auszulösen und mich intensiv mit dem Thema und dem Buch zu beschäftigen. Bis auf kleine Schönheitsfehler ist "Du wolltest es doch" ein gutes Buch, das ich empfehlen kann, das aber definitiv kein Unterhaltungswerk für zwischendurch ist.

    Daher: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Das, was mir am meisten leidtut, ist, dass ich erst sterben musste, um zu verstehen, wie wunderbar das Leben sein kann."
    :study: Anne Freytag | Mein bester letzter Sommer | Seite 182

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