Amber Kizer - Mein Leben für deins / Pieces of me

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    Organspende: ein wichtiges und umstrittenes Thema, über das sich viele Kinder und Jugendliche vielleicht noch gar keine Gedanken machen, verständlicherweise - schließlich scheint der eigene Tod noch eine Ewigkeit entfernt zu sein! Dabei werden gerade Organe, Knochen und Gewebe junger Menschen dringend benötigt, um schwerstkranken Kindern eine zweite Chance im Leben zu verschaffen. Und so kommt es, dass Eltern plötzlich durch Unfälle verstorbener Kinder mitten in dieser schrecklichen Situation die schwere Entscheidung treffen müssen, ob sie deren Organe spenden wollen.


    So auch die Eltern von Jessica, die jäh aus dem Leben gerissen wird. Jessica selbst, die über ihrem Körper schwebt und alles beobachtet, ist entsetzt, als sie sich dafür entscheiden, ihre Organe zu spenden! Aber schnell stellt sie fest, dass sie gerade dadurch die Chance erhält, im Tod Dinge zu erleben, die sie im Leben nicht mehr erfahren hat. Denn sie ist nun verbunden mit den vier Jugendlichen, die ihre Organe in sich tragen. Sie sieht, was sie sehen, fühlt, was sie fühlen.


    Mir hat sehr gut gefallen, wie originell die Autorin mit diesem wichtigen Thema umgeht! Sie lässt Jessica selber ihre Geschichte erzählen, oft mit trockenem Humor. Besonders gut fand ich, dass sie dabei zwar die Gefühle aller Charaktere behutsam und eindringlich schildert, aber nicht übertrieben auf die Tränendrüse drückt. Sie bietet auch keine einfachen Lösungen an - das Thema Religion wird zwar immer wieder angeschnitten, aber sie überlässt es dem Leser, was er glauben will.


    Die fünf Jugendlichen, um die sich die Geschichte dreht, waren mir sehr sympathisch und ich habe schnell mit ihnen mitgefühlt.


    Jessica, die im Leben immer das Gefühl hatte, nur eine Enttäuschung für ihre Mutter zu sein, und die nie wirklich die Chance bekommen hat, ihr Leben aus vollen Zügen zu leben. Aber nun hat sie direkt vier Chancen auf ein erfülltes Leben!


    Samuel, der einen Großteil seiner Kindheit im Krankenhaus an der Dialyse verbracht hat, und der auf seiner Webseite Wunder sammelt. Er hat einen tiefen, unerschütterlichen Glauben an Gott, ist dabei aber offen für alle Religionen. Durch ihn wird das Thema Glaube immer wieder angesprochen.


    Vivian, die alles in der Welt in Farben sieht, auch Gefühle. Sie ist eine begnadete Künstlerin und leidet an einer grausamen Krankheit, die auch durch die Organspende noch nicht besiegt ist. Deshalb muss sie erst lernen, das Wagnis einzugehen, an eine Zukunft zu glauben.


    Leif, der von seinen Eltern von klein auf zum Supersportler gedrillt wurde, und der durch einen Unfall plötzlich vor den Scherben dieses Lebens steht. Für seine Eltern ist es eine Katastrophe, aber für ihn wird es auch zur Chance, denn das erste Mal denkt er wirklich darüber nach, was er eigentlich vom Leben will.


    Misty, deren Eltern kaum genug Geld zum Leben haben. Durch die Organspende, die danach nötige ärztliche Betreuung und die vielen Medikamente, die sie nehmen muss, sammeln sich enorme Rechnungen an - die die Familie nicht zahlen kann. Deswegen fühlt sie sich schuldig, überlebt zu haben.


    Samuel, Vivian, Leif und Misty bekommen nach der Organspende nicht gesagt, wer der Spender war und wer die anderen Organe bekommen hat. Aber das Leben, das Schicksal, wie immer man es nennen will, führt sie zusammen.


    Rührend fand ich die zarten Gefühle, die sich zwischen Samuel und Misty, Leif und Vivian entwickeln. Dabei ist auch das ein durchaus ernstes Thema: darf man lieben, wenn man weiß, dass man jederzeit sterben könnte?


    "Mein Leben für deins" ist kein Buch mit rasanter Action oder für die Fingernägel fataler Hochspannung. Aber ich fand es auf seine ruhige Art durchaus sehr packend, lohnend, emotional und auch unterhaltsam.


    Der Schreibstil ist eher einfach, aber gerade dadurch auch für junge Leser gut geeignet. In meinen Augen ist er sehr schön und angenehm, und genau richtig für diese Geschichte!


    Sehr gut fand ich, dass sie Autorin am Ende des Buches noch einmal detailliert erklärt, weswegen die vier Jugendlichen eine Organspende brauchten, und was es bedeutet, mit deren Krankheiten zu leben.


    Fazit:
    Ein wichtiges, trauriges und zugleich hoffnungsvolles Thema: Organspende bei Jugendlichen. Die Autorin verpackt dieses Thema in eine zart anrührende Geschichte, die sich um fünf wunderbare Jugendliche dreht: Jessica, die jäh aus dem Leben gerissen wurde, und Samual, Vivian, Leif und Misty, die ihre Organe bekommen haben und dadurch erst ihr Leben weiterleben konnten.


    Für mich ist "Mein Leben für deins" ein ganz wunderbares Buch, das den Leser auf eine emotionale Reise schickt.

  • Aktuelles Thema top aufbereitet für Jugendliche: berührend, authentisch, nah


    Klappentext


    „Ein schrecklicher Autounfall setzt Jessica Chains Leben ein Ende. Und doch lebt sie weiter, denn ihre Eltern entscheiden sich, ihre Organe zu spenden. An Samuel, Vivian, Leif und Misty. Vier Teenager, vier Schicksale voller Schmerzen, Ängste, Einsamkeit und Hoffnung – und über allen schwebt Jessica, begleitet und beobachtet sie: ‚Mein Leben hatte eine Bedeutung, aber nicht, als ich noch lebendig war, sondern erst durch meinen Tod …‘ “



    Gestaltung


    Das Coverbild passt perfekt zur Geschichte! Man sieht vor einem wolkigen Himmel und der strahlenden Sonne ein Mädchen mit einem Schirm in einem giftgrünen Kleid. Sie scheint zu versuchen die Balance zu halten, da sie auf den Buchstaben des Titels steht. Da die Protagonistin in „Mein Leben für deins“ tot ist und als Geist umherwandert, passt das Himmelsetting natürlich wie die Faust aufs Auge. Aber auch ihr Balanceakt auf dem Titel stellt sehr schön den schmalen Grad dar, auf dem wir Menschen unser Leben lang balancieren. Wann wird unser Leben bedeutsam? Wie gestalten wir es sinnvoll? Jeder Mensch versucht neben seinen Problemen zu leben, seinen Weg zu beschreiten und tritt dabei auch manchmal daneben. Mir gefällt das Cover jedenfalls sehr gut, da ich nach der Lektüre Bezüge zwischen Inhalt und Gestaltung ziehen konnte.



    Meine Meinung


    „Mein Leben für deins“ hat schon früh meine Aufmerksamkeit geweckt. Nicht etwa durch die Gestaltung oder dadurch, dass mir die englische Originalausgabe ein Begriff war. Nein, mich hat sofort der Klappentext in seinen Bann gezogen. Ich war fasziniert von dem Gedanken, dass vier Teenager Organe gespendet bekommen und dabei von dem jungen Mädchen als Geist beobachtet werden. Vor allem sind in meinem Kopf sofort so viele verschiedene Ideen und Möglichkeiten zu diesem Grundgerüst umher gesprudelt, dass ich einfach wissen wollte, wie die Autorin ihre Grundidee umgesetzt hat und was sie sich ausgedacht hat. Ich war gespannt, herauszufinden, ob ich Teile von meinen Ideen wieder finden würde oder ob ich komplett überrascht werden würde.



    In Amber Kizers Roman geht es vorrangig um das sehr aktuelle Thema der Organspende, welches auch immer wieder in den Medien thematisiert wird. Daher finde ich es schön, dass sich nun auch die Jugendliteratur mit diesem Aspekt beschäftigt. Durch einen Roman wird ein ganz anderer Zugang zu den jungen Menschen geschaffen als durch (für Jugendliche oftmals öde) Nachrichtensendungen. So wird vielleicht eher ein Band zwischen den Teenagern und der Thematik geschaffen. Im Roman kommt die Bedeutsamkeit von Spenden sehr gut zur Geltung, da es hier gleich vier Jugendliche sind, die auf ein lebensrettendes Organ warten und denen geholfen werden kann.



    Protagonistin Jessica stirbt bei einem Autounfall und ihre Eltern entscheiden sich dazu, die Organe zu spenden. So hilft Jessicas Tod Vivian, Samuel, Leif und Misty dabei weiter zu leben, da jeder durch die Spenderorgane völlig neue Chancen bekommt. Dabei ist Jessica als Geist anwesend, um zu verfolgen, ob die vier Jugendlichen ihre neuen Möglichkeiten auch entsprechend nutzen.



    Die Autorin lässt den Leser (gemeinsam mit Jessica) die vier Organempfänger nach und nach kennen lernen. Hatte ich zunächst noch erwartet, dass sich im Verlauf der Geschichte alle vier kennen lernen würden, so stellte sich heraus, dass sich jeweils zwei Figuren kennen bzw. kennen lernen. Die Figuren fand ich dabei sehr berührend, da sie alle entweder aufgrund ihrer Krankheit oder äußerer Begebenheiten schwere Lasten zu tragen haben, die sie in ihrem Charakter beeinflussen. So wäre Misty zum Beispiel lieber gewesen, sie wäre gestorben, um ihrer Familie keine Geldsorgen mehr zu bescheren. Vivian hingegen hatte die Hoffnung auf ein Leben schon komplett aufgegeben. Und auch die beiden Jungs versuchen nach der Organspende ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Der einzige kleine Kritikpunkt ist in diesem Zusammenhang der, dass die Orte und handelnden Personen durch vier Figuren recht häufig wechseln und dass man da einen klaren Kopf behalten muss, um den Überblick nicht zu verlieren.



    „Mein Leben für deins“ beschäftigt sich mit dem Leben junger Menschen, die nicht wie in den „Highschool-Jugendromanen“ ein normales Leben hinter oder vor sich haben. Hier erwartet uns Leser nicht einfach nur das altbekannte Leben alltäglicher Jugendlicher, sonderndie Bedeutsamkeit und Schwere der Situation ist greifbar. Es geht um das Leben, wie es nach großer Hoffnungslosigkeit sein kann. Um Chancen, mit denen niemand mehr gerechnet hat. Das Leben trägt für die vier Jugendlichen eigentlich viel mehr Bedeutung als für gesunde Teenager. Sein Wert wird in diesem Roman zum unterschwelligen Thema und berührt die Herzen seiner Leser.



    Fazit


    Amber Kizer hat mit „Mein Leben für deins“ einen berührend aufrührenden Roman über den Wert und Sinn des Lebens geschrieben. Mit dem wichtigen Thema der Organspende greift sie eine Materie auf, die immer wieder aktuell ist. Die Autorin verpackt dies geschickt in einem Jugendroman, der somit auch jungen Menschen einen leichten, empathischen Zugang zu diesem Thema ermöglicht. Ich habe es sehr genossen diesen Roman zu lesen, da er trotz des ernsten, nachdenklich stimmendem Zusammenhangs leicht und locker ist.


    4 von 5 Sternen!



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