A​lek Popov - Mission: London/Misiya London/Мисия Лондон

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  • Alek Popovs Roman „Mission: London“ ist ein mit geschliffenen literarischen Instrumenten geschriebener Slapstick-Roman über die allmächtige Bürokratie, über das, was Behörden aus Menschen machen und welche Menschen Behörden brauchen um zu funktionieren. Der Roman kommt urkomisch daher und hinterlässt doch einen bitter-traurigen Nachgeschmack.


    Die bulgarische Botschaft in London ist schon seit einiger Zeit ohne Leitung. Die Auswahl eines neuen Botschafters hat sich hingezogen in Sofia, wohl auch verursacht durch die bevorstehenden Verhandlungen über einen baldigen Beitritt des postkommunistischen Bulgarien in die EU. Während dieser Botschaftervakanz ist in der Botschaft der Schlendrian eingekehrt, den alle noch verbliebenen Mitarbeiter genießen. Etliche profitieren davon, daß sie einfach Zimmer an andere Bulgaren vermietet haben, andere wickeln ihre krummen, halbseidenen Geschäfte ab und, obwohl die Mittel knapp geworden sind, es werden noch kräftig Feste gefeiert.


    Als der Botschafter Varadin Dimitrov drei Tage vor dem Plan in London eintrifft, fängt er sofort an, aufzuräumen und bringt alles durcheinander. Aber er behält die Ruhe. Eine mysteriöse Zahlentherapie nach Dr. Popolen soll ihm dabei helfen. Wenn man Ärger hat, gibt man dem eine Note zwischen eins und hundert und sagt sie laut vor. Beim nächsten Anlaß muß die Zahl niedriger sein und so gelangt man irgendwann zu der total entspannten eins. Daß die Umstehenden einen dabei vielleicht verstört ansehen, darf einen dabei nicht aus der Fassung bringen.


    Jahrelang hat Varadin in Sofia dafür gekämpft, diesen Posten zu bekommen und nicht in irgendein Dritte-Welt-Land abgeschoben zu werden. Und er will dieses Privileg verteidigen, zumal er weiß, die Rückkehr nach Bulgarien wird grausam.


    Doch da ist eine Frau in Sofia, Dovorina Seljanova, deren Beziehung zu Varadin unklar bleibt, auf jeden Fall hat sie ihn in der Hand. Sie will unbedingt nach London kommen, um dort bei einem Benefizauftritt die Königin zu treffen. Sie verlangt von Varadin, das alles ordentlich zu organisieren und treibt ihn damit in die Arme einer Firma namens „Famous Connections“, die sich darauf spezialisiert hat, sexuelle Bedürfnisse jeder Art zu befriedigen und Dates zwischen Kunden und Doppelgängern von berühmten Persönlichkeiten vermittelt. Varadin erteilt in Unkenntnis des Hauptgeschäfts von „Famous Connections“ der Firma den Auftrag, die Queen und eine Auswahl der High Society zu seinem Wohltätigkeitsfest für die bulgarischen Waisenkinder in die Botschaft einzuladen.


    Während diese Vorbereitungen laufen, hat der Koch der Botschaft die Bekanntschaft zweier dunkler Typen gemacht, die ihn gezwungen haben, 40 im Hyde-Park gestohlene Enten in der Tiefkühlung der Botschaftsküche aufzubewahren zwecks späterem Verkaufs an China-Restaurants. Was sie nicht wussten: ein Teil der Tiere war mit Sendern präpariert, um bei einem Diebstahl bzw. Verschwinden die Tiere ausfindig machen zu können. Das bringt die Polizei ins Spiel, und als die Funksignale irgendwann auf die bulgarische Botschaft deuten lassen, auch den britischen Geheimdienst, der wegen der Beitrittsverhandlungen Bulgariens zur EU die ganze Angelegenheit vertuschen will.


    Und da ist Katja. Katja stammt auch aus Bulgarien und wohnt mit Doti in einer kleinen Wohnung. Neben ihrem Studium putz sie in der Botschaft, wo sie Varadin sofort auffällt, Doch während dieser noch erregt darüber nachdenkt, wie er sie möglichst schnell in sein Bett bekommen könnte, haben die Scouts von „Famous Connections“ schon ein geschäftliches Auge auf sie geworfen, denn mit entsprechender Aufmachung sieht Katja Prinzessin Diana täuschend ähnlich und wird zum Renner der Organisation und ist schnell auf Monate ausgebucht.


    Der Tag der großen Waisenkindergala kommt näher, alles ist bereit, auch der von Frau Dovorina Seljanova in ihrer Schauspielergruppe mitgebrachte Aktionskünstler, der mit seiner „Feuerkunst“ vom großen internationalen Durchbruch träumt, ist er erst einmal vor der Queen aufgetreten. Die Veranstaltung endet in einem Desaster, der MI 6 verfolgt die nach Sofia abreisenden Gäste bis zum Flughafenterminal, weil einer von ihnen beim Verspeisen der schon erwähnten Enten einen Sender verschluckt hat.


    Katja hat unterdessen ein Date mit einem Juwelier, von dem sie nackt, aber mit Schmuck im Wert von 500 000 Pfund behängt, flieht und bei dem Tupamaros in Peru ein neues Leben beginnt.


    Alles in allem ein unterhaltsamer Roman, der, wie ein bulgarischer Rezensent zutreffend formulierte, so lustig ist, dass man Ende weinen möchte.

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