Gunnar Gunnarsson - Die goldene Gegenwart

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  • Zwei Erzählungen


    Original : Dänisch, 1934
    Übersetzung : Helmut de Boor


    Die goldene Gegenwart (15 S)
    Der Ich-Erzähler war daheim in Island bei seinem Vater gewesen und ist nun auf dem Rückweg in die Fremde (Dänemark?). Mit einem Führer und fünf Pferden stossen sie auf ermüdendem Ritt erst spät in der dritten Nacht auf einen Hof, der sie offen und gastfreundlich für die Nacht aufnimmt. Und am Morgen sind die Leute beim Aufstehen der Reisenden schon dabei, den Sattel zu reparieren und die Pferde neu zu beschlagen. Und der dortige Großvater erkennt in ihm den Großneffen eines ihm bekannten Mannes. Der Reisende hält inne, schaut auf diese Menschen, denen er wohl nie mehr begegnen, und auf dieses Tal, das er wohl nie wiedersehen wird. Zeitlosigkeit, Vertrautheit bei aller Neuigkeit, Dankbarkeit, ja fast ein meditatives Betrachten prägen diese Stunden : Zufriedenheit und ein In-Eins-Fallen mit dem gegenwärtigen Augenblick...


    Der freie Tag (34 S)
    In von mir bislang bei Gunnarsson ungelesener Art fängt diese Erzählung höchst selbstironisch und lustig an : Der Ich-Erzähler bekennt seine Tendenzen zum Weltverbesserer, der ab und zu einen Rappel kriegt und die Welt retten und seine Weisheit verkünden will. Bis die gefundenen Gastbetten zu sehr auf den Wecker gehen ? Kurz : auf einer seiner Reisen hat er einen freien Tag und um seinen Gastgebern zu entkommen, schiebt er ein Treffen mit Bekannten in der Gegend vor. Es gibt sie tatsächlich : seine ehemalige Geliebte Lisbeth von vor zwanzig Jahren… Wird er sie nun besuchen oder nicht ? Und was ist wohl aus ihr geworden ? Warum wurde nichts aus dem Paar ? Die Sprache und der Stil werden nachdenklicher und melancholischer. Die Geschichte ist in Dänemark angesiedelt.


    Was mir und vielleicht vielen heutigen Lesern bei Gunnarsson auffällt oder auffallen könnte ist diese wunderbare Sprache voller Einfachheit. Und sie strahlt bei allen Fragen oder gar Scheitern eine gewisse Ruhe aus, die wir so selten im heutigen Sprachstil wiederfinden. Sicherlich liegt das auch am Talent des Übersetzers Helmut de Boor !


    Nach mehreren eher langen Werken des Autors stieß ich hier also auf kürzere Stücke. Sie gefielen mir sehr und könnten manchem eine Idee in die Schreib- und Gedankenwelt des Autors geben, der doch oft heimlich als möglicher Nobelpreisträger gehandelt wurde.


    Obacht : die hier verlinkte Ausgabe ist schon einige Jahrzehnte alt und in Frakturschrift. Aber man gewöhnt sich schnell daran ! Schade, dass man Gunnarsson keinen gehörigen Platz in der Herausgeberlandschaft heutzutage schenken will. Ist das wirklich zu « alt », oder zuviel verlangt von heutigen Lesern ?


    Ich meine nicht.


    AUTOR :
    Der isländische Schriftsteller Gunnar Gunnarsson wurde 1889 im Fljótsdalur in Ostisland geboren und wuchs dort als Sohn eines armen Bauern auf dem Hof Valþjófsstaður auf. Als er acht Jahre alt war, starb seine Mutter. Er besuchte nur die einfach Volksschule und besuchte ab dem achtzehnten Lebensjahr für zwei Jahre die Volkshochschule in Jütland, Dänemark. Hier lernte er auch Franzisca Jörgensen kennen, die er 1912 heiratete.


    In Dänemark versuchte er auch sein Glück als Schriftsteller. So erschien 1912 sein Roman « Ormarr Ørlygsson », der der erste Teil einer Tetralogie wurde, die in Deutschland unter dem Titel « Die Leute auf Borg » erschien und bereits 1919 als erster isländischer Roman überhaupt verfilmt wurde. Diese Romane machten ihn berühmt, so dass nun in rascher Folge weitere Romane von ihm erschienen, die seinen Ruhm festigten und ihn über Skandinavien hinaus bekannt machten.


    In Deutschland begann sein Ruhm mit « Salige er de enfoldige » (dt. Der Hass des Pall Einarsson) von 1921. 1926 ging er zurück nach Island, wo er sich zunächst in Ljótsstaðir bei Vopnafjörður niederließ. 1938 kaufte er den Hof Skriðuklaustur in der Nähe seines Elternhauses. Dieser Hof ist heute ein Museum über Gunnarsson.


    Im Jahr 1948 zog er nach Reykjavík, wo er begann, seine Bücher, die er bislang in Dänisch geschrieben hatte, ins Isländische zu übersetzen. Seine letzten drei Romane, die alle nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, schrieb er erstmals original auf isländisch. Der letzte erschien 1955, in diesem Jahr war er auch für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Normalerweise werden die Nominierten nicht bekannt gegeben, aber es kam inzwischen heraus, das er zu diesem Zeitpunkt bereits zum dritten Mal vorgeschlagen war. Gunnarsson gilt neben Halldor Laxness als grösster Romanautor Islands im 20. Jahrhundert.


    Gunnar Gunnarsson starb 1975 in Reykjavík, ein Jahr später seine Frau. Sie wurden auf Viðey beigesetzt, einer kleinen Insel im Westen Islands. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
    (Quelle siehe : http://www.histo-couch.de/gunnar-gunnarsson.html ; ausführlicher Artikel auf Englisch auch hier : http://en.wikipedia.org/wiki/Gunnar_Gunnarsson )



    Broschiert: 51 Seiten
    Verlag: München, Albert Langen-Georg Müller Verlag, 1942 (1942)
    ASIN: B0028F47RC

    1. (Ø)

      Verlag: München, Albert Langen-Georg Müller Verlag, 1942


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