Sabine Weigand - Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche

  • Buchdetails

    Titel: Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche


    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 592

    ISBN: 9783596031849

    Termin: Januar 2017

  • Bewertung

    4.6 von 5 Sternen bei 18 Bewertungen

    92,8% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche"

    Sie ist die Königin des Mittelalters: Eleonore von Aquitanien, bewundert, verleumdet, legendenumwoben. 1137 heiratet Eleonore, die schönste Frau ihrer Zeit, den König von Frankreich. Doch die Ehe scheitert. Eleonore tut das Unerhörte: sie lässt sich scheiden. Während ihr Name überall in den Schmutz gezogen wird, heiratet sie erneut: Henry Plantagenet, den König von England. Mit ihm regiert sie, steht im Zenit ihrer Macht. Doch wie soll sie handeln, als Henry sie betrügt? Wird sie aus Rache ihre Söhne zur Rebellion anstacheln und alles aufs Spiel setzen – auch ihr eigenes Leben? Erfolgsautorin Sabine Weigand lässt Eleonore selbst ihr Leben erzählen, das größer ist als jeder Roman.
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  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
    Sie ist die Königin des Mittelalters: Eleonore von Aquitanien, bewundert, verleumdet, legendenumwoben.
    1137 heiratet Eleonore, die schönste Frau ihrer Zeit, den König von Frankreich. Doch die Ehe scheitert. Eleonore tut das Unerhörte: sie lässt sich scheiden. Während ihr Name überall in den Schmutz gezogen wird, heiratet sie erneut: Henry Plantagenet, den König von England. Mit ihm regiert sie, steht im Zenit ihrer Macht. Doch wie soll sie handeln, als Henry sie betrügt? Wird sie aus Rache ihre Söhne zur Rebellion anstacheln und alles aufs Spiel setzen – auch ihr eigenes Leben?
    Erfolgsautorin Sabine Weigand lässt Eleonore selbst ihr Leben erzählen, das größer ist als jeder Roman.


    Autorin (Quelle: Verlagsseite)
    Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist promovierte Historikerin und arbeitete als Ausstellungsplanerin für Museen. Historische Originaldokumente sind der Ausgangspunkt vieler ihrer Romane, wie ›Die Markgräfin‹, ›Das Perlenmedaillon‹, ›Die Königsdame‹, ›Die Seelen im Feuer‹ und ›Die silberne Burg‹. In ›Die Tore des Himmels‹ gestaltet sie das Leben der Hl. Elisabeth, in ›Das Buch der Königin‹ das Schicksal der deutschen Kaiserin Konstanze. Jetzt wendet sie sich einer ganz Europa prägenden Gestalt zu: ›Ich, Eleonore. Königin zweier Reiche‹.


    Allgemeines
    Erschienen als Hardcover am 20.08.2015 bei FISCHER Krüger, 592 Seiten
    Prolog, drei Hauptteile (Bücher) mit Kapiteleinteilung nach Ort und Zeit, bzw. Erzähler oder Quelle, Nachwort der Autorin mit bibliographischen Tipps
    Zusatzmaterial: Landkarten und Wappen im vorderen und hinteren Einband, erweiterter Familienstammbaum der Eleonore von Aquitanien, Personenverzeichnis, Glossar
    Erzählperspektiven: sowohl Erzählung in der dritten Person als auch Ich-Erzählung
    Handlungsort und -zeit: Rahmenerzählung: auf dem Weg von Kastilien nach Frankreich im Jahr 1200, Rückblickende Erzählung der Protagonistin: verschiedene Orte in Frankreich, England und auf dem Weg ins Heilige Land im Zeitraum von 1130 bis 1199


    Zum Inhalt
    Im Jahr 1200 begibt sich Eleonore /Aliénor von Aquitanien, ehemalige Königin von Frankreich und England, im Alter von 76 Jahren auf die mühsame und gefahrvolle Reise nach Kastilien, um eine ihrer Enkelinnen abzuholen und zu deren Hochzeit mit dem französischen Thronfolger Ludwig zu geleiten. Sie entscheidet sich für Blanca/Blanche, die ihrer Meinung nach der künftigen Aufgabe als Königin Frankreichs am besten gewachsen sein wird. Blanche interessiert sich sehr für ihre legendenumwitterte Großmutter und lässt sich während der langen Reise nach Bordeaux von dieser aus deren langem Leben erzählen.
    So gewinnt Blanche Einblicke in das wechselvolle Leben und die Psyche einer Frau, die Königin zweier Reiche, Mutter und Großmutter mehrerer Könige und Königinnen und eigenverantwortliche Regentin in ihrem Erbland Aquitanien war. Aliénor berichtet mit schonungsloser Ehrlichkeit von ihren beiden gescheiterten Ehen, dem komplizierten und von Rivalitäten bestimmten Familiengefüge, das im Aufstand ihrer Söhne gegen deren dominanten Vater Henry II gipfelte, sie erzählt vom Märtyrertod des Thomas Becket und sie lässt auch den Kreuzzug ins Heilige Land, der ihr den Ruf einer schamlosen Ehebrecherin einbrachte, nicht aus...


    Beurteilung
    Der Roman ist in drei "Bücher" gegliedert, die sich mit der Zeit bis zum Ende der Ehe mit Ludwig VII von Frankreich (1152), bis zum Scheitern der Ehe mit Henry II von England (ca 1173) und mit der Zeit von Aliénors Gefangenschaft bis zum Tod ihre Sohnes Richard I (Löwenherz) (1199) befassen. Die Rahmenhandlung spielt im Jahr 1200, die Kapitel sind mit den jeweiligen Reisestationen der beiden Frauen betitelt. Teilweise erzählt Aliénor ihrer Enkelin direkt aus ihrem Leben (Ich-Erzählung), es gibt jedoch auch sehr viele Abschnitte, in denen in Rückblenden das Geschehen der thematisierten Ereignisse als Erzählung in der dritten Person präsentiert wird. Dazwischen gibt es Kapitel, die aus der Sicht weiterer Personen (Aliénors Ehemänner und Kinder) geschildert werden oder aus zeitgenössischen Quellen zitiert sind. Diese unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Abschnitte fordert dem Leser einiges an Konzentration ab, hat aber auch den großen Vorteil, durch den Wechsel der Perspektiven ein vieldimensionales Bild der Romanfiguren zu zeichnen, das es erlaubt, sich eine eigene - nicht rein subjektive - Meinung zu bilden.
    Die Romanfiguren sind fast alle historische Persönlichkeiten, deren Leben die Autorin äußerst gründlich recherchiert hat. Im Nachwort gibt sie bibliographische Informationen zu den wichtigsten Biographien und zeitgenössischen Quellen (lateinische Chroniken), die sie zu Rate gezogen hat.
    Die Charakterisierung der Romanfiguren ist sehr gelungen, besonders beeindruckend ist es, wie authentisch Aliénor dargestellt wird: Sie ist zwar eine ehrgeizige und willensstarke Frau, die sich nicht ins weibliche Rollenbild ihrer Zeit pressen lassen will, aber sie ist ausdrücklich keine "Heldin des 21.Jahrhunderts vor historischer Kulisse", sondern bleibt in vielerlei Hinsicht eine der mittelalterlichen Denkweise und Weltsicht verhaftete Persönlichkeit.
    Der Erzählstil ist anschaulich, manchmal etwas derb und verleitet gerade durch Letzteres oft zum Schmunzeln. Wie schon in ihren Romanen über die Heilige Elisabeth von Thüringen und Konstanze von Sizilien versteht es Sabine Weigand erneut, in einem flüssigen, höchst unterhaltsamen Erzählstil komplexes historisches Wissen nahezu "nebenbei" zu vermitteln. Auch der Leser, der sich mit der Geschichte Englands und Frankreichs, bzw. der Persönlichkeit Aliénors bisher nicht beschäftigt hat, dürfte aufgrund des Zusatzmaterials keine Verständnisprobleme haben. Es wäre allerdings vorteilhaft gewesen, das umfangreiche Personenverzeichnis voranzustellen, statt es im Anhang unterzubringen.


    Fazit
    Ein (weiteres) großartiges Werk einer Autorin, deren Bücher nicht nur Liebhaber anspruchsvoller historischer Romane begeistern können, sondern auch auf der Lektüreliste von Geschichtsstudenten stehen sollten!
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ich danke dir für die hervorragende Rezi! :thumleft: Hoffentlich lässt sich unsere Bibliothek beim Anschaffen nicht zu viel Zeit. Besonders bestechend finde ich ja diese Aussage:

    Teilweise erzählt Aliénor ihrer Enkelin direkt aus ihrem Leben (Ich-Erzählung), es gibt jedoch auch sehr viele Abschnitte, in denen in Rückblenden das Geschehen der thematisierten Ereignisse als Erzählung in der dritten Person präsentiert wird. Dazwischen gibt es Kapitel, die aus der Sicht weiterer Personen (Aliénors Ehemänner und Kinder) geschildert werden oder aus zeitgenössischen Quellen zitiert sind. Diese unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Abschnitte fordert dem Leser einiges an Konzentration ab, hat aber auch den großen Vorteil, durch den Wechsel der Perspektiven ein vieldimensionales Bild der Romanfiguren zu zeichnen, das es erlaubt, sich eine eigene - nicht rein subjektive - Meinung zu bilden.

    Diese Vorgehensweise hat mir schon in Das Buch der Königin so gut gefallen. :applause:

    :jocolor: Verschwundene Reiche: Die Geschichte des vergessenen Europa // Norman Davies (Projekt)



    You cannot open a book without learning something. - Konfuzius

  • Diese Vorgehensweise hat mir schon in Das Buch der Königin so gut gefallen.

    Ich finde das auch sehr vorteilhaft. es macht das Lesen zwar anstrengend und man braucht länger für ein Buch, aber als Leser hat man nicht so einen eingeschränkten Horizont.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • So, gestern habe ich das Buch nun auch ausgelesen und fand es sehr gut. :thumleft:


    Die einzigen kleinen Wehrmutströpfchen waren für mich, dass man nicht mehr erfährt, was in dem Medallion ist, das Alíenor Blanca gegeben hat (sie hat ihr ja gesagt dass sie es erst in ihrer Hochzeitsnacht öffnen soll und dann wurde es nicht mehr erwähnt, oder habe ich da etwas überlesen? 8-[ ).


    Und ich fand es, gerade am Anfang, ziemlich irritierend dass beide Erzählstränge im Präsenz geschrieben wurden. Ich hätte es sehr viel logischer gefunden, wenn der Vergangenheits-Strag auch in der Vergangenheitsform gehalten wäre, denn Alíenor erzählt diese Geschichte ja schließlich später.


    Ansonsten ein großartiger, gut recherchierter historischer Schmöker und ein tolles, kurzweiliges Leseerlebnis. :applause:

  • Meine Ausflüge ins historische Genre sind selten geworden. Umso schöner, wenn man dann eine Perle erwischt. Aliénor lebte ein langes, ereignisreiches Leben, der umfangreiche Stoff kommt keineswegs trocken daher. Zum Großteil berichtet Aliénor selbst aus ihrem Leben, die Ehemänner und ihre Söhne kommen auch zu Wort. Hin und wieder werden erhaltene Quellen aus der damaligen Zeit eingebunden. So entsteht ein vielseitiges, rundes Bild. Der Autorin gelingt es wirklich vortrefflich, Aliénor authentisch darzustellen, dabei bleibt der Roman stets kurzweilig, ich hätte gern noch mehr gelesen.


    Fazit
    Ein sehr gutes Buch über eine interessante Frau :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Was für ein Wahnsinns-Buch! :pray: Die Autorin lässt ihre Figur so anschaulich und lebendig erzählen - es war so, als würde ich direkt neben Eleonore sitzen und mit ihr gemeinsam auf ihr bewegtes Leben zurückblicken. Gleichzeitig erzählt Frau Weigand sehr bildhaft über die damaligen Lebensumstände, das Reisen, den Alltag der Menschen und schafft ein großartiges Kopfkino. :thumleft: Mit Eleonore von Aquitanien habe ich außerdem eine faszinierende, lebensbejahende und starke historische Persönlichkeit neu für mich entdeckt. Von mir gibt es die vollen :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Ich liebe englische Geschichte. Und in diesem Zusammenhang kommt man um Eleonore von Aquitanien nicht herum. Sie war eine der einflussreichsten Frauen ihrer Epoche; gleichermaßen bewundert und verhasst. Um diese Frau ranken sich Mythen und Legenden; lebte sie doch in einer Zeit, in der Zurückhaltung und Unterordnung gegenüber dem Mann als höchste Werte gepriesen wurden. Da kann eine selbstbewusste Frau, die zudem ihre Meinung äußert und sich aktiv in der Politik beteiligt natürlich nur aus dem Rahmen fallen. So erklärt die Autorin auch im Nachwort des Buches, dass es nicht ganz einfach ist Lüge von Wahrheit zu trennen.


    Sabine Weigenad hat für mich mit ihrem Roman genau die richtige Mischung aus Fakt und Fiktion erschaffen. Indem sie Eleonore einen großteil ihrer Lebensgeschichte ihrer Enkelin erzählt, wurde diese für mich lebendig und unterhaltsam. Die wechselnden Abschnitte, in denen die Geschichte von anderen Personen fortführend erzählt wurde, haben sehr gut in das Gesamtbild gepasst und die Geschichte komplettiert. Besonders gut haben mir die Dialoge der Figuren untereinander gefallen. Egal ob Schmeicheleien, höfliches Taktieren oder Streits zwischen Eleonore und Henry II. - die Dialoge sind so gut ausgearbeitet, dass es sehr leicht vorstellbar ist, dass die Worte so gefallen sein könnten.


    Mir hat der Erzählstil unheimlich gut gefallen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Von mir gibt es dafür auch die volle Punktzahl! :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • €nigma s hervorragender Rezension ist nicht viel hinzuzufügen.:applause:

    Ich hab das Buch verschlungen und mich keine Sekunde gelangweilt. Ich fand es auch nicht im geringsten anstrengend, gehöre aber auch zu den Menschen, die mit vielen Personen und Namen in einer Geschichte kaum Schwierigkeiten haben. Erst recht nicht, wenn es sich wie hier um real existierende Personen handelt. Das Personenregister am Ende hab ich zu Beginn nur überflogen und mich dann auf die Geschichte eingelassen - eher hab ich den Stammbaum vorne im Buch genutzt, um mich zwischenzeitlich mal bei der Kinderschar zu orientieren. :lol:

    Den Aufbau finde ich hervorragend gewählt: Aliénor wird zur Haupterzählerin in Form der Erinnerung einer alten Dame, die diese an ihre Enkelin weitergibt. Durch die eingefügten Perspektivwechsel, die €nigma schon genannt hat, ergibt sich ein sehr rundes und buntes Bild der Königin sowie ihrer Familie und ihrer Umfelds. Dabei werden alle Personen lebendig mit allen Stärken und Schwächen gezeichnet, niemand ist nur gut oder böse oder stark oder schwach, sondern im Endeffekt eben menschlich.


    Was mich ein wenig gestört und letztlich zum Abzug eines halben Sterns bewegt hat, sind die öfter auftretenden "Rechenfehler" bezüglich Alter und Handlung.

    Ein Beispiel:

    auf Seite 284 (Taschenbuchausgabe) lautet der Titel "Barfleur, englische Küste, Westminster und London, November/Dezember 1153". Aliénor und Henry setzen nach England über zur Übernahme der Reiches und der Krone nach Stephans Tod. Aliénor ist hochschwanger mit ihrem zweiten Kind, das wenige Wochen später geboren wird. Aber Stephan starb im Oktober 1154, Henry II setzte Ende 1154 nach England über und Jung-Henry als sein zweiter Sohn wurde 1155 geboren. Das hätte die Autorin sogar in dem Stammbaum nachlesen können, den sie ihrem Roman vorangestellt hat. Sind Rechenfehler am Anfang zu Aliénors Kindheit noch leichter verzeihbar aufgrund des unsicheren Geburtsjahres der Königin (1122 oder 1124?), so sollte eine Historikern solche Fehler wie den hier zitierten nicht begehen. Das ärgert mich, denn es zeugt von Nachlässigkeit. Aber ansonsten hatte ich einfach viel Spaß beim Lesen. :loool:

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Charles Dickens - Hard Times

    :study: Neil MacGregor - Shakespeares ruhelose Welt


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