Joan Lindsay - Picknick am Valentinstag/Picnic at Hanging Rock

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  • Am Valentinstag des Jahres 1900 bricht ein Grüppchen von Schülerinnen und Lehrerinnen des Appleyard College, einem kleinen Pensionat, zu einem Picknick in der Nähe des Hanging Rock auf. Diese bizarre Felsformation ist ein beliebtes Ausflugsziel, gilt aber als gefährlich zu besteigen. Trotzdem wagen ein paar Mädchen den Aufstieg - und verschwinden spurlos. Die letzten, die sie lebend gesehen haben, sind der junge, wohlhabende Engländer Michael und sein Kutscher Albert, die von ihrem Picknickplatz aus zuschauten, wie die jungen Damen ausgelassen über den Bach sprangen.


    Im Pensionat herrscht natürlich helle Aufregung. Man spekuliert, mutmaßt, trauert, nichts ist mehr wie zuvor. Ganz besonders die Schulleiterin bekommt das zu spüren, da immer mehr Eltern ihre Töchter von der Schule nehmen wollen, als auch nach Wochen und Monaten der Fall nicht aufgeklärt werden kann. Und auch Michael und Albert lässt das rätselhafte Verschwinden der jungen Damen keine Ruhe. Auf eigene Faust versuchen sie, die Wahrheit herauszufinden, doch auch sie stoßen dabei auf Schwierigkeiten.


    Joan Lindsay versteht etwas von Atmosphäre - und wie! Die Gluthitze eines australischen Sommertages, die einschnürenden Kleider und die Konventionen, die es selbst bei einem ausgelassenen Ausflug zu wahren gilt, die lange Kutschfahrt auf der staubigen Straße, das Geschnatter der Mädchen und die Stimmung in der Schule selbst, einem hässlichen, überladenen viktorianischen Gebäude, all das beschreibt sie in relativ knapper Form, aber dennoch ungemein plastisch. Die erste Hälfte des Buches hat mir darum auch sehr gut gefallen, weil ich alles fast wie einen Film vor mir sehen konnte.


    Dann geschehen weitere merkwürdige, oft dramatische Dinge, teils auch mit übersinnlichem Touch, und irgendwann war ich mir nicht mehr sicher, ob das Buch nun ein Mysteryroman oder eher eine Art ruhiger Krimi werden soll. Die Auflösung hat mich dann am Ende auch nicht zufriedengestellt. Ich frage mich, ob ich etwas überlesen habe oder ob da wirklich einige Fäden in der Luft hängenbleiben. Was mich manchmal zusätzlich verwirrt hat, waren die nahtlos ineinanderfließenden Erzählperspektiven, aber das kann auch an meiner Ausgabe gelegen haben. Da hätte ich mir eine klarere Gliederung gewünscht.


    Jetzt bin ich aber auf jeden Fall neugierig auf den Film geworden. Vielleicht verstehe ich das Ende ja dort besser.

  • Jetzt bin ich aber auf jeden Fall neugierig auf den Film geworden


    Oh, ich wusste gar nicht, dass das eine Buchverfilmung war. :pale: Den Film fand ich absolut großartig und teilweise richtig gruselig obwohl sich vieles bei strahlendem Sonnenschein abspielt. Er hatte auf mich, vor allem im Zusammenspiel mit der Musik, eine richtig hypnotische Wirkung. Viel Spaß damit. :thumleft:

    :study: Elli H. Radinger - Der Wolf am Fenster

    :study: 2021 gelesen: 42 :study: SUB: 331

  • Die Auflösung hat mich dann am Ende auch nicht zufriedengestellt.


    Das Buch habe ich nicht gelesen, aber den Film vor einigen Jahren gesehen. Bis heute rätsele ich über das Ende ... :scratch:


    Dass der Film auf einer Buchvorlage beruht, wusste ich nicht. Ich habe sofort nachgesehen, ob meine Bücherei es besitzt. Und schon steht es auf meiner Merkliste (neben ca. 50 andern).

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Wenn Ihr so schwärmt, rückt der Film noch weiter auf meiner Wunschliste nach oben. Das Buch habe ich übrigens nicht als übermäßig gruselig empfunden. Eher spannend und mysteriös als wirklich schaurig.

  • Ich kenne auch nur den Film. Beruht die Geschichte eigentlich auf einer wahren Begebenheit?

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ich kenne auch nur den Film. Beruht die Geschichte eigentlich auf einer wahren Begebenheit?

    Ich meine doch, ja. Nur eine Lösung des Rätsels gibt es nicht. Film und Buch gehen da anscheinend ja andere Wege und bieten was anderes an, wobei der Film alles eher im Ungewissen lässt.

    Jiménez "Platero und ich" (49/415)


    Jahresbeste: Lorenzen (2021), Jansson (2020), Lieberman (2019), Ferris (2018), Cather (2017), Tomine (2016), Raymond (2015), Agee (2014), Kesey (2013), Nisbet & Ford (2012) :king:

    Gelesen: 170 (2021), 161 (2020), 127 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Mullen "Darktown" (12.11.)


  • Das Buch habe ich nicht gelesen, aber den Film vor einigen Jahren gesehen. Bis heute rätsele ich über das Ende ... :scratch:

    Du auch? Das beruhigt mich jetzt :) - ich hab den Film auch als spannend mit sehr dichter Atmosphäre in Erinnerung, das Buch kenn ich allerdings auch noch nicht.

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Stephan Thome - Pflaumenregen MLR


  • ich hab den Film auch als spannend mit sehr dichter Atmosphäre in Erinnerung


    Ich auch, aber ich weiß auch noch, dass das Ende mich missvergnügt hat, da ich klare Aussagen schätze. :wink:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998


  • Ich auch, aber ich weiß auch noch, dass das Ende mich missvergnügt hat, da ich klare Aussagen schätze. :wink:


    Genau so ging es mir mit dem Buch auch.


    Ich habe mir gerade mal den englischen Wikipedia-Artikel zu Gemüte geführt. Demnach beruht das Buch nicht auf Tatsachen, auch wenn es sich streckenweise danach anhört.

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