Adam Wiśniewski-Snerg - Roboter / Robot

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  • Inhalt (laut Buchumschlag): Er wird buchstäblich in die Welt gestoßen. Ein rätselhafter Mechanismus scheint ihn verfertigt zu haben. Er weiß nicht, wer er ist, und erhält den Auftrag, in Kaula-Sud den Posten eines Physikers zu übernehmen. Und man hält ihn für Net Porejra, den Physiker, dessen Körper er offenbar besitzt. Er befindet sich im unterirdischen Bunkersystem der Stadt, in das sich ein Teil der Bewohner von Kaula-Sud beim Anflug einer riesigen leuchtenden Kugel hatte retten können. War es ein außerirdisches Raumschiff? Eines Tages findet er den Zugang zur Stadt und macht die überraschende Feststellung, dass im Gegensatz zum Bunkersystem dort Bedingungen bestehen, wie sie nur in Systemen herrschen können, die sich nahezu mit Lichtgeschwindigkeit bewegen: die Zeit steht fast still, die Massen haben sich vervielfacht. Es ist völlig unverständlich, wie ein normales und ein relativistisches System nebeneinander existieren können und der Übergang vom einen ins andere möglich sein soll. Bis ihn die furchtbare Ahnung überkommt, dass man Naturgesetze als Gitterstäbe an einem Käfig verwenden könnte …

    Ein faszinierender Science-Fiction-Roman von Adam Wiśniewski-Snerg, der als bester polnischer Science-Fiction-Autor neben Stanisław Lem gilt.


    Nach einem etwas schwergängigen Einstieg – offensichtlich ist man dabei, wie ein Mechanismus diverse menschenähnliche Roboter fabriziert und „ins Leben entlässt“ - beginnt ein unglaublich anregendes Verwirrspiel, dass sich auf eine – mir wegen fehlendes Physikwissens nicht immer nachvollziehbare Weise – mit physikalischen Phänomenen rund um Einsteins allgemeine Relativitätstheorie, Raumzeit und Feldtheorien befasst. Tatsächlich ist es nach menschlichem Wissen unmöglich, dass zwei Systeme in unmittelbarer Nachbarschaft (hier: Bunker und Stadt) existieren, in denen ganz unterschiedliche Massenverhältnisse herrschen: Sobald sich die Hauptfigur nicht mehr im Bunker, sondern in der Stadt aufhält, ist er umgeben von Menschen, die sich mit - für seine Verhältnisse - unglaublicher Langsamkeit bewegen. Gleichzeitig entspricht jede Bewegung, jeder Stoß, den er in dieser Atmosphäre ausübt, dem vielfachen an Kraftaufwand, dessen er – in seinen Verhältnissen – fähig wäre; er ist also in der Lage, mit leichter Hand einiges kaputt zu machen! :wink:


    Gleichzeitig geht es um die Bewusstwerdung und die Identität der Hauptfigur, die auf verschiedenen Ebenen ein doppeltes Spiel spielt: Handelt es sich um einen Roboter? Oder ist es ein Mensch, der nur dahingehend manipuliert wurde, dass er wie eine Marionette selbstlos einen Auftrag für eine „höhere Macht“ ausübt? Was ist denn sein Auftrag? Schwelt im Untergrund eine Revolte – und ist er ihr Agent? Handel es sich bei den anderen Bewohnern des Bunkers und beim machthabenden Militär durchweg um Roboter – so wie er einer ist, oder eben nicht ost?


    Das Ende liefert eine deprimierende Auflösung, die ich hier keinesfalls wiedergeben mag. Nur so viel: Sie hat mit der menschlichen Psyche, der Evolution des Menschen, mit maßlosem Forschergeist und – ja auch – mit außerirdischer Intelligenz zu tun. Welche Beziehung besteht zwischen Wissenschaftlern und ihren Untersuchungsobjekten innerhalb eines Experimentes?


    Ein Roman, bei dem ich aus dem Staunen nicht herauskam - angefüllt mit so wohl noch nicht beschriebenen Szenen und ungewöhnlichen Handlungsverläufen. Ein Autor, der mich – auch wenn mir der Dreh hinter vielen Abschnitten oft fast unverständlich blieb – sicher durch seine Erzählung geleitet hat und an seinen anregenden Gedankengängen teilhaben ließ. Man muss sich nur vertrauensvoll in seine Hände begeben.



    Der Autor (nach Wikipedia): Adam Wiśniewski-Snerg (geboren 1937, gestorben 1995) hat sich nach dem Grundschulbesuch autodidaktisch weitergebildet. Sein 1973 publizierter Erstlingsroman Robot wurde von polnischen Science-Fiction-Lesern zum bedeutendsten polnischen Science-Fiction-Roman seit 1945 gewählt. Weitere auch ins Deutsche übertragene Bücher sind Das Evangelium nach Lump, Nacktes Ziel und Die Arche. 1990 ließ er auf eigene Kosten ein physiktheoretisches Buch drucken, in dem er Einsteins Theorien ablehnt. 1995 beging er Selbstmord. Übrigens gab es nach dem Erfolg der Matrix-Filme in Polen eine Plagiats-Diskussion darüber, ob sich die Wachowski-Geschwister nicht unentgeltlich bei wichtigen Motiven aus einigen Romanen von Adam Wiśniewski-Snerg bedient hätten ...

    Helena Adler "Die Infantin trägt den Scheitel links" (41/184)


    Jahresbeste: Tove Jansson (2020), Herbert Lieberman (2019), Emil Ferris (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:

    Gelesen: 73 (2020), 80 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Camilla Grudova "Das Alphabet der Puppen" (8.10.)

  • Eine polnische Ausgabe des Romans (1973) vom Januar 2005.

    1. (Ø)

      Verlag: Slowo/Obraz Terytoria


    Helena Adler "Die Infantin trägt den Scheitel links" (41/184)


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