Lea-Christin Schreiber: 25 dag Wahnsinn bitte. aber hauchdünn geschnitten!

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  • Das Buch handelt vom Alltag einer Verkäuferin in der Feinkost-Bedienabteilung eines österreichischen Supermarktes. Obwohl sie ihren Beruf und den Umgang mit Menschen liebt, hat sie an den Umgangsformen und Verhaltensweisen von manchen Kunden (und auch einigen Kollegen/ Kolleginnen) zu knabbern. In lockerer (böse Zungen würden sagen: unstrukturierter) Tagebuchform erzählt die Autorin ausgefallene Episoden, die sie bei ihrer Tätigkeit im Einzelhandel erlebt hat. Manchmal etwas augenzwinkernd ironisch, manchmal in ihrer Verzweiflung schon böse sarkastisch. Dabei sind die Anekdoten aber nicht durchweg negativ, auch Erfolgserlebnisse werden zum Besten gegeben.
    Da ich die Autorin persönlich kenne, bin ich möglicherweise etwas voreingenommen, versuche aber objektiv zu sein. Das Buch hat mir insofern gut gefallen, dass ich (zufälligerweise ebenfalls im Einzelhandel tätig) viele Situationen aus meinen eigenen Erfahrungen wiedererkannt habe und den Standpunkt nachvollziehen kann. Natürlich ist es Berufsrisiko, dass es Menschen gibt, die ihr schlechtes Benehmen mit "Der Kunde ist König" rechtfertigen und dass die Dummheit sich gerne in den Vordergrund spielt, wissen wir schon lange aus dem Nachmittagsprogramm von RTL2 & Konsorten, aber man merkt an einigen Stellen, wie erleichternd es ist sich von der Seele zu schreiben, was man sonst nur denken, sich aber nicht anmerken lassen darf. Frau Schreiber appelliert an den gesunden Menschenverstand und wünscht sich nicht mehr, als ein respektvolles Miteinander.
    Das Buch ist umgangssprachlich geschrieben und lässt sich flüssig lesen, allerdings sind einige österreichische Ausdrücke enthalten (wie die schon im Titel verwendete Gewichtseinheit dag), die sich zwar aus dem Zusammenhang erklären, den Nicht-Österreicher aber hier und da stutzen lassen. Man mag gelegentliche Wiederholungen bei der Schilderung von Alltagssituationen und den etwas willkürlichen Aufbau bemängeln, doch für ein Erstlingswerk (noch dazu ohne lektorische Betreuung) ist das Ergebnis, meiner Meinung nach, recht kurzweilig geraten.
    Das Buch, auf dem Cover unpassenderweise als "Roman" ausgewiesen, wird vermutlich eher Lesern gefallen, die selber im Dienstleistungsgewerbe arbeiten.

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