Daniel Wolf - Das Licht der Welt

  • Buchdetails

    Titel: Das Licht der Welt


    Band 2 der

    Verlag: Goldmann

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 1.152

    ISBN: 9783442480500

    Termin: Dezember 2014

  • Bewertung

    4.6 von 5 Sternen bei 35 Bewertungen

    91,7% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Das Licht der Welt"

    In seiner Heimat tobt ein brutaler Krieg. Er kämpft für Frieden und Wohlstand. Doch er hat einen mächtigen Feind, der alles daransetzt, ihn zu vernichten. Varennes-Saint-Jacques im Jahre des Herrn 1218: Eine Stadt, drei Menschen, drei Schicksale. Der Buchmaler Rémy Fleury träumt von einer Schule, in der jedermann lesen und schreiben lernen kann. Sein Vater Michel, Bürgermeister von Varennes, will seine Heimat zu Frieden und Wohlstand führen, während in Lothringen Krieg herrscht. Die junge Patrizierin Philippine ist in ihrer Vergangenheit gefangen und trifft eine folgenschwere Entscheidung. Sie alle eint der Wunsch nach einer besseren Zukunft, doch ihre Feinde lassen nichts unversucht, sie aufzuhalten. Besonders der ehrgeizige Ratsherr Anseau Lefèvre hat geschworen, die Familie Fleury zu vernichten. Niemand ahnt, dass Lefèvre selbst ein grausiges Geheimnis hegt ... Die Fortsetzung des grandiosen Mittelalter-Epos „Das Salz der Erde“; lesen Sie auch die E-Only-Zusatzgeschichte „Der Vasall des Königs“!
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  • Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)
    In seiner Heimat tobt ein brutaler Krieg. Er kämpft für Frieden und Wohlstand. Doch er hat einen mächtigen Feind, der alles daransetzt, ihn zu vernichten.


    Varennes-Saint-Jacques im Jahre des Herrn 1218: Eine Stadt, drei Menschen, drei Schicksale. Der Buchmaler Rémy Fleury träumt von einer Schule, in der jedermann lesen und schreiben lernen kann. Sein Vater Michel, Bürgermeister von Varennes, will seine Heimat zu Frieden und Wohlstand führen, während in Lothringen Krieg herrscht. Die junge Patrizierin Philippine ist in ihrer Vergangenheit gefangen und trifft eine folgenschwere Entscheidung. Sie alle eint der Wunsch nach einer besseren Zukunft, doch ihre Feinde lassen nichts unversucht, sie aufzuhalten. Besonders der ehrgeizige Ratsherr Anseau Lefèvre hat geschworen, die Familie Fleury zu vernichten. Niemand ahnt, dass Lefèvre selbst ein grausiges Geheimnis hegt …


    Über den Autor (Quelle: amazon.de)
    Daniel Wolf, geboren 1977, arbeitete u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und im Öffentlichen Dienst, bevor er freier Schriftsteller wurde. Schon als Kind begeisterte er sich für alte Ruinen, Sagen und Ritterrüstungen; seine Leidenschaft für Geschichte und das Mittelalter führte ihn schließlich zum historischen Roman. Er lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einer der ältesten Städte Deutschlands.


    Meine Meinung
    Herzogtum Oberlothringen 1214 – 1248. Der Handlungsfaden des im Jahr 1206 endenden „Das Salz der Erde“ wird mit „Das Licht der Welt“ 8 Jahre später, während des Krieges zwischen Friedrich II. und dem lothringischen Herzog Thiebaut I., wieder aufgenommen. Die Protagonisten sind älter geworden und sind ihren Weg gegangen, aus Kindern wurden Erwachsene. So wurde aus dem jungen Rémy ein selbständiger Buchmaler, der die erste dem Rat unterstellte Schule gründen will. Sein Schicksal wird von einer komplizierten Liebe zu Philippine geprägt und auch das der Stadt wird davon beeinträchtigt. Michel, sein Vater, ist von Ehrgeiz getrieben. Als Bürgermeister von Varenne-Saint-Jaques möchte er seine Stadt aufblühen lassen. Von Friedrich II. wird der Stadt das Recht, eine Messe abhalten zu dürfen, gewährt – sehr zum Missfallen der Stadtoberen und Kaufleute des großen Metz. Diesen ist jedes Mittel recht, um die kleinere Nachbarstadt in ihre Schranken zu weisen. So wird man als Leser Zeuge von Intrigen, Verrat und kriegerischen Auseinandersetzungen, Liebe und Hoffnungen, familiären Freuden und Zwistigkeiten. Dabei gelingt es dem Autor das Leben der Menschen vor etwa 800 Jahren sehr bildhaft und glaubwürdig darzustellen. Es wird deutlich, welchen Einfluss politische und kirchliche Entscheidungen auf den Alltag der Bürger und die Handelsgeschäfte der Kaufleute hatten.


    Die Helden des Romans sind gut entwickelt. Hatte ich zu Beginn meiner Lektüre noch ein paar Bedenken, dass diese ein wenig zu sehr in Gutmenschen und Bösewichte kategorisiert werden könnten, relativierte sich dies jedoch recht schnell. Lediglich bei dem schwärzesten aller Charaktere, dem zu Beginn des Romans als Ratsherren tätigen Lefèvre, konnte ich beim besten Willen keine einzige positive Seite finden.


    „Das Salz der Erde“ und „Das Licht der Welt“ bilden mit jeweils 1152 Seiten ein monumentales Mittelalterepos, das ein ausgezeichnetes Zeit- und Sittenbild wiedergibt. Historische Fakten und fiktive Begebenheiten verschmelzen ebenso zu einem harmonischen Ganzen wie real existierende Personen mit Romanhelden Seite an Seite ihre Daseinsberechtigung haben.


    Trotz des Umfangs des Romans habe ich kaum Längen empfunden. Ich habe neben den historischen Fakten :-k viel Interessantes über die Kunst der Buchmalerei und das mittelalterliche Kaufmannswesen erfahren. Diesen sehr komplexen, meinem Empfinden nach sehr gut recherchierten Roman habe ich sehr gern gelesen und empfehle ihn sehr gern allen Liebhabern dieses Genres weiter.
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Danke für die interessante Rezi. :thumleft: Ich habe dieses Buch zu Weihnachten bekommen und freue mich schon darauf. Es scheint dem ersten Band wohl nicht nachzustehen.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Vielen Dank für deine Rezension. Nach dem "Das Salz der Erde" schon länger auf meinem SuB verweilt und nun vom Paps die Fortsetzung "Das Licht der Welt" bekommen habe. Kommen die beiden Bücher auch im nächsten Jahr dran. Ich freue mich schon drauf.

    Liebe Grüße von der buechereule :winken:

    Im Lesesessel

    Kein Schiff trägt uns besser in ferne Länder als ein Buch!
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  • Ich kann mich @Karthause nur anschließen. Mit Das Licht der Welt hat Wolf wieder einen Volltreffer gelandet. :thumleft: Das Salz der Erde hat mir zwar einen Tick besser gefallen, was ich jedoch nur darauf zurückführe, dass ich es insgesamt harmonischer fand. Im zweiten Band gab es einige Dinge, bei denen ich mir etwas anderes/noch mehr gewünscht hätte.

    • es wäre schön gewesen, wenn der Handlungsstrang um Rémys Schule (und der Unterricht an sich) noch ausführlicher zur Sprache gekommen wäre(n), denn das damalige Schulwesen interessiert mich sehr, weil die Schule zu dem Zeitpunkt ein sehr fortschrittliches Unternehmen ist;
    • Philippine taucht meiner Meinung nach viel zu spät auf; ab und zu habe ich mir den Klappentext durchgelesen, um mich zu vergewissern, dass ich mir ihre Ankündigung nicht eingebildet habe; da geht ein wenig Potenzial verloren
    • die Ereignisse am Ende waren meiner Meinung nach zu schnell abgehandelt worden, obwohl es insgesamt immer noch realistisch bleibt

    Nichtsdestotrotz ziehe ich nur einen halben Stern ab, denn der Rest hat mich wiederum begeistert. Besonders gut gefallen hat mir die Ausarbeitung einer Fehde zwischen zwei Städten und einer Fehde zwischen dem König und einem Herzog. Die Auswirkungen, Abläufe und Lösungen waren gut nachvollziehbar. Auch, was es heißt, eine eigene Handelsmesse zu haben, war mir noch nie bewusst. Durch den Roman werden die Einzigartigkeit und der Aufwand einer solchen Veranstaltung deutlich vermittelt.


    Der Aspekt der Bildung spielt in der Geschichte, wie gesagt, ebenfalls eine wichtige Rolle. Man erfährt, wie viel Bildung wirklich wert ist, nicht nur für den einzelnen, sondern auch für eine Stadt oder ein Land. Wo Bildung ist, da gedeihen auch Kultur und Handel, die Menschen leben in besseren Verhältnissen. Dass es damals so viele Gegner oder zumindest so wenig Unterstützung für ein Vorhaben wie die städtische Schule gab, ist zwar mit der Vernunft kaum vereinbar, aber in gewisser Weise auch nachvollziehbar. Wolf hat das Talent, verschiedene Seiten und Ansichten zur Sprache kommen zu lassen, sodass man sich nicht nur unterhalten, sondern auch umfassend informiert fühlt.


    Das gilt auch für die Strafprozesse. Kaum zu glauben, dass man früher auf Gottesurteile vertraut hat, aber man bekommt im Roman nicht nur den Übergang zu moderneren Methoden mit, sondern auch ein Beispiel dafür, was passiert, wenn das Gericht machtlos ist und die Menschen Gerechtigkeit wollen. Im Zusammenhang mit Strafbarkeit spielen auch Wucher und seine Bekämpfung im Roman eine wichtige Rolle.


    Die Multiperspektivität, die Wolf sich zunutze macht, rundet das Ganze ab, weil man verschiedene Sichten und auch Pläne der Personen mitbekommt, sodass man Geschehnisse vorausahnen kann und umso schneller liest. Es stellt sich mithin als Herausforderung heraus, der Reihe nach zu lesen, Wort für Wort, und nicht einfach eine halbe Seite zu überspringen, um zu erfahren, wie sich der Konflikt nun auflöst. Wolf schafft es, Geschichte lebendig werden zu lassen. Sein Nachwort ist überaus hilfreich, um die geschichtlichen Themen und Ereignisse Revue passieren zu lassen und zu erkennen, wie viel an dem Roman tatsächlich wahr ist.


    Insgesamt war Das Licht der Welt ein Genuss und viel zu schnell ausgelesen, was der Spannung und dem immensen Wissensschatz zu verdanken ist. Was will man mehr? (Natürlich weitere Bücher aus Wolfs Feder!)

    :jocolor: Verschwundene Reiche: Die Geschichte des vergessenen Europa // Norman Davies (Projekt)



    You cannot open a book without learning something. - Konfuzius

  • Ich habe bereits im Thread " Salz der Erde " auch diese zweiten Band Licht der Welt" erwähnt.
    Beide Bücher habe ich als Hörbücher genossen.
    Sie sind wunderbar.
    Ich gebe Irongretta recht: Auch ich hätte gern mehr über die Schule und deren Entwicklung erfahren.
    Auch der keine Einwand ebenfalls Mädchen zu unterrichten,wurde leider nicht weiter verfolgt/erwähnt.


    Ich habe ja beide Bücher als Hörbücher gehört.
    Johannes Steck haucht jeder Person Leben ein,ohne zu nerven ( lobenswert).
    Beide Hörbcher dauern ca. 34 Stunden
    Ich werde sie gern nochmals hören,denn es lohnt sich.


    Hoffentlich gibt es einen dritten Band !!

  • Wiedermal führte Daniel Wolf die Leser ohne irgendwelche Längen durch die Geschichte. Man taucht in das Mittelalter ab. Geschick verknüpft der Autor historische und fiktive Charakter. Dies Buch ist eine gelungene Fortsetzung von „Das Salz der Erde“. Allerdings hätte ich es gut gefunden, wenn der Autor die Geschichte etwas gestrafft hätte. In der Mitte des Romans passiert einfach zu wenig, da fehlt der letzte Kick. Die Geschichte drohte abzurutschen in die Langeweile. Der Autor schaffte es die Geschichte noch einmal herum zu reißen, mit den „Robin Hood-Szenario“.

  • Leider kann ich mich den überaus positiven Rezensionen nicht anschließen.


    "Das Licht der Welt" war eines der wenigern Bücher, durch die ich mich regelrecht quälen musste, um es zu Ende zu lesen. Die Geschichte ist überaus langatmig erzählt, die Ereignisse reihen sich einfach aneinander, ohne dass auf irgendeiner Seite wirklich Spannung beim Lesen aufgekommen wäre, und die Charaktere sind flach und leblos geschildert. Ich hatte zu keinem Moment das Gefühl, mit irgendeiner der agierenden Personen vertraut zu werden und Anteil an ihr und ihrem Geschick zu nehmen.


    Was mich aber am allermeisten gestört hat, ist der Umstand, dass es dem Autor nicht einmal ansatzweise gelungen ist, authentische mittelalterliche Atmosphäre zu erfassen und zu schildern. Er hat einfach Menschen mit der Denkweise des 20./21. Jahrhunderts in eine mittelalterliche Kulisse gestellt, als sei das Buch ein Theaterstück mit mittelalterlichem Ambiente. Kein Mann im 12.Jahrhundert hätte der "Dame seines Herzens" Blumen mitgebracht - welche Blumen auch? Feldblumen, die ein Handwerksmeister irgendwo auf der Wiese abgerupft hat? Solche Gesten waren damals vollkommen unüblich. Kein Bürgerlicher hätte - wie Rèmy - ein Buch offen im Haus herumliegen lassen, und noch weniger hätte ein Bürgerlicher wie Rémys Vater einfach so im Vorbeigehen mal schnell bei einem "Buchhändler" ein Buch gekauft. Wir reden vom 12. Jahrhundert, nicht vom 21. Jahrhundert. Bücher waren damals äußerst selten und äußerst kostbar, sie wurden in mühsamster Handarbeit und mit hohem Zeitaufwand kopiert bzw. geschrieben, und auch das Material für Bücher war sehr teuer. Sie wurden sorgfältig verwahrt und verschlossen, in Klöstern und Kirchen sogar teilweise angekettet, damit niemand sie entwenden oder ihnen Schaden zufügen konnte. Ein Buch war kein Gebrauchsgegenstand wie heute. Schon gar nicht wurden Bücher für "ein paar Sous" irgendwo "verscherbelt", wie jener Ritter, bei dem Rémy zu Besuch war und dessen Sammlung von 40, 50 Büchern bestaunte, befürchtete, als er davon sprach, was nach seinem Tod mit diesen Büchern geschehen könnte. (Momox und Co. und die heutigen Flohmärkte lassen grüßen - nein, die gab es im 12. Jahrhundert auch noch nicht).


    Ich bezweifele nicht, dass der Autor versucht hat, ausgiebig zu recherchieren, aber die Schlüsse, die er aus seinen Recherchen gezogen hat und in seinen Roman hat einfließen lassen, entbehren jeglicher Glaubwürdigkeit und haben mit dem Mittelalter im 12. Jahrhundert kaum etwas zu tun.


    Im Vergleich zu anderen Autoren historischer Romane wie Rebecca Gablé, Paul Harding, Christopher J. Sansom, um nur einige zu nennen, bleibt Daniel Wolf um Längen zurück. Schade, denn schreiben kann er, das Buch liest sich durchaus flüssig und ist sprachlich gelungen. Das hilft aber leider alles nichts, wenn man beim Lesen durchgehend den Eindruck hat, bei einem mittelalterlichen Reenactment zugegen zu sein, auf dem nach Kräften versucht wird, so zu tun, als sei man mitten im 12.Jahrhundert, mittels einer farbenrprächtigen Kulisse, die eben das bietet, was man vom Mittelalter zu kennen glaubt: Burgen, Ritter, Pferde, Schlachten, Unfreie, ein paar Kleriker und Bischöfe, und schwupps, schon ist alles wieder wie damals.


    Nein, so funktioniert das nicht, es sei denn, man betrachtet es als amüsante Spielerei. Aber ein glaubwürdiger, historisch fundierter Roman entsteht auf diese Weise nicht.

  • Bücher waren damals äußerst selten und äußerst kostbar, sie wurden in mühsamster Handarbeit und mit hohem Zeitaufwand kopiert bzw. geschrieben, und auch das Material für Bücher war sehr teuer. Sie wurden sorgfältig verwahrt und verschlossen, in Klöstern und Kirchen sogar teilweise angekettet, damit niemand sie entwenden oder ihnen Schaden zufügen konnte. Ein Buch war kein Gebrauchsgegenstand wie heute.


    Ich bin noch nicht dazu gekommen, das Buch zu lesen, jetzt bin ich aber noch neugieriger: Das oben Zitierte wäre in der Tat ein krasser Fehler und es ist merkrürdig, wenn das kaum einem Rezensenten auffällt.
    "Das Salz der Erde" hat mir sehr gut gefallen.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ich bin auch recht überrascht, dass Daniel Wolf in "Das Licht der Welt" solche gravierenden Patzer eingebaut hat. :-#


    Das Buch liegt noch auf meinem SuB, aber "Das Salz der Erde" fand ich echt toll und dort könnte ich mich nicht an solche Fauxpas erinnern.


    Na ja, ich werde es trotzdem in der nächsten Zeit mal in Angriff nehmen und mir ein eigenes Bild basteln.
    :study:

  • Ich habe das Buch leider im Moment nicht vorliegen, sonst würde ich gerne die entsprechenden Seiten suchen und angeben. Kann ich aber zuhause nachholen, wenn es gewünscht wird, und die entsprechenden Stellen auch wörtlich zitieren.


    Natürlich will ich mit meiner Rezension niemandem das Buch vermiesen. Jeder soll sich seine eigene Meinung bilden, und wenn jemandem der Roman gefällt, ist das auch in Ordnung. Mir gefallen auch manchmal Bücher, die andere total verrissen haben. Dass ich "Das Licht der Welt" langweilig und oberflächlich finde, ist meine persönliche Lese-Meinung und hat insofern wenig zu besagen.


    Aber solchen fachlichen Unfug mag ich einem Autor nicht unwidersprochen durchgehen lassen. Ich bin Historikerin, mit Schwerpunkt Mittelalter, und auch wenn ein Autor noch so gut schreibt und eine Story hat, die durchaus Leser auch zu fesseln vermag, wie man an den positiven Rezensionen sieht, so erwarte ich doch zumindest ein bißchen Ahnung und Einfühlungsvermögen in mittelalterliches Denken und mittelalterliche Geschichte, so weit wir von Quellen etc. davon wissen, wenn jemand unbedingt einen Roman schreiben will, der im 12. Jahrhundert handelt.

  • Ich bin Historikerin, mit Schwerpunkt Mittelalter,


    Schön, so jemand hat hier noch gefehlt. Ich bin historisch interessierter Laie und bekennender Korinthenkacker, der immer darauf aufmerksam macht, dass das Mittelalter nach 1500 vorbei war, wenn wieder jemand in einer Rezi über ein Buch zum Dreißigjährigen Krieg oder zur Französischen Revolution vom "Mittelalter" schreibt. :-,
    Vielleicht kannst Du als Fachfrau mal ein "Machtwort" sprechen, bis wann man nach dem aktuellen Forschungsstand vom Mittelalter sprechen darf. :wink:

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  • Ich bin Historikerin, mit Schwerpunkt Mittelalter


    Oh, super ! :thumleft:


    so erwarte ich doch zumindest ein bißchen Ahnung und Einfühlungsvermögen in mittelalterliches Denken und mittelalterliche Geschichte, so weit wir von Quellen etc. davon wissen, wenn jemand unbedingt einen Roman schreiben will, der im 12. Jahrhundert handelt.


    Natürlich erwartest Du das da Du über das entsprechende Fachwissen verfügst. Aber ich denke die Masse der Leser erwartet eigentlich nur gut unterhalten zu werden und legt nicht wirklich das Hauptaugenmerk auf historisch korrekte Fakten geschweige denn auf "mittelalterliches Denken und Fühlen". Nicht umsonst haben doch die Bücher welche alle mit "in" enden so grossen Erfolg gehabt und haben sich wie warme Semmeln verkauft. Das kann man bedauern aber ist einfach so.


    Ich habe diesen zweiten Band auch noch nicht gelesen, mir hat "Das Salz der Erde" damals richtig gut gefallen. Du hast mich jetzt echt neugierig gemacht.

    "Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl wenn er die Umstände so viel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt."

    (Johann Wolfgang von Goethe in "Wilhelm Meisters Lehrjahre")


  • Vielleicht kannst Du als Fachfrau mal ein "Machtwort" sprechen, bis wann man nach dem aktuellen Forschungsstand vom Mittelalter sprechen darf. :wink:


    Oh je, jetzt willst du mich aber auf die Probe stellen, hm? :) Es gibt verschiedene Standpunkte und Antworten zu dieser Frage, auch von Historikern, und ein Machtwort kann ich diesbezüglich hier ganz sicher nicht sprechen. Aber im Großen und Ganzen ist es üblich, das Frühmittelalter von ca. 500 bis ca. 900/1000 anzusetzen, das Hochmittelalter von ca. 900/1000 - 1200/1250 und das Spätmittelalter dann bis 1500, wobei es unterschiedliche Datierungsmodelle gibt und man ganz sicher streiten kann, mit welchem Ereignis/Umschwung man jede Epoche anfangen und enden lassen will. Der Dreißigjährige Krieg gehört jedoch ganz unstrittig nicht mehr zum Mittelalter, während man die Renaissance als Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit verstehen kann, die insofern noch mit einem Fuß im Spätmittelalter steht und mit dem anderen Fuß schon in der Neuzeit steht.



    Aber ich denke die Masse der Leser erwartet eigentlich nur gut unterhalten zu werden und legt nicht wirklich das Hauptaugenmerk auf historisch korrekte Fakten geschweige denn auf "mittelalterliches Denken und Fühlen". Nicht umsonst haben doch die Bücher welche alle mit "in" enden so grossen Erfolg gehabt und haben sich wie warme Semmeln verkauft. Das kann man bedauern aber ist einfach so.


    Du hast sicher recht damit. Die von dir angesprochenen Bücher sprechen viele Leser an, und das ist auch völlig o.k. so. Ich lese historische Romane auch vorrangig als Vergnügen und gute Unterhaltung und nicht zur Wissensvermittlung. Aber mir macht es halt mehr Spaß und ich lese historische Romane/Krimis viel lieber, wenn ich sehe, dass der Autor nicht nur sein Handwerk in punkto Schreiben versteht, sondern auch historisch "eintaucht" in die Zeit und mehr als nur eine Ahnung von den Fakten und den Lebensumständen in dieser Zeit hat. So Sachen wie bei Daniel Wolf, dass ein Bürgerlicher im 12. Jahrhundert schnell mal im Vorbeigehen bei einem Buchhändler ein Buch kauft, einfach so, als wäre er rasch mal bei Thalia oder beim Hugendubel gewesen, nerven mich einfach.

  • Aber im Großen und Ganzen ist es üblich, das Frühmittelalter von ca. 500 bis ca. 900/1000 anzusetzen, das Hochmittelalter von ca. 900/1000 - 1200/1250 und das Spätmittelalter dann bis 1500,


    Das deckt sich mit den Angaben, die mir aus verschiedenen Quellen bekannt sind.


    mit welchem Ereignis/Umschwung man jede Epoche anfangen und enden lassen will.


    Luther (Thesenanschlag, Übersetzung der Bibel) gehört für mich ganz klar nicht mehr zum Mittelalter. Seine "kirchenkritischen Tätigkeiten" widersprechen für mich deutlich der mittelalterlichen Vormachtstellung der Kirche, die von kaum jemandem (es gab Ausnahmen wie z.B. John Wyclif und Jan Hus) hinterfragt wurde.


    Aber mir macht es halt mehr Spaß und ich lese historische Romane/Krimis viel lieber, wenn ich sehe, dass der Autor nicht nur sein Handwerk in punkto Schreiben versteht, sondern auch historisch "eintaucht" in die Zeit und mehr als nur eine Ahnung von den Fakten und den Lebensumständen in dieser Zeit hat.


    Ja, so geht es mir auch, obwohl ich kein studierter Historiker bin. Mir fällt sicher nicht jeder Fehler auf, aber grobe Schnitzer stören mich doch sehr, so z.B. in einem historischen Kriminalroman die Schilderung einer OP unter Anästhesie Anfang des 19.Jahrhunderts (vor 1846). :roll:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
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  • Hei feine Diskussion.Das mag ich.
    Also mit größtem Vergnügen habe ich beide Bücher genossen ( per Hörbuch ).


    Und ich kenne auch das Augenrollen meines Sohnes wenn mal wieder etliche Schnitzer passieren
    die empörten Zwischenrufe wenn geschichtliche Fakten verwechselt oder verfälscht werden
    Experten ( er ist Dipl Archäologe ) ärgert es und ich finde auch :
    Sorgfalt und Akrebie sind notwendig, wenn ein so Buch geschrieben wird.
    Ich kann das gut verstehen,daß das als sehr störend empfunden wird.
    Ich lese aufgrunddessen viel aufmerksamer und horche auf, wenn irgendwelche Dinge nicht stimmig scheinen.
    Das mit dem Buch ( bestellen ) war mir nicht sooo merkwürdig vorgekommen
    (nur, daß die Söhne die Bücher des verstorbenen Vaters nicht mehr beachtet haben und zwar als wertvolles Erbe, das zu Geld gemacht werden könnten,
    aber tumbe Menschen gab es wohl auch zu jenen Zeiten*zwinkert*-)
    dennoch war es mir der Buchkauf nicht als gravierende Störung aufgefallen, da ja eine gewisse Lieferzeit und Fertigungszeit vereinbart wurde.
    Die war dann wohl zu kurz angesetzt.
    Ich liebe beide Bücher sehr und fühlte mich allerbestens unterhalten.
    Ich mag es aber auch, wenn auf Fehler aufmerksam gemacht werden. Danke


    Schön , daß dies hier diskutiert wird,dann lese bzw höre ich wiedereinmal aufmerksamer meine geliebten historischen Romane.

  • @ZILLY hat alles ausgesprochen, was ich mir auch überlegt habe. Zum einen kam mir der Buchkauf keineswegs seltsam vor. Was die Bibliothek angeht: Gut, da hatte ich Bedenken, aber Wolf unterscheidet zwischen aufwendigen und demnach teuren Büchern sowie einfach gebundenen Exemplaren ohne Verzierung. Da bin ich davon ausgegangen, dass die um einiges preiswerter gewesen sein müssen im Vergleich zu den Stücken, mit denen man damals gerne geprahlt hat. Zwar kann ich mir das mit "ein paar Sous" nicht vorstellen, aber was für ein Interesse sollten die damaligen Nichtleser an Büchern haben, die man nicht teuer verkaufen kann? Ihnen war der Wert - auf den Inhalt bezogen - einfach nicht bewusst.
    Damit hätte Wolf etwas herausgestellt, was man als Kritik an den damaligen Wohlhabenden auffassen könnte: Solange man mit etwas (in diesem Fall einem prachtvollen Buch) seinen Reichtum zur Schau stellen konnte, war es etwas wert. Im Roman wurde auch betont, dass viele Besitzer solcher Bücher diese noch nicht einmal gelesen haben.


    Des Weiteren kam es mir auch nicht vor, als wäre der Alltag mit Büchern überflutet gewesen, wie es heutzutage der Fall ist. Das Gefühl, dass Bücher selten waren, wurde also schon vermittelt.


    Ich finde es toll, dass wir hier eine Historikerin haben, die auf Aspekte aufmerksam macht, über die man vielleicht nicht so viel nachgedacht hat. :thumleft:

    :jocolor: Verschwundene Reiche: Die Geschichte des vergessenen Europa // Norman Davies (Projekt)



    You cannot open a book without learning something. - Konfuzius

  • Was die Bibliothek angeht: Gut, da hatte ich Bedenken, aber Wolf unterscheidet zwischen aufwendigen und demnach teuren Büchern sowie einfach gebundenen Exemplaren ohne Verzierung.


    Ich habe den Roman ja noch nicht gelesen, deshalb meine Frage: Um was für Bücher handelt es sich denn? Vor Gutenberg und seiner Druckerpresse wurden die Bücher in aufwendiger Handarbeit in Klöstern hergestellt, da dürfte es sich hauptsächlich um geistliche Bücher gehandelt haben, die nur für Geistliche (oder auch für reiche Patrizier für ihre Hausgebete? :-k ) von Interesse waren. Die meisten Menschen hätten sich keine Bücher leisten können und konnten nicht mal lesen, selbst beim Adel konnten eher die Mädchen/Frauen als die Jungen/Männner lesen, da bei der Erziehung eines Jungen "männliche Tugenden" wie Fechten, bzw. Schwertkämpfen, Reiten etc. im Vordergrund standen.
    Im Gutenberg-Museum in Mainz habe ich mir handgeschriebene und kunstvoll illuminierte Bücher aus dem 13./14. Jahrhundert angesehen. An solchen Büchern hat ein Mönch im Skriptorium ein Jahr (pro Buch) gearbeitet, das muss fast unbezahlbar gewesen sein. Da konnte sicher niemand mal eben auf den Markt gehen und ein paar Bücher kaufen, wie es im Roman beschrieben sein soll.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Ich habe hier übrigens mal aus der LR mit Thomas Ziebula zu "Die Hure und der Spielmann" welche ich damals mitverfolgt habe (leider nicht als Leser) ein Zitat gefunden:


    Vielleicht noch ein Wort zu den Zeitepochen: Für den Historiker endet das Mittelalter und beginnt die frühe Neuzeit mit Luthers Thesenanschlag 1517 (für manche auch mit der Entdeckung Amerikas 1492 bzw. dem Fall Konstantinopels 1453, kann ich mich aber nicht mit anfreunden); für den Kunsthistoriker beginnt um diese Zeit die Renaissance und um 1600 der oder das Frühbarock.

    "Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl wenn er die Umstände so viel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt."

    (Johann Wolfgang von Goethe in "Wilhelm Meisters Lehrjahre")

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