Oliver Hilmes - Herrin des Hügels

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  • Worum es geht
    Cosima wurde am 24. Dezember 1837 als uneheliche Tochter von Franz Liszt und der Gräfin Marie d'Agoult geboren. Mit Anerkennung der Vaterschaft wurden sie und ihre beiden Geschwister Blandine und Daniel dem Einfluss der Mutter gänzlich entzogen, und kamen unter die Obhut der Großmutter Anna Liszt. Später wurden sie von Gouvernanten erzogen und hatten kaum Kontakt zu ihren leiblichen Eltern.
    Bereits 1853 hatte Cosima Richard Wagner, einen Freund ihres Vaters kennengelernt, heiratete 1857 aber den Musiker Hans von Bülow, mit dem sie zwei Töchter hatte. 1863 begann die Affaire zwischen Cosima und Richard. Noch während der bestehenden Ehe mit Bülow gebar sie Wagner drei Kinder, Isolde, Eva und Siegfried. Cosima hatte ihren Mann zwar 1867 verlassen, die Ehe wurde aber erst im Juli 1870 geschieden. Bereits ein Monat später heiratete sie Richard Wagner und organisierte in enger Zusammenarbeit mit ihm die Bayreuther Festspiele. Nach dessen Tod im Jahre 1883 übernahm sie die Festspielleitung, die sie 1908 aus gesundheitlichen Gründen an ihren Sohn Siegfried übertrug. Cosima blieb dennoch zeitlebens das anerkannte Familienoberhaupt. Ihre letzten Lebensjahre wurden von Familienzwistigkeiten mit ihrer Tochter Isolde überschattet. Cosima Wagner starb hochbetagt am 1. April 1930.


    Wie es mir gefallen hat
    Meine Wahl ist aus mehreren Gründen auf dieses Hörbuch gefallen. Einerseits war mir der Name Cosima Wagner durchaus bekannt, und ich wollte gerne mehr über das Leben dieser Frau wissen, deren schönes, ausdrucksstarkes Gesicht auf dem Cover auf eine interessante Persönlichkeit schließen ließ; andererseits ist mir der Name des Autors als hervorragendem Biografen in allerbester Erinnerung geblieben, und in dieser Hinsicht hat das Buch meine Erwartungen voll und ganz erfüllt. Weit weniger angetan bin ich hingegen von den Charaktereigenschaften der Cosima Wagner, wobei die Gründe nicht in ihrem für die Zeit recht unkonventionellen Lebenswandel liegen, sondern eher in einer gewissen Hartherzigkeit. Die Ursachen dafür mögen wohl in Cosimas Kindheit zu finden sein, blieb ihr doch das Heranwachsen in der Geborgenheit eines liebevollen Elternhauses versagt. Dass sie ihren sterbenden Vater allerdings derart unsensibel behandelte, fand ich geradezu empörend. Mit den Möglichkeiten, die ihr zur Verfügung standen, hätte sie ihm die beste ärztliche und pflegerische Betreuung zukommen lassen können, sodass ihr Verhalten in keiner Weise zu rechtfertigen ist. Wenig beeindruckt hat mich außerdem der Eigensinn, mit dem die "Meisterin" jede Veränderung bei den Festspielen blockierte, ihre fast schon religiöse Verehrung des verstorbenen Ehemannes, und nicht zuletzt der Umgang mit ihrer Tochter Isolde.
    Großartige Arbeit hat einmal mehr Oliver Hilmes mit seiner akribischen Recherche und seinem Bemühen um Objektivität geleistet. Vortrefflich ist es ihm gelungen, dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit, deren Lebensmittelpunkt Richard Wagner und sein Werk war, in all ihren Facetten gerecht zu werden.
    Am Ende der Lektüre habe ich beeindruckt festgestellt, dass sich der Lebensbogen der Cosima Wagner (die dasselbe Geburtsdatum wie die österreichische Kaiserin Elisabeth hat) von den Verhandlungen über finanzielle Belange mit dem bayrischen Märchenkönig Ludwig II. bis in die Anfangszeit der politischen Tätigkeit Adolf Hitlers spannte.
    Elke Heidenreich hat mit sehr angenehmer Stimme vorgetragen, und ich bin dem Lebensweg der Protagonistin mit Spannung und Anteilnahme gefolgt. Für dieses Hörerlebnis vergebe ich somit gerne die volle Punktezahl.

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